Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32203

Diskriminierung in der Community

Berliner Gay Hostel soll sich entschuldigen

Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) fordert die Aufhebung der Altersgrenze von 38 Jahren für Übernachtungsgäste. Im August war ein 42-Jähriger als zu alt abgewiesen worden.


Das Gay Hostel in der Berliner Kalckreuthstraße: Der Banner oben links informiert auf der Homepage über die Altersbegrenzung

Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) hat das Gay Hostel im Berliner Regenbogenkiez am Mittwoch in einer Pressemitteilung dazu aufgefordert, seine umstrittene Altersgrenze von 38 Jahren aufzuheben. Zudem sollen sich die Inhaber bei abgewiesenen Gästen entschuldigen.

In der letzten Woche hatte queer.de exklusiv berichtet, dass das Gay Hostel im August die Übernachtung des 42-jährigen Partners des renommierten Professors und Sexualforschers Heinz-Jürgen Voß aufgrund seines Alters abgelehnt hatte. Das Paar hatte sich wegen des Vorfalls an die Antidiskriminierungsstellen in Land und Bund gewandt.

- Werbung -

"Auch wir sehen hier einen Verstoß gegen das AGG"

Die schwulen Senioren zeigten sich entsetzt über die Abweisung: "Auch wir sehen hier einen Verstoß gegen das AGG", erklärte der BISS-Vorsitzende Georg Roth. "Wir sind dankbar, dass beide den Mut haben, diesen Fall öffentlich zu machen und eine Beschwerde zu führen."

Innerhalb des Verbands älterer schwuler Männer finde man "drastische Worte" für den Vorfall, so die Pressemitteilung. "Ausgerechnet jene älteren Generationen auszuschließen, die die Zeiten der Strafverfolgung und das gesellschaftliche Stigma der Aidskrise miterlebten, macht uns fassungslos", sagte Roth. "Wir sollten niemals die vergessen, die vor uns für unsere Freiheit gekämpft haben."

Derzeit Ausstellung eines 57-jährigen Fotografen

Derzeit ist im Gay Hostel die Foto-Ausstellung "Naked Berlin" des Aktivisten Henning von Berg zu sehen. Es werden sechs jüngere Schwule gezeigt, die nackt in Berlin posieren. "Der Fotograf selbst dürfte mit 57 Jahren nicht im Hostel übernachten", so Georg Roth. "Stattdessen wird mit der Ausstellung und dem Ausschluss von Älteren im Hostel ein Bild gezeichnet, dass selbstbewusste Sexualität auf Jugendlichkeit reduziert und im Alter stigmatisiert ist."


Der BISS-Vorsitzende Georg Roth 2017 am Kölner Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer. Bild: nb

In der Pressemitteilung positioniert sich BISS klar "gegen ein antisexuelles Bild des Alters". Auch weist der Verband das Argument zurück, das Hostel wolle Jüngere vor sexuellen Belästigungen durch Ältere schützen. "Mit dem Pauschalausschluss von Älteren befördert das Gay Hostel das Vorurteil, dass ältere Schwule grenzüberschreitend gegenüber jüngeren Schwulen sind", kritisierte Roth. "Dabei ist grenzüberschreitendes Verhalten ebenso wie Rassismus, Sexismus und andere Diskriminierungsformen keine Frage des Alters."

Der schwule Seniorenverband erinnerte zudem daran, dass es in den über 500 Jugendherbergen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) keine Altersgrenze für Übernachtungsgäste gibt. (cw/pm)

-w-

#1 Simon HAnonym
  • 24.10.2018, 18:54h
  • Solange wir selbst diskriminieren (egal ob wegen Alter, Hautfarbe, Aussehen, o.ä.) können wir nicht erwarten, dass andere uns nicht mehr diskriminieren.

    Und solange werden wir auch niemals voll gleichgestellt sein...

    Ich muss nicht mit jedem anderen Schwulen ins Bett wollen. Aber ich kann dennoch jedem anderen Schwulen mit demselben Respekt und derselben Würde begegnen, die ich auch selbst von allen erwarte.

    Und das Abweisen von Gästen in einem Hostel ist nun mal eindeutig diskriminierend.
  • Direktlink »
#2 Simon HAnonym
  • 24.10.2018, 19:06h
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • PS:
    Im übrigen sind die Leute, um die es hier geht, diejenigen, die für uns das erkämpft haben, was wir heute glücklicherweise an gesellschaftlicher Akzeptanz und rechtlicher Gleichstellung haben. (Auch wenn es da noch einiges zu tun gibt, aber ohne sie gäbe es selbst das nicht.)

    Das alles haben die in einer Zeit gemacht, als sowas noch viel schwerer war als heute und als das für viele noch Ausgrenzung durch Familie, Freunde, Kollegen, etc. bedeutete.

    Viele von ihnen haben dafür viel auf sich genommen und ihr eigenes Wohl hintenangestellt. Die hätten sicher auch lieber schon damals das gehabt, was wir heute haben.

    Da sollte etwas mehr Respekt ja wohl eine Selbstverständlichkeit sein.

    Und ganz ehrlich 38+ ist doch echt kein Alter. Wenn ich mal in dem Alter bin, will ich auch nicht als "alter Sack" gelten. Und auch wenn ich mal 60 oder 70 bin, wird mich vielleicht nicht mehr jeder so attraktiv finden wie heute, aber auch wer keinen Sex mit mir will, behandelt mich dann hoffentlich immer noch freundlich und respektvoll.

    Und hey Leute: ihr werdet hoffentlich auch mal alt und wollt dann nicht ausgegrenzt werden. Denn nicht alt zu werden, heißt früh zu sterben und das ist auch nicht wirklich besser...

    Deshalb:
    jeder sollte jeden anderen Menschen mit Respekt und Würde behandeln. Man muss nicht mit jedem Sex haben wollen, aber Grundformen menschlichen Miteinanders und ein diskriminierungsfreies Zusammen sollte uns allen möglich sein.
  • Direktlink »
#3 stephan
  • 24.10.2018, 20:44h
  • Antwort auf #2 von Simon H
  • Treffende und wahre Worte, Simon H!
    Ich erweitere das noch einmal: Auch die solidarischen Heterosexuellen (und andere Menschen, die uns unsere Rechte nicht streitig machen) sollten durchaus nicht von uns diskriminiert werden. Gerne sehe ich Zeichen für LGBTI-freundliche Hotels und andere Unternehmen, aber dass man sich ausschließlich schwule Männer als Gäste akzeptiert und als Kunden akzeptiert, finde ich auch schon mehr als fragwürdig! Was soll solch ein Sch**ß?
  • Direktlink »