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Petitionsübergabe

Über 61.000 Menschen fordern Verbot der "Homo-Heilung"

Die "menschenverachtenden" Behandlungen müssen in Deutschland endlich gestoppt werden, fordern Zehntausende in einer Online-Petition, die nun der Bundesregierung übergeben wurde.


Methoden zur "Heilung" von Homosexualität hinterließen bei den Betroffenen "geistige und körperliche Schäden", beklagt die Petition, die Lucas Hawrylak am Donnerstag Justiz-Staatssekretärin Christiane Wirtz überreichte (Bild: change.org)

  • 25. Oktober 2018, 15:34h 15 3 Min.

In den letzten Monaten haben über 61.250 Menschen eine Online-Petition unterzeichnet, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Justizministerin Katarina Barley (SPD), die Bundesregierung und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auffordert, sogenannte "Konversions-Therapien" zur "Heilung" von Homosexualität endlich zu verbieten.

Das gab das Petitionsportal change.org am Donnerstag anlässlich der Petitionsübergabe an die Bundesregierung bekannt. Der Student Lucas Hawrylak, der die Petition gestartet hatte, übergab die Unterschriften am Nachmittag gemeinsam mit den Dragqueens Jacky-Oh Weinhaus und Amy Strong an Christiane Wirtz, Staatssekretärin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

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"Ich freue mich, dass sich die Staatssekretärin Christiane Wirtz die Zeit genommen hat, die Petition entgegen zu nehmen", so der schwule Student im Anschluss. "Sie hat uns ermutigt, weiter am Ball zu bleiben. Es ist unglaublich wichtig, dass das Thema jetzt bei der Bundesregierung angekommen ist. Doch um Homo-Heilung in Deutschland tatsächlich zu verbieten, müssen wir weiter Kampagne machen."

In einer Pressemitteilung von change.org verwies der Student darauf, dass Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation seit 1990 nicht mehr als Krankheit angesehen wird. "Andere Länder in der EU – wie Malta – sind uns schon voraus, England holt grad auf", so Hawrylak. Hier in Deutschland sei das Verbot der sogenannten Konversions-Therapie längst überfällig: "Homosexualität muss nicht geheilt werden. Ich bin gesund. Die Homo-Heilung macht krank. Sie muss jetzt verboten werden!"

Bewegt sich die Regierung?

Erst im Sommer hatte die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Bundestag, ob man zu "Konversionstherapien" und ihrer Bewerbung handeln wolle, mit einem knappen "Nein" geantwortet (queer.de berichtete). Die Regierung verweist in der Antwort (PDF) darauf, dass entsprechende Angebote nicht bei Krankenkassen abgerechnet werden könnten, dass sie nicht für ärztliches und therapeutisches Berufsrecht zuständig sei und dass bei Minderjährigen Familiengerichte entscheiden könnten, was im Kindeswohl sei und was nicht. Auch setze die Regierung auf Aufklärung. Bereits in mehreren vergangenen Legislaturperioden hatte die jeweilige Bundesregierung betont, dass Homosexualität keine Krankheit sei und dass man "Therapie"-Angebote als unwissenschaftlich ablehne, aber dass man keinen eigenen Handlungsbedarf sehe.

Gesundheitsminister Spahn, der auch Adressat einer weiteren Petition zum Thema von allout.org mit bislang rund 25.000 Unterschriften ist, hatte im August in einer Art Bürgersprechstunde bei Facebook betont, dass er Homo-"Heilung" für "Quatsch" und "Körperverletzung" halte (queer.de berichtete). Der selbst schwule Politiker meinte, dass er wenig praktischen Spielraum gegen die Methoden sehe, aber offen für Vorschläge sei. Johannes Kahrs, Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen der SPD-Bundestagsfraktion, sagte danach, seine Fraktion stehe bereit, das Thema anzugehen und "pseudotherapeutische Umpolungsversuche" zu verbieten.

In Deutschland wird "Homo-Heilung" vor allem in Teilen der evangelikalen Szenen beworben und durchgeführt, von Organisationen und Vereinen wie Wüstenstrom, der "Offensive Junger Christen" und Leo; die in der evangelischen Kirche und Politik gut vernetzte "Evangelische Allianz" unterstützt die Bestrebungen (queer.de berichtete). Durch Bewegungen wie der ""Demo für alle" finden die Thesen, die sexuelle Orientierung sei veränderbar oder es sei erstrebsam, diese nicht auszuleben, zuletzt wieder vermehrt Verbreitung. (nb)

Direktlink | Der schwule "Panorama"-Reporter Christian Deker hatte in den letzten Jahren in zwei TV-Reportagen aufgedeckt, wie Homo-"Heilungen" durchgeführt und teilweise bei Krankenkassen abgerechnet werden und wie die Evangelische Kirche die Praxis in ihren Reihen duldet (queer.de berichtete)
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#1 PatroklosEhemaliges Profil
  • 25.10.2018, 19:57h
  • Ich hätte mit deutlich mehr Unterschriften für diese Petition gerechnet.
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#2 FalschGerechnetAnonym
  • 25.10.2018, 20:39h
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Das kann gar nicht sein, leider.
    Wenn die Toleranz gegenüber Trans* am geringsten ist, kann die Anzahl der Unterstützer der Petition nicht erfreulich hoch sein :-(
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#3 KeepGoingAnonym
  • 25.10.2018, 20:42h
  • Bloß nicht aufgeben.
    Genau so kann man auch für eine Aktualisierung des TSG demonstrieren und für alle Belange der LSBTTIQ.
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