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Petitionsübergabe

Über 61.000 Menschen fordern Verbot der "Homo-Heilung"

Die "menschenverachtenden" Behandlungen müssen in Deutschland endlich gestoppt werden, fordern Zehntausende in einer Online-Petition, die nun der Bundesregierung übergeben wurde.


Methoden zur "Heilung" von Homosexualität hinterließen bei den Betroffenen "geistige und körperliche Schäden", beklagt die Petition, die Lucas Hawrylak am Donnerstag Justiz-Staatssekretärin Christiane Wirtz überreichte (Bild: change.org)

In den letzten Monaten haben über 61.250 Menschen eine Online-Petition unterzeichnet, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Justizministerin Katarina Barley (SPD), die Bundesregierung und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auffordert, sogenannte "Konversions-Therapien" zur "Heilung" von Homosexualität endlich zu verbieten.

Das gab das Petitionsportal change.org am Donnerstag anlässlich der Petitionsübergabe an die Bundesregierung bekannt. Der Student Lucas Hawrylak, der die Petition gestartet hatte, übergab die Unterschriften am Nachmittag gemeinsam mit den Dragqueens Jacky-Oh Weinhaus und Amy Strong an Christiane Wirtz, Staatssekretärin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

Twitter / ChangeGER

"Ich freue mich, dass sich die Staatssekretärin Christiane Wirtz die Zeit genommen hat, die Petition entgegen zu nehmen", so der schwule Student im Anschluss. "Sie hat uns ermutigt, weiter am Ball zu bleiben. Es ist unglaublich wichtig, dass das Thema jetzt bei der Bundesregierung angekommen ist. Doch um Homo-Heilung in Deutschland tatsächlich zu verbieten, müssen wir weiter Kampagne machen."

In einer Pressemitteilung von change.org verwies der Student darauf, dass Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation seit 1990 nicht mehr als Krankheit angesehen wird. "Andere Länder in der EU – wie Malta – sind uns schon voraus, England holt grad auf", so Hawrylak. Hier in Deutschland sei das Verbot der sogenannten Konversions-Therapie längst überfällig: "Homosexualität muss nicht geheilt werden. Ich bin gesund. Die Homo-Heilung macht krank. Sie muss jetzt verboten werden!"

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Bewegt sich die Regierung?

Erst im Sommer hatte die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Bundestag, ob man zu "Konversionstherapien" und ihrer Bewerbung handeln wolle, mit einem knappen "Nein" geantwortet (queer.de berichtete). Die Regierung verweist in der Antwort (PDF) darauf, dass entsprechende Angebote nicht bei Krankenkassen abgerechnet werden könnten, dass sie nicht für ärztliches und therapeutisches Berufsrecht zuständig sei und dass bei Minderjährigen Familiengerichte entscheiden könnten, was im Kindeswohl sei und was nicht. Auch setze die Regierung auf Aufklärung. Bereits in mehreren vergangenen Legislaturperioden hatte die jeweilige Bundesregierung betont, dass Homosexualität keine Krankheit sei und dass man "Therapie"-Angebote als unwissenschaftlich ablehne, aber dass man keinen eigenen Handlungsbedarf sehe.

Gesundheitsminister Spahn, der auch Adressat einer weiteren Petition zum Thema von allout.org mit bislang rund 25.000 Unterschriften ist, hatte im August in einer Art Bürgersprechstunde bei Facebook betont, dass er Homo-"Heilung" für "Quatsch" und "Körperverletzung" halte (queer.de berichtete). Der selbst schwule Politiker meinte, dass er wenig praktischen Spielraum gegen die Methoden sehe, aber offen für Vorschläge sei. Johannes Kahrs, Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen der SPD-Bundestagsfraktion, sagte danach, seine Fraktion stehe bereit, das Thema anzugehen und "pseudotherapeutische Umpolungsversuche" zu verbieten.

In Deutschland wird "Homo-Heilung" vor allem in Teilen der evangelikalen Szenen beworben und durchgeführt, von Organisationen und Vereinen wie Wüstenstrom, der "Offensive Junger Christen" und Leo; die in der evangelischen Kirche und Politik gut vernetzte "Evangelische Allianz" unterstützt die Bestrebungen (queer.de berichtete). Durch Bewegungen wie der ""Demo für alle" finden die Thesen, die sexuelle Orientierung sei veränderbar oder es sei erstrebsam, diese nicht auszuleben, zuletzt wieder vermehrt Verbreitung. (nb)

Direktlink | Der schwule "Panorama"-Reporter Christian Deker hatte in den letzten Jahren in zwei TV-Reportagen aufgedeckt, wie Homo-"Heilungen" durchgeführt und teilweise bei Krankenkassen abgerechnet werden und wie die Evangelische Kirche die Praxis in ihren Reihen duldet (queer.de berichtete)



#1 Patroklos
#2 FalschGerechnetAnonym
#3 KeepGoingAnonym
  • 25.10.2018, 20:42h
  • Bloß nicht aufgeben.
    Genau so kann man auch für eine Aktualisierung des TSG demonstrieren und für alle Belange der LSBTTIQ.
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#4 giliatt 2Anonym
  • 25.10.2018, 23:39h
  • Natürlich ist Homosexualität keine Krankheit. Insofern muss per Gericht selbsternannten "Heilern" die Zulassung ihrer Therapeuten-Praxis entzogen werden! !! Wer nämlich vorgibt, eine Krankheit behandeln zu können, die keine Krankheit ist, bewegt sich im Bereich von Scharlatanerie und Betrug, was ehedem längst vom Gesetzgeber verboten wurde.
    Zwar finde ich es sehr gut, dass das Thema HOMO-HEILUNG IN DEUTSCHLAND mal öffentlich gemacht wird, hingegen bezüglich des medialen Trägers dieser Kampagne habe ich ein Erkenntnis-Defizit und daher Vorbehalte. Nämlich:
    Das Portal "change.org" scheint mir sich aufgetan zu haben als "internetzionale" UR-MUTTER aller im Internet möglichen und unmöglichen Proteste. Ich hatte einmal dort eine Petition zum Thema PRORA-BAUSOLDATEN, die mich persönlich betraf, aus Überzeugung unterzeichnet und bekomme nun per E-Mail ständig Anfragen von change.org, zu allerlei Themen, die mit meinen Lebensansichten absolut nix zu tun haben. Die Anfragen kommen ergo per Adressendatei ungefragt automatisch generiert. Eine Petitions-Maschine also? Ich würde es gut finden, wenn IHR, als Homo-Zentralorgan Euch mal vorab kritisch auseinander setzt mit dem Protest-Portal "change.org.", welches Ihr als Quelle Eurer Berichterstattung angebt.
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#5 Gerlinde24Profil
  • 26.10.2018, 02:15hBerlin
  • Spahn will, obwohl selber schwul, es sich mit seiner Klientel, den Fundichristen nicht verderben, und wird es ablehnen, das zu verbieten. Schließlich hofft er, mit deren Stimmen Kanzler zu werden. Machtgeile Politiker waren noch nie gut für die Menschheit!
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#6 ro44Anonym
  • 26.10.2018, 06:32h
  • "Homo-Heilung" kling für mich wie etwas aus dem tiefsten Mittelalter ohne jeglichen Verstand und Fortschritt.
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#7 AuntieBioticEhemaliges Profil
#8 KeepGoingAnonym
#9 Homonklin44Profil
  • 26.10.2018, 09:26hTauroa Point
  • ""Die Regierung verweist in der Antwort (PDF) darauf, dass entsprechende Angebote nicht bei Krankenkassen abgerechnet werden könnten""

    Da ist die Regierung etwas unterinformiert, denn das ist so nicht ganz richtig.
    Es hängt davon ab, welches diagnostische Kriterium verwendet wird, zum Beispiel mit dem Schwerpunkt hin zur "ich-dystonen Sexualorientierung", die einen Eintrag zumindest im diagnostischen Manual ICD-10 unter F66.1 hat, und in den Thesen der Art Leute, die Homosexualität immer noch als psychische Krankheit / mental disorder sehen, ganz gern herum gereicht wird. Ein dort recht beliebter Dr. Nicolosi hielt in seinen kontroversen Hypothesen gar die homosexuelle Orientierung grundsätzlich und immer ich-dyston angelegt.
    Wenn Leute natürlich nur solchen "Forschern" und deren Ideen folgen, um darauf therapeutische Instrumerntarien und Behandlungskonzepte aufzustrukturieren, lassen sich Tricks und Kniffe finden, die solche Behandlungen auch abrechnungstauglich umschreiben lassen. Man behandelt dann auf dem Papier etwas anderes, als während der Therapie, oder besser, während der quacksalberischen Sitzung!

    Und dort müssen entsprechende Prüfungen stattfinden. Ein konsequentes Verbot dieser Vorgehensweisen würde solche Tricks natürlich ins Illegitime verfrachten. Darum sollte die Notwendigkeit eines Verbots der Konversionatherapie kein Glücksfall bleiben.

    Findige Komiker könnten immerhin auf die Idee kommen, dass Heterosexualität oder helle Hautfarbe heilbar ist...
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#10 Alexander_FAnonym
  • 26.10.2018, 10:05h
  • Dass die Petition nur auf vergleichsweise wenig Unterschriften gekommen ist, könnte auch einen anderen Hintergrund haben. Ich habe persönlich bei anderen Punkten aus dem Themenkreis Religion, deren Einfluss und wie man ihn zurückdrängen könnte, feststellen können, dass diese in Deutschland deutlich zu wenig angesprochen werden. Nicht, weil es da keinen Bedarf gäbe, sondern weil dieser Bedarf offenbar von den meisten nicht gesehen wird; entweder weil der Einfluss der Religion nicht ganz so offensichtlich ist wie jenseits des großen Teichs, oder aber weil man annimmt, in den Händen vergleichsweise liberaler Kirchen könne deren Macht schon nichts Böses bewirken.
    In den USA wiederum konnte das Verbot von Konversionstherapie überhaupt deshalb durchgesetzt werden, weil diese Form von "Therapie" ein allgemein bekanntes und diskutiertes Thema war, das der Präsident kaum ignorieren konnte.

    "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen."

    Es wäre zumindest eine mögliche Erklärung, aber ich kann mich natürlich irren.
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