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Zeitungskommentar

Caitlyn Jenner bereut ihre Unterstützung für Trump

Die prominente transsexuelle Aktivistin rechnet in einem Gastbeitrag in der "Washington Post" mit dem US-Präsidenten ab: Seine Regierung attackiere die Community schonungslos.


Caitlyn Jenner ist vor allem in den USA eine einflussreiche Stimme. Sie werde diese besser nutzen müssen, räumte sie in dem Kommentar ein (Bild: David Fitzgerald / Web Summit, cc by 2.0)

  • 26. Oktober 2018, 08:43h 52 3 Min.

Die transsexuelle Sport- und TV-Persönlichkeit Caitlyn Jenner, eine lebenslange Anhängerin der Republikaner, bereut ihre Unterstützung von US-Präsident Donald Trump. In einem viel beachteten Gastkommentar in der "Washington Post" vom Donnerstag rechnete sie jetzt mit ihm ab.

Jenner hatte Trump, trotz starker Kritik aus der LGBTI-Community, zunächst unterstützt. Sie habe gehofft, dass er die republikanische Partei verändern werde, begründete sie dies. Er sei der erste Präsidentschaftskandidat der Partei gewesen, der angab, sich für die – in Jenners Worten – "wertvolle und verletzliche Community" von LGBTI einsetzen zu wollen, und sie sei "angespornt" gewesen durch den Applaus, den er dafür beim Nominierungsparteitag im Juli 2016 erhalten habe.

Trump hatte damals, unter Bezug auf den Anschlag auf das "Pulse", gesagt: "Als Präsident werde ich alles tun, um LGBTQ-Bürger von der Gewalt und Unterdrückung durch eine hasserfüllte fremde Ideologie zu schützen". Zu dem Applaus meinte er: "Und, ich muss sagen, als Republikaner, ist es schön, euren Jubel zu hören für das, was ich gerade sagte." Die einseitige Sicht auf Homo-Hass von einem Kandidaten, der von Gegnern von LGBTI-Rechten umgeben ist, hatte bereits damals zu Kritik aus der Community geführt (queer.de berichtete). Der ehemalige Präsidentensprecher Sean Spicer behauptete kürzlich, die Parteitags-Passage habe nur dazu gedient, einen einzigen Delegierten von der Unterzeichung einer Petition gegen Trump abzuhalten.

Jenner betont, sie habe gehofft, durch ihre Unterstützung für Trump und durch viele Gespräche mit republikanischen Politikern und Trump-Mitarbeitern einen Wandel auszulösen bei denen, die ihn am meisten bräuchten. "Trotz der Kritik, die ich von Teilen der LGBTQ-Community für das Engagement mit der Trump-Regierung erfuhr, hoffte ich auf einen positiven Wandel. Leider lag ich falsch."

"Schonungslose Attacken"

"In der Realität wird die Trans-Community von diesem Präsidenten schonungslos attackiert", so Jenner. "Der Anführer unserer Nation zeigt keine Rücksicht für eine bereits marginalisierte und kämpfen müssende Gemeinschaft. Er hat unsere Menschlichkeit ignoriert. Er hat unsere Würde beleidigt." Und er habe Transpersonen zu "politischen Bauernopfern" gemacht, um den rechtesten Flügel seiner Partei zu mobilisieren. Das sei "Politik in ihrer schlimmsten Form", "inakzeptabel und erschütternd", so Jenner. Die Unterstützung Trumps sei ein Fehler gewesen.

Die Aktivistin, die sich in den letzten Monaten immer häufiger und deutlicher gegen Trump stellte, bezog sich in dem Kommentar auf ein am Wochenende geleaktes Memo des Gesundheitsministeriums, wonach die Regierung Transsexuellen schlicht ihre Existenz aberkennen will: Künftig soll das Geschlecht eines Menschen ausschließlich und endgültig biologisch bei der Geburt bestimmt werden (queer.de berichtete). Das sei nicht nur "lächerlich und unwissenschaftlich", sondern ein "weiteres Beispiel in einem Muster politischer Angriffe", vom Verbot von Transpersonen im Militär bis zur Rücknahme des Schutzes transsexueller Schüler und Schülerinnen aus der Obama-Zeit.

Der Kampf hat gerade erst begonnen

Zum Abschluss des Kommentars betont Jenner, dass sie aus ihren Fehlern lernen und mehr auf die LGBTQ-Community hören wolle, um weitere zu vermeiden. Sie müsse ihre Stimme und ihre Priviligierung besser einsetzen, um ihren Einfluss in Medien, Gesellschaft und Politik für die Trans-Community zu nutzen, um auf Probleme wie Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und Selbstmordrate hinzuweisen, die "unsere lange ignorierte Community überproportional betreffen": "Die Welt muss uns hören. Die Welt muss uns kennen. Wir werden uns nicht auslöschen lassen."

Der Kampf der Trump-Regierung geht derweil weiter: In dieser Woche wurde bekannt, dass sie vor dem Supreme Court die Meinung vertritt, dass Arbeitgeber Transsexuelle kündigen dürfen – eine weitere öffentliche Kehrtwende in Auffassungen zum Bundesrecht des Justizministeriums (queer.de berichtete). Auch wurde bekannt, dass sich die Regierung bei den Vereinten Nationen dafür einsetzt, in Dokumenten Begriffe wie "Geschlecht" und "Gender" zu vermeiden und etwa "geschlechtsbasierte Gewalt" durch "Gewalt gegen Frauen" zu ersetzen. (nb/afp)

-w-

#1 ranger123
  • 26.10.2018, 13:37h
  • Da ist jemand ja ein richtiger Blitzmerker.

    Aber dennoch habe ich da irgendwo das Gefühl, wenn man dem Donald vor der Wahl ein wenig zugehört hätte, und dann noch a bissl (net viel, wirklich blos a bissl) nachgedacht hätte, dann hätte man da vielleicht schon ein wenig eher draufkommen können.
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#2 ProCaitlynAnonym
  • 26.10.2018, 13:51h
  • Antwort auf #1 von ranger123
  • Du verstehst nicht, was es heißt, konservativ und LGBTQ zu sein. Wir können uns mit linken Parteien nicht identifizieren also bleibt uns nichts anderes übrig als verhältnismäßig tolerante Konservative zu unterstützen und damit einen Wandel zu bewirken. Ich kann sie gut verstehen, Trump hat sich im Wahlkampf LGBT-freundlicher präsentiert als der Rest der Republikaner.

    Immerhin unterstützen mittlerweile 47% der Anhänger der Republikaner und sogar eine Mehrheit der Unionsanhänger die Ehe für alle. Es gibt also Hofffnung.
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#3 Ith__Ehemaliges Profil
  • 26.10.2018, 14:31h
  • Schön, dass es ihr irgendwann doch noch aufgefallen ist.

    Nicht, dass Hass nicht schon sein Programm gewesen wäre, ehe er an die Macht kam. Aber über das bisschen Hetze kann man ja mal hinwegsehen. Ist bestimmt einfach ein hochintelligenter Mensch, der die Probleme der Gesellschaft einfach nur viel besser durchschaut als die meisten anderen.
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