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"Wunschkandidat der Märkte"

Hirschfeld-Stiftung kündigt Konto bei der Deutschen Bank

Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh wirft dem Kreditinstitut Unterstützung des neuen ultrarechten und LGBTI-feindlichen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro vor.


Für die Deutsche Bank war Brasiliens neuer rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro im Wahlkampf der "Wunschkandidat der Märkte" (Bild: Tony Webster / flickr)

Durch einen hochpeinlichen Tweet und ein katastrophales Krisenmanagement hat die Deutsche Bank einen prominenten Kunden verloren: Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld kündigte am Montagabend über Twitter an, ihr Konto bei Deutschlands größtem Kreditinstitut aufzulösen.

Twitter / mhstiftung

Anlass ist ein Tweet, der bereits über drei Wochen zurückliegt. "Präsidentschaftswahlen gehen am Sonntag in die erste Runde – der neoliberale Bolsonaro ist Wunschkandidat der Märkte", postete die Deutsche Bank am 5. Oktober vor dem ersten Wahlgang in Brasilien. Vieler Nutzer warfen dem Unternehmen daraufhin eine Verharmlosung und unverhohlene Unterstützung des rechtsextremen Politikers Jair Bolsonaro vor, der immer wieder Frauen, Schwarze und LGBTI beleidigt und Sympathie für die frühere Militärdiktatur zeigte.

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Deutsche Bank bedauert "falschen Eindruck"

Die Deutsche Bank reagierte erst zehn Tage später auf den Shitstorm – mit einer Lüge und hanebüchenen Rechtfertigung. "Die Deutsche Bank unterstützt keine Parteien und Politiker", heißt es in einem Tweet vom 15. Oktober zum einen wahrheitswidrig. Zum anderen erklärte das Unternehmen: "Bei der Aussage handelte es sich um eine Auswertung der Markteinschätzung, sie stammt aus unserem täglichen Newsletter 'Perspektiven am Morgen'."

Der erwähnte Newsletter lässt indes etwas mehr Distanz erkennen als der Tweet. Dort heißt es: "Der Markt scheint seinen Wunschkandidaten bereits gefunden zu haben: Der neoliberale Bolsonaro versprach, im Falle seines Wahlsiegs auch Staatsbetriebe verkaufen zu wollen, um den Haushalt zu sanieren." Zudem wird der Politiker dort zusätzlich als "rechtskonservativ" eingeordnet. Doch erst nach weiteren zehn Tagen konnte sich die Deutsche Bank zu einer halbherzigen Entschuldigung durchringen: "Wir bedauern, dass durch die Verkürzung eines Tweets ein falscher Eindruck entstanden ist", schrieb das Unternehmen am 25. Oktober in einer weiteren Twitter-Nachricht.

Nach Bolsonaros Sieg in der Stichwahl am Sonntag ging der erste Tweet der Deutschen Bank erneut viral – so reagierte schließlich auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. "Unsere Grundsätze – auch unsere Anlagestrategie – sind mit den Aussagen der Deutschen Bank nicht vereinbar", begründete Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh die Kündigung des Geschäftskontos auf Facebook. So darf das Hirschfeld-Vermögen u.a. "nicht in Anlagen von Unternehmen investiert werden, deren Aktivitäten (z.B. Diskriminierung von Minderheiten) eindeutig den Zwecken der Stiftung widersprechen". Auch die beauftragten Dienstleister müssen sich an diese Grundsätze halten.

Deutsche Bank unterstützte Donald Trump

Bei der Falschaussage, dass sie keine Parteien und Politiker unterstütze, ruderte die Deutsche Bank bislang nicht zurück. Laut dem Verein Lobbycontrol spendete das Kreditinstitut seit dem Jahr 2000 über 2,8 Millionen Euro an die CDU, über 1,3 Millionen an die FDP, 380.000 Euro an die SPD, über 195.000 Euro an die CSU und über 70.000 Euro an die Grünen. Großzügig zeigt sich das Unternehmen nicht nur in Deutschland: Nach Angaben der amerikanischen Nichtregierungsorganisation "Center for Responsive Politics" (CRP) in Washington flossen über 30.000 Dollar in den Wahlkampf für Donald Trump.

Bolsonaro über Sohn: lieber tot als schwul

Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder mit LGBTI-feindlichen Entgleisungen für Aufsehen. International bekannt wurde er durch sein Interview mit Stephen Fry in dessen Dokumentation "Out There", in dem er die Existenz von homophober Gewalt in Brasilien verleugnete und verkündete, dass kein brasilianischer Vater jemals Stolz auf einen schwulen Sohn wäre (queer.de berichtete).

Vergangenes Jahr verurteilte ihn ein Gericht wegen Volksverhetzung zur Zahlung von 150.000 Real (34.000 Euro) – Anlass war ein Interview aus dem Jahr 2011, in dem er unter anderem erklärt hatte, dass seine Kinder nie einen schwulen Sohn zur Welt bringen würden, weil sie eine "gute Erziehung" genossen hätten. Bei dem Interview fügte er hinzu, dass er einen schwulen Sohn nicht lieben könne: "Mir wäre lieber, er würde bei einem Unfall sterben", so Bolsonaro. (cw)



#1 PanBoy84Profil
  • 30.10.2018, 07:18hMülheim an der Ruhr
  • Sehr gute Entscheidung!

    Zum Glück gibt genug ethisch, ökologisch und sozial vertretbare Alternativen:

    urgewald.org/kampagne/bankwechsel

    Auch Girokonten bieten mehrere Banken an. Geldabheben ist kein Problem, hierfür kann man z.B. bei der GLS Bank kostenlos die Automaten der Volks- und Spardabanken nutzen.

    Und seit zwei Jahren ist der Girokontowechsel besonders einfach:
    "Seit September 2016 müssen die alte und die neue Bank per Gesetz beim Konto­wechsel zusammen­arbeiten. Die bisherige Bank muss eine Über­sicht aller Buchungen der letzten 13 Monate liefern, die künftige Bank soll alle Zahlungs­partner von der neuen Konto­verbindung schriftlich unter­richten. Beide Banken haften für Schäden, die aus einem fehl­geschlagenen Konto­wechsel entstehen. Inner­halb von zwölf Geschäfts­tagen soll der Konto­wechsel erledigt sein." (Quelle:
    www.test.de/Girokonto-im-Test-5069390-5069691/)
  • Antworten » | Direktlink »
#2 DominikAnonym
  • 30.10.2018, 08:41h
  • Kindergarten! Die Grundlage für so eine Entscheidung sollte rein geschäftlicher Natur sein, und mich überrascht, wenn Herr Litwinschuh das eigenmächtig entscheiden kann.

    Vielleicht kann ja der Herr Grenell bei der nächsten Partysause seinem Kumpel Jörg mal 'nen heißen Tipp geben, welche Bank denn politisch sauber genug sei?

    Alles ist miteinander verflochten. Alberne Entscheidung.
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#3 BankomatAnonym
  • 30.10.2018, 09:36h
  • Im Ernst, wegen dieses Posts? Da gab es in den letzten Jahren viele weitere, ebenso ethisch bedenkliche Gründe, kein Konto dort zu eröffnen.
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#4 niccinicciAnonym
  • 30.10.2018, 10:25h
  • abgesehen davon, das es die deutsche bank kaum interessieren dürfte, wo bitte sehr ist da eine unterstützung, wenn geschrieben wird, der kandidat wird von den märkten favorisiert. abgesehen davon kann rechte politik nur erfolgreich sein, wenn linke politik so meilenweit vom menschen entfernt ist, siehe afd/deutschland, und dazu wird es in brasilien auch eine vorgeschichte geben.
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#5 Rechtsruck-WatchAnonym
#6 stromboliProfil
  • 30.10.2018, 11:33hberlin
  • Antwort auf #3 von Bankomat
  • www.german-foreign-policy.com/news/detail/7768/

    ja richtig, die hätten schon längst dort ihr konto auflösen müssen.. weil die D.Bank einfach in zu vielen menschenrechtsfragen mit verbrecherischen regime verbandelt ist.

    Da ist traditionspflege offensichtlich programatische aussage.
    Von 33-45, von chile , argentinien , über brasilien , saudi arabien bis hin zu verbindungen zu is konten für waffenkäufe..
    Alles nachlesbar.
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#7 stromboliProfil
  • 30.10.2018, 11:35hberlin
  • Antwort auf #4 von niccinicci
  • man kann es auch so sehen mit dem Linken scheitern: wenn banken rechte bewegungen finanzieren, ist das wohl im weitesten sinne wahlmanipulation zu nennen.

    Nenn mir eine bank, die bisher linke projekte auf staatsebene gefördert hätte.
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#8 EthikAnonym
  • 30.10.2018, 11:36h
  • Gibt doch u.a. die GLS Bank und Ethikbank. Beides seriöse Genossenschaftsbanken, die auch 2008 in der Finanzkrise völlig unbeteiligt waren und immer korrekt gearbeitet haben. Dahin zu wechseln wäre sicherlich sinnvoll!
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#9 PierreAnonym
  • 30.10.2018, 13:55h
  • Richtig so.

    Man sollte keine Konzerne unterstützen, die für Profit-Maximierung alles tun.
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#10 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 30.10.2018, 16:27h
  • Liebe Magnus-Hirschfeld-Stiftung,
    Euere Website gibt immer noch das Deutsche-Bank-Konto als Spendenkonto an.

    mh-stiftung.de/spenden/

    Sicher wollt Ihr Spendenwütige baldmöglichst wissen lassen, wohin sie ihr Geld nun schicken können? :-)
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