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Interview

Julian Lehe geht schwulen Mordfällen auf den Grund

"Night and Gay" ist das erste True-Crime-Buch über prominente Homosexuelle und ihre Mörder. Wir sprachen mit dem Autor über die Hintergründe seines 232 Seiten starken Bandes.


Der Mord an Rudolph Moshammer ist eine der zehn tragischen und aufwühlenden Tragödien, die Julian Lehe in seinem Buch "Night and Gay" erzählt (Bild: Sven.petersen / wikipedia)
  • 1. November 2018, 17:51h, noch kein Kommentar

Autor Julian Lehe

Julian Lehe hat ein Buch mit dem Titel "Night and Gay – Prominente Homosexuelle und ihre Mörder" geschrieben. Es ist das erste True-Crime-Buch überhaupt, das von wahren Kriminalfällen berichtet, in denen prominente Homosexuelle ermordet wurden. Im Interview mit queer.de spricht der Düsseldorfer Autor über die Hintergründe seines Buchs. (cw)

Julian, wie kamst du auf das Thema "Mord an schwulen Promis"?

Ich saß vor zwei Jahren auf einer Opernreise in Palermo mit meinem Ehemann Ralf beim Abendessen und erzählte ihm von dem schwulen Broadway-Star Danny Lockin, der auf bestialische Weise umgebracht wurde. Wir dachten über andere Fälle nach, und uns fiel sofort Rudolph Moshammer ein. Dann erinnerte ich mich an weitere schwule Mordopfer wie den Politiker Harvey Milk und den Theaterautor Joe Orton.

Wie bist du bei der Recherche vorgegangen?

Ich las Zeitungsberichte, durchforstete das Internet nach wichtigen Informationen und entschied mich dann für zehn Fälle, von denen es zum größten Teil überhaupt nichts in deutscher Sprache gibt. Zum Beispiel über den Entertainer Dick Kallman.

Wurden sie alle umgebracht, weil sie schwul waren?

Die Motive der Täter sind sehr unterschiedlich. Eifersucht, Habgier, pure Lust am Töten. Was die Opfer miteinander verbindet ist, dass sie zu ihrer Zeit nicht so leben konnten, wie sie es wollten. Das trieb sie oft in Abgründe, in die sie sich verstrickten und denen sie nicht mehr entkamen.

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"Night and Gay" ist bislang nur als E-Book erhältlich

Der Fall eines US-Pornoproduzenten ist erst elf Jahre her. Da herrschten doch liberalere Zeiten.

Das stimmt, aber hier ging es um etwas anderes. Bryan Kocis wurde umgebracht, weil er zwei jungen Erotik-Models im Weg stand, die mit seinem damaligen Star Brent Corrigan einen SexFilm drehen wollten, um damit viel Geld zu verdienen. Das Kapitel "Die Porno-Killer" ist sicherlich eines der spektakulärsten in diesem Buch.

Es geht also auch um die Mörder?

Ich erzähle nicht nur aus dem Leben der Opfer, sondern auch von den Gerichtsprozessen und wie hoch das Strafmaß ausfiel. In dem Mordfall von Harvey Milk flippte in San Francisco die Community sogar völlig aus, als der Mörder eine viel zu geringe Haftstrafe erhielt. Aufgebrachte Homosexuelle setzten daraufhin das Rathaus in Flammen und lieferten sich im Schwulen-Viertel blutige Straßenschlachten mit der Polizei. Das war selbst mir unbekannt.

In einem anderen Fall geht es um einen deutschen Fußballspieler, der ermordet wurde.

Das war Heinz Bonn, der neben Uwe Seeler beim Hamburger HSV kickte. Er hat sich nie geoutet, und auch er gehört zu den Mordopfern, die es wert sind, an sie zu erinnern.

Gibt es eine Lieblingsgeschichte von dir?

Ganz klar, Danny Lockin. Er wurde nur 34 Jahre alt und spielte neben Barbra Streisand in der Verfilmung des Musicals "Hello Dolly!" mit. Als ich die Story aufschrieb, brach ich angesichts der Tatsache, wie brutal er ums Leben kam und auch wegen der viel zu milden Strafe für den Mörder, fast in Tränen aus.

Infos zum Buch

Julian Lehe: Night and Gay. Prominente Homosexuelle und ihre Mörder. E-Book, 232 Seiten. Edition Irish Rose. Düsseldorf 2018. 5,99 Euro.