Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32256

Kinostart

Ein surrealer Garten der Lüste

Die queere Fiction-Sexdoku "Touch Me Not" von Adina Pintilie gewann im Februar auf der Berlinale den Goldenen Bären – jetzt ist der tief berührende Film über Intimität offiziell im Kino angelaufen.


Szene aus "Touch Me Not": Selten hat ein mit dem Goldenen Bären ausgezeichnetes Werk derart emotionale und kontroverse Reaktionen hervorgerufen (Bild: Alamode Film)
  • 2. November 2018, 08:07h, noch kein Kommentar

Laura, eine Frau in den Fünfzigern, hat Angst vor körperlicher Berührung. Ihrer Sehnsucht nach Intimität versucht sie sich als Voyeurin zu nähern, engagiert einen Callboy, dem sie beim Duschen und Onanieren zusieht.

Sie konsultiert die Transfrau Hanna, die mit fünfzig Jahren ihr Coming-out zuließ, die Brahms liebt und ihre Brüste Gusti und Lilo nennt. Mit einem Rollenspiel-Therapeuten lotet sie zwischen Plaudern und Anfassen die Grenze ihrer Abwehr aus und kommt dem Ort ihrer verborgenen Wut näher.


Transfrau Hanna nennt ihre Brüste Gusti und Lilo (Bild: Alamode Film)

Und sie stalkt den jungen Tómas, der als Teilnehmer eines Touch-Workshops, in dem Nicht-Behinderte und Behinderte lernen, einander zu berühren, dem an spinaler Muskelatrophie erkrankten Christian begegnet. Während es Tómas schwer fällt, seine zwischen Ekel und Sympathie changierenden Gefühle zuzulassen, ist Christian mit sich im Reinen und lebt mit seiner nichtbehinderten Freundin Grit lustvoll seine Sexualität aus.

- Werbung - Video (60s): KLM – Wir sind eine Airline

Wenn nur noch das Begehren zählt


Poster zum Film: "Touch Me Not" ist am 1. November in den deutschen Kinos angelaufen

Und da ist Regisseurin Adina Pintilie selbst, die immer wieder ihre Beobachterposition hinter der Kamera verlässt und sich mit ihren eigenen Emotionen und Fragen über Intimität einbringt. Alle begegnen sich in einem surrealen Garten der Lüste, dessen Teilnehmer sich in Fesselspielen fallen lassen, wo Körper nur noch Körper sind und nur das Begehren zählt.

"Touch Me Not" ist eine hautnahe filmische Versuchsanordnung mit Laien und professionellen Schauspielern, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Mann und Frau, "normal" und "anders", durchlässig werden. Eine zärtliche, schamlose Expedition in verdrängte Bereiche des Begehrens und der Sexualität, dorthin wo Ängste und Erinnerungen uns die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Nähe verwehren.

Der kontroverse Berlinale-Gewinner ist ein philosophischer Film-Essay, der mit seiner behutsamen und doch radikalen Entblößung seelischer und körperlicher Hemmungen ein Plädoyer für eine befreite Intimität darstellt, für die Überwindung jener gesellschaftlich vorgegebenen Konventionen und Vorurteile, die uns in der Bewusstwerdung unserer Körperlichkeit zurückhalten.

"Touch Me Not" ist eine queere Schule des Sehens und des Fühlens, in der auch der Zuschauer dazu gebracht wird, "von der Klippe zu springen" und der tief berührt. (cw/pm)

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Touch Me Not. Fiction-Doku. Rumänien, Deutschland, Tschechische Republik, Bulgarien, Frankreich 2018. Regie: Adina Pintilie. Darsteller: Laura Benson, Tómas Lemarquis, Christian Bayerlein, Grit Uhlemann, Adina Pintilie, Hanna Hofmann, Seani Love, Irmena Chichikova. Laufzeit: 125 Minuten. Sprache: Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Alamode Film. Kinostart: 1. November 2018