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Barockroman

Sehr humoristisch, homo- und intersexuell

Vor 350 Jahren erschien der erstaunlich queere Roman "Der abenteuerliche Simplicissimus" von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen.


Ausschnitt des Original-Titelblatts aus dem Jahr 1668
  • Von Erwin In het Panhuis
    4. November 2018, 10:15h, 6 Kommentare

Vor genau 350 Jahren erschien "Der abenteuerliche Simplicissimus" (1668, datiert auf 1669), der als erster Abenteuerroman und als das wichtigste Prosawerk des Barocks in deutscher Sprache gilt. Das Hauptwerk beschreibt den Lebensweg von Simplicius im Krieg. Mehrere Nachfolgebände ergänzen diese Geschichte um weitere Perspektiven, die inklusive des Hauptwerks mit 1260 Seiten zu Buche schlagen.

Der Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen erzählt aber nicht nur vom schrecklichen 30-jährigen Krieg (1618-1648), der vor genau 400 Jahren seinen Anfang nahm, sondern teilt auch unterhaltsame Anekdoten mit, lässt Autobiografisches einfließen und bindet einige homo- bzw. intersexuelle Episoden ein.

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Ein Soldat als Hermaphrodit


Der Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676)

Die folgenden verlinkten Seitenzahlen führen nicht nur zur Erstausgabe des Hauptwerkes, sondern auf der gleichen Seite auch zur Abschrift des Textes in eine heutige Schriftform. Damit ist der Zugang zu diesem – wegen Sprache und Umfang nur schwer zugänglichem Werk – recht leserfreundlich gestaltet worden.

Der Protagonist Simplicius stammt aus einem kleinen Dorf. Wie schon sein Name andeuten soll, ist er eher einfachen Geistes. Erst spät lernte er die Uniformen der Soldaten kennen und konnte sich gerade unter den weiten Hosen eher "einen Weiber- Rock/ als ein paar Manns-Hoſen" vorstellen (S. 67). Er hielt daher einen Soldaten für "Mann und Weib zugleich" und sprach ihn folgerichtig mit "Hermaphrodit" an (S. 68). Solche Szenen sind typisch für seine Unbedarftheit, aus der heraus sich viele der geschilderten Geschichten entwickeln. Ein anderes Thema ist hier ebenfalls angelegt und wird später variiert: Die soziale Inszenierung des Körpers durch Kleidung.

Simplicius als Frau

In einer ausführlichen Episode (S. 219-226) zieht der verarmte Simplicius aus einer Not heraus Frauenkleidung an. Die Kapitelüberschrift lautet: "Simplicius wird auß einem Juͤngling in ein Jungfrau verwandelt/ und bekompt unterſchiedliche Bul[Lieb-]ſchafften" (S. 121). Als er versucht, wie eine Frau zu gehen, vergleicht er seinen Gang mit dem Gang der mythologischen Figur Achilles (S. 221), was wegen den homosexuellen Konnotationen von Achilles Freundschaft zu Patroklos aussagekräftig ist. Als Frau gekleidet begehrt ihn nicht nur ein Rittmeister, auch ein Knecht klagt ihm "ſeine Lieb mit heiſſen Threnen" (S. 223).

Bis hier ist es traditioneller Travestie-Humor, darauf folgend wird Simplicius aber auch von einer lesbischen Rittmeisterin erotisch umworben. Aus dieser Situation kann er sich erst befreien, als sich der Rittmeister und der Knecht wie wild um ihn prügeln (S. 226). Später wird Simplicius von mehreren Männern fast vergewaltigt (S. 226-230), die erst von ihm abließen, als sie ihm "die Kleider vom Leib geriſſen/ und geſehen hatten/ daß ich kein Weibsbild war" (S. 227). Statt Simplicius danach jedoch als Gewaltopfer zu sehen, wird er mit der Begründung verhaftet, dass es ungewöhnlich und eine "faſt argwoͤhniſche" Angelegenheit war, dass sich ein Mann in der Armee in Frauenkleidern aufhält (S. 227).

Was hier mit Argwohn beobachtet wird, umschreibt den Verdacht homosexuell zu sein. Paul Derks hebt in "Die Schande der heiligen Päderastie. Homosexualität und Öffentlichkeit in der deutschen Literatur 1750-1850" hervor, dass die Rittmeisterin "offenbar lesbische Anwandlungen [hat]. Das ist bemerkenswert, weil hier Homosexualität nicht implizit definiert wird als Nothandlung". Diese Darstellung bestätigt "die literarisch nicht ableitbare und anthropologisch noch nicht zum Gemeinplatz gewordene Beobachtung, daß Tribadie möglich ist und nicht nur aus Mangel an Männern in einer Notsituation anvisiert werden kann" (S. 30-32).

Ein göttlicher Ganymed

Später taucht ein Mann auf, der sich als (römischer) Gott Jupiter vorstellt und betont, dass Simplicius seinem Mundschenk Ganymed recht ähnlich sieht (S. 277). Später spricht er ihn auch noch mit "allerliebſter Ganymede" (S. 288) an. Es sind Äußerungen, die sich zwischen Kompliment und homosexueller Anmache bewegen, denn schließlich war der römische Gott Jupiter – ähnlich wie der griechische Göttervater Zeus – in Ganymed verliebt.

Dass Simplicius keine Probleme damit hatte, so deutlich von einem Mann umworben zu werden, lag vielleicht daran, dass Jupiter als Narr dargestellt wird. Später betont Jupiter die besondere Schönheit von Narziss und Adonis (S. 278), die ebenfalls Geliebte männlicher Gottheiten waren. Für den Autor war die z.T. homoerotische Mythologie der Antike offenbar positiv besetzt.

Courage als Mann

Fünf spätere Nachfolgebände bereichern das Hauptwerk und setzten die Protagonisten miteinander in Beziehung. Die Seitenzahlen beziehen sich auf die beiden satzgleichen Ausgaben von 1685 und 1713.

Das Leben der Protagonistin "Courage" (S. 109-227) wird breit behandelt, deren Name sowohl für Mut als auch für das weibliche Genital steht. Aus Schutz vor sexuellen Übergriffen gab sie sich als Mann aus, kämpfte im Krieg und arbeitete als Kammerdiener (S. 119-123). Ihr Leben wird auch mit Gedichten umschrieben: "Hier möchte man fragen: ob es recht / Zu endern also sein Geschlecht / Und daß ein Weibsbild sich verkleide? Die Noth acht die Gesetz zwar nicht / Wann anderst nicht der Kitzel sticht" [=sinnliches Verlangen] (S. 122).


Courage kämpft mutig dafür, Hosen tragen zu dürfen

Aber es geht nicht nur um die Emanzipation von Frauen und die Legitimation anderer Kleidung: Wenn Courage einen Mann erwähnt, den man in anderer Kleidung ebenso für eine Frau halten könnte (S. 123), wird die Aufmerksamkeit nicht nur auf das biologische, sondern auch auf das soziale Geschlecht gelenkt. Wenn sich Courage wünscht "nur kein Weibsbild" zu sein (S. 143) bedeutet dies nicht, dass sie lieber ein Mann wäre. Sie hatte zwar unmäßige "Begierden" wie ein Mann, hat jedoch oft daran gedacht, sich für einen "Hermaphroditen" ausgeben. Dann könnte sie schließlich diese Hosen tragen, die sie von den Amazonen her kannte, also jenen Frauen, die im Krieg genauso ritterlich wie Männer gekämpft hätten (S. 143).

Ihr Wunsch "nach einem Sebel unter dem Schenkel" wird heute als hermaphroditische Chiffre interpretiert, die durch ihre schussbereite Pistole noch deutlicher wird. Die Romanfigur der Courage – schön, heterosexuell-promisk und unfruchtbar – fasziniert bis heute und wurde in mehreren Büchern (Bertolt Brecht, Günter Grass), Aufsätzen und in einem Comic aufgegriffen.

Das sündige Sodom

An anderen Stellen des Romans kommt der Autor mehrfach auf die beiden biblischen Städte Sodom und Gomorrha sowie die Sodomiten zu sprechen. Schon im Hauptwerk wird deutlich, dass er unter Sodomiten ruchlose und wüste Menschen versteht (S. 431). In den Nachfolgewerken betont er, dass diese "ungleiche Vermischung" Gott so missfiel, dass er sie "außtilgte" (1685, S. 267). In Verbindung mit diesen beiden Städten schreibt er von "unflätige übrige Sodomiterey" (S. 414-415) und davon, dass sie mit "Stumpff und Stiel" verbrannt wurden (S. 518). Für den Autor waren die beiden Städte und die nach ihnen benannten Sodomiten erkennbar negativ besetzt.

Der Kauf des keuschen Joseph


Der keusche Joseph (links) wird von Frauen (rechts) und auch von Männern begehrt

Dem keuschen Joseph – angelehnt an die biblische Joseph-Figur – ist sogar ein eigener Band gewidmet. König Potiphar sprach ihn mit "Liebster Jüngling" an (1685, S. 561) und hatte ihn "seiner Schönheit wegen zum Missbrauch erkaufft", wenn er auch "sein sündliches Vorhaben" letztendlich nicht mehr in die Tat umsetzen konnte (S. 309).

Es wird betont, dass die orientalischen Völker die "Schönheiten der jungen Knaben" im Allgemeinen und die "ausländische Schönheit" von Joseph im Besonderen liebten – übrigens nicht "alle als abscheuliche Sodomiten" (S. 518-519). Joseph wurde zwar auf dem Weg nach Ägypten vor "Knabenschänder[n]" beschützt, wobei es jedoch primär um Gewalt ging, denn es wird auch betont, dass "seine Schönheit" unversehrt bleiben sollte, weil man diese verehrte (S. 520-521). Vordergründig verläuft die vom Autor vorgenommene Polarität zwar zunächst wie zeitgenössisch üblich zwischen (negativer) körperlicher und (positiver) seelischer Liebe – in der Form der Beschreibung orientalischer Leidenschaft wirkt es jedoch auch wie die Verteidigung homosexuellen Begehrens.

Frühe Trittbrettfahrer


Simplicius (links) auf einer Illustration in der Ausgabe von Herrn Wagenseil aus dem Jahr 1785

Der Erfolg dieses Romans führte auch zu Trittbrettfahrern, die unter dem bekannten Romantitel ihre eigenen Texte publizierten. Die Zeitung "Blätter für literarische Unterhaltung" (1837) kritisierte gleich vier neue Bearbeitungen aus den Jahren 1785-1822, die das Werk "ungehörig" umgeschrieben und "entstellt" haben (S. 1437).

Damit meinten sie u.a. (den zunächst anonymen Autor) Christian Jakob Wagenseil, der in seiner Neuausgabe von 1785 mit seinem Text und den inhaltlichen Kürzungen den Roman "genießbarer" machen wollte (S. 12). Die 620 Seiten des Hauptwerkes stampfte er auf 180 ein; die Episode mit Simplicius im Kleid kürzte er von neun auf vier Seiten herunter (S. 56-59).

Ein anderer Nacherzähler des Simplicissimus (1810) begründet seinen eigenen kürzeren Text damit, dass der bisherige Text ja "selbst einen geduldigen Leser vielfältig zurückstößt" (S. 2). Seine Episode mit Simplicius im Kleid (S. 138-146) ist etwas kürzer und etwas weniger deutlich: Er verweist auf die Rittmeisterin mit ihrer "sonderbare[n]" "Neigung"; auf den Rittmeister, der sein "Wohlgefallen" in "sehr unzweideutigen Ausdrücken zu verstehen gab" (S. 140) und auf den Reitknecht mit seinen "treuherzigen Liebeserklärungen" (S. 141). Gegen solche Umschreibungen bzw. Verstümmelungen seiner Texte konnte sich der mittlerweile verstorbene Grimmelshausen nicht mehr wehren.

Die Verfilmung des Hauptwerks

Mit einer Laufzeit von mehr als sechs Stunden wurde der Roman als "Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus" (1975) für das ZDF in vier Teilen sehr aufwändig und recht frei verfilmt. 2008 kam der Film als DVD auf den Markt – zusätzlich ist eine 12-stündige Hörbuchfassung verfügbar.

Die Szene mit Simplicius als Frau, der von der lesbischen Rittmeisterin und zwei heterosexuellen Männern umworben und von Soldaten fast vergewaltigt wird, nimmt hier einen breiten Platz ein. Bei der lesbischen Rittmeisterin erfährt der Zuschauer – im Gegensatz zum Roman – recht schnell den Grund für ihre lesbischen Gefühle: Sie hat ihren Mann seit zwei Monaten nicht mehr gesehen und wird auch nach ihrer Rückkehr sexuell vernachlässigt. Entsprechend lesbischer Klischees hasst sie Männer im Allgemeinen. Sie will Simplicius als Frau küssen, was aber nur zu einem sogenannten "Almost Kiss" wird, denn sie werden von ihrem Ehemann gestört, der seine lesbische Ehefrau bittet, ihre "vulgäre[n] Gefühlsregungen etwas diskreter zu äußern".


Eine lesbische Rittmeisterin will Simplicius verführen, weil sie ihn für eine Frau hält (Bild: ZDF)

Auch der Knecht ist in den als Frau verkleideten Simplicius verliebt, will ihn sogar heiraten und sagt zu ihm: "Die Sehnsucht nach Dir macht mich noch ganz krank". Weil sich Simplicius als Frau jedoch nicht nur dem Knecht, sondern auch noch dem Rittmeister verweigert, wird er zur Strafe Soldaten zur Vergewaltigung überlassen. Die Soldaten bemerken ihren Fehler erst, als sie Simplicius die Kleidung herunterreißen und nun sein wahres Geschlecht erkennen. Simplicius wird anschließend verhaftet, denn ein Mann in Frauenkleidung zwischen Soldaten macht schließlich "argwöhnisch". Dieser Film arbeitet mit sexueller Sprach- und Bildsymbolik. Das Reiten (Rittmeister/in) und das Melken einer Ziege während der sexuellen Belästigung durch den Rittmeister kann als solches gesehen werden. Im späteren Verlauf des Films kommt – wie im Roman – auch der Mann vor, der sich gegenüber Simplicius als Jupiter ausgibt: "Ich bin Jupiter. […] und Du scheinst mir bist Ganymed, mein hübscher Schlingel."


Mehrere Soldaten wollen Simplicius vergewaltigen, weil sie ihn für eine Frau halten (Bild: ZDF)

Dieser Film ist in seiner aufwändigen Inszenierung eine weitgehend kongeniale Literaturverfilmung. Leider gibt er sich keine Mühe, Simplicius glaubwürdig als eine Frau wirken zu lassen. Dieser bleibt für den Zuschauer alleine deshalb immer ein Mann in Frauenkleidern, weil er mehrfach und ohne Grund in seine männliche Stimme zurückfällt. Die Episode von Simplicius als Frau wirkt – einschließlich des Vergewaltigungsversuchs – wie eine Komödie, die meisten anderen Episoden wie ein Abenteuerfilm. Das Intro erweckt dazu den Eindruck, als würde es eine besonders schonungslose Doku über den Krieg ankündigen, was in seiner Form als falsche Genrezuschreibung nicht durchdacht erscheint.

Ein Autor mit Vorliebe für soziale Hermaphroditen

Die Romanepisoden über Homo- und Intersexualität werden – von der Episode mit Simplicius in Frauenkleidung abgesehen – mit diesem queer.de-Aufsatz zum ersten Mal in einem queeren bzw. homosexuellen Kontext dargestellt. Beim Zusammenführen der unterschiedlichen Szenen lässt sich die Gedankenwelt von Grimmelshausen besser verstehen, wie sein positiver Zugang zur antiken Mythologie und sein negativer Zugang zum biblischen Sodom und Gomorrha.

Mit seinen Beschreibungen von Simplicius als Frau (Hauptteil) und Courage als Mann (Nachfolgeband) verlässt Grimmelshausen schnell den Bereich traditioneller Travestie, wonach ein Mann in Frauenkleidern komisch und eine Frau in Männerkleidern beruflich erfolgreich ist. Es geht darum, wie leicht der Körper durch Kleidung sozial inszenierbar ist und auch um die kulturpessimistische Erkenntnis, wie schnell man mit Gewalt konfrontiert ist, wenn man nicht die seinem körperlichen Geschlecht entsprechende Kleidung trägt. Bei seinem geschickten Spielen mit Geschlechterrollen zeigt der Autor eine erkennbare Vorliebe, zwar nicht für "biologische" aber für "soziale Hermaphroditen". Zu Courage als sozialer Hermaphrodit erschienen schon mehrere Artikel im Jahrbuch "Simpliciana", das seit 1979 die Erinnerung an Grimmelshausen und sein Werk aufrechterhält.

Eine einzigartige und realistische Gesellschaftssatire

Wie fast jeder Roman erzählt der "Simplicissimus" eigentlich nur eine fiktive Geschichte. Die Travestieszene im Hauptwerk hat viel mit Maskerade und Verstellung zu tun. Welche Ironie, dass ausgerechnet dieser Roman einen Realismus aufzeigt, den man in der zeitgenössischen Literatur nicht findet.

Schon die ersten Rezensenten würdigten die Realität der Kriegsschilderungen als "Leben in der Wirklichkeit" (1820) bzw. als "treues Lebensgemälde" (1848). Paul Derks schreibt über die ihm bekannte Szene über Simplicius in Frauenkleidern in "Die Schande der heiligen Päderastie", dass dies die einzige Episode "von bedeutendem realistischem Gehalt" in der Literatur des 17. Jahrhunderts ist. Das lässt sich auch auf die anderen Szenen übertragen.

Diese Gesellschaftssatire in Form eines manchmal auch derben Romans macht zwar auch eine Aussage über die rege Phantasie und die Redegewandtheit des Autors, aber sie ist viel mehr: Sie ist ein seltenes und lebendiges Alltagszeugnis des 30-jährigen Krieges. In Bezug auf homo- und intersexuelle Geschichte ist der Roman einzigartig.



#1 simplexAnonym
  • 04.11.2018, 15:01h
  • Immer wieder amüsant, auf dieser Plattform einerseits Berichte über erdnussbutterbedingte Verstümmelungen zu lesen und andererseits fundierte Abhandlungen über homo- und intersexuelle Aspekte eines Schlüsselromans der Weltliteratur.

    Aber im Ernst: Die TV-Fassung des "Simplicissimus", Regie: Fritz Umgelter, mit Matthias Habich in der Titelrolle, ist tatsächlich weitgehend kongenial und äußerst erstaunlich. Man ist verblüfft, was damals beim ZDF möglich war.
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#2 IngoAnonym
#3 Patroklos
  • 04.11.2018, 20:36h
  • Eine Neuverfilmung des Stoffes wäre genial, zumal der Beginn des Dreißigjährigen Krieges 400 Jahre her ist.
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#4 LarsAnonym
  • 04.11.2018, 20:57h
  • Schöne und interessante Analyse.

    Mein Deutschlehrer hat mir, vor langen Jahren und lange vor der Etablierung der Genderwissenschaft sinngemäß erklärt, dass die Pointe des Romans darin liegt, dass Simplicius alle Möglichkeiten des Menschseins am eigenen Leibe erfährt: Er ist also abwechselnd reich, arm, schön, hässlich, weiblich, männlich, jung, erwachsen, bis er sich von der Welt und damit auch den irdischen Identitäten, Rollen und Labeln zurückzieht.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 04.11.2018, 21:51h
  • Antwort auf #3 von Patroklos
  • Das wäre wirklich mal ein interessantes Projekt, auf das wir aber wahrscheinlich leider ebenso vergeblich werden warten müssen wie auf irgendeine Gedenkveranstaltung an den Krieg, den dieses Buch beschreibt.

    Es ist aber auch andererseits nicht allzu überraschend, dass es sowohl der CDU-geführten Regierung als auch anderen und sehr weiten Kreisen der Gesellschaft peinlich wäre, daran zu erinnern, dass so ein maßgeblich von Religion getriebener Krieg, wie er derzeit in Syrien und auch anderswo derzeit wütet, auch auf deutschem Boden einmal wütete. Ob das einer Nation, die sich gerne rühmt, aus ihrer Geschichte gelernt zu haben, gerecht wird, sei dahingestellt.

    Aber zurück zum Artikel: da bleibt es mir nur übrig, ein großes Lob und Dank auszusprechen. Ich möchte fast sagen, dass auf diese Seite kaum je ein besserer und lesenwerterer erschienen ist.
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#6 JosephMartinProfil