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Berlin

Lange Haftstrafen nach Foltertod von Sqeezer-Sänger Jim Reeves

Offenbar aus Homophobie hatten zwei Männer den bisexuellen Sänger gefoltert, bis dieser starb. Knapp drei Jahre nach der Tat gibt es nun ein Urteil gegen die Killer.


Jim Reeves im "Sqeezer"-Video zum Song "Sweet Kisses"

Das Berliner Landgericht hat am Dienstag zwei Männer wegen der Tötung des bisexuellen Sänger Jim Reeves zu Haftstrafen verurteilt. Der 31-jährige Pawel A. muss für 14 Jahre ins Gefängnis, der 24-jährige Adam K. erhielt 13 Jahre. Die polnischen Wanderarbeiter wurden des besonders schweren Totschlags in Tateinheit mit besonders schwerem sexuellem Missbrauch einer wehrlosen Person schuldig gesprochen.

Beide Männer müssen zudem mehr als 3.500 Euro Schmerzensgeld an die Familie des Getöteten zahlen. Für den alkoholkranken A. ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an. Mit der seltenen Feststellung eines besonders schweren Totschlags hätte das Gericht auch eine lebenslange Freiheitsstrafe wie bei einem Mord verhängen können, erkannte aber unter anderem die schwere Trunkenheit der Angeklagten strafmildernd an.

Die Männer hatten dem Urteil zufolge Reeves Ende Januar 2016 in einem Hostelzimmer zu Tode gequält. K. gestand im Prozessverlauf, ihr 48-jähriges Opfer mit einem Stuhlbein vergewaltigt zu haben. Der in den Neunzigerjahren mit der Band Sqeezer bekannt gewordene Reeves starb in Folge schwerer innerer Verletzungen durch die ihm zugefügten Rippenbrüche.

Die auf Videoaufzeichnungen des Hostels sichtlich angetrunkenen Männer erklärten im Prozess, der ebenfalls betrunkene Reeves habe sie angemacht. Zeugen bestätigten im Prozess, dass der frühere Popstar unter Alkoholeinfluss zuweilen offensiv um Sex geworben habe. Richter Peter Faust glaubt, dass A. und K. wegen dieser Avancen Reeves zusammenschlugen und quälten. Die Angeklagten bestritten, den dunkelhäutigen und offen bisexuellen Künstler aus rassistischen oder homophoben Motiven getötet zu haben.

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"Homophobe Grundstimmung der Angeklagten"

Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für beide Angeklagten jeweils 14 Jahre und sechs Monate Haft gefordert hatte. Der Richter erklärte laut "Bild", die Tat deute auf eine "homophobe Grundstimmung der Angeklagten" hin. "Diese Pfählung des Getöteten mit dem Stuhlbein und das Einführen der Zucchini ist ja etwas, das auf seine sexuelle Orientierung hinweist, indem homosexuelle Praktiken unter Männern nachgeäfft werden in fürchterlicher Art und Weise", sagte Faust nach AFP-Angaben.

Das Mordmerkmal der Grausamkeit kam nach Ansicht des Gerichts unter anderem deshalb nicht zum Tragen, weil Reeves zum Zeitpunkt der mehrfachen Penetrationen schon bewusstlos war. Zudem starb er an den Folgen der zuvor zugefügten Rippenbrüche, nicht an den ebenfalls lebensgefährlichen Darmverletzungen. Die Frage nach der Erfüllung von Mordmerkmalen hatte Prozess in die Länge gezogen.

Die Nebenkläger drangen in dem 14 Monate währenden Prozess im Namen mehrerer Angehöriger auf lebenslange Freiheitsstrafen wegen Mordes und kündigten an, eine Revision zu prüfen. Ein Anwalt erklärte, dass die Gesinnung hinter der Tat nicht aufgeklärt worden sei.

A. hält sich noch immer für unschuldig

Am letzten der zahlreichen Prozesstage flossen im Saal noch einmal Tränen der Trauer, aber auch der Wut – etwa, als A. in seinem Schlusswort auf seiner Unschuld bestand und lediglich einräumte, er hätte die Penetrationen verhindern und dem Verletzten Hilfe leisten können.

Zumindest K. bekannte sich zu seiner Schuld, auch dazu, Reeves mit dem Stuhlbein vergewaltigt zu haben. "Ich bedaure die Tat, die ich begangen habe sehr – ich schäme mich", sagte er und bat die eigene Familie und die Angehörigen von Reeves um Entschuldigung. Unbeantwortet blieb im Prozess die Frage, warum die Männer dem schwerstverletzten Reeves ihre Hilfe verweigerten. Sie ließen ihn stattdessen tot mit einer Decke über Kopf im Zimmer 26 zurück.

Reeves hatte seine späteren Mörder in einen Sechs-Bett-Zimmer eines Hostels am Stuttgarter Platz in Berlin-Charlottenburg kennengelernt. Dort war er eingezogen, nachdem er sich von seiner Freundin getrennt hatte.

Die Ermittler der Mordkommission hatten Adam K. bereits knapp drei Wochen nach der Tat als Verdächtigen ermitteln können. Er war daraufhin in der westpolnischen Gemeinde Brzezno festgenommen worden. Die Fahndung nach dem zweiten Angeklagten war schwieriger verlaufen: Ein Jahr lang hatten deutsche, polnische und spanische Ermittler den Mann bei seiner Flucht durch Europa verfolgt. Der 29-Jährige konnte schließlich im Februar 2017 in der Nähe von Barcelona festgenommen werden. (AFP/dk)



#1 swimniAnonym
  • 06.11.2018, 18:29h
  • Strafmilderung wegen Drogen jeglicher art gehört abgeschafft.

    jeder weiss, dass man im berauschten zustand unzurechnungsfähig werden klann und deshalb muss man bereits im Vorfeld verantwortlich danmit umgehen. wer das nicht kann muss ärztliche hilfe in Anspruch nehmen um sein Problem nach kräften zu lösen
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#2 grausamAnonym
  • 06.11.2018, 19:37h
  • Ist das nicht zynisch, noch von Totschlag zu sprechen wenn jemand solange gefoltert wird bis er stirbt?
    Auch wenn ich kein Richter bin, für mich sind das Mörder.
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#3 Patroklos
  • 06.11.2018, 20:06h
  • Die Urteile gehen auf jeden Fall in Ordnung, jedoch das Schmerzensgeld hätte höher ausfallen müssen!
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#4 ParadoxonAnonym
#5 KaktusAnonym
  • 06.11.2018, 20:19h
  • Ich hoffe die Zwei können keine Nacht mehr ruhig schlafen Selbst Lenbenslänglich ist für so eine grausame Tat noch zu wenig.
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#6 Homonklin44Profil
  • 06.11.2018, 22:28hTauroa Point
  • Also man muss bloß granatenmäßig haggedicht und duun sein, und kann die grausamsten Morde begehen. Dann ist es Totschlag mit strafmilderndem Aspekt.

    Hilft dem Opfer nun ja nicht, wie das geahndet wird.
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#7 TomDarkProfil
  • 06.11.2018, 23:49hHamburg
  • Antwort auf #3 von Patroklos
  • Was geht denn daran "auf jeden Fall" in Ordnung?

    Das Schmerzensgeld steht auch gar nicht zur Debatte, zumal die Täter ja wohl eh nicht viel zahlen können.

    Es stellt sich doch die Frage, ob Typen, die eine so brutale und abscheuliche Tat begehen, überhaupt wieder auf die Menschheit losgelassen werden sollten.

    Und ob der Einfluss durch Alkohol oder Drogen die Schuldfähigkeit in solchen Fällen noch vermindern sollte.

    Sorry, aber manchmal frage ich mich, ob du es auch wirklich ehrlich meinst, was du schreibst!
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#8 Patroklos
#9 GronkelAnonym
  • 07.11.2018, 08:09h
  • Antwort auf #1 von swimni
  • Ja, das ist so ein Fall welcher die Menschen in Deutschland an den Rechtsstaat zweifeln lässt.
    Selbst bei diesem Foltermord finden Richter Punkte die nicht zur Höchststrafe führen. Hier ist es Alkohol, woanders ist es die schwere Kindheit oder was auch immer. Das ist absolut unverständlich und muss sich auch ändern.
    Was muss man eigentlich machen und was muss vorliegen um überhaupt die Höchststrafe zu erhalten?
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#10 Sukram712Anonym
  • 07.11.2018, 08:57h
  • Da es immer noch einen schwereren Fall geben kann, zB wenn die Täter nicht betrunken, sondern nüchtern ihr Opfer bei dessen Bewusstsein zu Tode gequält hätten, kann es nicht die Höchststrafe geben.

    Rechte Populisten können außerdem wirklich *immer* sagen, eine Strafe sei zu gering. Selbst bei Lebenslänglich mit anschließender Sicherungverwahrung werden rechte Hetzer die Todesstrafe fördern.

    Richter müssen aber objektiv im Rahmen des gesetzlichen Strafmaßes und im Vergleich zu anderen Fällen urteilen. Deshalb kann man das IMMER als zu niedrig kritisieren.

    Eine Todesstrafe oder echte Lebenslange Haft bis zum Tod kann es nicht geben, weil es unter der Würde eines Menschen ist, ihm nach Fehlern die Gelegenheit zum Lernen und Bessern zu verwehren.
    Ohne diese Fähigkeit könnten die Täter ja auch keine Schuld haben. Aber erklärt das mal rechten Dumpfbacken und deren Anhängern.
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