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Treibender Rhythmus

Razorlight: Comeback nach zehn Jahren

Die englische Rockband hat mit "Olympus Sleeping" ein fulminantes neues Album veröffentlicht


Die englische Rockband Razorlight um den Sänger Johnny Borrell, dem früheren Bassisten der Libertines. feierte mit den Liedern "America" und "Wire to Wire" ihre größten Erfolge (Bild: Andy Hughes/Atlantic Culture Records/Believe)
  • 7. November 2018, 10:00h, noch kein Kommentar

Der Sommer 2002 war eine komische Zeit im Osten Londons. Eine Zeit, bevor soziale Medien unseren Alltag diktierten. Eine Zeit, bevor die für die englische Musikszene so wichtigen, kleinen Clubs aus dem Stadtbild verschwanden. Und eine Zeit, in der jeder Jugendliche, der etwas auf sich hielt, eine Band gründete.

Die meisten dieser Bands verschwanden auch genauso schnell wieder, wie sie gekommen waren. Nicht so Razorlight.

Die von Sänger/Gitarrist Johnny Borrell gegründete Band, verkörperte mit dem Sound ihres Debüts "Up All Night" (2004) und genredefinierenden Hits wie "Golden Touch" oder "Somewhere" Else die Energie der verschwitzten Musikclubs Ost-Londons wie keine andere Band ihrer Zeit.

Doch es war ihr zweites Album "Razorlight" (2006), das die Band weit über die Grenzen Englands hinaus in die Charts katapultierte. Mit hymnischen "Indie-Evergreens" wie "In The Morning" oder "Before I Fall To Pieces" erspielten sie sich auch in Deutschland eine stetig wachsende Fan-Base und waren – v.a. mit der Single "America" – omnipräsente Dauergäste in den hiesigen Airplay-Charts.

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Ohrwurmartige Melodien


Das neue Album "Olympus Sleeping" von Razorlight ist am 26. Oktober 2018 erschienen

Das dritte Album "Slipway Fires" (2008) landete erstmals in den Top 10 der Deutschen Charts und erreichte GOLD-Status. Für ihre, hierzulande bislang kommerziell erfolgreichste Single, "Wire To Wire" wurden Razorlight sogar mit Platin ausgezeichnet.

Als der anfänglichen Indie-Rock Euphorie der frühen 2000er jedoch nach und nach Ernüchterung folgte, und der Markt unausweichlich von 0815-Gitarrenbands geflutet wurde, drehten Fans und Kritiker gleichermaßen dem bis dahin so erfolgreichen Indie-Rock den Rücken. Man favorisierte fortan Dance und Urban und auch Borrell ließ die Festivalbühnen und glitzernden Promi-Partys hinter sich und widmete sich mit seinen Soloprojekten Genres wie Blues, Jazz und World Music.

Doch die mehr als zehnjährige Abstinenz Razorlights hat eine klaffende Lücke in der Indie-Rock Szene hinterlassen, die bislang keine Band zu füllen vermochte und, es ist genau diese Lücke, die Razorlight mit ihrem fulminanten vierten Album "Olympus Sleeping" nun selbst füllen wollen.

"Ich habe dieses Album mit nichts weiter im Sinn geschrieben als der puren Freude an der Musik", erklärt Johnny Borrell. "Dieses Album ist quasi mein Liebesbrief an diese ganz bestimmte Art von Musik, nämlich jene, die so viele Menschen inspiriert hat, Bands zu gründen oder zu folgen."

So ist es geradezu bezeichnend, dass die erste Stimme auf dem neuen Album gar nicht Johnny Borrell, sondern Moldy Peaches Frontmann Adam Green gehört, der fröhlich seine eigene Version des Aladdin vorträgt: "Genie, it's Aladin – print me a Razorlight album that doesn't totally suck."

Direktlink | Offizielles Video zur Single "Carry Yourself" von Razorlight

Das lässt sich die Band nicht zwei Mal sagen. Der Album-Opener "Got To Let The Good Times Back Into Your Life" setzt genau da an, wo die Band vor rund zehn Jahren aufgehört hat, und belebt Razorlight quasi innerhalb kürzester Zeit wieder. Und sofort wird wieder klar, was diese Band so einzigartig macht, nämlich ihre Fähigkeit, eingängige Popmelodien mit einer solch rohen Energie zu performen, wie es nur wenige Bands schaffen.

Doch der ironische Humor des Adam Green Openers zeugt auch von einer neu gefundenen Reife und Selbstironie. So sinniert Johnny in "Iceman" über die weniger attraktiven Live-Auftritte seiner Karriere ("playing weddings and bar mitzvahs") und beklagt im Titeltrack "Olympus Sleeping" die gewisse Selbstzerstörung, die Erfolg unausweichlich mit sich bringt ("hubris, hubris… we always kill our attractions").

Für die Studioaufnahmen arbeitete Johnny Borrell eng mit Gitarrist David Ellis zusammen und konnte am Schlagzeug niemand geringeren als Rock-Legende Martin Chambers von The Pretenders verpflichten. Amüsiert erinnert er sich an ihre erste Begegnung: "Ich habe Martin auf einer Party getroffen und dachte, wir kopieren seit Jahren seinen Style, warum lassen wir ihn nicht einfach selber ran?"

Das Resultat kann sich durchaus hören lassen. Dem Album wohnt ein gewisser Groove bei, dessen Herzschlag genau diese rohe und treibende Energie widerspiegelt, die diese Band schon immer ausgemacht hat. Auf keinem Track ist dies offensichtlicher als auf der Lead-Single "Carry Yourself". Der Song kombiniert den für Razorlight so typischen, treibenden Rhythmus mit ohrwurmartigen Melodien, die nahtlos dort anknüpfen, wo die Band 2008 aufgehört hat. (cw/pm)