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Berlin

Tötung von Jim Reeves: Staatsanwaltschaft legt Revision ein

13 und 14 Jahre erhielten die beiden Täter, die den bisexuellen Sänger offenbar aus Homophobie getötet haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft ist mit dem Urteil nicht zufrieden.


Jim Reeves starb im Januar 2016 im Alter von nur 48 Jahren – hier ist er in einem Bild aus dem Jahr 2014 zu sehen (Bild: CHR!S / wikipedia)

Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat am Donnerstag angekündigt, gegen das Urteil im Fall Jim Reeves vorgehen zu wollen. Man habe Revision eingelegt, teilte die Behörde via Twitter mit. Ziel sei eine Verurteilung der beiden Täter wegen Mordes.

Twitter / GStABerlin

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erläuterte, es lägen in diesem Fall niedere Beweggründe vor, man müsse also von Mord sprechen. Schließlich sei die Tat aus einer homophoben Einstellung heraus begangen worden.

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Täter nur wegen Totschlags verurteilt

Das Landgericht hatte zwei polnische Wanderarbeiter am Dienstag wegen besonders schweren Totschlags in Tateinheit mit besonders schwerem sexuellem Missbrauch zu Haftstrafen von 13 bzw. 14 Jahren verurteilt (queer.de berichtete). Die Männer hatten dem Urteil zufolge den Ex-Sänger der Band Sqeezer Ende Januar 2016 in einem Hostelzimmer in Berlin-Charlottenburg zu Tode gequält. Die 24 und 31 Jahre alten Männer erklärten im Prozess, dass Reeves sie angemacht habe. Wegen dieser Avancen hätten sie ihn zusammengeschlagen.

Details des Verbrechens zeigten die Grausamkeit der Täter: Der Sänger starb an inneren Verletzungen, weil eine Rippe seine Lunge punktierte. Der Gerichtsmediziner hatten insgesamt 15 gebrochene Rippen als Folge des Gewaltexzesses feststellen können. Die Täter hatten ihr Opfer außerdem mehrfach mit einem Stuhlbein vergewaltigt, was zu lebensgefährlichen Darmverletzungen geführt hatte.

Das Gericht wollte aber nicht das Mordmerkmal der Grausamkeit anerkennen, weil Reeves zum Zeitpunkt der mehrfachen Penetrationen schon bewusstlos gewesen sei. Außerdem seien die Täter aufgrund ihrer starken Alkoholisierung nur vermindert schuldfähig gewesen.

Nach dem Urteil kritisierte bereits ein Anwalt der Nebenkläger, dass das Gericht die Täter nicht wegen Mordes verurteilte. Die Angehörigen des Getöteten kritisierten, dass die Gesinnung hinter der Tat nicht aufgeklärt worden sei. (dk)



#1 dellbronx51069Anonym
  • 08.11.2018, 18:32h
  • Was lernen wir wieder mal daraus:
    Schwule sind bei der Justiz nach wie vor Menschen 2. Klasse. Den Tätern wird selbst das grösste Fehlverhalten zum Vorteil gerechnet.
    Zweitens : Hast Du vor jemand zu töten, lass dich vorher vollaufen
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#2 GeorgB
  • 08.11.2018, 19:00h
  • Antwort auf #1 von dellbronx51069
  • "Was lernen wir wieder mal daraus:
    Schwule sind bei der Justiz nach wie vor Menschen 2. Klasse. "
    Gerade nicht. Die Staatsanwaltschaft ist Teil der Justiz. Und der Staatsanwaltschaft sind 13 und 14 Jahre Haft für die Ermordung eines Schwulen zu wenig. Sie geht dagegen an. Ist doch ein positives Signal dafür, dass Teile der Justiz nicht mehr blind für Homophobie sind.
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#3 TomDarkProfil
  • 08.11.2018, 20:46hHamburg
  • Ich hoffe, dass bei der Revision eine Einstufung als Mord oder eine höhere Haftstrafe erfolgen wird!

    Diese Pfählung ist ein Beweis für die homophobe Einstellung der Täter, und damit liegen niedere Beweggründe als Mordmerkmal vor!

    Außerdem kann auch bei Totschlag in besonders schweren Fällen eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden.
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#4 JadugharProfil
#5 TheDadProfil
  • 08.11.2018, 23:49hHannover
  • Antwort auf #1 von dellbronx51069
  • ""Was lernen wir wieder mal daraus:
    Schwule sind bei der Justiz nach wie vor Menschen 2. Klasse. Den Tätern wird selbst das grösste Fehlverhalten zum Vorteil gerechnet.""..

    Ich wäre hier vorsichtig, denn die Sexuelle Identität des Opfers spielt bei der Beurteilung der Grausamkeit eher keine Rolle, weil das Urteil bei einem Heterosexuellen Opfer wahrscheinlich genauso ausgefallen wäre..

    In der Frage der Alkoholisierung spielt es dann eine Rolle ob der "Vollrausch" vorsätzlich herbeigeführt wurde, oder "nur nebenbei eintrat", denn wer sich in der Absicht Straftaten zu begehen vollsäuft, oder mit anderen Drogen berauscht, um zu versuchen damit "milder bestraft zu werden, der verkennt das Strafrecht :

    ""§ 323a Vollrausch
    (1) Wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn er in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht und ihretwegen nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war oder weil dies nicht auszuschließen ist.
    (2) Die Strafe darf nicht schwerer sein als die Strafe, die für die im Rausch begangene Tat angedroht ist.
    (3) Die Tat wird nur auf Antrag, mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgt, wenn die Rauschtat nur auf Antrag, mit Ermächtigung oder auf Strafverlangen verfolgt werden könnte.""..
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#6 Homonklin44Profil
  • 09.11.2018, 12:47hTauroa Point
  • Zumindest ist da auffällig, dass die Täter offenbar "zu besoffen" waren, damit man von Strafmilderung ausgeht, gleichzeitig aber nicht so besoffen, dass sie für das Zusammenprügeln und diese Stuhlbein-Marterei zu fahrig oder unfähig gewesen wären, wie man das von zu sehr Besoffenen annehmen würde.

    Wenn man als Bewusstloser ermordet wird, ist das also auch noch mal ein Unterschied, ah ja. Leute, die bettlägerige Weggetretene, Komapatienten oder K.o. Geschlagene umbringen, kommen also milder davon.

    Alles ein bisserl willkür-anfällig an der Interpretation.
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#7 Sukram712Anonym
  • 09.11.2018, 13:22h
  • Antwort auf #6 von Homonklin44
  • Es kommt vor Gericht darauf an, ob man die definierten Mordmerkmale beweisen kann. Und danach richtet sich das Strafmaß. 13 und 14 Jahre ist nahe an der Höchststrafe für Totschlag.

    Über die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag kann man dicke Bücher schreiben und ganze Regale damit füllen. Und trotzdem werden sich Juristen manchmal nicht einig und man streitet vor Gericht über mehrere Instanzen darüber. Das ist aber der Sinn und Zweck der Rechtsprechung.

    Von 13/14 oder 16/18 Jahren Gefängnis wird das Opfer auch nicht wieder lebendig. Und nach so langer Zeit haben die Täter hoffentlich was dazugelernt.
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