Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=32312
Home > Kommentare

Einzelkommentar zu:
Bayerischer Landtagsabgeordneter outet sich als transgender


#2 Ith__Ehemaliges Profil
  • 10.11.2018, 09:12h
  • Einerseits ist's ja sympathisch, dass er sich outet, andererseits würde ich als Transgender seine Lebenspraxis aber eher in Richtung Travestie einstufen. Er macht ja klar, dass sich das mit dem "Ausleben" auf wenige Tage im Monat beschränkt - extrem schwierige Formulierung, mit diesem "Ausleben". Wurde mir auch schon unterstellt, trifft bei Trans*personen für gewöhnlich nicht zu, ganz im Gegenteil. Trans* sein ist nicht etwas, das man sich mal ein paar Tage erlaubt. Das ist ein Dauerzustand, mit dauerhaften Auswirkungen für einen Alltag, in dem man sich nunmal nicht kurzzeitig verkleidet, um ansonsten alles zu lassen, wie es ist.
    Respekt dafür, dass er die Häme mit der Selbstbezeichnung in Kauf nimmt, verdient sein Outing sicherlich. Aber er macht ja klar, dass sich das Ganze weder auf seinen Alltag noch auf sein Berufsleben wirklich auswirkt. Und solange man mit sichtbarem Bart herumläuft, explizit maskulin gewählte Hornbrille noch dazu, und das nicht gerade mit Stöckelschuhen oder deutlichstem Makeup kombiniert, lebt man ja praktischerweise weiterhin mit sämtlichen Männerprivilegien, wann immer man kein verbal geäußertes Outing vornimmt.
    Was ich dann in doppelter Hinsicht schwierig finde, weil es einerseits ein falsches Licht auf Transgender wirft, die sich für gewöhnlich nicht zweimal im Monat die "Auszeit" gönnen, sondern dauerhaft in einem Zustand "dazwischen" leben, auch mit geändertem Namen im Alltag, und Anfeindungen durch die Wahrnehmung eines "Dazwischen", das Menschen manchmal nicht toll finden; andererseits bekommt er es halt mit den negativen Aspekten des Frauseins so überhaupt nicht zu tun, denn die spielen sich großenteils in Alltag und Beruf ab.
    Etwas, womit Transfrauen ebenso wie Cis-Frauen leben müssen, und was er sich eleganterweise alles erspart.
    Passing, soziale Rolle - alles geschenkt. Kann man drauf pfeifen, wenn man sich eh bloß mal ein paar Tage "Auszeit" für den eigenen Trans*-Aspekt nimmt.

    Die reale Situation von Transgendern ist für gewöhnlich, dass man dauerhaft, immer damit lebt. Vor dem eigentlichen Outing testet man vielleicht mal kurzzeitig etwas an; aber wenn man so ist, ist man so. Das ist eine Lebenssituation, die er überhaupt nicht kennt, wenn er allein schon in seinem Beruf einfach alles so lässt, wie es immer war: Pronomina, Vornamen, Herrentoilette. Keine Umwandlung der Ehe in eine Homo-Ehe; kein Theater mit der Verwandtschaft oder Freunden, die das Ganze nicht akzeptieren. Was am Trans*-Dasein u.a. erschüttert, ist gerade der Verlust dieses "sicheren Hafens" der bereits akzeptierten Geschlechtsidentität, den er nur für ein, zwei Tage mal kurz verlässt, und den man als Trans*person, auch als Transgender, eben nicht (mehr) hat.

    Es sei ja Leuten gegönnt, sich den Stress nicht antun zu wollen, und vielleicht steckt da an Bedürfnis mehr dahinter. Aber allein schon die Formulierung davon, etwas "auszuleben" halte ich für hochgradig irreführend, und ärgerlich, weil mich solche Ideen nämlich dahinbringen, dass ich erklären muss, dass trans* sein nicht bedeutet, dass ich mich heute mal als Mann verkeidet habe, aber sonst eine Frau und entsprechend im Zweifelsfalle auch immer als solche zu adressieren sei.
    Mag ja sein, dass in ihm der Wunsch nach einer "anderen Seite" steckt. Aber wenn man sich bloß mal ein, zwei Tage im Monat regelrecht "verkleidet", ist das nunmal in der Praxis Travestie.
    Sich verkleiden, bzw. "eine Seite ausleben" ist etwas, das man als Transgender nicht macht. Als Transgender ist man so.
    Immer.

    Soll er sich meinetwegen als Non-Binary definieren, denn da reicht ja eine Definition ggf. aus, auch wenn das auch einigen Enbys Unrecht tut, die ich auch als sehr echt und dauerhaft "zweigeschlechtlich" erlebe. Aber wenn er nunmal Teilzeit-Frau ist, möge er sich bitte explizit als das, oder als Transvestit meinetwegen outen, und sich nicht als etwas bezeichnen, was er zumindest in seiner Lebenspraxis nicht ist.
    Tut er niemandem einen Gefallen mit.
    Könnte er als Politiker eigentlich wissen.
  • Antworten » | Direktlink »

» zurück zum Artikel