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Gerichtsentscheidung

Frankreich: Transfrau nicht als Mutter ihres Kindes anerkannt

Ein Gericht in Südfrankreich erkannte aber erstmals eine Transfrau nicht als Vater, sondern als "biologisches Elternteil" an.


Die Ehefrau von "Claire" hatte das Kind 2014 zur Welt gebracht (Bild: fdecomite / flickr)

Über einen ungewöhnlichen Familienfall haben Richter im südfranzösischen Montpellier entschieden: Eine Transfrau wollte nach ihrer Geschlechtsanpassung offiziell als Mutter ihrer leiblichen Tochter anerkannt werden. Diesen Wunsch erfüllte ihr das Berufungsgericht am Mittwoch nicht. Die 50-Jährige darf sich aber laut dem Gericht künftig in der Geburtsakte ihrer Tochter als "biologisches Elternteil" eintragen lassen – eine Premiere in Frankreich. Mit der Anerkennung wollte das Gericht sowohl die Interessen des Kindes als auch das Recht der Klägerin auf Privatsphäre berücksichtigen.

Das Gericht verhandelte den Fall unter dem fiktiven Namen "Claire". Bereits 2011 wurde sie offiziell als Frau anerkannt, bevor sie die operative Geschlechtsanpassung vollzogen hatte. Mit Ehefrau Sophie zeugte "Claire" drei Jahre später die Tochter.

"Zu 80 Prozent zufrieden"

Die Anwältin von "Claire" zeigte sich "zu 80 Prozent zufrieden" über das Urteil: "Der weibliche Vornamen meiner Mandantin wird in die Geburtsakte eingetragen, auch wenn das Gericht nicht das Wort 'Mutter' benutzt", betonte sie. "Meine Mandantin ist sehr erleichtert, es ist ein sehr großer Schritt für sie", sagte die Anwältin weiter. "Bisher fürchtete sie, im Todesfall keine Rechte zu haben oder ihre Tochter zu enterben."

In Deutschland war eine Transfrau vor rund einem Jahr ebenfalls gescheitert, sich als Mutter ihres leiblichen Kindes eintragen zu lassen. Der Bundesgerichtshof ließ anders als das französische Gericht keinen Kompromiss zu, sondern beharrte auf der Eintragung der Transfrau als Vater. Die rechtliche Abstammung dürfe "nicht im Widerspruch zu den Erfordernissen der biologischen Zeugung auf zwei Mütter oder zwei Väter" verwiesen werden, so die Richter in ihrer Entscheidung (queer.de berichtete). (AFP/dk)



#1 VerständnisfrageAnonym
  • 15.11.2018, 12:53h
  • Wie jedes Mal aufs Neue.

    Wieso es im Interesse des Kindes sein soll, eine Mutter nicht als Mutter eingetragen zu haben, erschließt sich mir einfach nicht.

    Cislogik.
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#2 tychiProfil
  • 15.11.2018, 13:29hIrgendwo im Nirgendwo
  • Antwort auf #1 von Verständnisfrage
  • Das Urteil wird verständlicher, wenn man die französische Sprache berücksichtigt. Im Deutschen wirkt die Formulierung "Elternteil" oder "Elter" sperrig, alltagsfremd und technokratisch.
    Im Gegensatz dazu wirkt im Französischen das "le parent" sprachlich flüssig und ist Teil der Alltagssprache.

    Da es ja (gemäss Artikel) um den Eintrag der biologischen Abstammung in der Geburtsakte ging, ist die Formulierung parent präzisier als mère/Mutter. Da ja "Claire" biologisch der Vater des Kindes ist (und bleibt).

    Statt sich über père oder mère zu streiten, wäre die beste Lösung in den Geburtsakten nur noch parent zu verwenden. Dann ist es immer korrekt - biologisch wie von der Genderidentität her betrachtet.

    PS: Das funkioniert allerdings nur in gewissen Sprachen.
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#3 la_passanteAnonym
  • 15.11.2018, 14:21h
  • Dieses Urteil ist als eine beträchtlicher Forschritt zu werten. Und zwar deshalb, weil damit der bisher immer erzwungene Genitalbinarismus des französischen Elternrechts überwunden wird. Und das ist sehr gut so.
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#4 QuestionmarkAnonym
  • 15.11.2018, 14:21h
  • Vielleicht ist das jetzt eine unangenehme Äußerung für manche, aber hier scheint es angebracht zu sein.
    Gelegentlich erhalte ich den Eindruck, dass mit manchen Heteros was nicht ganz "koscher" ist. So ne Abneigung gegen alles, was auch nur im Entferntesten was anderes darstellt als Hetero zu sein, das kenne ich nur von Heteros. Sich selbst Vorteile zu schaffen und andere zu benachteiligen, obwohl gewisse Gesetze regeln, was eigentlich zu tun ist, das ist schon mehr als nur Ignoranz.

    Wem schadet es denn bitte, wenn diese Transfrau als Mutter ihres Kindes anerkannt wird?? Dem Richter, der dann nachts nicht schlafen kann?? Der Gesellschaft, weil sie es nicht verstehen?
    Nein, schaden tut es der Transfrau und ihrem Kind, wenn die Transfrau weiterhin als Vater und Mann abgestempelt wird.
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#5 VerständnisfrageAnonym
  • 15.11.2018, 15:50h
  • Antwort auf #2 von tychi
  • Ja, eine neutrale Bezeichnung im Allgemeinen wäre in vielerlei Hinsicht eine Lösung.

    Das Problem im Allgemeinen ist, dass bei den Leuten mit Mutter automatisch die gebärende Person gemeint ist. Aber wie so immer hat man einfach nicht weitergedacht. Gleichgeschlechtliche Ehen? Gebärende Männer? Adoptionen?
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#6 DominikAnonym
  • 15.11.2018, 16:51h
  • Antwort auf #1 von Verständnisfrage
  • Weil die Person nun mal nicht die Mutter ist. Sie hat das Kind weder ausgetragen noch geboren. Ohne vorhandene GebärMUTTER auch nur schwer möglich.

    Was man hier teilweise zu lesen kriegt... na ja, ich will ja echt niemanden beleidigen, deshalb spar ich mir den Satz. Aber irrationale Sichtweisen kann ich beim besten Willen nicht teilen.
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#7 SarahAnonym
  • 15.11.2018, 18:26h
  • Antwort auf #6 von Dominik
  • ".. na ja, ich will ja echt niemanden beleidigen..."

    Interessanter Kommunikationsansatz. Immerhin gehörst Du zu denen, die aus ihrer Motivation keinen Hehl machen.

    Ich und andere haben es Dir unzählige male erklärt - an mangelnder Information liegt es in Deinem Fall nicht.
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#8 cismanAnonym
#9 VerständnisfrageAnonym
  • 15.11.2018, 20:53h
  • Antwort auf #8 von cisman
  • Wieso "guter Kompromiss"? Wieso muss man Kompromisse machen?

    Hatten Schwule und Lesbe es fuer einen guten Kompromiss gehalten, wenn ein Partner dauerhaft mit dem falschen Geschlecht eingetragen worden waere, und nicht nur vorruebergehend fuer ein Jahr? War doch ein guter Kompromiss?

    Wieso nicht richtig machen?
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#10 VerständnisfrageAnonym
  • 15.11.2018, 20:55h
  • Antwort auf #6 von Dominik
  • Wieso MUSS die Mutter diejenige sein, die das Kind ausgetragen hat?

    Ist der Vater derjenige, der das Kind gezeugt hat? Die Antwort ist nein.

    Was ist mit gebärenden Männern? Was ist mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

    Was ist bei Adoptionen?

    Leute, lest doch einfach mal und denkt nach, bevor ihr einfach vermeintliche Offensichtlichkeiten schriebt, die in Wirklichkeit gar keine sind.
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