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Quoten im Sinkflug

"Lindenstraße" wird abgesetzt

Die Kultserie, die mit ihrer offenen Darstellung von LGBTI-Lebensweisen immer wieder aneckte, ist bald Geschichte: Nach über 34 Jahren wird die letzte Folge der "Lindenstraße" in 16 Monaten ausgestrahlt.


Georg Uecker spielt seit Mitte der Achtzigerjahren Carsten Flöter – zu Beginn war er einer von sehr wenigen offen schwulen Figuren im deutschen Fernsehen (Bild: WDR)

Die wöchentliche Serie "Lindenstraße" wird nicht fortgeführt. Wie der WDR am Freitag mitteilte, habe sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrages mit der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion ausgesprochen. Die letzte Folge der in Köln gedrehten Sendung werde damit im März 2020 im Ersten am gewohnten Sendeplatz am frühen Sonntagabend ausgestrahlt.

Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, erklärte, dass die Entscheidung den Verantwortlichen nicht einfach gefallen sei. "Denn die 'Lindenstraße' ist eine Ikone im deutschen Fernsehen, die uns seit Jahrzehnten begleitet. Sie ist Spiegelbild der Geschichte und Entwicklung unserer Republik", so Herres. Man müsse aber nüchtern feststellen: "Das Zuschauerinteresse und unsere unvermeidbaren Sparzwänge sind nicht vereinbar mit den Produktionskosten für eine solch hochwertige Serie." Bis zum Schluss gebe es aber noch "viele interessante Folgen und ein fulminantes Finale".

Die Einschaltquoten gingen in den letzten Jahren immer mehr zurück: Während in den Achtzigerjahren noch 15 Millionen Zuschauer den Abenteuern von Mutter Beimer und Co. beiwohnten, sind es jetzt gerade mal zwei Millionen pro Woche.

Twitter / Lindenstrasse

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn bedauerte die Absetzung, äußerte aber auch Verständnis, "dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ARD geändert haben". Alle Beteiligten könnten "sehr stolz sein, denn sie haben mit der 'Lindenstraße' geschafft, was keiner anderen deutschen Serie gelungen ist: über Generationen hinweg mitten aus dem Alltag der Menschen heraus große gesellschaftliche und politische Themen abzubilden".

Premiere im Dezember 1985

Die "Lindenstraße" erzählt seit ihrem Start am 8. Dezember 1985 Schicksale und Geschichten des bundesrepublikanischen und gesamtdeutschen Lebens. Sie versuchte seit dem Beginn, mit ihrer Figurenkonstellation realitätsnah die Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens und deren Entwicklung widerzuspiegeln.

So setzte sie Zeichen bei der Darstellung homosexueller Figuren: 1987 knutschte etwa Carsten Flöter (Georg Uecker) seinen damaligen Freund Gerd Weinbauer (Günter Barton) – ein Novum im deutschen Vorabendprogramm. Carsten sorgte drei später mit einer heißen Liebesnacht mit seinem damaligen Lover Robert Engel (Martin Armknecht) für Säckeweise Beschwerden beim WDR und sogar Morddrohungen gegen die Schauspieler. Die Szene schrieb Geschichte – und wurde später zum Museumsobjekt im Bonner "Haus der Geschichte" (queer.de berichtete).

1997 heiratete Carsten – vier Jahre vor Einführung der eingetragenen Partnerschaft – seinen Freund Theo. 2003 dann verpartnerte er sich schließlich mit Käthe und adoptierte den HIV-positiven Felix. Zuletzt tauchten auch mehrere Trans-Figuren in der Lindenstraße auf.

Vorbild der in München angesiedelten Serie ist die britische Seifenoper "Coronation Street", die bereits 1960 beim Privatsender ITV startete. Die vom schwulen Autoren Tony Warren erfundene Serie läuft dort noch immer mit mehreren Folgen pro Woche. (pm/dk)

Wöchentliche Umfrage

» Die "Lindenstraße" wird 2020 abgesetzt. Deine Meinung?
    Ergebnis der Umfrage vom 19.11.2018 bis 26.11.2018


#1 FarbfernsehenAnonym
  • 16.11.2018, 13:08h
  • Seit dem Eintritt von Hana Geißendörfer ging's bergab. Es reicht halt nicht aus, nur die Tochter eines erfolgreichen Vaters zu sein.

    Das Ganze ist bedauerlich, weil die Serie, so kleinbürgerlich sie auch war, immer wieder Aufklärungsarbeit geleistet hat auf einem Niveau, das die Fans verstehen konnten.

    Aber das Ende der Soap passt auch ins neue Doitschland, wo Meinungen, Bauchgefühl und Hass auf Minderheiten schwerer wiegen als Aufklärung und Wissen. So gehen die liberalen Zeiten diese Landes zugrunde.
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#2 lucdfProfil
  • 16.11.2018, 13:48hköln
  • Nun... Nichts bleibt wie es war. Die Serie war als Milieustudie interessant und sagte viel über Deutschland aus aber mit der Zeit wirkt sie schon ein bisschen staubig
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#3 EternalAlmanAnonym
#4 FOX NewsAnonym
  • 16.11.2018, 15:40h
  • Die Serie hat die Zuschauer immer zu sehr belehren wollen. Schade ist es dennoch. Wobei man der Uecker nicht hinterher trauern muss.
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#5 SeifenOpaAnonym
  • 16.11.2018, 15:57h
  • Nur eine Ruine kann vom Krieg erzählen. Endlich endet diese Serie. Die Gesellschaftsschichten, die die Lindenstraße damals erreichte, erreicht sie seit mind.10 Jahren nicht mehr.
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#6 SerienOmaAnonym
  • 16.11.2018, 17:41h
  • Wir hatten ja früher nix, ne.
    Und so waren wir froh um jeden schwulen Kuss im Fernsehen, und auch für manch andere Gesellschaftskritik.

    Wem das nicht gefällt, soll's halt nicht gucken. Aber fast 35 Jahre jetzt so in den Schmutz zu ziehen, hat die Serie echt nicht verdient.
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#7 Patroklos
  • 16.11.2018, 20:22h
  • Ich war von dieser Nachricht ziemlich überrascht und dachte zuerst, es ist ein verspäteter Aprilscherz oder schlicht Fakenews.
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#8 jochenProfil
  • 16.11.2018, 22:41hmünchen
  • Lindenstrasse war lange Zeit eine interessante Unterhaltungssoap , die abseits von den sonst oft üblichen Schönen und Reichen in solchen Serien, mal die" Menschen von nebenan" zeigte.Z. B. Schwule , Lesben, Bäckereiverkäuferin, die Tratsche aus dem Haus, Rollstuhlfahrer und trauten sich sogar Stotterer ins feste Ensemble zu nehmen.

    Mit der Zeit wurde dann aber , nach meinem Empfinden die Lindenstraße, immer mehr zu einer Serie mit "Erziehungs- und Belehrungs- Ambitionen" ... und das dazu auch noch manchmal ziemlich schlecht.
    Das ging mir dann irgendwie auf die Nerven und habs dann nicht mehr angeschaut.
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#9 JamboAnonym
  • 16.11.2018, 23:09h
  • Nicht die Einschaltquoten sind zurückgegangen sondern die Einschaltquoten also die die eingeschaltet haben sind einfach weg gestorben. Die Serie hat sich von innen ausgehöhlt und kostenintensiv konnte die Serie ja auch nur sein Dank den sprudelnden GEZ-Gebühren. Genauso wie der Musikantenstadl mit Karl Moik und der Musikanten Dampfer und wie diese ganze Dingen heißen, die da über den Bildschirm flimmerten und immer noch flimmern.
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#10 SerienOmaAnonym