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Gemeinsamer Auftritt in Lübeck

Spahn verteidigt Kramp-Karrenbauer

In einer CDU-Regionalkonferenz betonte der schwule Politiker, unterschiedliche Auffassungen zur Ehe für alle dürften debattiert werden. Die Politikerin verteidigt ihre homophobe Haltung im neuen "Spiegel" weiter.


Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn am Donnerstag in Lübeck (Bild: Screenshot CDU bei Youtube)

Bundesgesundsheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich in der anhalten Kritik an homophoben Aussagen der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer schützend vor seine Mitbewerberin um den Parteivorsitz gestellt. "Unterschiedliche Auffassungen" über die Ehe für alle dürften benannt werden und seien auszuhalten, sagte der schwule Politiker am Donnerstag bei einer CDU-Regionalkonferenz in Lübeck.

Bei der ersten von insgesamt acht solcher Konferenzen stellten sich die beiden Kandidaten zusammen mit dem Mitbewerber Friedrich Merz gemeinsam vor. Kramp-Karrenbauer hatte 2015 als saarländische Ministerpräsidentin ihre Ablehnung der Ehe für alle damit begründet, dass dann auch eine "Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen" folgen könne (queer.de berichtete). Seitdem hatte sie die Ablehnung der Gleichstellung – und auch den Vergleich – immer wieder verteidigt und aktualisiert, etwa in der letzten Woche bei "Maischberger" (queer.de berichtete) oder in dieser Woche in einem Zeitungsinterview (queer.de berichtete).

In der Vergangenheit hatte Kramp-Karrenbauer auch mehrfach das gemeinschaftliche Adoptionsrecht für homosexuelle Paare abgelehnt und das mit dem Kindeswohl begründet (queer.de berichtete). Eine Podiumsdiskussion mit LSVD-Aktivisten 2015 führte zu keinem Umdenken (queer.de berichtete).

Auch im am Samstag erscheinenden "Spiegel" betont Kramp-Karrenbauer in einem Interview, dass der Inzest-Vergleich Jahre zurückliegt und Spahn nicht verletzten sollte, nimmt ihn aber nicht zurück. Kritik des Politikers an der Äußerung sehe sie "nicht als persönlichen Angriff", sondern als "Reflex, den ich aus vielen Debatten etwa mit dem Lesben- und Schwulenverband aus meinem eigenen Bundesland kenne." Sie sei für den "Abbau jeglicher Diskriminierung" und für Lebenspartnerschaften. "Allerdings habe ich einen sehr traditionellen Begriff von der Ehe als einer Verbindung zwischen Mann und Frau, an dem ich nicht rütteln will." Sie könne "nachfühlen", dass das Thema für Spahn und "die Betroffenen höchst persönlich und auch sehr emotional ist".

Spahn spielt AKKs Homophobie herunter

In der mehrstündigen Diskussion in Lübeck am Donnerstag war es Spahn, der das Thema ansprach. Im Rahmen einer Runde zur Diskussionskultur in der Partei beschwerte sich der 38-Jährige über Medienüberschriften wie eine, er hätte Kramp-Karrenbauer "attackiert" – so betitelte u.a. queer.de am Mittwoch eine Meldung, wonach Spahn in einem Interview geäußert hatte, dass ihn der Polygamie-Vergleich persönlich getroffen habe (queer.de berichtete).

In Lübeck sagte Spahn, das seien "Bewertungen von Journalisten über sachliche Unterschiede", die er benannt habe. "Eine Debatte, die es nicht möglich macht, in der Sache einen Unterschied zu benennen, ohne dass das gleich als Attacke gilt, die macht Debatte unmöglich." Zu der neben ihm stehenden Kramp-Karrenbauer meinte er: "Wir haben damals telefoniert, Annegret, gut und einvernehmlich, als du das Zitat etwa zur Öffnung der Ehe gesagt hast." Jetzt sei es erneut in einer Sendung gefallen. "Dass jemand, der mit einem Mann verheiratet ist, sich erstmal schwer tut, wenn das irgendwie in die Nähe von Inzest kommt, verstehen sie auch, vielleicht", meinte Spahn Richtung Zuhörer.

Direktlink | Die gesamte erste Regionalkonferenz als Video

Man könne das aber "miteinander besprechen", "ohne dass das irgendwie gleich Kommunikation unmöglich macht". Zu Kramp-Karrenbauer sagte er: "Ich weiß auch, dass du mich nicht persönlich gemeint hast, sondern du hast eine andere Auffassung, was Ehe angeht. Ich habe immer dafür gekämpft übrigens – auch bei denen, die sofort immer, wenn jemand eine andere Auffassung hat, gleich sagen: Schwulenhasser, homophob – Nein!" Es gebe "unterschiedliche Auffassungen" in der Frage in seiner Partei. "Und wenn wir das vernünftig miteinander diskutieren, dann halten wir das auch aus. Dann darf so ein Unterschied auch mal ruhig benannt werden." Das gelte auch bei anderen Fragen, etwa der Migrationsfrage, wo er den Zuzug im Gegensatz zu anderen Parteikollegen noch für zu hoch halte.

Spahn sieht Freiheit bedroht

Bei seiner Vorstellungsrede hatte Spahn zwei Stunden zuvor davon gesprochen, wie er mit seiner "Mama" über die Fortschritte in der Gesellschaft der letzten 20 Jahren geredet habe, über "Offenheit im Umgang mit Fremden, mit anderen, mit Schwulen". Diese "neue Freiheit" sei "unter Druck" – "von Linken, die mit Übermoral Offenheit diktieren wollen und damit eher Abwehr erreichen, die ist unter Druck von Rechten, die mit dumpfen Sprüchen Ressentiments schüren um sich zu überhöhen gegenüber Minderheiten, und die ist unter Druck durch andere zum Teil reaktionäre, konservative Kulturen, die Antisemitismus, Schwulenhass, eine angebliche Vorrangstellung des Mannes mit sich bringen".

Die Verteidigung der Freiheit sei einer der "Hauptgründe" für seine Kandidatur, so Spahn, der die Homofeindlichkeit der Union dabei unerwähnt ließ. Er hatte schon 2015 zur Debatte zur Ehe für alle "beide Seiten" zu einer "Abrüstung" aufgerufen (queer.de berichtete).

Die nächste CDU-Regionalkonferenz findet am nächsten Dienstag in Mainz statt, danach folgen Idar-Oberstein, Seebach in Thüringen, Halle/Saale, Böblingen, Düsseldorf, Bremen und Berlin. Die Wahl zum neuen Vorsitz ist für Freitag, den 7. Dezember, beim Parteitag in Hamburg vorgesehen.

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#1 IronikerAnonym
  • 16.11.2018, 19:12h
  • ""Unterschiedliche Auffassungen" über die Ehe für alle dürften benannt werden und seien auszuhalten, sagte der schwule Politiker"...

    Unterschiedliche Auffassungen über die rechtliche Gleichbehandlung von Juden dürften benannt werden und seien auszuhalten, sagte der jüdische Politiker...

    Unterschiedliche Auffassungen über die Diskriminierung von People of Color dürften benannt werden und seien auszuhalten, sagte die Politikerin afrikanischer Herkunft...

    Noch mehr vergleichbare Aussagen gewünscht? Oder ist klar genug, wie kriecherisch das klingt? Wie meilenweit entfernt das von echter, selbstbewusster Emanzipationspolitik ist?

    Mir kräuseln sich die Zehennägel.
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#2 NichtsNeuesAnonym
  • 16.11.2018, 19:38h
  • Yo, das überrascht mich nicht.
    Was soll man anderes von Spahn erwarten? Er sit sehr konservativ - Punkt.
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#3 stephan
  • 16.11.2018, 19:52h
  • Tja, zu AKKs unmöglicher und beleidigender Position bleibt wenig zu sagen. Und Spahns Verteidigung passt gut ins Bild! Spahn ist wie alle diese eigentümlich verbogenen schwulen Subjekte in der Union, konservativ bis ins Mark, duckmäuserisch und wenn andere Menschen, Parteien und Strömungen dann Rechte durchgesetzt haben - wie die Ehe für alle z.B. - ist die ganze Sache gleichgültig und Spahn gesellt sich zu seinen feien Parteikolleg(inn)eni und ist ferner natürlich einer der ersten Profiteure, der gesellschaftlichen und rechtlichen Änderungen. ... Charakterlich passt Spahn genau in die Union! Ekelhaft!
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#4 SarahAnonym
  • 16.11.2018, 20:53h
  • - Unterschiedliche Auffassungen über die rechtliche Gleichbehandlung von Frauen dürften benannt werden und seien auszuhalten, sagte die feministische Politikerin...

    - Unterschiedliche Auffassungen über die rechtliche Gleichstellung von Transmenschen dürften benannt werden und seien auszuhalten, sagte die Transaktivistin...

    Dieser Mann relativiert einfach mal Menschen- und Bürgerrechte ganzer Menschengruppen (inkl. seiner eigenen) und erklärt ihre Rechte für "verhandelbar".
    "Weisser Cis-Mann" genügt ihm zur Selbst-Identifikation.

    In einem Land wie Deutschland "empfiehlt" er sich damit mit tatsächlicher Aussicht auf Erfolg für die Position eines Regierungschefs.

    Dieser Mann ist eine leere Hülle - ein reiner Bundeskanzler-Darsteller. Dazu passt sein grenzenloser, kriechender, Selbst-lose Opportunismus. Genau das erwartet man von ihm und Spahn liefert prompt. Er ist perfekt für das Amt.

    By the way...
    ...hat bei euch in Deutschland eigentlich irgendjemand während seiner Amtszeit als schwuler Gesundheitsminister realisiert, das er zuständig dafür gewesen wäre, die gesundheitliche Versorgung von Transmenschen - die in Deutschland im Gegensatz zu U.K. und anderen Ländern nicht gesichert ist - durch gesetzliche Verankerung im SGB 5 sicher zu stellen-?

    Von Spahn weiß ich, dass er das als Mitglied der community ignoriert und totgeschwiegen hat.
    Von den Transmenschen und ihren Verbänden in Deutschland weiß ich, dass sie diese Tatsache nicht einmal bemerkt haben und weder Forderungen an Spahn gestellt haben, noch es jemals thematisiert haben.
    Von der Gesamt-community in Deutschland weiß ich, dass sie nicht mal versteht, wovon ich rede, wenn ich Transgender Health Care anspreche...
    ...aber das natürlich nur ganz nebenbei.

    Falls Spahn Bundeskanzler werden sollte, könnte die community sich natürlich dazu entscheiden, diesen Mann - WEIL er schwul ist - mit einem ungeheuren Druck in die Pflicht zu nehmen und ihn regelrecht vor sich herzutreiben.

    Wird sie aber nicht tun. Auch die community in Deutschland ist patriarchal-hierarchisch aufgestellt und will auch nur an die Fleischtöpfe - sprich Privilegien.

    Ich denke, dafür nimmt man dann gerne die Wahl zwischen Pest, Cholera und Typhus in kauf.
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#5 StiflerAnonym
  • 16.11.2018, 23:21h
  • Antwort auf #3 von stephan
  • Jens Spahn hat seinen Beitrag zur Ehe für alle geleistet. Er hat innerhalb der Union dafür geworben und auch selbst dafür gestimmt, sodass letzten Endes doch über 1/4 der Unionsabgeordneten gegen ihre Parteilinie für die Homo-Ehe gestimmt haben. Sich in der Union für Homosexuelle einzusetzen, und offen die Parteichefin zu kritisieren, verlangt mehr "Eier" als Volker Beck braucht, der seinen Kampf eh nur innerhalb der homophilsten deutschen Partei geführt hat.
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#6 TheDadProfil
  • 16.11.2018, 23:25hHannover
  • "" "Unterschiedliche Auffassungen" über die Ehe für alle dürften benannt werden und seien auszuhalten,""..

    Nöö..
    Vor allem deshalb nicht, weil eine "Auffassung" wie die der AKK damit verbunden bleiben wird absurde Vergleiche zu ziehen, und dann noch aus einer Sozialisation heraus entstehen die die Gleichberechtigung aller Bürger im Land verhindert..
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#7 TheDadProfil
  • 16.11.2018, 23:30hHannover
  • Antwort auf #4 von Sarah
  • ""Falls Spahn Bundeskanzler werden sollte, könnte die community sich natürlich dazu entscheiden, diesen Mann - WEIL er schwul ist - mit einem ungeheuren Druck in die Pflicht zu nehmen und ihn regelrecht vor sich herzutreiben.""..

    Wieso sollte die Communty bei einem Bundeskanzler tun, was sie bei einem Bundesgesundheitsminister auch nicht tut ?
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#8 OlliAnonym
  • 16.11.2018, 23:51h
  • Hat der Spahn Schiss, dass ihn irgendeine konservative Bratze aus der CDU nicht wählt, weil er selber schwul ist?

    Der Typ ist ein widerlicher Opportunist. Jahrelang rumgeeiert. Er hat kurz vor der Eheöffnung Homosexuellen noch zu erklären versucht, dass die "normale" Ehe nun mal wertvoller sei. Was will der Typ? Fähnchen im Wind haben wir ausreichend in der Politik und diese Luftpumpe braucht keiner.
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#9 daVinci6667
  • 16.11.2018, 23:52h
  • Auf der einen Seite ist Spahn das kleinste Übel der dreien. Auf der anderen Seite ist es eine Katastrophe wie handzahm er jetzt gegenüber AKK sich wieder äussert. Halt eben CDU alle drei.

    Zwar etwas besser als die FDP-Schwesterwelle damals die es sogar geschafft hat gegen seine eigenen Rechte zu stimmen, jedoch ist Spahn immer noch so duckmäuserich dass es bei jedem Aufrechten mit Rückgrat und Eiern in der Hose nur Ekel erzeugt.

    Mensch red mal Tacheles Spahn, steh zu Dir und Deinem Mann und sag klipp und klar, dass die AKK hier lauter homophobe Scheisse labbert! Da sind ja viele in der AfD sogar gemässigter als diese AKK.
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#10 MariposaAnonym