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Roland Heintze spricht im Interview über die Überzeugungsarbeit innerhalb der Union und erklärt, warum er gegen das Homo-Adoptionsrecht ist.

Von Dennis Klein

Der 32-jährige Roland Heintze ist seit einem knappen Jahr Vorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU). Die Gruppe erhofft sich Einfluss auf eine mögliche unionsgeführte Bundesregierung unter Angela Merkel. Der studierte Politikwissenschaftler Heintze hatte sich bereits in der Schüler Union engagiert. 2004 gelang ihm über die Landesliste der Einzug in die Hamburger Bürgerschaft.

Wenn man von der CDU bekämpfte rot-grüne Projekte wie das Lebenspartnerschaftsgesetz, das Mahnmal für Homo-NS-Opfer und das Antidiskriminierungsgesetz betrachtet, warum sollten Schwule die CDU wählen?
Man könnte die gescheiterte Magnus-Hirschfeld-Stiftung dagegen setzen und fragen, warum man grün wählen müsste. Mit der CDU würde es sie bereits geben, da haben die Grünen nachher nicht mehr gewollt. Was das Antidiskriminierungsgesetz betrifft, gibt es auch einen klaren Grund, CDU zu wählen. In der vorgelegten Form ist das ADG eine Überregulierung, die nichts mit der Schaffung von Arbeitsplätzen zu tun hat und nichts dazu beiträgt, dass Schwule und Lesben weniger diskriminiert werden. Da wurde ein gut gemeinter aber nicht funktionierender Papierwust geschaffen. Hier bin ich der Meinung, die Umsetzung der EU-Richtlinie könnte man wesentlich schlanker und damit besser für alle Beteiligten lösen.

Und das Lebenspartnerschaftsgesetz?
Das ist ein Thema, mit dem wir uns nach der Wahl sicher noch einmal befassen müssen. Die Union hat hier nicht die Treiberrolle gespielt. Das sehen wir auch so. Man muss allerdings sehen, dass die Union eine Volkspartei ist. Akzeptanz entsteht nicht dadurch, dass man sie im Bundestag durchsetzt, sondern dass man die Gesellschaft auch mitnimmt. Die CDU ist bei diesem Thema etwas langsamer und vorsichtiger. Aus Sicht des Betroffenen sehe ich das natürlich kritisch. Nichtsdestotrotz wird sicher nichts zurückgedreht werden.

Was wird die LSU fordern, wenn es eine unionsgeführte Bundesregierung gibt?
Eines unser wesentlichen Ziele ist es, die Akzeptanz für schwule und lesbische Lebensweisen innerhalb der CDU zu erhöhen. Zum zweiten werden wir genau hingucken, was im Bereich Lebenspartnerschaftsgesetz noch bewegt werden muss und dafür für Akzeptanz werben.

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Ist es nicht frustrierend, wenn man immer ein "Nein" hört auf Fragen wie: "Können wir die Ehe öffnen", "können wir ein Adoptionsrecht kriegen"?
Ich bin selbst kein Verfechter des Adoptionsrechts. Daher weiß ich auch nicht, warum ich enttäuscht sein müsste. Uns geht es da genauso wie Interessegruppen in allen Parteien: Nicht alle Forderungen kommen durch. Da geht es der Jungen Union oder der Frauen Union ähnlich. Das ist das ganz normale Spiel, wenn man Interessengruppen vertritt. Die Union ist für das schwul-lesbische Thema nicht so offen wie beispielsweise die Grünen. Das macht es nicht einfacher, aber man gewöhnt sich dran.

Sie sind gegen das Adoptionsrecht?
Ich persönlich ja. Der Verband hat da keine klare Festlegung. Im Oktober werden wir darüber diskutieren und abstimmen. Grundsätzlich unterstützen wir den Ansatz "gleiche Rechte für gleiche Pflichten".

Warum sind Sie dagegen?
Ich glaube nicht, dass es im Moment von Relevanz ist. Es gibt eine Stiefelternadoption, die ist geregelt und vernünftig. Beim allgemeinen Adoptionsrecht glaube ich immer noch, dass die erste Wahl Vater und Mutter sein sollte. Es gibt noch keine Langzeitstudien, die etwas anderes belegen. Dennoch stellt sich die Frage nach einem Adoptionsrecht praktisch nicht, weil es in Deutschland zum Glück nicht so viele Kinder zum Adoptieren gibt. Man muss nicht jedes Recht haben, nur weil es andere auch haben. Bei der Stiefeltern-Frage ist das wohl gemerkt etwas anderes.

Sie glauben, dass schwule Paare generell weniger geeignet sind, Kinder großzuziehen?
Nein, das hab ich nicht gesagt. Mir fehlt nur der Beleg, dass Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, die gleiche Entwicklung durchlaufen können wie Kinder, die mit Vater und Mutter aufwachsen. Wenn Vater und Mutter da sind, lernt das Kind sowohl männliche als auch weibliche Wesen kennen und da gibt es Unterschiede. Es geht ausschließlich ums Kindeswohl und nicht darum, ob jemand das gleiche Recht hat wie ein anderer oder nicht.

4. August 2005

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#1 RbtAnonym
  • 04.08.2005, 14:08h
  • Endlich mal ein Schwuler der ein Gehirn hat!
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#2 Stefan K.Anonym
  • 04.08.2005, 14:12h
  • Soll ich lachen? Als ob wir nicht dafür geeignet genug wären. Ich habe eher starke Zweifel, dass die LSU sich in der Union durchsetzen kann.
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#3 wernermucAnonym
  • 04.08.2005, 15:02h
  • hi,
    nettes Interview.
    Also Kinder brauchen Vater und Mutter. Sozusagen die maennliche und weibliche Seite. Was ist mit den ganzen Kindern, die nur einen Elternteil haben? Deren Entwicklung ist also mehr gesichert als wenn gleichgeschlechtliche Paare Kinder aufziehen ?
    Das ist der gleiche Witz, wie man zwar ueber 40 noch Kinder bekommen darf, aber ab diesem Alter kaum noch eine Chance zur Adoption hat.
    Oder, sind es meine selbstgemachten Kinder duerfen sie gerne in Armut leben, will ich welche adoptieren und diesen meine Liebe schenken, muss ich gut situiert sein.
    Deutschland und seine Logik *lach*
    Es geht niemandem um das echte Kinderwohl, sonst wuerden sie sich endlich mal fragen, ob nicht das hoechste Gut fuer Kinder ist, dass sie gewollt und geliebt werden.

    lg werner
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