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Ukraine

Kiew: Polizei stoppt Trans*-Demo statt rechten Mob

Die Beamten beendeten die Kundgebung gegen Gewalt gegen Transpersonen vorzeitig, statt sie zu schützen. Mindestens drei Personen wurden durch Gegendemonstranten verletzt.


Die Trans*-Kundgebung konnte noch ungestört beginnen, wurde aber nach wenigen Minuten von der Polizei abgebrochen (Bild: Insight LGBTQ NGO / facebook)

Die ukrainische LGBTI-Organisation Insight hat am Sonntag die Polizei von Kiew beschuldigt, eine Kundgebung anlässlich des International Transgender Day of Remembrance unzureichend geschützt und letztlich rechtswidrig frühzeitig abgebrochen zu haben.

Aufgrund angekündigter Gegenproteste hatte die Polizei bei den Veranstaltern bereits am Samstag eine Änderung des Kundgebungsortes aus Sicherheitsgründen durchgesetzt, so Insight, obwohl man für den ursprünglichen Ort eine Absprache mit der Stadt und den Beamten getroffen hatte. Als sich am Sonntagmorgen an dem neuen Ort über 100 "Rechtsradikale und religiöse Gruppen" versammelten, habe die Polizei erneut einen Ortswechsel in letzter Sekunde verfügt.

Twitter / ColborneMichael | Ein Blick auf die Gegendemonstranten vom kanadischen Journalisten Michael Colborne, der später von diesen angegriffen wurde

Der "Trans*Marsch 2018" konnte zunächst am Startpunkt in Uni-Nähe mit Bannern und Redebeiträgen beginnen, bis einige Gegendemonstranten zu ihm vordringen konnten und mit Rufen wie "Schande" die Veranstaltung störten; auch wurden Rauchbomben geworfen. Die Polizei habe die Gegendemonstranten nicht gehindert, so Insight, sondern dann plötzlich die Trans-Kundgebung in den Eingang einer U-Bahn-Station gedrängt und die Veranstaltung frühzeitig für beendet erklärt. Medien berichten, die Teilnehmer seien in der Station weiter beschimpft worden. Außerdem hätten mehrere Personen "Ehre der Ukraine – Tod den Feinden" skandiert.

Twitter / theBabelUA | Die Polizei unterband den Trans*-Marsch wenige Minuten nach Beginn

Facebook / YHH | Die Polizei drängte die Teilnehmer in die U-Bahn-Station. Mehr Eindrücke bietet ein ausführliches Video einer Teilnehmerin bei Facebook

Mit einer durch die Polizei geschützten Abfahrt per U-Bahn enden LGBTI-Proteste in Kiew häufig, allerdings war dies in den letzten Jahren immer der vorab geplante Schlusspunkt von längeren und von den Beamten komplett geschützten Demonstrationen. So konnte in den letzten Jahren der CSD in der Hauptstadt mehrfach unter dem Schutz durch tausende Beamte stattfinden; in diesem Jahr wurden 50 Gegendemonstranten festgenommen (queer.de berichtete). Auch in anderen Städten wie in Odessa wurden zuletzt CSD-Demonstrationen korrekt gesichert (queer.de berichtete). In anderen Städten hingegen konnten rechte Gegendemonstranten immer wieder Veranstaltungen verhindern. So wurde im Mai ein "Festival der Gleichberechtigung" in Czernowitz abgebrochen und Teilnehmer wurden evakuiert (queer.de berichtete).

Mindestens drei Verletzte

Laut Insight und mehreren Medienberichten wurden am Sonntag in Kiew zwei junge Frauen mit Pfefferspray von Gegendemonstranten angegriffen und verletzt. Auch der kanadische Journalist Michael Colborne wurde mit Spray angegriffen und erhielt einen Schlag ins Gesicht, bei dem seine Brille zerbrochen wurde. Das Glas verletzte ihn zusätzlich im Gesicht. Die Polizei hat inzwischen angekündigt, zu diesen Fällen Ermittlungen aufzunehmen.

Twitter / ChristopherJM

Die Vorkommnisse zeigten, dass "rechtsradikale Aggressionen und Gewalt in der Ukraine zunehmen", so Insight. "Die Polizei erklärt unter Druck radikaler Gruppen, dass sie nicht für Sicherheit garantieren kann. Daher kann die Polizei Menschenrechte nicht gewährleisten. Wir sehen die Situation so, dass sich eine rechtsradikale Diktatur in der Ukraine etabliert." (nb)

Twitter / ColborneMichael



#1 PierreAnonym
  • 18.11.2018, 19:31h
  • Damit zeigt die Ukraine wieder mal, dass die weiterhin ideologisch nach Russland gehört und nicht nach Europa.

    Wenn nicht mal die Staatsorgane Rede- und Versammlungsfreiheit vor dem rechten Mob schützen und die Gesellschaft das auch größtenteils gar nicht will, dann hat dieses Land z.B. NICHTS in der EU zu suchen.

    Und eh jetzt wieder welche kommen, dass das in Polen auch nicht anders sei:

    Ja, auch Polen hätte niemals in die EU aufgenommen werden dürfen. Aber dass man Fehler gemacht hat, heißt nicht, denselben Fehler wiederholen zu müssen.
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#2 Rechtsruck-WatchAnonym
  • 19.11.2018, 10:01h
  • Antwort auf #1 von Pierre
  • Gerade wenn ich mir ansehe, was die EU Ländern wie Polen, Litauen, Lettland usw. durchgehen lässt, drängt sich mir der Eindruck auf, dass die Ukraine sich durch solch ein LGBT*IQ-hassendes Verhalten als Beitrittskandidatin weniger disqualifiziert als ganz im Gegenteil qualifiziert.
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#3 Gerlinde24Profil
  • 19.11.2018, 16:11hBerlin
  • Es zeigt mir als Mensch mit transsexueller Vergangenheit, dass die Ukraine noch nicht soweit sind, zur EU zu gehören, wenn sie die Rechte von Transmenschen nicht schützt. Der TDOR wurde ja geschaffen, um an all die Gewalt gegen Transmenschen zu erinnern.
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#4 MitleserinAnonym
#5 TomDarkProfil
#6 Gerlinde24Profil
#7 Gerlinde24Profil
  • 20.11.2018, 01:10hBerlin
  • Antwort auf #5 von TomDark
  • Russland und Ukraine haben sich lange als "Brüdervölker" verstanden, die Beziehungen waren eng gewesen, was sich mit der Annexion der Krim, und dem Streben nach Westen (Ukraine) verschlechtert hat. Trotzdem sind sie vor allem, religiös (orthodox) miteinander verbunden. So was ändert sich nicht von heute auf morgen.
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#8 MitleserinAnonym