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US-Studie

Homo- und Bisexuelle missbrauchen eher Schmerzmittel als Heteros

Bisexuelle Frauen sind laut einer aktuellen Untersuchung besonders stark von der in den USA grassierenden Opioid-Krise betroffen, die täglich mehr als 170 Menschenleben kostet.


Medikamentenmissbrauch hat in den USA epidemieartige Ausmaße erreicht – und betrifft besonders Schwule, Lesben und Bisexuelle (Bild: Ajay Suresh / flickr)

Personen, die ihre sexuelle Orientierung als lesbisch, homosexuell oder bisexuell definieren, neigen einer neuen amerikanischen Studie zufolge eher zu einem Missbrauch von Opioiden, also von starken Schmerzmitteln. Laut den im "American Journal of Preventive Medicine" veröffentlichten Ergebnissen von Forschern der New York University School of Medicine haben fünf Prozent der sich als heterosexuell bezeichnenden volljährigen Amerikaner innerhalb eines Jahres diese Medikamente missbräuchlich eingenommen. Bei schwulen oder lesbischen Personen verdoppelt sich dieser Wert fast auf neun Prozent, bei Bisexuellen sogar auf zwölf Prozent.

Zwischen Frauen und Männern, die einer sexuellen Minderheit angehören, gibt es in der Nutzung große Unterschiede: So gaben zehn Prozent der Schwulen, aber nur acht Prozent der bisexuellen Männer an, im vergangenen Jahr Opioide missbräuchlich eingenommen zu haben. Bei Frauen war dieses Ergebnis spiegelverkehrt: Nur sieben Prozent der Lesben, aber 14 (!) Prozent der bisexuellen Frauen meldeten die missbräuchliche Einnahme der Schmerzpillen.

Für die Studie wurden die Daten von rund 43.000 Personen ausgewertet, die an der "National Survey on Drug Use and Health" aus dem Jahr 2015 teilgenommen hatten. Abgefragt wurden sexuelle Orientierung und die Nutzung von Opioiden im vergangenen Jahr sowie im vergangenen Monat. Zusätzlich wurde nach dem Einsatz von verschriebenen Medikamenten dieser Art gefragt. Als Missbrauch wurde definiert, wenn ein Medikament ohne Verschreibung in größeren Mengen oder länger als vorgesehen oder entgegen der Empfehlungen eingenommen wurde.

Mehrere frühere Studien hatten bereits ergeben, dass Personen, die sich als schwul oder lesbisch definieren, eher Drogen konsumieren und an damit in Zusammenhang stehenden Krankheiten wie Alkoholismus und dem Missbrauch anderer Substanzen leiden. Laut den Wissenschaftlern handelt es sich bei der aktuellen Untersuchung um die erste, die Unterschiede in der sexuellen Orientierung in einer national repräsentativen Stichprobe von volljährigen US-Bürgern untersucht hat.

Grund für erhöhten Medikamentenmissbrauch: Stress sowie Stigma

Laut Chefforscher Joseph J. Palamar macht diese Studie deutlich, dass Erwachsene, die zu einer sexuellen Minderheit gehören, über ein erhöhtes Risiko eines Missbrauchs von Opioiden verfügen und daher von der Präventionsarbeit besonders angesprochen werden müssen. Das betreffe insbesondere bisexuelle Frauen. Die Forscher schätzen, dass die Ursache für den Missbrauch in dieser Gruppe die Notwendigkeit eines Bewältigungsmechanismus für den Stress und das Stigma ist, die dadurch entstehen, dass diese Frauen nicht nur allgemein einer Minderheit angehören, sondern auch innerhalb der schwul-lesbischen Community eine Minderheit darstellen.

Die Daten sind nicht direkt auf Deutschland übertragbar, da der Missbrauch von Opioiden in den USA weit schlimmere Ausmaße angenommen hat als in anderen Ländern. Täglich sterben im Land mehr als 170 Menschen an veschreibungspflichtigen Medikamenten wie Fentanyl, das eine um ein Vielfaches stärkere Wirkung entfaltet als das illegale Heroin. Der Hauptgrund für die Krise ist, dass Ärzte die Medikamente jahrzehntelang bedenkenlos selbst für kleine Wehwehchen verschrieben haben. (dk)



#1 Ith__Ehemaliges Profil
  • 20.11.2018, 12:26h
  • Speziell bei den bisexuellen Frauen fänd ich zunächst mal die Korrelation zu erlebten sexuellen Übergriffen interessant. Das Stigma "immer und für jeden verfügbar" hat zuweilen handfeste und nicht bloß psychische Konsequenzen.
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#2 TomDarkProfil
  • 20.11.2018, 20:55hHamburg
  • Meist wird Bisexualität nur oberflächlich betrachtet und so verstanden, dass die Betroffenen mehr Möglichkeiten haben und sexuell viel offener sein würden.

    Tatsächlich werden sie jedoch häufig missverstanden oder nicht ernst genommen, oder man verlangt ihnen ab, sich irgendwann entscheiden zu müssen.

    Dass die doppelte Ablehnung durch die homo- und heterosexuelle Seite einen solchen Menschen sehr einsam und auch krank oder süchtig machen kann, steht ausser Frage.

    www.dw.com/de/bisexualit%C3%A4t-du-geh%C3%B6rst-nicht-zu-uns
    /a-45943143
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#3 SarahAnonym