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Koalitionsverhandlungen in Hessen

Pro Asyl: Grüne dürfen bei Einstufung von Maghreb-Staaten nicht "umfallen"

Obwohl Algerien, Marokko und Tunesien Homosexuelle verfolgen lassen, wollen Union, SPD, FDP und AfD den drei Staaten das Prädikat "sicherer Herkunfststaat" verleihen. Die Abwehrfront von Grünen und Linken bröckelt.


Günther Burkhardt kritisiert, dass führenden Politikern die Verfolgung Homo­sexueller in den Maghreb-Staaten offenbar egal ist (Bild: Screenshot Phoenix)

  • 20. November 2018, 11:38h 13 2 Min.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat die Grünen in Hessen aufgerufen, bei den Koalitionsverhandlungen in dem Bundesland in puncto sichere Herkunftsstaaten "nicht umzufallen". Die Maghreb-Staaten Tunesien, Algerien und Marokko "sind nicht sicher", erklärte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt am Dienstag. "Grund- und menschenrechtliche Standards sind keine Verhandlungsmasse, Menschenrechte sind unteilbar." Die Grünen-Parteispitze und die Bundestagsfraktion hätten sich zu Recht gegen das "verfassungswidrige Gesetz" gestellt.

Auch LGBTI-Aktivisten lehnen die Einstufung der drei Länder als "sicher" ab, da alle Homosexuelle verfolgen lassen. Die Gesetze, die Homosexualität mit bis zu drei Jahren Haft ahnden, werden auch angewandt. Zudem, so beklagte unter anderem die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, lässt Tunesien schwule Männer mit sogenannten Anal-Tests foltern (queer.de berichtete).

Union und SPD dringen trotz dieser Vorwürfe seit Jahren auf die Aufnahme der Maghreb-Staaten in die Liste der sicheren Herkunftsstaaten, um Asylverfahren zu beschleunigen. Auch homosexuellen Flüchtlingen droht damit eine schnelle Abschiebung. Die Neueinstufung scheitert aber im Bundesrat bislang vor allem am Widerstand der Grünen. Auch die Linke ist eigentlich gegen die Einstufung von Tunesien, Algerien und Marokko als sicher. Derzeit läuft ein neues entsprechendes Gesetzgebungsverfahren im Bundestag.

Auch Linke will über Prädikat "sicher" verhandeln

Derweil signalisierte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Gesprächsbereitschaft: Er sei "grundsätzlich bereit, über die Aufnahme von Ländern wie Tunesien, Algerien und Marokko in die Liste zu verhandeln", sagte Ramelow, der eine rot-rot-grüne Landesregierung führt, der "Bild"-Zeitung von Dienstag. Er verknüpfte dies allerdings mit der Forderung nach einer "Grundsatzdebatte über das Asylrechtssystem".

Konkret verlangte Ramelow in diesem Zusammenhang laut "Bild"-Zeitung "eine Regelung für Altfälle und die Möglichkeit für den Spurwechsel vom Asyl- ins Einwanderungssystem für integrierte Flüchtlinge". Derzeit profitierten von den Asylverfahren oft "die Falschen: Diejenigen, die kommen, um unser System auszunutzen". Dagegen litten darunter "diejenigen, die unsere Hilfe dringend und schnell brauchen". Dies könne nicht so bleiben.

Burkhardt kritisierte den Vorstoß Ramelows scharf. "Wunschdenken und Behauptungen jenseits der Realität dürfen das politische Handeln nicht bestimmen", erklärte er. Pro Asyl appellierte an die in Thüringen mitregierenden Parteien, sich gegen ein "politisches Geschacher" zu stellen. Der großen Koalition im Bund warf Pro Asyl vor, sich die Realität in den Maghreb-Staaten "zurechtzubiegen". Die Verfolgung von Homosexuellen und politischen Oppositionellen werde bagatellisiert. (AFP/dk)

-w-

#1 huascaranAnonym
  • 20.11.2018, 13:50h
  • Selbst wenn die Maghrebstaaten zu sicheren Herkunftsländern erklärt würden, müsste trotzdem eine Einzelfallprüfung erfolgen. Wenn proasyl hier den Anschein erweckt, als hätten LGBT dann keine Chance mehr auf ein Bleiberecht, ist das einfach nicht richtig.
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#2 FOX NewsAnonym
  • 20.11.2018, 14:12h
  • Antwort auf #1 von huascaran
  • Pro Asyl spielt hier nicht mit offenen Karten. Aber das kennt man ja ... Ich hoffe die Grünen stimmen für die Anerkennung als sicherere Staaten, was sie ja auch sind. Homosexuelle haben dann auch weiterhin ein Recht auf Asyl.
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#3 Simon HAnonym
  • 20.11.2018, 14:27h
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    Obwohl Algerien, Marokko und Tunesien Homosexuelle verfolgen lassen, wollen Union, SPD, FDP und AfD den drei Staaten das Prädikat "sicherer Herkunfststaat" verleihen.
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    Da sieht man wieder mal, wo sich Allianzen bilden und welche Parteien an einem Strang ziehen.

    Pfui Union.
    Pfui SPD.
    Pfui FDP.
    Pfui AfD.
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