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Vier Monate nach Einweihung

Stuttgart: Gedenktafel für Karl Heinrich Ulrichs beschmiert

Die Stele für den ersten bekannten Vorkämpfer für die Gleichstellung homosexueller Menschen wurde von unbekannten Tätern mit blauer Farbe besprüht.


Die Gedenktafel am Stuttgarter Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz kurz nach der Einweihung im Juli (Bild: CSD Stuttgart)

Unbekannte Täter haben am Wochenende die Gedenktafel zu Ehren von Karl Heinrich Ulrichs mit blauer Farbe besprüht. Das berichteten die "Stuttgarter Nachrichten" am Dienstag. Nach Angaben der Regionalzeitung wurde bei der Polizei noch keine Anzeige erstattet.

Die Stele auf dem gleichnamigen Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz war erst im Juli eingeweiht worden, um an Deutschlands ersten bekannten Vorkämpfer für die Gleichstellung homosexueller Menschen zu erinnern (queer.de berichtete). Die Patenschaft für die Gedenktafel übernahm der Stuttgarter CSD-Verein.

Twitter / StN_News

"Ob es jetzt eine gezielte Schändung war oder nicht: So eine Tat ist respektlos gegenüber einem Kämpfer für Toleranz und Vielfalt", erklärte die queerpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Brigitte Lösch, gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten". Vorfälle wie diese verdeutlichten, wie wichtig Aufklärung über LGBTI in der Schule sei. "Ich hoffe, dass der Verantwortliche schnell ermittelt wird", so Lösch.

Ein Pionier der Sexualwissenschaft

Karl Heinrich Ulrichs wurde am 28. August 1825 in Ostfriesland geboren. Nach dem Studium von Theologie, Jurisprudenz und Geschichte war er als Gerichtsassessor in Hildesheim tätig. Dort wurde 1854 ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, weil Gerüchte aufkamen, dass er "widernatürliche Wollust mit anderen Männern treibe".

Homosexualität selbst war im Königreich Hannover damals zwar nicht unter Strafe gestellt, allerdings die damit verbundenen "öffentlichen Ärgernisse". Karl Heinrich Ulrichs verließ daraufhin den Staatsdienst und ließ sich in Burgdorf als Anwalt nieder. Doch auch diesen Beruf konnte er wegen eines Berufsverbots nicht lange ausüben. Ulrichs schlug sich als Journalist und Privatsekretär durch. Außerdem gab er Fremdsprachenunterricht – denn er galt als einer der besten Latein-Experten seiner Zeit.

Gleichzeitig forschte und publizierte er über die gleichgeschlechtliche Liebe. 1864 veröffentlichte er die erste von zwölf Schriften dazu. In ihnen stellt Ulrichs die Hypothese von der weiblichen Seele im männlichen Körper auf. Die gleichgeschlechtliche Liebe nannte er Uranismus, einen Mann, der Männer liebt, bezeichnete er als Urning – den Begriff der Homosexualität gab es damals noch nicht. Er ging von einer natürlichen, nicht krankhaften Veranlagung aus und forderte die Straflosigkeit homosexueller Handlungen. Er bekannte sich damit öffentlich zu seiner Veranlagung, was zu dieser Zeit einerseits unerhört war, aber auch gefährlich wegen der drohenden Strafverfolgung. Seine Publikationen, die in einigen Ländern verboten wurden, machten Ulrichs zu einem Pionier der Sexualwissenschaft. Seine Forderung nach der Straffreiheit für homosexuelle Handlungen trug er 1867 erstmals öffentlich auf dem Juristentag in München vor.

Von 1870 bis 1880 lebte Ulrichs in Stuttgart. Wegen der immer mehr um sich greifenden Verfolgung von Homosexuellen in Deutschland wanderte er jedoch anschließend nach Italien aus und ließ sich in Neapel nieder. Dort gab er eine kleine Zeitschrift heraus, die von Freunden des Lateinischen auf mehreren Kontinenten abonniert wurde. Im Juni 1883 zog Karl Heinrich Ulrichs nach L' Aquila um, wo er zwölf Jahre später am 14. Juli 1895 starb. (cw/pm)



#1 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 13:44h
  • Wie immer agieren diese Feiglinge im Verborgenen, weil sie keine Argumente haben und sich nicht artikulieren können.

    Das muss schnellstmöglich in den korrekten Zustand zurückversetzt werden, damit diese Leute sehen, dass ihre Dämlichkeiten keinen Erfolg haben.

    Und wenn mal jemand erwischt wird, muss derjenige eine saftige Strafe bekommen und auch die Wiederherstellung zahlen.
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#2 KameraAnonym
  • 21.11.2018, 20:27h
  • Es ließe sich eine Videokamera aufstellen und der nächste, der das Denkmal verschmiert, wird pech haben :-)
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