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Reaktionen

LSVD: Karliczek ignoriert Studien, um Vorurteile zu pflegen

Die homophoben Äußerungen der Bundesbildungsministerin führen zu scharfer Kritik aus der Szene, der SPD und der Opposition.


Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sorgte mit ihrer homofeindlichen Äußerung für hohe Wellen (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
  • 21. November 2018, 12:34h 38 3 Min.

Die Äußerungen von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zur Ehe für alle in einem TV-Interview vom Dienstag stoßen auf heftige Kritik. Die 47-jährige Christdemokratin aus Nordrhein-Westfalen hatte auf n-tv vor negativen Folgen der Ehe für alle gewarnt und wahrheitswidrig behauptet, dass es "keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen auf Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften" gebe (queer.de berichtete).

"Wie viele Studien braucht die Bundesbildungsministerin Karliczek noch, um ihre Vorurteile gegenüber Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufzugeben?", fragte LSVD-Sprecher Axel Hochrein am Mittwochmittag. Zahlreiche Untersuchungen würden bereits belegen, "dass es den Kindern, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden, mindestens genauso gut geht wie Kindern, die in gemischt geschlechtlichen Partnerschaften großgezogen werden". Es sei einer Bildungsministerin unwürdig, "den Forschungsstand konsequent zu ignorieren, um die eigenen Vorurteile zu pflegen".

Statt "die x-te Studie über Regenbogenfamilien" fordere der Lesben- und Schwulenverband eine Politik, die dem Kindeswohl in Regenbogenfamilien tatsächlich zu Gute komme. "Regenbogenfamilien müssen in ihren diversen Konstellationen endlich rechtlich anerkannt werden, zum Beispiel, indem auch zwei miteinander verheiratete Frauen von Geburt an rechtlich anerkannte Eltern werden können", forderte Hochrein. Karliczek solle lieber eine Studie in Auftrag geben über die Frage, wie Homophobie und Transfeindlichkeit entstehen und warum sie sich so hartnäckig halten.

Kritik von SPD, FDP, Linken und Grünen

Auch mehrere Bundespolitiker kritisierten am Mittwoch die Aussagen der Ministerin scharf. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs forderte etwa eine Entschuldigung von Karliczek. Er bezeichnete es als "unwürdig und beschämend" für eine Bildungsministerin, fundierte Studien einfach zu ignorieren.

Mehrere Bundestagsabgeordnete der Opposition machten ihrem Unmut über die Äußerungen Karliczeks in sozialen Netzwerken Luft. Der schwule Linkspolitiker Matthias Höhn aus Sachsen-Anhalt schrieb etwa auf Twitter, anstatt einer weiteren Studie über Regenbogenfamilien wäre eine "Studie über die Auswirkungen einer inkompetenten 'Bildungsministerin' auf Kinder" wichtig. Seine nordrhein-westfälische Parteifreundin Kathrin Vogler ergänzte: "Ob Eltern gute Eltern sind, hat mit vielen Dingen zu tun, am wenigsten mit dem Geschlecht."

/ MatthiasHoehn
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Auch von den Grünen kamen viele entsetzte Reaktionen. "Seit Amtsantritt nichts mit ihrer Ressortzuständigkeit #Forschung am Hut, nun will #Karliczek mit deren Hilfe – garniert mit homophober Haltung -, erforschen lassen, wozu es bereits reihenweise Studien gibt. Unglaublich, #Karliczeknix eben!", kommentierte der Essener Bundestagsabgeordnete Kai Gehring. Seine bayerische Parteifreundin Ekin Deligöz ergänzte: "Wo war #Karliczek die letzten Jahrzehnte? Wir haben 2018!"

/ KaiGehring
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Jens Brandenburg, der LGBTI-Sprecher der FDP-Fraktion, hatte bereits kurz nach dem Interview die Forderung der Ministerin nach einer Langzeitstudie als "absurd" kritisiert und erklärt, dass Kinder in Regenbogenfamilien nicht unter ihren Eltern leiden würden, "sondern unter den Vorurteilen anderer".

Auf ihrer eigenen Facebook-Seite muss sich Karliczek von Usern ebenfalls Kritik gefallen lassen. Unter einem Posting der Ministerin über das n-tv-Interview schrieb ein Nutzer etwa: "Es ist schon eine besondere und irgendwie auch verdiente Leistung, wenn man als Ministerin in einer Koalition mit der CSU trotzdem als glatte Fehlbesetzung erscheint." Andere reagierten schlicht empört auf die Aussagen – mit Sätzen wie: "Kinder sollten nicht diskriminiert werden? Dann hören doch erst mal Sie selber damit auf!" Ein Mann aus München ergänzte: "Pfui! Was fällt ihnen ein, über meine Familie zu urteilen?" (dk)

?? Programminfo: Gestern habe ich mit Louis Klamroth ein sehr unterhaltsames Gespräch geführt ? heute Abend wird das…

Gepostet von Anja Karliczek am Dienstag, 20. November 2018
Facebook / Anja Karliczek
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 Update  18.12h: Ministerin Giffey weist Zweifel am Adoptionsrecht zurück

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Äußerungen der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kritisiert. "Schon heute belegen Studien, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften genauso gut entwickeln wie in Familien mit Mutter und Vater", sagte Giffey dem RedaktionsNetzwerk Deutschland für die Donnerstagsausgaben der beteiligten Zeitungen. "Was zählt, ist, dass sich Menschen liebevoll um ihre Kinder kümmern Kinder brauchen ein gutes Familienklima und gute Beziehungen zu denen, die für sie sorgen." Das Familienministerium sehe es als seine "Aufgabe an, jede Familienkonstellation dabei zu unterstützen, dass Kinder gut aufwachsen können: Alleinerziehende, die Mutter-Vater-Familie und genauso auch Familien mit Eltern gleichen Geschlechts."

-w-

#1 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 13:38h
  • "Karliczek ignoriert Studien, um Vorurteile zu pflegen"

    Das ist typisches Verhalten von Populisten:
    Fakten und wissenschaftliche Beweise werden ignoriert und es wird einfach stur das Gegenteil behauptet. Und das Ziel ist immer Stimmung gegen Andersdenkende zu machen und gegen alles zu hetzen, was einem nicht in den Kram passt.

    Die interessante Frage ist aber auch:
    Will die SPD wirklich mit solchen Leuten weiterhin an einem Regierungstisch sitzen? Und die Politik solcher Leute zu einer Mehrheit verschaffen?
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#2 AuswirkungenAnonym
  • 21.11.2018, 13:42h
  • Damit stellt sie sich nicht nur auf dieselbe Stufe wie die "Demo für alle," sondern sorgt zusätzlich für mehr Aufruhr in der Gesellschaft wie es eh schon der Fall ist.

    Ne positive Konsequenz könnte sein, dass weitere Wähler/innen von der CDU Abstand nehmen und zum Beispiel die Grünen wählen, oder die SPD.
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#3 AuswirkungenAnonym
  • 21.11.2018, 13:49h
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • Nein, es kommt auf DIE WÄHLER/INNEN an.
    Die Wahlstimmen sind der Kasus Knaxus.
    Solange die Mehrzahl der Bürger CDU wählt, wird die Regierung weiterhin von der CDU geprägt sein.
    Umdenken ist nun die Aufgabe der Wähler/innen!
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