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Reaktionen

LSVD: Karliczek ignoriert Studien, um Vorurteile zu pflegen

Die homophoben Äußerungen der Bundesbildungsministerin führen zu scharfer Kritik aus der Szene, der SPD und der Opposition.


Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sorgte mit ihrer homofeindlichen Äußerung für hohe Wellen (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die Äußerungen von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zur Ehe für alle in einem TV-Interview vom Dienstag stoßen auf heftige Kritik. Die 47-jährige Christdemokratin aus Nordrhein-Westfalen hatte auf n-tv vor negativen Folgen der Ehe für alle gewarnt und wahrheitswidrig behauptet, dass es "keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen auf Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften" gebe (queer.de berichtete).

"Wie viele Studien braucht die Bundesbildungsministerin Karliczek noch, um ihre Vorurteile gegenüber Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufzugeben?", fragte LSVD-Sprecher Axel Hochrein am Mittwochmittag. Zahlreiche Untersuchungen würden bereits belegen, "dass es den Kindern, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden, mindestens genauso gut geht wie Kindern, die in gemischt geschlechtlichen Partnerschaften großgezogen werden". Es sei einer Bildungsministerin unwürdig, "den Forschungsstand konsequent zu ignorieren, um die eigenen Vorurteile zu pflegen".

Statt "die x-te Studie über Regenbogenfamilien" fordere der Lesben- und Schwulenverband eine Politik, die dem Kindeswohl in Regenbogenfamilien tatsächlich zu Gute komme. "Regenbogenfamilien müssen in ihren diversen Konstellationen endlich rechtlich anerkannt werden, zum Beispiel, indem auch zwei miteinander verheiratete Frauen von Geburt an rechtlich anerkannte Eltern werden können", forderte Hochrein. Karliczek solle lieber eine Studie in Auftrag geben über die Frage, wie Homophobie und Transfeindlichkeit entstehen und warum sie sich so hartnäckig halten.

Kritik von SPD, FDP, Linken und Grünen

Auch mehrere Bundespolitiker kritisierten am Mittwoch die Aussagen der Ministerin scharf. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs forderte etwa eine Entschuldigung von Karliczek. Er bezeichnete es als "unwürdig und beschämend" für eine Bildungsministerin, fundierte Studien einfach zu ignorieren.

Mehrere Bundestagsabgeordnete der Opposition machten ihrem Unmut über die Äußerungen Karliczeks in sozialen Netzwerken Luft. Der schwule Linkspolitiker Matthias Höhn aus Sachsen-Anhalt schrieb etwa auf Twitter, anstatt einer weiteren Studie über Regenbogenfamilien wäre eine "Studie über die Auswirkungen einer inkompetenten 'Bildungsministerin' auf Kinder" wichtig. Seine nordrhein-westfälische Parteifreundin Kathrin Vogler ergänzte: "Ob Eltern gute Eltern sind, hat mit vielen Dingen zu tun, am wenigsten mit dem Geschlecht."

Twitter / MatthiasHoehn

Twitter / voglerk

Auch von den Grünen kamen viele entsetzte Reaktionen. "Seit Amtsantritt nichts mit ihrer Ressortzuständigkeit #Forschung am Hut, nun will #Karliczek mit deren Hilfe – garniert mit homophober Haltung -, erforschen lassen, wozu es bereits reihenweise Studien gibt. Unglaublich, #Karliczeknix eben!", kommentierte der Essener Bundestagsabgeordnete Kai Gehring. Seine bayerische Parteifreundin Ekin Deligöz ergänzte: "Wo war #Karliczek die letzten Jahrzehnte? Wir haben 2018!"

Twitter / KaiGehring

Twitter / ekindeligoez


Jens Brandenburg, der LGBTI-Sprecher der FDP-Fraktion, hatte bereits kurz nach dem Interview die Forderung der Ministerin nach einer Langzeitstudie als "absurd" kritisiert und erklärt, dass Kinder in Regenbogenfamilien nicht unter ihren Eltern leiden würden, "sondern unter den Vorurteilen anderer".

Auf ihrer eigenen Facebook-Seite muss sich Karliczek von Usern ebenfalls Kritik gefallen lassen. Unter einem Posting der Ministerin über das n-tv-Interview schrieb ein Nutzer etwa: "Es ist schon eine besondere und irgendwie auch verdiente Leistung, wenn man als Ministerin in einer Koalition mit der CSU trotzdem als glatte Fehlbesetzung erscheint." Andere reagierten schlicht empört auf die Aussagen – mit Sätzen wie: "Kinder sollten nicht diskriminiert werden? Dann hören doch erst mal Sie selber damit auf!" Ein Mann aus München ergänzte: "Pfui! Was fällt ihnen ein, über meine Familie zu urteilen?" (dk)

?? Programminfo: Gestern habe ich mit Louis Klamroth ein sehr unterhaltsames Gespräch geführt ? heute Abend wird das…

Gepostet von Anja Karliczek am Dienstag, 20. November 2018
Facebook / Anja Karliczek

 Update  18.12h: Ministerin Giffey weist Zweifel am Adoptionsrecht zurück

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Äußerungen der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kritisiert. "Schon heute belegen Studien, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften genauso gut entwickeln wie in Familien mit Mutter und Vater", sagte Giffey dem RedaktionsNetzwerk Deutschland für die Donnerstagsausgaben der beteiligten Zeitungen. "Was zählt, ist, dass sich Menschen liebevoll um ihre Kinder kümmern Kinder brauchen ein gutes Familienklima und gute Beziehungen zu denen, die für sie sorgen." Das Familienministerium sehe es als seine "Aufgabe an, jede Familienkonstellation dabei zu unterstützen, dass Kinder gut aufwachsen können: Alleinerziehende, die Mutter-Vater-Familie und genauso auch Familien mit Eltern gleichen Geschlechts."



#1 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 13:38h
  • "Karliczek ignoriert Studien, um Vorurteile zu pflegen"

    Das ist typisches Verhalten von Populisten:
    Fakten und wissenschaftliche Beweise werden ignoriert und es wird einfach stur das Gegenteil behauptet. Und das Ziel ist immer Stimmung gegen Andersdenkende zu machen und gegen alles zu hetzen, was einem nicht in den Kram passt.

    Die interessante Frage ist aber auch:
    Will die SPD wirklich mit solchen Leuten weiterhin an einem Regierungstisch sitzen? Und die Politik solcher Leute zu einer Mehrheit verschaffen?
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#2 AuswirkungenAnonym
  • 21.11.2018, 13:42h
  • Damit stellt sie sich nicht nur auf dieselbe Stufe wie die "Demo für alle," sondern sorgt zusätzlich für mehr Aufruhr in der Gesellschaft wie es eh schon der Fall ist.

    Ne positive Konsequenz könnte sein, dass weitere Wähler/innen von der CDU Abstand nehmen und zum Beispiel die Grünen wählen, oder die SPD.
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#3 AuswirkungenAnonym
  • 21.11.2018, 13:49h
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • Nein, es kommt auf DIE WÄHLER/INNEN an.
    Die Wahlstimmen sind der Kasus Knaxus.
    Solange die Mehrzahl der Bürger CDU wählt, wird die Regierung weiterhin von der CDU geprägt sein.
    Umdenken ist nun die Aufgabe der Wähler/innen!
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#4 AuswirkungenAnonym
  • 21.11.2018, 13:55h
  • Da hallen die Worte von AKK nach:
    "Die "Feinde" und "Gegner" sind in den anderen Parteien."

    Die befinden sich mitten in der CDU/CSU und in der AfD.
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#5 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 14:08h
  • Antwort auf #3 von Auswirkungen
  • Falsch.

    Wie viele Wähler haben denn vor der Wahl gewusst, dass diese Frau Bildungsministerin wird? Und welche Positionen sie hat?

    Und wie viele Wähler haben vor der Wahl gewusst, dass die SPD wieder mal ihr Versprechen bricht und entgegen der eigenen Zusagen doch wieder in eine Groko geht und Angela Merkel an der Macht hält?

    Es ist falsch, immer nur die Schuld beim Wähler zu suchen. Man muss hier vielmehr die Schuld bei der SPD suchen, die mit solch einer Person koaliert und diesem Gedankengut die Regierungsmehrheit verschafft - noch dazu entgegen ihrer eigenen Versprechen vor der Wahl.

    Niemand wird zu Koalitionen gezwungen...

    Wenn z.B. die Wähler der SPD so dumm oder naiv waren, sich auf das Wort der SPD zu verlassen, kann man diesen Wählern (außer ihrer Dummheit und Naivität) nicht vorwerfen, mit ihrer Stimme den Machterhalt der Union und diese Personalie mitgewählt zu haben.

    Ja, wie das Parlament sich zusammensetzt, entscheidet der Wähler. Aber wer dann koaliert, welche Themen sie wie umsetzen (oder auch nicht), welches Personal sie aussuchen und welche Positionen diese Leute dann vertreten, liegt nur sehr gering in der Macht der Wähler. Das ist vor allem Verantwortung der gewählten Parteien und Parlamentarier.
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#6 Ith__Ehemaliges Profil
  • 21.11.2018, 14:17h
  • Studien, bei denen nicht das herauskommt, was man als Ergebnis gern hätte, zählen halt nicht.
    Vollkommen normale Einstellung bei wissenschaftsfeindlichen Menschen.
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#7 Ach wasAnonym
#8 goddamn liberalAnonym
  • 21.11.2018, 16:10h
  • Antwort auf #5 von Simon H
  • "Niemand wird zu Koalitionen gezwungen..."

    Na ja, wenn mit der AfD eine 'offen nationalsozialistische' (Friedrich Merz!) Truppe im Parlament sitzt und Lindner sich vor Göring-Eckardt gruselt, dann kann die GroKo schon aus Gründen der staatspolitischen Verantwortung notwendig sein.

    Man kann der SPD eher vorwerfen, dass sie 2013 nichts aus der damaligen linken Parlamentsmehrheit gemacht hat, die uns ja dann die eheliche Gleichstellung beschert hat.

    16 Jahre nach den Niederlanden, in denen unsereiner im 20. Jahrhundert nur während der Nazi-Besatzung in Haft und KZ kam.

    Ibbenbüren liegt wie das Saarland der AKK nicht weit von der zivilisierten westlichen Welt entfernt; der frische Wind der Zivilisation ist aber trotzdem nicht bis in den kleinbürgerlich-klerikalen Mief dieser gefährlichen Unmenschen vorgedrungen.
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#9 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 16:30h
  • Antwort auf #6 von Ith_
  • "Vollkommen normale Einstellung bei wissenschaftsfeindlichen Menschen."

    Ja. Und noch schlimmer, wenn diese dann auch noch im Ministerium für Bildung und Wissenschaft sitzen. Da wird der Bock zum Gärtner gemacht.
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#10 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 16:36h
  • Antwort auf #8 von goddamn liberal
  • Auch wenn das die letzte Option war, erwächst daraus keine Pflicht diese Koalition einzugehen.

    Dann hätte Merkel notfalls eine Minderheitsregierung machen müssen. Das wäre sogar für die Demokratie ein Glücksfall gewesen, weil dann endlich mal nicht mehr Koalitionsdisziplin gezählt hätte, sondern die echten Mehrheiten im Bundestag. Und dann hätte man bei jeder Entscheidung immer wieder für neue Mehrheiten werben müssen.

    Das ist eigentlich echte Demokratie.

    Dass das für Frau Merkel weniger bequem wäre, ist klar. Und wenn sie deshalb das abgelehnt hätte und Neuwahlen verursacht hätte, hätte SIE halt den Wählern erklären müssen, warum sie Neuwahlen echter Demokratie vorzieht... Viel Spaß dabei.

    Dramatisch wäre auch das nicht gewesen, da das auch das sofortige Ende von Frau Merkel gewesen wäre und dann sowohl Union als auch SPD mit neuem Personal an den Start gegangen wären und wieder alles offen gewesen wäre - sowohl bezüglich des Wahlergebnisses als auch der Koalitionsbedingungen.

    Das wäre also so oder so kein Problem gewesen. Aber stattdessen wollte die SPD halt Frau Merkel krampfhaft an der Macht halten.
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