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HIV-Prophylaxe

Bundesländer wollen PrEP ausbremsen

Mehrere Bundesländer unter Führung von Niedersachsen wollen die Pille zum Schutz von HIV nur in Ausnahmefällen abgeben.


Das HIV-Medikament Truvada sorgt bei täglicher Einnahme dafür, dass sich HIV-Negative nicht mit dem Virus anstecken können

Das Land Niedersachsen will am Freitag laut "Handelsblatt" im Bundesrat beantragen, dass die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) nur in wenigen Ausnahmefällen an Patienten, die ein erhöhtes HIV-Risiko haben, ausgegeben wird. Dem Bericht zufolge unterstützt eine Mehrheit von neun von 16 Landesgesundheitsministern den Vorstoß des Nordlandes. Niedersächsische Gesundheitsministerin ist die SPD-Politikerin Carola Reimann.

Ursprünglich hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, PrEP an alle, die ein erhöhtes Risiko für HIV haben, kostenlos abzugeben (queer.de berichtete). Im entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung ist bislang vorgehen, dass Versicherte "mit einem substantiellen HIV-Infektionsrisiko, die das 16. Lebensjahr überschritten haben", Anspruch auf Beratung und "Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu Präexpositionsprophylaxe" haben (PDF).

Niedersachsen will mit seinem Antrag aber erreichen, dass das Medikament nur von den Krankenkassen ersetzt wird, wenn ein gesonderter Versorgungsvertrag mit geeigneten Fachärzten abgeschlossen wurde ("Selektivvertrag"). Das hätte zur Folge, dass nur bei wenigen Fachärzten, wahrscheinlich vorwiegend in den Städten, PrEP kostenlos zu erhalten ist – wenn die jeweilige Kasse den Vertrag abschließt. Nur bei Abschluss eines solchen Vertrages werde "im Interesse der betroffenen Versicherten sichergestellt, dass die erforderliche Begleituntersuchungen zur Überprüfung der Wirksamkeit mit erforderlichen hohen und einheitlichen Standards erfolgen", heißt es in der Begründung des Antrags.

LGBTI-Aktivisten, Aids-Hilfen und viele Gesundheitspolitiker hatten zuvor für die Übernahme der PrEP durch gesetzliche Krankenkassen und einen einfachen Zugang für Interessenten geworben. Auf diese Weise könnten die HIV-Infektionszahlen entscheidend gesenkt werden, hieß es auch auf der Welt-Aids-Konferenz, die im Juli in Amsterdam stattgefunden hatte (queer.de berichtete).

Grüne gegen Unterversorgung mit PrEP

Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, dem niedersächsischen Antrag nicht nachzugeben: "Die Präexpositionsprophylaxe ist der richtige Weg, um die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Hoch-Risikogruppen zu verringern. Die Versorgung darf sich dabei nicht nur auf wenige Ballungszentren beschränken", erklärte die grüne Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche, die Fraktionssprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft, gegenüber dem "Handelsblatt".

Bei der PrEP handelt es sich um ein bereits seit Jahren verschriebenes HIV-Medikament für Positive, das von Negativen vorbeugend eingenommen werden kann. Nach der Einnahme verringert sich das HIV-Infektionsrisiko praktisch auf Null. Nach den Plänen von Gesundheitsminister Spahn soll die PrEP vor allem auf Wunsch schwulen und bisexuellen Männern mit häufigen ungeschützten sexuellen Kontakten verschrieben werden, um damit die HIV-Neuinfektionsraten zu senken.

Gegner der PrEP argumentieren dagegen, dass das Medikament die Bereitschaft zum ungeschützten Sex allgemein erhöhen könnte – dafür gibt es allerdings bislang in anderen Ländern, in denen die PrEP teilweise bereits seit Jahren im Verkehr ist, keinerlei Anzeichen. Ein weiteres Argument gegen die PrEP sind die Kosten. Allerdings weisen Befürworter der PrEP darauf hin, dass die Kosten für HIV-Patienten weit höher seien.

Die Bundesregierung schätzte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage, dass bis zu 10.000 Menschen in Deutschland "an einer PrEP interessiert sein könnten" (queer.de berichtete). Die Kosten wurden auf rund 600 Euro pro Jahr für das Medikament, sowie weitere 170 Euro für ärztliche Beratung und Therapiebegleitung geschätzt. Maximal würden damit jährliche Kosten von 7,7 Millionen Euro für die Krankenversicherungen anfallen. Das entspricht 0,004 Prozent der jährlichen Gesamtkosten für gesetzliche Krankenkassen.

Bereits jetzt nutzen laut einer Studie vom Sommer rund 4.500 Personen in der Bundesrepublik PrEP. Dabei tragen sie die Kosten selbst. Derzeit ist das Medikament in Deutschland ab 40 Euro pro Monat erhältlich (queer.de berichtete). (dk)



#1 SchlüssigAnonym
  • 21.11.2018, 16:16h
  • Prima. Deutschland zeigt wieder einmal seine Rückschrittlichkeit.
    Während andere Länder schon handeln und damit die Infektionszahlen senken können, quatschen sich die Deutschen mal wieder fest.
    Vielleicht kann die rege Bildungsministerin ja noch ein paar Studien verlangen und eine breite gesellschaftliche Diskussion.
    Lachhaft, wenn es nicht so traurig wäre.
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#2 FOX NewsAnonym
  • 21.11.2018, 16:17h
  • Danke an die SPD!

    Da hat die CDU Mal ein super Idee um HIV und enorme Kosten für das gesamte Volk zu reduzieren, denn eine Therapie ist extrem teuer auf Lebenszeit. Aber die SPD, die so bürgernah ist, torpediert dies. Im Übrigen regiert rot/grün in Niedersachsen
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#3 PiakAnonym
#4 Simon HAnonym
  • 21.11.2018, 16:44h
  • "Mehrere Bundesländer unter Führung von Niedersachsen"

    "Niedersächsische Gesundheitsministerin ist die SPD-Politikerin Carola Reimann."

    Warum wundert mich das jetzt nicht?

    Kann die SPD nicht wenigstens mal ein einziges mal das richtige tun? Offenbar nicht... Naja, dann geht es halt weiter bergab...
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#5 Patroklos
#6 BewegungsschwesterAnonym
  • 21.11.2018, 18:40h
  • Die SPD ist einfach nur noch ballaballa. In LGBTI-politischen Fragen musste man die Sozen immer schon zum Jagen tragen.

    Sie ist auf bestem Wege in die Bedeutungslosigkeit - und mich wundert das nicht mehr.
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#7 unverhältnismäßigAnonym
  • 21.11.2018, 19:13h
  • Was ist das denn für ein Argument. Teuer für die Krankenkassen? Ach du liebe Güte, das arme Deutschland wird pleite gehen.

    Mal zum Vergleich: der Bund wirft jährlich 200 Milliarden für das Militär zum Fenster heraus, aber wenn es um die Gesundheit geht, da soll gespart werden?

    Es wird Zeit für eine neue Regierung, allmählich gehöre ich zu denen, die sagen, mir kommt das Kotzen!
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#8 TimonAnonym
  • 21.11.2018, 19:13h
  • Antwort auf #5 von Patroklos
  • da wird die CDU der MInisterin Druck gemacht haben

    Die SPD könnte ja auch mal ein einziges mal Rückgrat zeigen und standhaft bleiben statt immer nur umzufallen und brav zu springen sobald die CDU pfeift.
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#9 Patroklos
#10 verwundertAnonym
  • 22.11.2018, 03:33h
  • Ich finde es gut, wenn PREP günstig/kostenlos verfügbar wäre.
    Aber ist die Nutzerzahl von 10.000 bundesweit nicht zu gering? Bei rund 2,5 bis 2,9 Mio Homosexuellen Männern in D. Leider gibt es keine Erhebung wieviel männer in D in den Apps sich als PREP Nutzer zu erkennen geben, aber gefühlt sind das mehr als 10.000 ( auch wenn man Touristen und Doppelprofile abzieht).
    Hoffentlich erhalten alle, die PREP nutzen wollen zeitnah Zugriff.
    Ich kann mir die Medikamente und Untersuchung auch so leisten und wäre bereit auch weiter zu zahlen, damit andere potentielle Nutzer einen kostenlosen/kostengünstigen Zugang erhielten.
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