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Neueste Zahlen des Robert-Koch-Instituts

Weniger HIV-Neuinfektionen in Deutschland

Die Zahl der Personen, die sich mit HIV infiziert haben, ist um sieben Prozent zurückgegangen. Besonders unter schwulen und bisexuellen Männern gibt es weniger Ansteckungen.


In Deutschland infizieren sich immer weniger Menschen mit dem HI-Virus (Bild: Jeff Eaton / flickr)

Das Robert-Koch-Institut hat am Donnerstag im "Epidemologischen Bulletin" (PDF) die geschätzte Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland für 2017 bekannt gegeben. Demnach haben sich im vergangenen Jahr 2.700 Menschen mit dem Virus angesteckt.

Für 2016 geht das Institut nach einer aktualisierten Schätzung von 2.900 Neuinfektionen aus. Binnen eines Jahres ist die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland damit um sieben Prozent gesunken.

Bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), hat die Zahl der geschätzten Neuinfektionen am deutlichsten nachgelassen. sie machen aber mit 1.700 noch immer über 60 Prozent aller Fälle aus. 2013 lag die Zahl der MSM-Neuinfektionen noch bei 2.300, 2007 sogar bei 2.700.

Die Deutsche Aids-Hilfe nannte als Hauptgrund für den Rückgang die Änderung der Behandlungsleitlinien im Jahr 2015, nach denen sofort nach der Diagnose eine medikamentöse Behandlung beginnt. Die HIV-Therapie sorgt dafür, dass der Virus nicht mehr übertragbar ist. Früher hatte man die Therapie erst in etwas späteren Stadien der Infektion begonnen. Im "Epidemologischen Bulletin" heißt es zu den Gründen der sinkenden Zahlen: "Der Rückgang der Neuinfektionen ist primär auf die effektive und frühere Behandlung von HIV-Infizierten und die gestiegene Testbereitschaft und frühere Diagnose von Infektionen zurückzuführen."

RKI-Präsident Lothar H. Wieler lobte in einer ersten Stellungnahme insbesondere die HIV-Selbsttests, da in Deutschland geschätzt 11.400 Menschen mit HIV leben, die nicht wissen, dass sie infiziert sind. "Freiwillige Selbsttests und niedrigschwellige Testangebote, auch für Menschen ohne Krankenversicherung, sind daher wichtig, damit Menschen mit HIV-Infektion behandelt werden können", so Wiehler. Er führte den Rückgang der Zahlen auf "effektive und frühe Behandlung nach der Diagnose, den Ausbau zielgruppenspezifischer Testangebote und die gestiegene Testbereitschaft der Betroffenen" zurück.

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Minister Spahn lobt "erfolgreiche Präventionsarbeit"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) begrüßte als Reaktion auf die Zahlen die "erfolgreiche Präventionsarbeit" und die guten Behandlungsmöglichkeiten, die Deutschland "zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa" machten. Aber der Kampf gegen HIV und Aids sei damit noch lange nicht vorbei. "Wir wollen die Zahl der Neuinfektionen weiter senken!", so der Minister.

Deswegen habe man die Krankenkassen verpflichtet, "den medikamentösen Schutz gegen eine Infektion (PrEP) für Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko zu übernehmen. Deutschland will seinen Beitrag leisten, HIV und AIDS endgültig zu besiegen", sagte Spahn. Am Freitag wird die PrEP im Bundesrat behandelt. Der Nutzung der Pille zum Schutz vor HIV droht in der Länderkammer allerdings ein Rückschlag: Niedersachsen hat vorgeschlagen, das Medikament nur in Ausnahmefällen zu erstatten (queer.de berichtete).


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßte den Rückgang der HIV-Neuinfektionszahlen (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Insgesamt lebten Ende 2017 geschätzt 86.100 Menschen mit HIV in Deutschland. Die größte Betroffenengruppe sind nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben – in dieser Gruppe gibt es 53.000 HIV-Positive (62 Prozent aller Fälle). Hinzu kommen 11.000 Personen, die sich durch Hetero-Sex angesteckt haben, sowie etwa 8.100 intravenös spritzende Drogengebrauchende.

Die Trends in diesen Gruppen sind unterschiedlich. Während bei MSM die Zahlen zurückgehen, scheint die Zahl der Neuinfektionen bei Heterosexuellen und intravenös spritzenden Drogengebrauchenden auf niedrigem Niveau etwas anzusteigen. Bei Drogengebrauchenden könnte der vermehrte Gebrauch neuer psychoaktiver Substanzen, der zum Teil mit hohen Injektionsfrequenzen verbunden ist, eine Rolle spielen.

Menschen, bei denen die HIV-Infektion erst nach vielen Jahren erkannt wird, leiden oft an Erkrankungen, die in ihrer Gesamtheit als Aids bezeichnet werden. Etwa ein Drittel aller Menschen hat bei der HIV-Diagnose in Deutschland bereits ein sehr geschwächtes Immunsystem und knapp die Hälfte davon eine Aids-Erkrankung. Dies kann zu Komplikationen bei der Behandlung, langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie einer sinkenden Lebenserwartung führen.

Beim Auftreten sogenannter HIV-Indikatorerkrankungen, etwa einer Tuberkulose oder einer durch Pilze verursachten Pneumonie, wird daher generell empfohlen, einen HIV-Test durchzuführen. Rund 450 Menschen sind gemäß der neuen RKI-Schätzung 2017 mit oder an HIV gestorben. (dk)

-w-

#1 SarkastikerAnonym
  • 22.11.2018, 12:31h
  • Der Rückgang der Neuinfektionen bei MSM liegt bestimmt an den in Darkrooms neuerdings immer häufiger verwendeten Kondomen.
    Im Gegensatz zu der PrEP sind die wenigstens sicher.
    Beeindruckend, wie das gute alte Kondom es geschafft hat, erneut die Wende zu schaffen.
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#2 bennexAnonym
  • 22.11.2018, 17:51h
  • Antwort auf #1 von Sarkastiker
  • Ernsthaft?

    Muss dieses permanente gegeneinander ausspielen der PreP und des Kondoms denn sein? Ich finde das nicht hilfreich.

    Zudem geht es in dem Artikel noch nicht mal darum. Stattdessen werden höhere Testbereitschaft und früherer Therapiebeginn genannt.
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#3 PatroklosEhemaliges Profil
  • 22.11.2018, 19:40h
  • Das sind endlich mal wieder positive Neuigkeiten zum kommenden Welt-AIDS-Tag!
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