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Österreich

Outing angedroht: Mann erpresste 70.000 Euro nach Oralsex

Ein 48-Jähriger aus Kärnten muss zwei Jahre in Haft, weil über ein Jahrzehnt lang einen Sexpartner mit einem Outing als Schwuler drohte.


Ein Klagenfurter Gericht schickt einen Erpresser zwei Jahre ins Gefängnis (Bild: James Burke / flickr)

Das Landesgericht in Klagenfurt am Wörthersee hat am Mittwoch eine Haftstrafe von zwei Jahren gegen einen 48-jährigen Mann verhängt, weil dieser einen jetzt 32-Jährigen mit einem Schwulen-Outing erpresst hatte. Das meldete die Nachrichtenagentur APA. Laut dem Urteil hat der Jüngere über elf Jahre hinweg insgesamt 70.000 Euro an den Angeklagten gezahlt. Diesen Betrag muss dieser nun zurückerstatten. Vom Vorwurf der sexuellen Nötigung wurde der Angeklagte aber freigesprochen.

Der Angeklagte hatte sein damals 15-jähriges Opfer im Jahr 2001 bei einem Fußballverein kennengelernt. Laut Staatsanwaltschaft habe er dann den Jungen zu Oralsex genötigt. "Unter der Drohung des Angeklagten, dass er anderen davon erzählen wird, hat das Opfer insgesamt 30 Mal Übergriffe über sich ergehen lassen", so Staatsanwalt Christian Pirker. Im Jahr 2003 verloren sich die beiden aus den Augen, 2006 nahm der Angeklagte wieder Kontakt mit dem Opfer auf.

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Täter drohte, sein Opfer "hochgehen" zu lassen

Daraufhin erklärte sich der Jüngere bereit, dem Älteren Geld zu geben – zunächst habe der Angeklagte aber nicht mit einem Outing gedroht. Das änderte sich laut den Aussagen erst, als das Gehalt des Opfers anstieg. Der Angeklagte drohte dann mit Outings bei dessen Chef, bei dessen Familie und dessen Freunden. In WhatsApp-Nachrichten hatte er geschrieben, den jüngeren Mann möglicherweise "hochgehen" zu lassen und ihn immer wieder obszön beschimpft.

Vor Gericht leugnete der Angeklagte erst die Darstellung der Erpressung, verwickelte sich aber immer mehr in Widersprüche – und gab am Ende die Tat zu. Das Opfer erklärte vor Gericht, er habe sich aus Angst davor, dass die Geschichte öffentlich wird, niemandem anvertrauen können und sei deshalb jahrelang auch nicht zur Polizei gegangen.

Richterin Sabine Roßmann erklärte, der Angeklagte sei zwar wegen gewerbsmäßiger Erpressung schuldig zu sprechen, für sexuelle Nötigung gebe es aber keine ausreichenden Beweise: "Der Freispruch erfolgte im Zweifel. Nicht weil wir glauben, dass nichts passiert ist, sondern weil nicht klar ist, wie viel gefährliche Drohung dahintergesteckt hat." Sie verwies darauf, dass es laut dem obersten österreichischen Gerichtshof nicht ehrverletzend sei, jemanden als homosexuell zu bezeichnen. "Auch wenn klar ist, dass so etwas für einen jungen Menschen belastend ist", so Roßmann.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zwar wurde es vom Angeklagten akzeptiert, die Staatsanwaltschaft hat allerdings Rechtsmittel eingelegt. (cw)



#1 JenssAnonym
  • 22.11.2018, 18:53h
  • Wie schlimm. Was für ein skrupelloser Mensch muss man sein um sowas über Jahre durchzuziehen. Ich hoffe das Opfer kann jetzt endlich zur Ruhe kommen und ist den Täter los.
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#2 Patroklos
#3 daVinci6667
  • 22.11.2018, 20:14h
  • Schade. Ich hätte mir gewünscht dass der Täter auch wegen sexuellem Missbrauch eines Kindes verurteilt worden wäre. Dies wäre in der Schweiz bei einem Altersunterschied von 16 Jahren und da das Opfer damals erst 15 war (unter 16 jährig gilt in der Schweiz juristisch als Kind) durchaus gegeben gewesen.

    Dieser Fall zeigt ganz exemplarisch auf, zu was es führen kann wenn man nicht zu sich als schwuler oder bisexueller Mann öffentlich stehen kann. Man wird erpressbar, verliert Rückgrat und seine Eier. Allen (noch) ungeouteten sollten solche Berichte schwer zu denken geben.

    Dem jüngeren Mann alles Gute und herzliche Gratulation dass er den Mut zur Anzeige fand. Auch wenn der Täter nur wegen Erpressung dran kam, das allerwichtigste ist, dass der Mann sich für sich gewehrt hat und sich wieder in den Spiegel schauen kann.
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#4 LotiAnonym
  • 23.11.2018, 08:58h
  • Antwort auf #3 von daVinci6667
  • Das mit dem Outen ist eben gar nicht so leicht wie Sie es hier propagieren. Besonders für Jugendliche nicht. Elternhaus, Schule und die beruflichen Ziele, die man sich setzt, sollten eigentlich kein Hindernis mehr sein, doch in dem Alter schon eine starke Belastung.
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