https://queer.de/?32413
"Beendigung der Diskriminierung"
Evangelische Kirche Oldenburg beschließt Trauung für alle
Die Herbstsynode in Rastede stimmte einstimmig für die Gleichstellung homosexueller Paare – Landesbischof Thomas Adomeit entschuldigte sich bei Lesben und Schwulen für "Leid und Enttäuschung".

Trauung eines schwulen Paares während des Evangelischen Kirchentags in Berlin (Bild: EKBO)
- 23. November 2018, 04:27h 3 Min.
Die Herbstsynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg hat am Donnerstag in Rastede einstimmig beschlossen, die kirchliche Trauung auch für gleichgeschlechtliche Ehepaare zu öffnen. Bei der Abstimmung gab es drei Enthaltungen.
Die Landeskirche begrüße "die rechtliche Gleichstellung von Personen gleichen Geschlechts bezüglich der Möglichkeit der Eheschließung durch das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts vom 20. Juli 2017 und die damit beabsichtigte Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare", heißt es wörtlich im Synodenbeschluss.
Bislang gab es in Oldenburg nur die Möglichkeit eines Segnungsgottesdienstes für lesbische und schwule Paare – diese Regelung galt seit 2004. Die Trauung wird als Amtshandlung in das Kirchenbuch der Gemeinde eingetragen. Voraussetzung ist die gültige Eheschließung nach staatlichem Recht.
Bitte um Entschuldigung für entstandene Verletzungen
"Die Gleichstellung von Personen gleichen Geschlechts hat die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg nicht immer umgesetzt. Es ist dadurch manche Verletzung entstanden, indem homosexuelle Paare, die um Gottes Segen für ihre Beziehungen gebeten haben, nicht getraut werden konnten", erklärte Landesbischof Thomas Adomeit nach dem Beschluss. "Das dadurch entstandene Leid, die durchlebte Enttäuschung und die erlittene Diskriminierung begleiten manche Beziehung bis heute."

Landesbischof Thomas Adomeit (Bild: D.-M. Grötzsch / ELKiO)
Im Namen der Landeskirche bat Bischof Thomas Adomeit alle Paare, "denen die Verweigerung einer kirchlichen Trauung wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe und Lebensgemeinschaft widerfahren ist, aufrichtig um Entschuldigung." Verletzungen seien zudem bei Theologinnen und Theologen entstanden, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht in den Dienst der Landeskirche übernommen wurden oder die ihre Beziehung nicht offen leben konnten. "Auch hier hat die Kirche Leid und Enttäuschung verursacht. Und auch diese Menschen bitte ich für die oldenburgische Kirche um Verzeihung."
Unterschiedliche Regelungen bei den 20 Landeskirchen
Bei der evangelischen Kirche entscheiden die 20 Landeskirchen eigenständig und oft unterschiedlich, inwieweit homosexuelle Paare gemischtgeschlechtlichen Paaren gleichgestellt werden. Einige Landeskirchen bestehen darauf, dass eine Segnung von Lesben und Schwulen einem herkömmlichen Traugottesdienst nicht zu sehr ähneln dürfe. In den meisten Fällen überlassen sie den jeweiligen Pfarrern und Gemeinden aber die konkrete Ausgestaltung der Feier. Nahezu alle Landeskirchen betonen aber, dass kein Pfarrer gezwungen werden kann, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Eine Trauung für alle wie nun im Oldenburger Raum gibt es unter anderem bereits bei der Landeskirche in Baden, in Berlin-Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz sowie im Rheinland.
Die Synode in Rastede tagt noch bis zum Samstag. Zur oldenburgischen Kirche zählen 116 Gemeinden mit insgesamt rund 411.000 Mitgliedern zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen. (cw)














