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"Boylover"-Geschichten

Liaison mit einem doppelt so alten Mann

Der neue Erzählband "Bonustrack" von Max Meier-Jobst enthält unter anderem eine Fortsetzung seines Debütromans "Die Sache mit Peter".


Still ruht der See? Nicht im bewegten Leben der jugendlichen Protagonisten aus den neuen Erzählungen von Max Meier-Jobst (Bild: Dreamstime/Yalana)

Ein Bonustrack, das ist in der Musik ein an hinterster Stelle stehendes Stück, das eigentlich gar nicht aufs Album gehört, weil es nicht in die Reihe der anderen Titel zu passen scheint. Oftmals versteckt der Künstler jedoch genau hier das krönende Highlight, die ultimative Überraschung. Getreu dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss. Mindestens aber das dicke Ende.

Genauso verhält es sich im neuen Erzählband "Bonustrack" (Amazon-Affiliate-Link ) von Max Meier-Jobst. Die letzte von elf Kurzgeschichten hat es in sich, denn hier knüpft der Autor an den offenen Ausgang seines Debütromans "Die Sache mit Peter" an. Im autobiografisch inspirierten Erstling ging es um die eindrückliche Schilderung seiner Liaison als Teenager mit einem doppelt so alten Mann. Das Buch wurde zum Überraschungserfolg, dem Vernehmen nach laufen bereits Verhandlungen über eine Verfilmung.

War schon der erste Teil einigermaßen verstörend, so ist die Fortsetzung geradezu schockierend. Denn wie bereits der Untertitel "Mein Leben mit Peter" verrät, stellt sich heraus, dass der Junge von damals seinem vermeintlichen Peiniger bis in die Gegenwart treu geblieben ist, ihn gar geheiratet hat. Doch damit nicht genug: Der Ältere scheint seinem verhängnisvollen Interesse an Jünglingen noch immer erlegen zu sein…

Ein Herz für Minderheiten oder Grenzen der Toleranz?


"Bonustrack – Mein Leben mit Peter und andere Geschichten" von Max Meier-Jobst ist im September 2018 bei BoD erschienen

Man ahnt, ja hofft geradezu, dass sich der Autor bei so viel Drama – die Story liest sich teilweise wie eine queere Variante von Christiane F. – die künstlerische Freiheit erlaubt hat, dem Soundtrack seines Lebens, zweifellos bestimmt durch die frühe Verführung, eine fiktive oder zumindest stark verfremdete Melodie hinzuzufügen.

Unabhängig davon, was Realität und was Fiktion ist, zwingt uns der aufgrund seiner brisanten Themen verständlicherweise unter Pseudonym veröffentlichende Schreiber wie in seinem vorherigen Roman "Das Erwachen der Unschuld" abermals, die Grenzen unserer Toleranz auszuloten. Sind sogenannte Boylover per se Nestbeschmutzer, die in der schwulen Community spätestens seit der überfälligen Aufarbeitung der zahlreichen Missbrauchsskandale zurecht kein Gehör mehr finden? Oder sollte nicht zumindest den sexuell abstinent lebenden Pädophilen Akzeptanz und Unterstützung zuteil werden?

Der Knabenkomplex ist aber nur oberflächlich die einzige inhaltliche Klammer zwischen dem furiosen Finale und den vorangestellten, kaum weniger packenden Geschichten. Zwar gleichen sich die meisten Figuren in Alter (jung) und Geschlecht (männlich). Tatsächlich aber geht es um viel mehr als um Coming-out und Coming-of-Age, nämlich um Minderheiten aller Art. Von Homo-, Bi- und Objektsexuellen über Alleinerziehende, Bauwagenbewohner, Zirkusleute bis hin zu Migranten, Ostdeutschen oder Sprechern marginalisierter Sprachen – für sie alle hat Meier-Jobst einen würdigen Platz auf diesem Bes-of der Erinnerungen ans Erwachsenwerden abseits des Mainstreams gefunden. (cw/pm)

Infos zum Buch

Max Meier-Jobst: Bonustrack – Mein Leben mit Peter und andere Geschichten. Erzählungen. 228 Seiten. Paperback. Verlag: BoD, Norderstedt 2018. 11,99 € (E-Book 4,99 €). ISBN 978-3-7528-8889-8.

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#1 Ith_Anonym
  • 21.07.2022, 11:24h
  • "Sind sogenannte Boylover per se Nestbeschmutzer, die in der schwulen Community spätestens seit der überfälligen Aufarbeitung der zahlreichen Missbrauchsskandale zurecht kein Gehör mehr finden?"

    Armes Nestbeschmutzerchen möchte hier wohl einen Keks. Und ganz viel Mitleid.

    "Oder sollte nicht zumindest den sexuell abstinent lebenden Pädophilen Akzeptanz und Unterstützung zuteil werden?"

    Stellt euch vor, auf das mit der "Emanzipationsliteratur für Pädophile" bin ich nach dem ersten Buch von ganz allein gekommen, ehe ich den Absatz hier gelesen habe ^^

    Also, naja. Selbst WENN wir davon ausgehen, dass Max autobiographisch unter Pseudonym über seinen Noch-Immer-Partner Peter schreibt (der in dem Fall ein real mit ihm zusammenlebender Mensch mit einem realen Keller mit einer Sammlung von Kindesmissbrauchsdokumenten wäre), legt er hier einen Kurzgeschichtenband voller Pädo-Storys vor, für die es keinerlei autobiographisches Motiv gibt. Deren pädophiler Inhalt sich also einfach nur damit erklärt, dass man gern pädophiles Zeug schreiben wollte.
    Und beworben wird das hier dann mit der schlecht als Frage getarnten Aufforderung, dass Pädophile doch bitte von der schwulen Community akzeptiert und unterstützt werden sollten.

    Ich habe die Kommentare dazu gelassen, weil ich den Eindruck hatte, dass man gegen die Pädo-Lobby hier eben nichts einzuwänden hätte, und ich an jahrzehntelang gewachsener Verbandelung jetzt auch nix ändern würde, schon gar nicht als trans*-Mann, der in der schwulen Community nicht erwünscht ist (wobei man dank tendenziell jugendlich-jünglicher Erscheinung als Trans*-Mann auf HRT phasenweise ein gutes, legales Ersatz-Ziel für das Klientel mit Präferenz für "Pubertierende" ist - ganz drumherum kommt man um das Thema als trans*-Typ also nicht).

    Angesichts des Artikels zum CSD Köln, der mich dahingehend ermutigt, nicht gänzlich auf verlorenem Posten gegen die Pro-Pädo-Fraktion zu stehen, würde ich jetzt dann doch gern wissen, was das hier soll(te).
    Für mich war die Werbung für diesen Autor samt seiner Agenda ein Statement, und zwar spätestens ab der Story mit dem 10-Jährigen. Vielleicht nicht nur für mich.
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