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#wissenverdoppeln

Deutsche Aids-Hilfe startet Aufklärungskampagne über HIV-Behandlung

Unter Therapie ist HIV nicht mehr übertragbar. Gegen diese Botschaft polemisieren zwar selbst FDP- und Grünenpolitiker, sie soll aber nach dem Willen der Deutschen Aids-Hilfe endlich zum Allgemeinwissen werden. Unterstützung gibt es von Gesundheitsminister Jens Spahn.


Fabian und André wollen in einem DAH-Video die Bevölkerung über "Schutz durch Therapie" aufklären (Bild: Deutsche Aids-Hilfe)

Die Deutsche Aids-Hilfe hat am Mittwoch eine Kampagne #wissenverdoppeln gestartet. Damit soll die Bevölkerung darüber aufgeklärt werden, dass eine funktionierende HIV-Therapie das Risiko von HIV-Übertragungen praktisch auf Null senkt.

In der Allgemeinbevölkerung ist diese Erkenntnis bisher nicht angekommen. Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem vergangenen Jahr wussten nur zehn Prozent der Bundesbürger über "Schutz durch Therapie" Bescheid. Mit der Kampagne will die DAH "die Zahl der Informierten" verdoppeln. "Und dann immer wieder – bis alle Bescheid wissen", so die Organisation.

Unter schwulen und bisexuellen Männern wissen zwar mehr Bescheid: Laut einer aktuellen EMIS-Umfrage sind es in Deutschland – ebenso wie in den Ländern Westeuropas – über 50 Prozent (queer.de berichtete). Allerdings ist auch dieser Wert noch ausbaufähig.

Die DAH hat für die Kampagne bereits die interaktive Seite wissen-verdoppeln.hiv freigeschaltet. Außerdem sollen Fakten in sozialen Netzwerken verbreitet und Postkarten und Infoflyer unter die Leute gebracht werden. Ein rund 40-sekündiges Video, in dem eine HIV-positive Mutter, ein Sozialarbeiter sowie je ein heterosexuelles und schwules Paar über "Schutz durch Therapie" erzählen, soll die Bevölkerung zum Nachdenken animineren.

Bei dem schwulen Paar handelt es sich um den 26-jährigen Fabian aus Frankfurt, der berichtet, wie er Angst hatte, sich zu infizieren und seinen 36-jährigen Freund André zu verlieren, als dieser sein positives Testergebnis erhielt. Drei Jahre später hat sich die Situation entkrampft: "Ich hätte damals mehr Informationen gut gebrauchen können", zieht Fabian heute Bilanz.

"Unnötige Ängste nehmen"

"Diese gute Nachricht sollte heute zur Allgemeinbildung gehören", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Ulf Hentschke-Kristal. "Sie nimmt unnötige Ängste vor HIV-positiven Menschen und wirkt damit auch Ablehnung entgegen. Das Wissen sorgt für Entlastung bei Menschen mit und ohne HIV." Im Alltag sei eine HIV-Übertragung ohnehin ausgeschlossen – unabhängig davon, ob jemand Medikamente nimmt. Trotzdem würden Menschen mit HIV noch immer oft als Gefahr wahrgenommen, so Hentschke-Kristal. "Wenn selbst beim Sex keine Übertragung mehr möglich ist, erscheint die Angst vor einer Infektion über gemeinsam benutze Trinkgläser, Fitnessgeräte oder Toiletten hoffentlich als das, wie sie schon immer war: vollkommen abwegig."

Dass unter erfolgreicher Therapie selbst beim Geschlechtsverkehr keine HIV-Übertragung mehr möglich ist, beweisen mittlerweile mehrere große Studien. Beobachtet wurden in den Studien Tausende gemischt HIV-positiv-negative Paare, die über 100.000 Male auf Kondome verzichteten, ohne dass es zu einer Übertragung kam. So trägt "Schutz durch Therapie" nach Ansicht der DAH heute zu einer erfüllten Sexualität ohne Ängste bei.

Konkret unterdrückt eine HIV-Behandlung die Vermehrung von HIV im Körper. Das Virus ist dann im Blut nicht mehr nachweisbar. Dann ist auch eine Übertragung auf sexuellem Wege nicht mehr möglich. "Schutz durch Therapie" setzt dabei die regelmäßige Einnahme der Medikamente und die regelmäßige Kontrolle des Therapieerfolges voraus.

Twitter / BMG_Bund | Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstützt die Aktion

Ziel: Bekämpfung von Diskriminierung

Die Kampagne hat auch zum Ziel, Diskriminierung zu bekämpfen. Denn man könne laut DAH heute dank der verfügbaren HIV-Medikamente mit dem Virus alt werden und leben wie alle anderen Menschen auch. Erschwert werde der Alltag mit HIV durch Ausgrenzung, die in allen Lebensbereichen vorkomme – vom privaten Umfeld über die Arbeitswelt bis zum Gesundheitswesen. Laut Studien liegen meist irrationale Ängste vor einer HIV-Infektion sowie moralische Bewertungen des (vermuteten) Lebensstils der HIV-positiven Menschen der Diskriminierungslust zugrunde.

"Unser Ziel ist das ganz selbstverständliche Miteinander, das heute möglich ist – ohne Ängste, ohne Zurückweisung und Abwertung", betonte Hentschke-Kristal. "Das Wissen um die Nicht-Übertragbarkeit unter Therapie kann dazu entscheidend beitragen. In diesem Sinne: Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen!"

Twitter / Dt_AIDS_Hilfe | Die DAH bläst auch zur Attacke auf Twitter

Politiker torpedierten Aufklärung

In der Vergangenheit gab es aus der Politik allerdings destruktive Botschaften beim Thema "Schutz durch Therapie", sogar von "liberalen" Politikern: So machten die nordrhein-westfälischen FDP-Gesundheitsexperten Susanne Schneider und Ulrich Alda 2015 die Aussage eines schwulen Aktivisten zu seinem privaten "Schutz durch Therapie" zum Skandal, was von den Aids-Hilfen und in einem queer.de-Kommentar scharf kritisiert wurde.


Politiker wie Susanne Schneider und Ulrich Alda (beide FDP) torpedieren "Schutz durch Therapie" mit populistischen Äußerungen

Selbst bei den Grünen wurde gegen die Aufklärung zum "Schutz durch Therapie" polemisiert: Die frühere NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens kritisierte ein paar Wochen nach ihren FDP-Politikerkollegen etwa die Aktion "Wir machen's ohne – Safer Sex durch HIV-Therapie", mit dem die Aids-Hilfen auf die Therapiemöglichkeit hingewiesen hatten (queer.de berichtete). Die Aktion, die Menschen über "Schutz durch Therapie" informieren sollte, wiege Personen in "falscher Sicherheit", behauptete die Grünenpolitikerin damals. (dk)

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#1 ChristineAnonym
  • 28.11.2018, 11:41h
  • Danke für die Kampagne!
    Bitte dazu aber auch aufs regelmäßige Testen aller sexuell Aktiven (Männlein wie Weiblein) hinweisen! Allein in Deutschland leben geschätzt über 12 000 Infizierte, die nicht von ihrer Infektion wissen.
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#2 Simon HAnonym
  • 28.11.2018, 16:44h
  • "Gegen diese Botschaft polemisieren zwar selbst FDP- und Grünenpolitiker"

    "Unterstützung gibt es von Gesundheitsminister Jens Spahn."

    Da sieht man wieder mal, dass man LGBTI-Freundlichkeit gar nicht generell an Parteien festmachen kann, sondern nur an einzelnen Personen.

    Und offenbar gilt für Grüne und FDP dasselbe, was wir auch schon für SPD, Linke und Union festgestellt haben: es gibt Homofreunde und Homohasser - und alles dazwischen. In ALLEN Parteien...
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#3 KistalHIVAnonym
  • 29.11.2018, 08:14h
  • Antwort auf #1 von Christine
  • Test ist wichtig, aber hier geht es um die wichtige Information, dass wir nicht ansteckend sind. Das ist in keine Präventionskampagne, sondern eine Kampagne zur Antidiskriminierung. Dass das die Angst vor der HIV-Infektion nehmen kann und damit mittelbar auch das Testverhalten positiv beeinflusst gehört dazu. Das würde auch die ca. 12.000 unbekannten Infektionen vermindern.
    Kampagnen sollen einfache Botschaften vermitteln und sich auf die wichtige Information beschränken.
    Kurz: dies ist keine Test-Kampagne sonder eine Antidiskriminierungskampagne. Damit passt sie sehr gut zum Welt-Aids-Tag, der auch für Solidarität und Antidiskriminierung / Antistigmatisierung steht.
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#4 So SoAnonym
  • 29.11.2018, 11:51h
  • Antwort auf #2 von Simon H
  • Da hast Du völlig Recht, dass die Homofreunde und Homohasser in allen Parteien vertreten sind
    Allerdings ist die Verteilung dieser Gruppen in den einzelnen Parteien höchst unterschiedlich.
    Bei Union und AfD dürften die Homohasser deutlich in der Überzahl sein.
    Aber in einem Punkt muss ich sogar dem Missionar Bonifatius ( er erwähnte es in einem seiner letzten Posts ) Recht geben..
    Wären alle Homosexuellen nur in einer Partei, bspw. in der LinksPartei, sähe es mit unserer Gleichstellung wahrscheinlich deutlich schlechter aus als aktuell.
    Ein bisschen hilft also sogar, dass der Spahn in der CDU ist.
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