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Hessen-Nassau und Württemberg
Evangelische Landeskirchen beraten über Akzeptanz von Homo-Paaren
Bei Synoden in zwei Landeskirchen ist die Einstellung gegenüber Homosexuellen ein Thema. Während Hessen und Nassau offiziell die Ehe öffnen könnte, hält Württemberg trotz Liberalisierungsbestrebungen am Trauungsverbot für Schwule und Lesben fest.

Synoden in Frankfurt und Stuttgart sollen darüber entschieden, wie gleich die evangelische Kirche Schwule und Lesben behandeln will (Bild: flickr / Cjames Fotografia / by 2.0)
- 28. November 2018, 11:14h 2 Min.
Bei gleichzeitig stattfindenden Synoden in den evangelischen Landeskirchen Hessen und Nassau (EKHN) und Württemberg debattieren die Delegierten auch über die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Die Trauung für alle ist neben dem Haushalt 2019 eines der großen Themen bei der EKHN-Herbsttagung in Frankfurt am Main. Die viertägige Synode hat am Mittwoch mit rund 140 Teilnehmern begonnen. Unter anderem soll es auch um die Position der EKHN zu einer menschlicheren Flüchtlingspolitik und zum Einsatz für Familiennachzug gehen.
Nachdem es in der EKHN bereits seit 16 Jahren Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Eheschließungen gibt, soll am Donnerstag darüber beraten werden, diese Gottesdienste offiziell als Trauungen zu bezeichnen. Zwar sind die Segnungsgottesdienste in der hessisch-nassauischen Kirche seit 2013 auch förmlich der Trauung gleichgestellt worden, der Name war bislang aber noch unterschiedlich.
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat knapp 1,5 Millionen Mitglieder in 1.135 Gemeinden. Ihr Kirchengebiet reicht in etwa von Biedenkopf im Norden bis Neckarsteinach im Süden. Rund ein Viertel des Kirchengebiets gehört zwischen Bad-Marienberg und Worms auch zu Rheinland-Pfalz.
Württemberg hält an Ehe-Verbot für Schwule und Lesben fest
Auch die württembergische Landeskirche berät über die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren. Bei der Herbstsynode, die bereits seit Montag in Stuttgart stattfindet, soll am Mittwochabend erneut über Homo-Paare beraten werden. Landesbischof Frank Otfried July will den Entwurf eines "Kirchlichen Gesetzes zur Einführung einer Ordnung des Gottesdienstes anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechtes, der Begründung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder der Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe" einbringen. Vor einem Jahr hatte die Synode bereits einen ähnlichen Entwurf knapp abgelehnt (queer.de berichtete).
Der Entwurf sieht nicht vor, dass Homo-Paare kirchlich heiraten dürfen, sondern lediglich, dass Pfarrer gleichgeschlechtliche Paare öffentlich segnen dürfen. Derzeit ist Württemberg die einzige der 20 Landeskirchen, die sogar eine öffentliche Segnung von homosexuellen Paaren verbietet. Der Hauptgrund für die Diskriminierung: In den württembergischen Kirche sind Pietisten sehr stark, die gewöhnlich die Gleichbehandlung von Homosexuellen ablehnen. Pfarrer werben in der Landeskirche sogar offen für Homo-"Heilung" (queer.de berichtete).
Die württembergische Landeskirche hat 2,1 Millionen Mitglieder in 1.317 Kirchengemeinden. Das Gebiet der Landeskirche umfasst im Wesentlichen das ehemalige Land Württemberg, das bis 1945 bestand.
Vergangene Woche hatte die Herbstsynode der Landeskirche in Oldenburg bei der Anerkennung Homosexueller vorgelegt: Die Delegierten beschlossen einstimmig, die kirchliche Trauung auch für gleichgeschlechtliche Ehepaare zu öffnen (queer.de berichtete). (dpa/dk)














