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"Schritt in die richtige Richtung"

Chile: Präsident unterschreibt fortschrittliches Trans-Gesetz

Ein konservativer Präsident gibt sein Okay für ein Transsexuellengesetz, das weit fortschrittlicher ist als das Pendant in Deutschland.


Präsident Sebastián Piñera sieht das neue Transsexuellenrecht als Teil der gesellschaftlichen Modernisierung seines Landes an

Der chilenische Präsident Sebastián Piñera hat am Mittwoch ein fortschrittliches Gesetz zur geschlechtlichen Identität unterzeichnet. Bei einer Zeremonie rief der Staatschef zum Respekt vor der Würde des Menschen auf. "Mir ist klar, dass es bei diesem Thema unterschiedliche Meinungen gibt", so der Politiker der konservativen Nationalen Erneuerungspartei, in der das Gesetz umstritten war. "Ich bin aber davon überzeugt, dass wir mit meiner Unterschrift einen Schritt in die richtige Richtung gehen."

Auf Twitter stellte der Präsident klar, dass alle Menschen mit den selben Rechten und Pflichten geboren werden würden. Das Gesetz helfe dabei, dass die Gesellschaft menschlicher werde und Vielfalt besser akzeptiere.

Twitter / sebastianpinera

Das neue Gesetz sieht vor, dass transsexuelle Menschen künftig ihren Geschlechtseintrag und ihren Namen auf dem Standesamt unkompliziert ändern dürfen – ohne beispielsweise den Zwang, dafür ein Attest vorzulegen, wie dies in Deutschland notwendig ist. Diese Anpassungen sind für alle Erwachsenen und Jugendliche ab 14 Jahren möglich. Minderjährige brauchen die Zustimmung ihres Erziehungsberechtigten.

Chile legte gesellschaftliche Liberalisierung hin

Bereits seit Jahren hat sich Chile – wie viele andere Länder Südamerikas – mehr und mehr von seiner konservativen katholischen Kultur emanzipiert und die gesellschaftliche Liberalisierung vorangetrieben. Seit 2004 ist etwa die Scheidung erlaubt, 2015 führte das Land eingetragene Lebenspartnerschaften für gleich- und verschiedengeschlechtliche Paare ein, 2017 lockerte die Regierung das zuvor absolute Abtreibungsverbot.

Im rund 18 Millionen Einwohner zählenden Andenland wurde seit Jahren um eine Reform des Transsexuellenrechts gerungen. Ein erster Gesetzentwurf zur Stärkung der Rechte von trans Menschen war noch in der Legislaturperiode von Ex-Präsidentin Michelle Bachelet eingebracht und jahrelang im Kongress beraten worden. Der Oscar für den Film "Eine fantastische Frau", in dem es um eine junge Transsexuelle geht, hatte dem Thema kurz vor der Amtseinführung von Piñera im März neuen Auftrieb gegeben. Im Mai hatte zudem das Oberste Gericht entschieden, dass Erwachsene ihren Namen und ihr Geschlecht auf dem Standesamt auch ohne chirurgische Operationen ändern können.

Größte Gegner des Gesetzentwurfs waren katholischen Bischöfe. Ricardo Kardinal Ezzati, der Erzbischof von Santiago de Chile, verglich dabei trans Menschen sogar mit Haustieren. "Man muss die Dinge beim Namen nennen: Wenn ich einer Katze den Namen eines Hundes gebe, beginnt sie nicht, ein Hund zu sein", begründete der 76-Jährige seine Ablehnung im April in einem Interview (queer.de berichtete). (dk)



#1 Simon HAnonym
  • 29.11.2018, 15:25h
  • Noch ein Land, das fortschrittlicher als Deutschland ist. Während Deutschland weiterhin von Union und SPD ins Koma regiert wird...

    Übrigens sieht man am Beispiel Chile auch, dass echte Konservative Menschenrechte und den demokratischen Gleichheitsgrundsatz achten. Wer das nicht tut, ist nicht konservativ, sondern einfach nur rechtspopulistisch oder gar rechtsextrem.
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