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Die AfD entlarvt

Homo-Orden für den CDU-Abgeordneten Axel Müller

Der Politiker aus dem baden-württembergischen Weingarten verteidigte in der Nacht zum Freitag mit einer emotionalen Rede die Ehe für alle – und die Demokratie.


Der CDU-Abgeordnete Axel Müller bei einer Rede im Deutschen Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Ich selbst blieb erstaunlich ruhig, als ich die Rede des AfD-Abgeordneten Thomas Ehrhorn am Freitagfrüh gegen 0.40 Uhr im Deutschen Bundestag hörte, zu sehr habe ich mich wohl schon an die homofeindliche Hetze im Parlament gewöhnt. Der Rechtsaußenpolitiker kaperte die abschließende Beratung eines eher unumstrittenen Begleitgesetzes zur Ehe für alle, das vor allem redaktionelle Anpassungen u.a. im Abgabenrecht vorsieht, um gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen zu wettern.

Ehrhorn, der bereits im Oktober vor dem "Volkstod" durch die Eheöffnung warnte, sah erneut den "Fortbestand unserer Nation" gefährdet und warf lesbischen und schwulen Paaren vor, keine "Leistungen für die Gesellschaft" zu erbringen. Den schwulen SPD-Politiker Johannes Kahrs griff der AfD-Politiker persönlich an: "Herr Kahrs, schließen Sie sich doch mal am nächsten Wochenende mit Ihrem Mann im Schlafzimmer ein und versuchen Sie mal, neues Leben zu zeugen. Wenn Ihnen das gelungen ist, dann lassen Sie es mich wissen, ich werde dann öffentlich alles zurücknehmen, was ich je zu diesem Thema gesagt habe."

Die Probleme der AfD mit der Demokratie

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) distanzierte sich prompt von Ehrhorns Rede: "Auch die AfD muss zur Kenntnis nehmen, dass die Ehe für alle Gesetz ist und dass wir gewohnt sind, uns an Gesetze zu halten." Noch deutlicher wurde der CDU-Abgeordnete Axel Müller, der eigentlich geplant hatte, seine folgende Rede – wie die meisten Kollegen – wegen der späten Stunde zu Protokoll zu geben. Doch die völkischen Töne der AfD hielten ihn einfach nicht auf dem Sessel.

"Sie akzeptieren eine demokratische Beschlusslage nicht", konterte Müller, der als direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Ravensburg erst seit 2017 im Bundestag sitzt. "Sie, die das ganze Jahr von Disziplin und Ordnung sprechen, sind offensichtlich nicht in der Lage, demokratische Spielregeln zu akzeptieren."

"Mein Großvater war im KZ"

Nach nicht enden wollenden Zwischenrufen wurde der CDU-Politiker und Jurist aus dem baden-württembergischen Weingarten noch deutlicher: "Mein Großvater war im KZ. Und der hat mir eins mitgegeben: Wenn diese Kräfte wieder in ein Parlament einziehen, verteidige die Demokratie mit allem, was du hast, notfalls mit deinem Leben!"

Das mag sehr pathetisch klingen, mich hat es berührt. Weil Axel Müller die AfD nicht verharmlost, sondern dort einordnet, wo sie auch politisch steht – statt den Themen der rechtsextremen Partei hinterherzulaufen. Weil er als CDU-Politiker deutlich gemacht hat, dass Homophobie keine Meinung, sondern eine echte Gefahr für die Demokratie ist – und damit indirekt auch seine Parteifreunde Kramp-Karrenbauer und Karliczek kritisiert.

Mehr Axel Müllers können der Union nur guttun! Aus diesem Grund erhält der 55-Jährige unseren Homo-Orden!

-w-

#1 Bonifatius49Anonym
  • 30.11.2018, 08:39h
  • In der Tat die Rede hatte ich mir auch angeschaut und ich stimme Micha Schulze zu.

    Und die Rede von Müller war sehr gut und eigentlich die Beste, die ich je von einem CDU Politiker im Bundestag gehört habe, wenn es um das THEMA der Rechte homosexueller Menschen geht. Bisher kamen solche guten Reden immer von Grünen, SPD, Linkspartei und FDP. Diesmal war es in dieser Debatte die CDU mit der besten Rede, die schonungslos die völkisch-nationalistische Haltung der AfD offengelegt hat.

    Es ist gut, wenn die AfD diesmal richtig seitens der CDU vorgeführt wurde, denn damit ist auch klar, daß die AfD keine der anderen Parteien "zu sich" herüber ziehen kann, wenn es sich um LSBTI Themen handelt und das ist gut so.
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#2 TommiTommAnonym
  • 30.11.2018, 08:57h
  • In einer Demokratie darf man übrigens durch Mehrheitsentscheidung einmal beschlossene Gesetze wieder abändern. Das ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang.Man nehme das Besispiel Amtomausstieg oder das Lebenspartnerschaftsgesetz.Welch grauenhafte Vorstellung,man wäre ewig an eine Entscheidung gebunden.

    Dass die Rede des AfD-Mannes primitiv war und ihr zu widersprechen war, ist natürlich ebenso richtig.

    Einen Homo-Orden dafür zu verleihen, halte ich allerdings für fragwürdig und wenig durchdacht.Ordensträger haben nach meinem Verständnis des Begriffes beharrlich und gegen Widerstand für ein ehrenwertes Ziel,hier die Rechte von LGBT,gekämpft. So liegt der Fall vorliegend ersichtlich nicht.
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#3 Ith__Ehemaliges Profil
  • 30.11.2018, 09:46h
  • Wenn er das ernst meint, sitzt er in der falschen Partei, wie u.a. die Gefechte der drei Spitzenkandidaten für die Merkel-Nachfolge deutlich zeigen, die sich zumindest in Migrationsfragen bereits darum reißen, wer den AfD-Sprech besser imitiert.

    Mit dem Argument "Das ist jetzt Gesetz" würde ich allerdings vorsichtig sein, wenn's um Minderheitenrechte geht.
    Das TSG gibt jedem AfDler recht, der es so dreht, die Trans*Diskriminierung als "Gender-Gaga" zu bezeichnen, denn dieses Gesetz erklärt uns nach wie vor für psychisch gestört, und wer mit "Gesetz ist Recht" argumentiert, hat auch gegen arabische oder asiatische Staaten nichts in der Hand, die Homosexualität bestrafen, mit Tod oder zumindest Folter, solange man dort bloß auf Gesetze dazu verweisen kann. Und wer so argumentiert, muss explizit bei Homosexuellen, die im KZ ermordet wurden, darauf hinweisen, dass zuindest die Inhaftierung bei denen in Ordnung war, weil: laut damaligem §175 eigentlich jetzt nicht falsch, auch wenn das einkalkulierte Sterben da vielleicht nicht wörtlich verbrieft war.
    Bei dem Paragraphen weigern sich einige Politiker ja bis heute, den nachträglich schlimm zu finden, denn schließlich saßen in der neugegründeten BRD damals noch genügend Nazis, um derartige bewährte Traditionen fortzusetzen. Dass das ein ungebrochener Trend seit dem Mittelalter gewesen sei, den auch die Nazis bloß fortgeführt hätten, ist angesichts der Entwicklungen des früheren 20. Jahrhunderts nichts weiter als eine Lüge.

    Also .... mein Respekt an ihn, dass er sich das um die Uhrzeit noch gegeben hat, und auch für das klare Bekenntnis gegen Verhältnisse wie damals... aber ich fürchte, um ordentliche Argumentationen gegen einen Teil des Ganzen zu lernen, sitzt er in der falschen Partei. Wenn 75% der Leute, mit denen man zusammenarbeitet, finden, dass es 'eigentlich' schon ganz richtig ist, wie die AfD zu Homosexualität steht, und auch zu einigen anderen Themen, die sich mit Menschenrechten nur schwer vereinbaren lassen, muss man fürs Erarbeiten ernsthafter Gegenargumente da schon den deutlichen Geist eines Revolutionärs haben - oder sich ein anderes Umfeld suchen.

    Irgendwie hab ich auf der anderen Seite das dumpfe Gefühl, dass er die besondere Wertschätzung hier gerade dieser Parteizugehörigkeit verdankt, weil man ein Aussprechen für Grundwerte von Seiten der CDU höchstens mal als oberflächliche Floskel erwartet und nicht als ernstgemeint erleben kann - wie auch, s.o., parteiinterner Wettbewerb um die beste Imitation der AfD. Hätte ein Grünen- oder SPD-Mitglied halb so viel Eindruck machen können? Hat man sich bei einigen Partein vielleicht so sehr dran gewöhnt, sie differenziert als die "demokratische" Opposition zu bezeichnen, dass es bei denen als normal und selbstverständlich empfunden würde, wenn sich jemand so verhielte?

    Die CDU hat einen maßgeblichen Anteil an so vielen Dingen, die in unserem Land falsch laufen, angefangen bei der Selbstverständlichkeit der Ablehnung der Homo-Ehe, die sich in den Mehrheitsverhältnissen bis zur Abstimmung hin gehalten hat, bis hin zu der Idee, man müsse sich jetzt ausgerechnet den 12-20% demokratiefeindlichen AfD-Wählern anbiedern, statt sich auf die 70-80% WirSindMehr zu konzentrieren, die das nicht tun, und in gar nicht so wenigen Fällen aus bewusst gewählten Gründen. Und bei einigen dieser 70-80% obwohl sie sehen, dass die Idee, das System umwerfen zu wollen, durchaus etwas für sich hätte, angesichts von Lobbyismus, Wirtschaftsverstrickungen, konstanter Abwertung finanziell Schwacher bei Duldung von Steuerbetrug, solange es dabei eben um ein paar Milliarden geht statt ein paar hundert Euro (wer so viel Geld hat, muss ja erstmal sehr viel richtig gemacht haben)...
    Dass ein HartzIV-Empfänger seine Konten komplett offen legen muss, alle 6 Monate sämtliche Überweisungsbelege vorzeigen, und dann noch fürchten muss, die Geburtstagsgeschenke vom Regelsatz abgezogen zu bekommen, die da auftauchen, während man bei Aktiengeschäften nichtmal nachsieht, ob es die Aktie und die Dividende und die diesbezügliche Zahlung überhaupt je gegeben hat, auf die man da Millionen "zurückerstattet"... das spiegelt ganz klar eine Gesellschaft wider, in der man mit jedem Mist durchkommt - solange man sie nur auf der Basis begeht, finanziell von vornherein genug gehabt zu haben.

    Sowas sind Probleme, die die Parteien der Wirtschaftsbosse nicht lösen können, zu der aber ja seit Schröder auch die SPD zählt. Weil es die Mitglieder dieser Partein nämlich wirklich und handfest betrifft, wenn man die Reichen einschränkt, während die meisten ihrer Wähler partout nicht begreifen wollen, dass sie gar nicht die Reichen sind, die das alles dürfen.

    Der Riesenfehler vom enttäuschten Wählervolk ist natürlich der Irrglaube, dass gerade die AfD solche Probleme lösen würde, denn auch das ist natürlich, wenn nicht noch viel mehr, eine Partei von Reichen für Reiche, die ironischerweise schon jetzt ziemlich gut darin ist, russische Verhältnisse nachzubauen.

    Man fragt sich also, wenn er es ernst meint, zu welcher Partei man ihn denn guten Gewissens schicken möchte. FDP kommt nicht in Frage, das ist die Partei der Erben, Hotelbesitzer und Aktionäre, und gerade die werden nichts daran ändern, dass auf 20 beim HartzIV-Empfänger genauer geschaut wird als auf 20 Mio. bei der Erstattung nicht gezahlter Steuern auf Dividenden. Die Linke? - na, wenn er homo-inklusiv denkt, ist er da nur teilweise richtig. Grüne? Kommt sehr auf den Landesverband an.

    Optimal isses irgendwie alles nicht. Aber bei den Grünen oder Linken bekäme er vielleicht zumindest Weiterbildungsmöglichkeiten, wie man gegen die AfD ordentlich argumentiert.
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