Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32472

1. Dezember 2018

30 Jahre Welt-Aids-Tag

Zum Welt-Aids-Tag wollen Aktivisten aufklären, um Unwissen und Diskriminierung zu bekämpfen.


Die Rote Schleife ist seit Anfang der Neunzigerjahre ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken

  • Von Dennis Klein
    30. November 2018, 17:48h, noch kein Kommentar

Am 1. Dezember 1988, vor genau 30 Jahren, wurde der Welt-Aids-Tag zum ersten Mal von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufen. Seither rufen an diesem Tag Organisationen weltweit zur Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken auf und bringen ihre Präventionsbotschaften unter die Leute.

In den drei Jahrzehnten hat sich der Fokus des Tages völlig verändert: Denn anders als beim ersten "World Aids Day" in den späten Achtzigerjahren ist HIV mit therapeutischen Möglichkeiten inzwischen derart gut behandelbar, dass die Viruslast bei vielen HIV-Patienten unter die Nachweisgrenze gedrückt werden kann. Positive können damit wie jeder andere auch ein ganz normales Leben führen.

"Menschen mit HIV können heute alt werden und gut leben", so fasste Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) die Situation am Freitag zusammen. "Medikamente sorgen dafür, dass sie gesund bleiben und dass HIV nicht mehr übertragbar ist."

Die DAH will daher heutzutage vor allem das Wissen der Bevölkerung steigern. Unter dem Hashtag #wissenverdoppeln hat die Organisation vor wenigen Tagen eine Kampagne gestartet, mit der darüber aufgeklärt werden soll, dass eine funktionierende HIV-Therapie das Risiko von HIV-Übertragungen praktisch auf Null senkt – diese Methode heißt "Schutz durch Therapie" (queer.de berichtete). "Über die neue Wirklichkeit des Lebens mit HIV sollten alle Menschen Bescheid wissen", so Holz. "Dieses Wissen entlastet Menschen mit und ohne HIV."

Twitter / Dt_AIDS_Hilfe

Safer Sex ist mehr als nur Kondom

Die Message der Aktivisten lautet: Die Präventionsarbeit muss heutzutage die ganze Vielfalt der Beziehungs- und Lebensformen und sexuellen Begegnungen im Auge haben. Safer Sex ist damit nicht nur Kondom und "Schutz durch Therapie", sondern kann heute auch durch die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ergänzt werden.

Dabei handelt es sich um ein Aids-Medikament, das – wenn es von Negativen eingenommen wird – eine Ansteckung praktisch unmöglich macht. Nach mehreren positiven Studienergebnissen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass die PrEP eine Kassenleistung wird (queer.de berichtete).

Kampf gegen Vorurteile noch nicht gewonnen


Mit diesem Plakat wollen die Aktivisten gegen Vorurteile ankämpfen

Als wichtigsten Problem, das Positive heutzutage beschäftigt, identifizierte Winfried Holz die Diskriminierung. "Unser Ziel kann nur eines sein: ein ganz selbstverständliches Miteinander – ohne Ängste, Zurückweisung und Abwertung", so das DAH-Vorstandsmitglied. Daher lautet ein weiteres Motto "Streich die Vorurteile!" – diese Botschaft wird in einer gemeinsamen Aktion vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der DAH und der Deutschen Aids-Stiftung verkündet.

Im Wesentlichen haben die Aktivisten drei Vorurteile ausgemacht, die Menschen mit HIV immer wieder zu hören bekommen: Erstens, mit HIV ist das Leben gelaufen; zweitens, von Menschen mit HIV geht Gefahr aus; drittens, Menschen mit HIV sind selbst schuld. Alle drei Vorurteile stufen die Aktivisten als grundfalsch ein.

Wahr ist hingegen: HIV-positive Menschen können bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung in jeder Hinsicht leben wie alle anderen Menschen. Im Alltag ist HIV noch nie übertragbar gewesen, unter erfolgreicher Therapie ist die Übertragung selbst beim Sex ausgeschlossen. Und, darauf weist die DAH ausdrücklich hin: Niemand infiziert sich mit Absicht.

Um HIV-Positiven im Fall von Diskriminierungen zu helfen, hat die DAH bereits im Frühjahr das Portal hiv-diskriminierung.de gestartet (queer.de berichtete). Damit soll Betroffenen das Rüstzeug gegeben werden, um sich zu wehren.

Der Welt-Aids-Tag wird auf der ganzen Welt mit Veranstaltungen begangen, mit entsprechenden unterschiedlichen Schwerpunkten und Fragestellungen. Einige Termine aus Deutschland finden sich im queer.de-Kalender.