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Österreich

Zeitung trennt sich von einem homophoben Kolumnisten

Zwei Monate nach einem extrem homophoben Kommentar gibt die österreichische Tageszeitung "Die Presse" die Trennung vom Autor des Artikels bekannt.


Nachdem ein Kolumnist Homosexuelle als "Speerspitze in der Auflehnung des Menschen gegen die Natur" diffamierte, zieht "Die Presse" die Reißleine

Der freie Journalist Martin Leidenfrost wird künftig keine Kolumnen mehr für die Wiener Tageszeitung "Die Presse" schreiben. Das gab Rainer Nowak, der Chefredakteur des nach eigenem Verständnis "bürgerlich-liberalen" Blatttes, am Samstag bekannt.

Leidenfrost war vor zwei Monaten in die Kritik geraten, weil er in einem Gastkommentar mit homophoben Sprüchen gegen die Ehe für alle Stimmung machte. Nach Leserbeschwerden beschäftigt sich derzeit der österreichische Presserat mit dem Artikel (queer.de berichtete).

Chefredakteur bedankt sich bei Autor "für seine Unerschrockenheit"

"Die Samstagskolumne 'Der letzte Kreuzritter' wird nach knapp einem Jahr nicht mehr fortgeführt", so Nowak. "Wir konnten uns mit Martin Leidenfrost über Form und Inhalt auf keine gemeinsame Linie für das Format einigen", schrieb der Chefredakteur. Die Zeitung habe sich die Trennung nicht leicht gemacht. Man danke dem Autor "für seine Unerschrockenheit und für viele Debatten".

In seinem Kommentar hatte Leidenfrost unter anderem geschrieben: "Mich verstört die Willkür, mit der ausgerechnet den Homosexuellen das Los zugefallen ist, die Speerspitze in der Auflehnung des Menschen gegen die Natur abzugeben." Das Tempo, mit der sich diese "exotische Ideologie" durchsetze, sei "erschreckend", so der 46-Jährige aus dem ostösterreichischen Burgenland weiter.

Der Einsatz für LGBTI-Rechte sei eine neue Religion, für die viel "propagandistische[r] Aufwand" betrieben werde. Gleichstellungsgegner würden in ihrer Meinungsfreiheit einschränkt: "Filmindustrie und Medien massieren uns mit homosexuellen Rührdramen, die Privilegierung einer im Westen wohlsituierten Minderheit wird als 'Ehe für alle' verkauft, Andersdenkende werden an Schandpfähle gebunden. Aus einer lustigen Travestie ist eine todernste Staatsdoktrin geworden."

LGBTI-Gegner kritisieren Rausschmiss

In der Einstellung der Kolumne sehen LGBTI-Gegner einen weiteren Beweis für die Macht der "Gay Lobby" und kultivieren die angeblich eigene Opferrolle. Das konservative österreichische Katholiken-Magazin kath.net attestierte am Montag etwa ein "mediales Einknicken vor dem Zeitgeist" nach der Veröffentlichung des "homokritischen Gastkommentar[s]". Weiter heißt es: "Wer gegen den Zeitgeist anschreibt, der muss mit Konsequenzen rechnen." (cw)



#1 Simon HAnonym
  • 03.12.2018, 18:25h
  • Eigentlich braucht man solche Ergüsse gar nicht groß zu kommentieren, aber:

    "Mich verstört die Willkür, mit der ausgerechnet den Homosexuellen das Los zugefallen ist, die Speerspitze in der Auflehnung des Menschen gegen die Natur abzugeben."

    Niemand lehnt sich gegen die Natur auf. Homosexualität ist genauso natürlich wie Heterosexualität - es gab sie zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Und es gibt sie auch massenhaft im Tierreich bei den unterschiedlichsten Arten. Was soll also daran unnatürlich sein?

    Natürlichkeit ergibt sich nicht aus der empirischen Fallanzahl.

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    "Das Tempo, mit der sich diese "exotische Ideologie" durchsetze, sei "erschreckend""

    In wen man sich verliebt ist keine Ideologie. Und exotisch ist daran auch nichts (s.o.). Und wenn jemand sich davor erscheckt, sollte man vielleicht mal seine eigene leichte Erschreckbarkeit hinterfragen.

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    "Der Einsatz für LGBTI-Rechte sei eine neue Religion, für die viel "propagandistische[r] Aufwand" betrieben werde."

    Was ist an Liebe eine Religion? Im Gegenteil: die meisten LGBTI sind (zu Recht) sehr religionskritisch.

    Und seit wann ist die Forderung nach Rechten und Einhaltung des demokratischen Gleichheitsgrundsatzes Propaganda?

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    "Gleichstellungsgegner würden in ihrer Meinungsfreiheit einschränkt"

    Nein, die können selbstverständlich auch ihre Meinung frei äußern. Aber dann müssen sie eben auch Widerspruch ertragen können. Denn dieselbe Meinungsfreiheit, die sie für sich reklamieren, gilt eben umgekehrt auch für diejenigen, die das anders sehen als sie.

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    "die Privilegierung einer im Westen wohlsituierten Minderheit wird als 'Ehe für alle' verkauft"

    Privilegierung bedeutet Besserstellung. Aber homosexuelle Ehepaare haben keinen einzigen rechtlichen, monetären, o.ä. Vorteil gegenüber heterosexuellen Ehepaaren. Es geht also nicht um Privilegierung/ Besserstellung, sondern um Gleichstellung. Und Gleichheit sollte in einer Demokratie ja wohl selbstverständlich sein.

    Im übrigen sind nicht alle LGBTI "wohlsituiert", sondern es gibt genauso auch LGBTI, die von Sozialhilfe leben, obdachlos sind, etc.

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    "Aus einer lustigen Travestie ist eine todernste Staatsdoktrin geworden."

    Liebe ist keine "lustige Travestie". Und Homosexualität ist auch keine Staatsdoktrin, weil der Staat seine Politik eben nicht nur an LGBTI ausrichtet, sondern an ALLEN Menschen, egal welche sexuelle Orientierung sie haben. (Was in der Praxis nicht mal der Fall ist, solange wir nicht rechtlich vollkommen gleichgestellt sind.)

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    "mediales Einknicken vor dem Zeitgeist"

    Mal ganz abgesehen davon, dass es Homosexualität schon immer gegeben hat (s.o.), aber was soll an Gleichstellung aller Menschen "Zeitgeist" sein? Das ist schlicht und einfach Demokratie. Und Liebe ist hoffentlich auch kein "Zeitgeist", sondern etwas, was die Menschheit von den Maschinen unterscheidet.
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#2 FaktenAnonym
  • 03.12.2018, 19:26h
  • >>>>> In der Einstellung der Kolumne sehen LGBTI-Gegner einen weiteren Beweis für die Macht der "Gay Lobby"
    [...]
    attestierte am Montag etwa ein "mediales Einknicken vor dem Zeitgeist"
    [...]
    Weiter heißt es: "Wer gegen den Zeitgeist anschreibt, der muss mit Konsequenzen rechnen." <<<<<

    Die verwechseln da etwas:
    dem Autor wird weder seine Meinung verboten, noch wird er daran gehindert, seine Meinung weiterhin öffentlich zu äußern und zu verbreiten. Aber die Zeitung "Die Presse" will halt keine Plattform mehr dafür bieten.

    Da Zeitungen nur begrenzt Platz haben (und ihre Leser auch nur begrenzt Zeit), müssen sie auswählen. Das ist nicht nur ihr Recht, sondern ihre Pflicht. Sie müssen Relevantes von Irrelevantem trennen, Wichtigeres von Unwichtigerem, etc. Und bei der Auswahl spielen eben auch die Ausrichtung der Zeitung (bürgerlich, konservativ, liberal, links, o.ä.), rechtliche Erwägungen, etc. eine Rolle.

    Das ist keine Zensur, denn es gibt ja kein Anrecht darauf, seine Meinung in einem bestimmten Medium zu verbreiten!!

    Genauso würde ja z.B. auch die "Kirchenzeitung" keine kirchenkritischen Essays, keine philosophischen Abhandlungen über Sinn oder Unsinn von Religion, keine Fachartikel über die Evolution, keine Verhütungsratgeber, etc. abdrucken. Eben weil es der Ausrichtung ihres Blattes widerspricht.

    Und genauso ist es hier:
    Die Zeitung "Die Presse" hat eben entschieden, dass sie mit diesem Autor nicht mehr zusammenarbeiten will, weil man sich mit ihm nicht über eine gemeinsame Linie einigen konnte. Diese Meinung kann man teilen oder auch nicht, aber es ist deren gutes Recht.

    Und das heißt umgekehrt auch nicht, dass der Autor seine Meinung nicht anderswo weiter äußern darf. Solange er damit keine Gesetze bricht, ist das selbstverständlich erlaubt. Aber es gibt eben kein Anrecht darauf, seine Meinung in einem bestimmten Medium verbreiten zu dürfen.
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#3 NDS BRDAnonym
  • 03.12.2018, 19:35h
  • ...ha... die Katholiken...

    von denen werde ich mir sicher die Regeln zu einem Spiel erklären lassen, für das sie selbst gesperrt sind....

    und wir wollen nicht vergessen: Es waren die Homos, die in den KZs krepiert sind, nicht die wohlbeleibten Katholiken...
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#4 TheDadProfil
#5 LenorgewissenAnonym
  • 04.12.2018, 13:01h
  • Antwort auf #4 von TheDad
  • Lieber Dad,

    sehr oft schätze ich Deine sachgerechten und neutralen, oder auch kämpferischen Kommentare sowie die Wahl Deiner Quellen.
    HIER liegst Du jedoch völlig falsch.

    So ziemlich alle Artikel in der deutschen Wikipedia zu den Themen Christentum, Jesus, Theofaschismus, Nationalsozialismus, RKK, Kirchengeschichte, Bibel und derer Exegese, Luther, Heilige, Theologie und so weiter und so fort, so wie deren Überschneidungen, kannst Du in der Pfeife rauchen.

    Jahrelange, erbitterte Editwars, Sabotagen, Zensur, Geschichtsfälschung, Löschungen und platte Lügen des Autors "Jesusfreund" aka. "Copilot" und seiner fanatischen Anhängerschaft haben dafür gesorgt. Recherchier es einmal. Es ist aber ein weites Feld, dessen heiße Phase auch schon viele Jahre zurückliegt.

    Einfacher noch ist es, sich den "Jesus"-Artikel anzuschauen, der als Blaupause funktioniert: Es gibt deren zwei! Eine absolute Einmaligkeit bei Wikipedia. Ursprünglich gedacht um einen Artikel der Märchenfigur und den anderen den historischen Tatsachen bzw. der historischen Nichtexistenz des Wanderzauberers zu widmen, steht heute in beiden exakt der gleiche Unsinn.

    Die deutsche Wikipedia ist in Hinsicht Religion nicht zu gebrauchen.
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#6 TheDadProfil
  • 04.12.2018, 22:46hHannover
  • Antwort auf #5 von Lenorgewissen
  • An das Gewissen..
    Danke für die Blumen..
    Doch das alles hindert uns nicht, uns neben dem Wikipedia-Artikel die Quellen die dort aufgeführt sind auch noch zu lesen..

    Die da wären zum Feld Widerstand :

    Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. 2., durchges. Aufl. S. Fischer, Frankfurt am Main 1994. ISBN 3-10-005702-3.

    Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. Siedler, Berlin 1994. ISBN 3-88680-539-5.

    Online-Ausstellung Widerstand!? Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus

    de.evangelischer-widerstand.de/?#/

    ..und zu Dachau..

    Thomas Kempter: Gott feiern in Dachau Die Feier der Eucharistie im KZ Dachau; Diplomarbeit an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg / Breisgau; September 2005 (pdf; 1,19 MB)

    www.gedenkstaettenseelsorge.de/files/dokumente/19-GfiD_I.pdf

    KZ-Gedenkstätte Dachau: Der Weg der Häftlinge Spuren der Privatfotografien. Audioguide Texte Deutsch (Memento vom 26. November 2010 im Internet Archive); Text 372

    ..und vieles andere mehr, siehe dazu die Quellen-Listen..

    Dennoch Danke für die Kritik und die Tipps..
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