Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32497

Zwischen Tanz und Delirium

Queer in der Discohölle

Ab Donnerstag im Kino: "Climax", der neue Film des argentinischen Enfant terrible Gaspar Noé, ist eine erschütternde Orgie voll Sex, Drogen, Horror und Tod.


Bei der Abschlussparty einer Tanzgruppe mischt ein Unbekannter Drogen in die Sangría und verursacht damit einen kollektiven Höllentrip (Bild: Alamode Film)

Drastische Splatterszenen und das Close-up eines Penis beim Abspritzen in 3D – das Publikum der Filme von Gaspar Noé ("Irreversibel", "Enter the Void") ist oft einer harten Probe ausgesetzt: vor dem Ende rausgehen oder nicht? Vielleicht spielt Gaspar Noé diesmal damit und zeigt zu Beginn von "Climax" eine blutende, wimmernde Frau, die durch eine makellos weiße Schneelandschaft robbt, um gleich anschließend den Abspann durchlaufen zu lassen. Der argentinisch-französische Filmemacher ist also wieder heftig am Dekonstruieren der filmischen Erzählung und wir stellen uns die Frage: Schaffen wir es diesmal bis an das bereits gesehene Ende?

Dann der eigentlich Start des Films. Wohlgesittet plaudern Tänzerinnen und Tänzer als Talking Heads in Casting-Videos über ihre Biografien und Leidenschaften, im Hintergrund ein für sich sprechender DVD-Stapel mit Kultfilmen.

Diese Truppe für zeitgenössischen Tanz kommt für eine Tournee in die USA zusammen. In einem abgeschiedenen Schulgebäude proben sie im Winter ihren Auftritt. Danach feiern, tanzen und plaudern sie bis spät in die Nacht und besaufen sich mit selbstgemachter Sangria. Eine Zutat der spanischen Bowle bekommt ihnen nicht und bald geht das Gerücht um, dass dem Alkohol LSD zugesetzt wurde. Isoliert von der Außenwelt beginnt die Party schrecklich außer Kontrolle zu geraten…

Ein Drogen-Alptraum ohne Ausweg


Poster zum Film: "Climax" startet am 6. Dezember 2018 im Kino

In der ersten Hälfte von "Climax" zeigt uns Gaspar Noé eine atemberaubende Tanzszene, deren starke Choreografie fünfzehn Minuten dauert. Außerdem schafft er es, das große, queere Ensemble in kurzen Dialogen, rasch geschnitten, einprägsam vorzustellen. Vom Womanizer, der als "wandelnde Einladung für Geschlechtskrankheiten" beschrieben wird, über ein inzestuöses Geschwisterpaar bis zu einer Berlinerin, die ausgerechnet dem vermeintlichen Drogensumpf der deutschen Hauptstadt entkommen will.

Eine weitere Tanzszene in der zweiten Hälfte des Films, augenfällig aus der Top-Shot-Perspektive gefilmt, zeigt fulminant wie die Droge ihre Wirkung entfaltet. Tanz und Delirium sind schwer zu unterscheiden, die Bewegungen des Ensembles werden sexueller und aggressiver. Die Stimmung kippt und Gaspar Noé lässt uns mit in die in die Hölle der Paranoia absteigen. Jeder kann Täter oder auch Opfer werden, was an den Nerven beim Betrachten zehrt. Der Alptraum scheint ohne Ausweg und beginnt beim Publikum auch bald eine körperliche Wirkung auszulösen.

Halten wir bis zum Schluss durch? "Climax" ist nicht unbedingt so grausam und grenzüberschreitend, wie es zu erwarten war, bleibt aber so eigenwillig wie man es von Gaspar Noé gewohnt ist. Am Ende entlässt er uns erschüttert nach einem bombastischem Mix aus Farbe und Musik.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Climax. Spielfilm. Frankreich 2018. Regie: Gaspar Noé. Darsteller: Sofia Boutella, Romain Guillermic, Souheila Yacoub, Kiddy Smile. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: Französisch mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Alamode. Kinostart: 6. Dezember 2018


#1 LotiAnonym
  • 05.12.2018, 11:53h
  • Als ich damals den Film Irreversibel sah, war ich zuerst dermaßen geschockt und anschließend überkam mich eine schiere Wut, wegen der brutalen Vergewaltigungsszene im Durchgangstunnel.
    Bei der Rückgabe des Films im Verleihladen machte ich (ungerechtfertigterweise) die junge Mitarbeiterin dermaßen an, wieso solch ein Film überhaupt ausgeliehen wird. Sie war völlig perplex und meinte zu ihrer Entschuldigung: ich weise die Kunden jedesmal daraufhin, mit was Sie es zu tun haben.
    Der neue Film so wie beschrieben, erinnert mich a.d.70 er Jahre in San Francisco. Auf einer Halloween Party hatte ich ahnungslos zuviel von dem Elektrikpunsch getrunken, anschließen wüßte ich nicht mehr wo ich war und ob ich Männlein o.Weibchen bin. War für niemanden erreichbar. Auch mein damaliger Freund konnte nicht zu mir vordringen. Irgendwie kam ich aber noch heil nachhause.
    Jetzt schaue ich mir die Filme von diesem Regisseur einfach nicht mehr an. Geht mir zusehr an die Substanz.
  • Antworten » | Direktlink »