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Studie der Antidiskriminierungsstelle

Noch immer werden Job-Bewerber nach ihrer sexuellen Orientierung befragt

Laut einer neuen Befragung werden in Vorstellungsgesprächen weiterhin unzulässige Fragen gestellt. Die Antidiskriminierungsstelle muss zugleich einräumen, dass Kirchen diskriminieren dürfen.


Fragen nach Kinderwunsch oder der sexuellen Orientierung haben im Bewerbungsgespräch nichts zu suchen, informiert die ADS (Bild: Amtec / flickr)

Auch zwölf Jahre nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes stellen Personalverantwortliche Bewerbenden in Vorstellungsgesprächen unzulässige Fragen. Das ist das Ergebnis der am Mittwoch vorgestellten Umfrage und Broschüre "Was Arbeitgeber fragen (dürfen)" (PDF) der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, mit der diese Arbeitnehmer über ihre Rechte aufklären will.

Acht Prozent der befragten Frauen und Männer berichten davon, schon einmal nach einem Kinderwunsch befragt worden zu sein, sechs Prozent der befragten Frauen wurden bereits gefragt, ob sie schwanger seien. 18 Prozent der Befragten gaben an, sie seien gefragt worden, ob Deutsch ihre Muttersprache sei, und 15 Prozent, welche Religionszugehörigkeit sie hätten.


Die Ergebnisse der Befragung

"Derartige Fragen sind in der Regel unzulässig", kommentiert die ADS in einer Pressemitteilung vom Mitwoch. "Das wissen nicht alle Bewerbenden. Selbst bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft, die eindeutig und ausnahmslos verboten ist, gehen 39 Prozent der befragten Personen davon aus, dass sich der Arbeitgeber danach erkundigen darf."

Die sexuelle Orientierung und der Problemfall Kirchen

In der telefonischen Befragung von knapp unter 1.000 Menschen gaben ferner noch immer ein Prozent an, nach der sexuellen Orientierung befragt worden zu sein. Nur fünf Prozent der Befragten glaubt, dass eine entsprechende Frage zulässig ist.

"Hier ist sich die ganz überwiegende Mehrheit (…) bewusst, dass Fragen danach nicht erlaubt sind", kommentiert die ADS in der Broschüre. Doch die Behörde muss zugleich aufklären: "Eine Ausnahme ergibt sich auch hier wiederum im Zusammenhang mit kirchlichen Arbeitgebern. Nach noch herrschender Rechtsprechung wäre eine unterschiedliche Behandlung aufgrund der sexuellen Identität wohl gemäß § 9 Abs. 2 AGG gerechtfertigt" – der Gesetzgeber hatte wegen des angesprochenen Selbstverwaltungsrechts der Kirchen für diese weitreichende Ausnahmen im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorgesehen.

"Nach dieser Vorschrift dürfen Religionsgemeinschaften von ihren Beschäftigten ein loyales und aufrichtiges Verhalten im Sinne ihres jeweiligen Selbstverständnisses verlangen", so die ADG. Während die Stelle nicht weiter darauf eingeht, wie weit dieses Recht geht, verbreitet sie die "Logik" der Kirchen unkommentiert weiter: "Das Praktizieren von Homosexualität und das Eingehen einer eingetragenen Lebenspartnerschaft können demnach einen schwerwiegenden Verstoß gegen dieses Loyalitätsgebot darstellen."

Die Kirchen gehören zu den größten Arbeitgebern in Deutschland – und haben in der Vergangenheit schon schwule Lehrer oder lesbische Kindergarten-Putzfrauen entlassen. Vor Gerichten und in der Politik wird seit Jahren darüber gestritten, die Ausnahmen beim Diskriminierungsschutz stärker auf den Bereich der Verkündung einzuschränken (queer.de berichtete). Auch die Antidiskriminierungsstelle hatte entsprechende Urteile begrüßt (queer.de berichtete).

Bewerber dürfen lügen


Die ADS-Broschüre will aufklären, kann Bewerbern bei Caritas & Co. aber nur bedingt weiterhelfen

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) untersagt eine Benachteiligung von Beschäftigten aufgrund des Alters, einer Behinderung, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Religion/Weltanschauung. In diesem Sinne stelle beispielsweise die Frage nach einer Schwangerschaft eine Benachteiligung von Bewerberinnen wegen des Geschlechts und einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot dar, so die ADS allgemein.

"Fragen nach Kinderwunsch, Schwangerschaft, nach der sexuellen Orientierung oder beispielsweise nach pflegebedürftigen Angehörigen haben im Bewerbungsgespräch nichts zu suchen", so Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, in der Pressemitteilung. "Im Vordergrund muss immer die Qualifikation der Bewerbenden stehen. Von einem zu erwartenden Kinderwunsch oder von der Herkunft dürfen Arbeitgeber eine Job-Entscheidung dagegen nicht abhängig machen. Bewerbende, denen derartige Fragen gestellt werden, müssen nichts dazu sagen – und dürfen bei Fragen nach einer Schwangerschaft sogar die Unwahrheit sagen. Denn all dies geht den Arbeitgeber nichts an."

Die Erhebung wurde vom Meinungsforschungsinstitut Kantar EMNID als telefonische Befragung im Zeitraum vom 15. November bis 8. Dezember 2017 durchgeführt. Die Fragen gingen an 976 Befragte einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe, die in den zurückliegenden fünf Jahren mindestens ein Bewerbungsgespräch hatten. 54,7 Prozent der Befragten waren weiblich.

Im letzten Jahr hatte die ADS eine Studie vorgestellt, wonach rund ein Drittel von lesbischen, schwulen, bisexuellen und transgeschlechtlichen Beschäftigten am Arbeitsplatz mit allen Kollegen offen über ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität spricht (queer.de berichtete). (nb/pm)



#1 LotiAnonym
  • 05.12.2018, 11:28h
  • Es geht also den Arbeitgebern nichts an wenn diese solche sehr privaten Fragen stellen. Na, dann Lüge ich eben.
    Bei den Kirchen sieht es anders aus? Ein Grund mehr nicht in solchen Einrichtungen zu Arbeiten. Als Freiwilliger Helfer werde ich zukünftig hier nicht mehr tätig.
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#2 Gerlinde24Profil
  • 05.12.2018, 11:31hBerlin
  • Meine Ex war Krankenschwester in einem katholischen Krankenhaus. Sie log über ihre sexuelle Orientierung, und, als das rauskam, verlor sie ihren Job. Begründung: Sie habe falsche Angaben zur Person gemacht.
    Was zur Hölle geht das einen Arbeitgeber (ob kirchlich oder nicht) an, mit wem jemand in die Kiste steigt? Tangiert das irgendwie die Arbeit?
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#3 Simon HAnonym
  • 05.12.2018, 11:35h
  • "" Die Antidiskriminierungsstelle muss zugleich einräumen, dass Kirchen diskriminieren dürfen.""

    Ja, das haben wir Union und SPD zu verdanken, die das bei der Umsetzung der EU-Vorgaben in das AGG im ersten Merkel-Kabinett explizit eingefügt haben.

    Ich fand es schon damals skandalös und finde es immer noch skandalös, dass für Kirchen Sonderregeln gelten, also der rechtsstaatliche Gleichheits-Grundsatz für sie nicht gilt.

    Und ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz, das manchen Personen/Institutionen explizit Diskriminierung erlaubt, hat seinen Namen nicht verdient und ist eine Pervertierung der Idee eines Diskriminierungssschutzes.

    Und genau dieses Gesetz gilt bis heute und Union und SPD machen keine Anstalten, da irgendwas zu ändern...

    Pfui Union.
    Pfui SPD.
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#4 TimonAnonym
  • 05.12.2018, 12:12h
  • Antwort auf #2 von Gerlinde24
  • Ja, es gibt ja regelmäßig Fälle, wo Personen, die der Kirche nicht passen, aus konfessionellen Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, etc. entlassen werden.

    Von der bekannt gewordenen lesbischen Putzfrau in einem Kindergarten bis hin zum geschiedenen und wieder verheirateten Chefarzt in einem Düsseldorfer Krankenhaus. Etc. Etc. Etc. Es betrifft also auch Heteros.

    Und das Perfide ist, dass diese Einrichtungen eigentlich vom Steuerzahler (auch von uns LGBTI) finanziert werden. Die Kirche gibt nur ihren Namen, um sich als ach so barmherzig hinstellen zu können.

    Selbst wenn die das selbst finanzieren würden, gäbe das denen natürlich nicht das Recht zum Diskriminieren, aber dass die auch noch staatlich finanzierten Institutionen ihre Regeln aufzwingen, macht es noch perverser.
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#5 TimonAnonym
  • 05.12.2018, 12:15h
  • Antwort auf #3 von Simon H
  • Tja, die Union ist Schoßhündchen der Kirchen und die SPD ist Schoßhündchen der Union.

    Da ist also nichts anderes zu erwarten.

    Trotz tagtäglicher Diskriminierung sehen die "keinen Bedarf" zu handeln.
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#6 remixbeb
  • 05.12.2018, 12:56h
  • Antwort auf #1 von Loti
  • Na, wenn das so einfach wäre. Ich als Sozialarbeiter kann Dir sagen, dass sich die Jobangebote drastisch reduzieren, wenn du die Stellen in kirchlicher Trägerschaft von vorn herein ausschließt. Und das, obwohl häufig die Kirchen diese Stellen nicht einmal selbst oder nur in Teilen bezahlen. Das ist wirklich unfassbar! Ich bin meinem Gewissen gefolgt und vor Jahren ausgetreten. Die schlechteren Jobchancen hin nehmend.. Ich kann aber gut verstehen, wenn viele andere meiner Kolleg*innen nicht tun. Es ist absurd, aber da könnte man fast von einem "Glaubens-Zwang" reden.
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#7 Alexander_FAnonym
  • 05.12.2018, 13:01h
  • " der Gesetzgeber hatte wegen des angesprochenen Selbstverwaltungsrechts der Kirchen für diese weitreichende Ausnahmen im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorgesehen."

    Der Rechtsdualismus zwischen weltlichem und kirchlichen Recht ist eigentlich etwas, was für das Ancien Régime, also die Zeit vor der Nationalstaatenbildung des 19. Jahrhunderts charakteristisch ist. Deutschland hat demnach diesen Prozess nie komplett durchlaufen, einfach, weil es keinen zu kratzen scheint.

    Es ist schon sehr bezeichnend für ein Land, dass es eine solche Paralleljustiz und damit auch Parallelgesellschaften zulässt.
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#8 Simon HAnonym
  • 05.12.2018, 13:16h
  • Antwort auf #7 von Alexander_F
  • Ja, es wird immer viel von Parallelgesellschaften und Paralleljustiz bei Migranten gesprochen.

    Aber die größte Parallelgesellschaft und Paralleljustiz kommt von den Kirchen.

    Wie will man ernsthaft sog. "Friedensrichter" bei Migranten kritisieren, während man den Kirchen erlaubt, sich ihr eigenes Recht zu machen und von ihren eigenen Kirchengerichten dieses eigene Recht sprechen zu lassen?!
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#9 Simon HAnonym
  • 05.12.2018, 13:20h
  • Antwort auf #6 von remixbeb
  • Ich finde es generell skandalös, dass es dieses Konzept kirchlicher Trägerschaft gibt.

    Der Steuerzahler finanziert das. Wieso braucht man dann noch einen "kirchlichen Träger", der nur den Namen gibt? Nur damit die den schönen Schein aufrechterhalten können, sie seien sozial, barmherzig, nächstenliebend?

    Die Kirchen sollten sich um ihre Kirchen und ihre Messen kümmern und sonst nichts. Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, etc. sollten rein staatlich und religiös neutral sein.

    Und das betrifft nicht nur Trägerschaft, sondern auch z.B. Religionsunterricht an Schulen. Die Kirche will auch nicht, dass Evolutionsbiologen in die Kirchen kommen um über Evolution aufzuklären. Genauso haben die Kirchen auch nichts in Schulen als Orten des Wissens (und nicht des Vermutens oder Hoffens) zu suchen.

    Stattdessen sollte es einen allgemeinen Ethik-Unterricht geben, wo dann - neben vielen anderen Themen - von mir aus auch mal über Religion diskutiert werden kann, aber neutral, kritisch und alle Religionen gleichberechtigt.
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#10 MatsAnonym
  • 05.12.2018, 13:32h
  • Antwort auf #9 von Simon H
  • Und wenn man dann noch bedenkt, dass der Staat die Kirchensteuer eintreibt (und alle Versäumnisse gleich wie andere Steuervergehen behandelt), während alle anderen Vereine ihre Mitgliedsbeiträge selbst eintreiben müssen...

    Und zusätzlich zu den Kirchensteuern gibt es noch die sogenannten "Staatsleistungen", wo die Kirche nochmal aus allgemeinen Steuergeldern (selbst von Leuten, die gar nicht da Mitglied sind) Unsummen bekommt...

    Wenn man das dann auch noch mit bedenkt, wird klar, wer in Deutschland wirklich das Sagen hat und dass es sich weder um eine echte Demokratie noch um einen echten Rechtsstaat handelt.
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