Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32507

Debatte um CDU-Parteivorsitz

Kramp-Karrenbauer unterstützt jetzt das Adoptionsrecht für Homo-Paare

In einem "Welt"-Interview deutet die Politikerin ein Umdenken an – früher hatte sie das Adoptionsrecht als "gesellschaftspolitisches Experiment" bezeichnet und als gegen das Kindeswohl gerichtet dargestellt.


Kramp-Karrenbauer antwortete am Donnerstagmorgen im ZDF routiniert auf Fragen zu ihren politischen Einstellungen

Die umstrittene CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich in einem Interview mit der "Welt" erstmals positiv zum Adoptionsrecht für homosexuelle Paare geäußert. Am Vortag zur Wahl der Nachfolge von Angela Merkel im CDU-Parteivorsitz, bei der sie als Favoritin gilt, betonte die 56-Jährige zunächst erneut, dass sie weiterhin gegen die Ehe für alle sei, diese aber nicht mehr abschaffen wolle.

Auf die Frage, ob sie mit der Ablehnung konservative Kreise erreichen wolle oder das "wirklich ernst" meine, sagte die Saarländerin: "Das ist meine tiefe und innere Überzeugung. Ich stehe zu meinen Überzeugungen, auch wenn sie sich in den Mehrheitsverhältnissen nicht mehr abbilden. Aber natürlich akzeptiere ich die Mehrheitsentscheidung des Bundestags."

Teilweise wortgleich äußerte sie sich am Donnerstagmorgen auch in einem Live-Interview im ZDF-Morgenmagazin: "Das ist meine tiefe persönliche Überzeugung. Aber Fakt ist, dass der Bundestag darüber entschieden hat, abschließend entschieden hat. Das akzeptiere ich, alle weiteren Rechtsfolgen sind dementsprechend auch umzusetzen. Das ist für mich kein Problem. Aber ich bin eben auch jemand, der zu seinen Grundüberzeugungen steht, auch dann, wenn sie vielleicht in der Bevölkerung nicht mehr die ganz große Mehrheit finden."

Ablehnung des Adoptionsrechts "schwer zu argumentieren"

In der "Welt" wurde Kramp-Karrenbauer weiter gefragt, ob homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen. Ihre Antwort: "Es ist Tatsache, dass viele Jugendämter viele homosexuelle Paare als Pflegeeltern aussuchen. Dann ist es schwer zu argumentieren, dass sie keine Kinder adoptieren können sollen. Wenn Homosexuelle Pflegeeltern sein können, dann können sie auch Adoptiveltern sein." Das Adoptionsrecht knüpfe sich "auch an die Entscheidung des Bundestags, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen."

Die recht formale – und ebenfalls durch Medienberater antrainiert wirkende – Antwort, die die jahrelange Praxis mit Stiefkind- und Sukzessivadoptionen vor der Ehe-Öffnung ignoriert, lässt streng genommen offen, ob Kramp-Karrenbauer auch in diesem Bereich weiter eine "tiefe persönliche Überzeugung" hat. Gefragt wurde sie das nicht.

Die "Welt" fragte hingegen: "Keine Ehe für Homosexuelle, aber Kinder zu adoptieren ist in Ordnung? Das ergibt doch keinen Sinn." Kramp-Karrenbauer betonte darauf: "Ob Kinder gut oder schlecht aufwachsen, hängt nicht am Geschlecht der Eltern. Deshalb entscheiden die Jugendämter nach dem Kindswohl." Entscheidend sei, dass Kinder in ihrem Leben mit vielen Rollenvorbildern konfrontiert seien. "Da wäre es etwa wünschenswert, wenn in Grundschulen und Kindergärten mehr Männer arbeiten würden."

AKK lehnte früher Adoptionsrecht ab

Bislang hatte Kramp-Karrenbauer das Kindeswohl gegen das Adoptionsrecht für Homo-Paare in Stellung gebracht: "Bei Adoptionen geht es um das Kind. In Kitas und Schulen sprechen wir darüber, wie wichtig es für Kinder ist, sowohl Frauen als auch Männer als Bezugspersonen zu haben", sagte sie 2015 der "Wirtschaftswoche" (queer.de berichtete). "Beim jetzt diskutierten vollen Adoptionsrecht für homosexuelle Paare soll diese Frage keine Rolle spielen. Mir leuchtet dies nicht ein. Deshalb bin ich gegen das volle Adoptionsrecht."

Wenige Monate zuvor war die damalige saarländische Ministerpräsidentin in Kritik geraten, als sie die Ehe für alle mit Polygamie und Inzest verglich – was sie bis heute nicht zurücknahm. In dem gleichen Interview mit der "Saarbrücker Zeitung" thematisierte sie auch das Adoptionsrecht: "Gerade diese Frage dürfen wir nicht daran festmachen, ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht – sondern allein am Kindeswohl" (queer.de berichtete). In einer Erwiderung auf die öffentliche Empörung erklärte sie zu ihrer Ablehnung der Ehe für alle: "Gerade im Hinblick auf die Folgen für das Adoptionsrecht bin ich der Meinung, wir sollten uns nicht vorschnell auf gesellschaftspolitische Experimente einlassen" (queer.de berichtete).

Der neue CDU-Parteivorsitz wird am Freitag von Delegierten beim Parteitag in Hamburg bestimmt. Um den Posten bewerben sich auch der schwule CDU-Politiker und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie der frühere Unions-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz. Dieser hatte früher die ersten Fassungen des Lebenspartnerschaftsgesetzes bekämpft (queer.de berichtete), zuletzt aber betont, die Ehe-Öffnung für "richtig" zu halten. Am Montag hatte der frühere Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, bei "Hart aber fair" kritisiert, wie ihn Merz damals wegen seines Coming-outs angegriffen habe (queer.de berichtete). (cw)

Wöchentliche Umfrage

» Wer sollte die CDU künftig führen?
    Ergebnis der Umfrage vom 03.12.2018 bis 10.12.2018


#1 sorbitAnonym
  • 06.12.2018, 12:53h
  • Da versucht jemand, kurz vor der Wahl am Freitag, noch ein paar Stimmen von den Wahlstimmen des
    Kandidaten Spahn abzugreifen...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MariposaAnonym
  • 06.12.2018, 13:34h
  • Na ja, dieser Schwenk ist nicht gerade glaubwürdig, aber nun wahrlich nicht mein Problem.... Bin ja weder CDU-Sympathisant oder gar Delegierter, der sich einen Eindruck von den Kandidaten machen muß. Ich halte AKK abgesehen davon für ein politisches Leichtgewicht, von Außenpolitik versteht sie wenig (hat man bei ihrem letzten Auftritt bei Anne Will deutlich gemerkt). Im Kanzleramt kann ich sie mir beim besten Willen nicht vorstellen - eher noch als Ministerin.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Bonifatius49Anonym
  • 06.12.2018, 13:52h
  • Antwort auf #2 von Mariposa
  • Damit ist Sie dann auf Linie zu Merkel .

    Beide Frauen lehnen zwar die Ehe für alle ab, aber zumindest beüfworten Sie ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht für verpartnerte gleichgeschlechtliche Paare.

    Aber klar ist es weiterhin scharf zu kritisieren, dass AKK und Merkel beide nicht die Ehe für alle richtig halten.

    Da lobe ich dann lieber Spahn, Merz, Bouffiver, Altmaier, Tauber, Ehepaar Kristina und Ole Schröder, Grütters, Günter oder auch von der Leyen in der CDU, die alle die Ehe für alle befürworten.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Simon HAnonym
  • 06.12.2018, 14:16h
  • Jetzt, wo es knapp wird, will sie auf einmal nochmal lieb Kind machen...

    Das ist sowas von durchschaubar...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 DominikAnonym
  • 06.12.2018, 16:50h
  • Antwort auf #3 von Bonifatius49
  • "Da lobe ich dann lieber Spahn, Merz, Bouffiver, Altmaier, Tauber, Ehepaar Kristina und Ole Schröder, Grütters, Günter oder auch von der Leyen in der CDU, die alle die Ehe für alle befürworten."

    - Entschuldigung, den Merz halte ich für noch reservierter gegenüber LGBT-Rechten als die AKK, um es noch freundlich auszudrücken. Von ihm sind ja auch reichlich Alphatier-Gehabe und Altherrenwitze, auch welche auf Kosten von schwulen Kollegen wie dem Wowereit, überliefert. Mir ist nicht bekannt, dass sich AKK je hat dazu hinreißen lassen. Sie tut sich im Grunde genommen nur schwer mit der Akzeptanz, weil diese im Widerspruch zu ihrem traditionellen Verständnis von Ehe und Familie steht. So ticken viele Kleinbürgerliche. "Sich schwer tun" ist aber eine Haltung, die eher noch veränderbar ist und Entwicklung zulässt, als wenn jemand seine besten vorurteilsbeladenen Kalauer zum Besten gibt.

    Ich mag den Merz nicht. Finde ihn abgehoben und arrogant. Spahn ist mir in vielen anderen Fragen zu konservativ bzw. teils auch schon zu national-konservativ unterwegs, z.B. in der Migrationspolitik. Ich finde AKK noch die beste Kandidatin, Daniel Günther wäre natürlich super gewesen. Aber na ja, wann ist schon mal Wunschkonzert!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 HeiligeMadonnaAnonym
  • 06.12.2018, 17:06h
  • Sehr durchschaubar die Dame. Die hat gemerkt das ihre haltlosen Aussagen auf enorme Kritik gestoßen sind und jetzt versucht sie paar Punkte zu sammeln. Naja, Hauptsache sie hält in Zukunft Ruhe bei dem Thema, egal was morgen rauskommt. Ich mag die Frau nicht, die CDU sowieso nicht. Selbst Helmut Kohl war im gesetzten Alter weiter als diese Frau und war Trauzeuge bei einer gleichgeschlechtlichen Ehe... (damals noch eingetragene Partnerschaft).
  • Antworten » | Direktlink »
#7 KaktusAnonym
  • 06.12.2018, 19:08h
  • Einmal HÜ und einmal Hot, absolut unglaubwürdig. Mit grauen denk ich an die nächsten Bundestagswahl wenn akk sich als Kanzlerin aufstellen wii.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AlexAnonym
  • 06.12.2018, 19:35h
  • Ganz wie Mutti. Immer das Fähnchen in den Wind halten.

    Im Rückblick war es wohl ein Beispielloser Streich, die Homoehe noch vor der letzten Wahl endlich abgestimmt und beschlossen zu bekommen. Das Zeitfenster dafür wäre offensichtlich spätestens mit AKKs Wahl zum CDU Vorsitz mit Sicherheit wieder zu gewesen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TomDarkProfil
#10 KaktusAnonym
  • 06.12.2018, 19:51h
  • Antwort auf #9 von TomDark
  • Nach den letzten Umfragen liegt akk bei 47 Prozent, Merz bei 36 und Spahn bei 12 Prozent. Es dürfen ja nur die Abgeordneten Wählen und nicht die Mitglieder. 2 Homophobe und einer der in einer ganz anderen Welt lebt als der Otto normal Verbraucher.
  • Antworten » | Direktlink »