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Debatte um CDU-Parteivorsitz
Kramp-Karrenbauer unterstützt jetzt das Adoptionsrecht für Homo-Paare
In einem "Welt"-Interview deutet die Politikerin ein Umdenken an – früher hatte sie das Adoptionsrecht als "gesellschaftspolitisches Experiment" bezeichnet und als gegen das Kindeswohl gerichtet dargestellt.

Kramp-Karrenbauer antwortete am Donnerstagmorgen im ZDF routiniert auf Fragen zu ihren politischen Einstellungen
- 6. Dezember 2018, 09:45h 4 Min.
Die umstrittene CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich in einem Interview mit der "Welt" erstmals positiv zum Adoptionsrecht für homosexuelle Paare geäußert. Am Vortag zur Wahl der Nachfolge von Angela Merkel im CDU-Parteivorsitz, bei der sie als Favoritin gilt, betonte die 56-Jährige zunächst erneut, dass sie weiterhin gegen die Ehe für alle sei, diese aber nicht mehr abschaffen wolle.
Auf die Frage, ob sie mit der Ablehnung konservative Kreise erreichen wolle oder das "wirklich ernst" meine, sagte die Saarländerin: "Das ist meine tiefe und innere Überzeugung. Ich stehe zu meinen Überzeugungen, auch wenn sie sich in den Mehrheitsverhältnissen nicht mehr abbilden. Aber natürlich akzeptiere ich die Mehrheitsentscheidung des Bundestags."
Teilweise wortgleich äußerte sie sich am Donnerstagmorgen auch in einem Live-Interview im ZDF-Morgenmagazin: "Das ist meine tiefe persönliche Überzeugung. Aber Fakt ist, dass der Bundestag darüber entschieden hat, abschließend entschieden hat. Das akzeptiere ich, alle weiteren Rechtsfolgen sind dementsprechend auch umzusetzen. Das ist für mich kein Problem. Aber ich bin eben auch jemand, der zu seinen Grundüberzeugungen steht, auch dann, wenn sie vielleicht in der Bevölkerung nicht mehr die ganz große Mehrheit finden."
Ablehnung des Adoptionsrechts "schwer zu argumentieren"
In der "Welt" wurde Kramp-Karrenbauer weiter gefragt, ob homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen. Ihre Antwort: "Es ist Tatsache, dass viele Jugendämter viele homosexuelle Paare als Pflegeeltern aussuchen. Dann ist es schwer zu argumentieren, dass sie keine Kinder adoptieren können sollen. Wenn Homosexuelle Pflegeeltern sein können, dann können sie auch Adoptiveltern sein." Das Adoptionsrecht knüpfe sich "auch an die Entscheidung des Bundestags, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen."
Die recht formale – und ebenfalls durch Medienberater antrainiert wirkende – Antwort, die die jahrelange Praxis mit Stiefkind- und Sukzessivadoptionen vor der Ehe-Öffnung ignoriert, lässt streng genommen offen, ob Kramp-Karrenbauer auch in diesem Bereich weiter eine "tiefe persönliche Überzeugung" hat. Gefragt wurde sie das nicht.
Die "Welt" fragte hingegen: "Keine Ehe für Homosexuelle, aber Kinder zu adoptieren ist in Ordnung? Das ergibt doch keinen Sinn." Kramp-Karrenbauer betonte darauf: "Ob Kinder gut oder schlecht aufwachsen, hängt nicht am Geschlecht der Eltern. Deshalb entscheiden die Jugendämter nach dem Kindswohl." Entscheidend sei, dass Kinder in ihrem Leben mit vielen Rollenvorbildern konfrontiert seien. "Da wäre es etwa wünschenswert, wenn in Grundschulen und Kindergärten mehr Männer arbeiten würden."
AKK lehnte früher Adoptionsrecht ab
Bislang hatte Kramp-Karrenbauer das Kindeswohl gegen das Adoptionsrecht für Homo-Paare in Stellung gebracht: "Bei Adoptionen geht es um das Kind. In Kitas und Schulen sprechen wir darüber, wie wichtig es für Kinder ist, sowohl Frauen als auch Männer als Bezugspersonen zu haben", sagte sie 2015 der "Wirtschaftswoche" (queer.de berichtete). "Beim jetzt diskutierten vollen Adoptionsrecht für homosexuelle Paare soll diese Frage keine Rolle spielen. Mir leuchtet dies nicht ein. Deshalb bin ich gegen das volle Adoptionsrecht."
Wenige Monate zuvor war die damalige saarländische Ministerpräsidentin in Kritik geraten, als sie die Ehe für alle mit Polygamie und Inzest verglich – was sie bis heute nicht zurücknahm. In dem gleichen Interview mit der "Saarbrücker Zeitung" thematisierte sie auch das Adoptionsrecht: "Gerade diese Frage dürfen wir nicht daran festmachen, ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht – sondern allein am Kindeswohl" (queer.de berichtete). In einer Erwiderung auf die öffentliche Empörung erklärte sie zu ihrer Ablehnung der Ehe für alle: "Gerade im Hinblick auf die Folgen für das Adoptionsrecht bin ich der Meinung, wir sollten uns nicht vorschnell auf gesellschaftspolitische Experimente einlassen" (queer.de berichtete).
Der neue CDU-Parteivorsitz wird am Freitag von Delegierten beim Parteitag in Hamburg bestimmt. Um den Posten bewerben sich auch der schwule CDU-Politiker und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie der frühere Unions-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz. Dieser hatte früher die ersten Fassungen des Lebenspartnerschaftsgesetzes bekämpft (queer.de berichtete), zuletzt aber betont, die Ehe-Öffnung für "richtig" zu halten. Am Montag hatte der frühere Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, bei "Hart aber fair" kritisiert, wie ihn Merz damals wegen seines Coming-outs angegriffen habe (queer.de berichtete). (cw)















Kandidaten Spahn abzugreifen...