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Prozess

Schweiz: Bande erpresste schwulen Priester mit angeblichen Sexbildern

Die beiden Männer sollen es der Staatsanwaltschaft zufolge auf ältere und teilweise demente Homosexuelle abgesehen haben.


Die Kirche hatte den Priester nach Bekanntwerden der Vorfälle freigestellt (Bild: flickr / Cjames Fotografia / by 2.0)

Vor dem Bezirksgericht im schweizerischen Andelfingen hat laut einem Bericht der NZZ ein Prozess gegen zwei Männer begonnen, die beschuldigt werden, ältere homosexuelle Männer ausgenommen und erpresst zu haben. Der Fall erweckte auch deswegen Aufsehen, weil einer der Männer als katholischer Pfarrer einer Gemeinde im Bezirk Andelfingen arbeitete – zumindest bis die Geschichte publik wurde.

Der Mann im Pensionsalter soll den beiden Männern über Jahre Geld gegeben haben, bis fast die gesamten Ersparnisse aufgebraucht waren. Laut Anklageschrift hätten die Männer ihm zuletzt gedroht, ansonsten Bilder publik zu machen, die ihn angeblich beim Sex mit Männern zeigten. Der Lebenspartner des Pfarrers rief schließlich die Polizei, der die beiden Männer in dessen Wohnung festnahm.

Laut dem Partner sei sich der Pfarrer zwar sicher gewesen, dass keinerlei entsprechenden Bilder existierten. Er sei aber "verängstigt" gewesen, dass die Geschichte und seine Homosexualität publik werden könnte. Die erste Begegnung mit einem der beiden Männer hatte sich Jahre zuvor an der Pfarrhaustüre abgespielt: Der Pfarrer hatte den Mann und später auch Bekannte in angeblicher Not aufgenommen.

Notlagen vorgetäuscht

Im Laufe der Ermittlungen war ein zweiter Fall publik geworden: Ein 79-jähriger pensionierter Gemeindeschreiber hatte den beiden Männern ebenfalls hohe Geldsummen gegeben. Beiden Geschädigten hatten die Männer offenbar andauernde Notlagen vorgetäuscht und so jeweils insgesamt sechsstellige Summen als vermeintliche Darlehen ergaunern können – bei dem zweiten Mann die höhere Summe von rund 300.000 Franken (265.000 Euro). Auch der zweite Geschädigte, ebenfalls Katholik, wollte sein Privatleben geheim halten – zugleich sei er auch von den Beschuldigten und von Personen aus deren Umfeld bedroht worden. Auch Zeugen berichteten vor Gericht von einschüchternden Telefonaten aus dem möglichen Umfeld der Beschuldigten.

Die Staatsanwaltschaft fordert laut der Zeitung wegen Erpressung und gewerbsmäßigen Betrugs 40 Monate Freiheitsstrafe für den einen und 15 Monate Haft sowie zusätzliche 15 Monate auf Bewährung ("bedingte Strafe" nach Schweizer Recht) für den anderen Beschuldigten. Die beiden Roma mit slowakischer Nationalität seien zudem für fünf Jahre des Landes zu verweisen. Ein Urteil soll nächste Woche fallen.

Kirche ließ Priester fallen

Laut dem NZZ-Bericht hatte einer der beiden Verdächtigen zwei Monate vor der Erpressung im Pfarrhaus angerufen und der Sekretärin des Pfarrers von kompromittierenden Bildern erzählt. Die Frau informierte die Kirchenleitung, die den Pfarrer kurz vor der Pension freistellte.

Laut NZZ hätte dieser lieber "in einem kleinen Pensum weitergearbeitet": "Seine berufliche Existenz scheint ebenso ruiniert wie seine finanzielle". Das Portal katholisch.de der Deutschen Bischofskonferenz, das ebenfalls über den Fall berichtete, schreibt, die Freistellung sei "in gegenseitigem Einverständnis" erfolgt. (cw)



#1 Miguel53deProfil
  • 07.12.2018, 02:35hOttawa
  • Der weitaus größere Skandal ist die - angeblich auf Gegenseitigkeit - Freistellung des Priesters kurz vor der Pensionierung. Das bestätigt, das die Furcht vor der Offenlegung, also die Basi dafür, worauf die Erpressung beruhte, zu 100% berechtigt war.

    Wie scheinheilig und zutiefst böse das ist, wird deutlich, wenn man an die vielen Priester denkt, die Kinder missbraucht haben und einfach nur weitervermittelt wurden.

    Diese Kirche ist nicht mehr zu retten. Ich haltende für innerlich vollkommen verrottet.

    Allerdings denke ich doch, dass die Pension nicht komplett ausfällt, sondern nur gekürzt wird, wenn sie jetzt früher beantragt wird.
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#2 MarcAnonym
  • 07.12.2018, 10:02h
  • Das perfide an der Geschichte: Schon nach dem ersten Prozesstag und nach Anhörung der Angeklagten Slowaken (also schon bevor der Priester ein Tag später in den Zeugenstand gerufen wurde) stand in den schweizer Presse "Wie ein Clan einen katholischen Priester mit Sexbildern erpresste". Wer das liest, für den ist klar: Der dumme Priester ist doch selber schuld, wenn er von sich Sexbilder machen lässt und sich damit erpressen lässt.
    Doch ein Tag später war die Zeugenanhörung des Priesters. Die Geschichte mit den Sexfotos war reiner Bluff und von den beiden Slowaken erfunden. Es gab keine solchen Bilder. Während der Priester Duzende von Beweisen wie Bankauszüge, Mails, Briefe und dergleichen als Beweismittel vorzulegen hatte, prüfte niemand, ob es diese Sex-Bilder denn überhaupt gab. Alleinde die Angst vor einem "Geschwätz" brachte den Priester in Unsicherheit - aber keine Sexfotos.
    Die Medien waren also voreilig und schrieben von Sex-Fotos, obwohl kein einziges davon dem Gericht vorliegt. Wie kann man nur einen Menschen derart heruntermachen. Einen Menschen der schon finanziell ruiniert wurde und dann noch zur Ergötzung der Leserschaft als Sex-Porno-Shooting-Priester hingestellt wird. Wo ist da die Nächstenliebe und die Advendaszeit? Selbst die Kirchgemeinde flog auf den Foto-Bluff herein und entliess ihn, ohne zu prüfen, ob es diese Fotos denn überhaupt gibt.
    Eine andere Zeitung schrieb: "im Zentrum standen Sexfotos". Als Partner dieses Priesters war auch ich als Zeuge vorgeladen. Der Gerichtssaal war voll, doch im Zentrum waren mehr Luft als Sexfotos.
    Es geht doch um das perfide Vorgehen dieser Angeklagten, das ist doch der zentrale Punkt und nicht Fotos, die die Leser gerne sehen möchten, die es aber zu deren Leid gar nicht gibt.
    Das Urteil wird nächste Woche, am 10. Dezember erwartet. Aber der Ruf des Priesters, ist dahin, wegen Nichts. Jetzt könnte die katholische Kirche ja einmal Beweisen, was Nächstenliebe ist und dem Priester helfen. Aber die bringt wohl lieber Weihnachts-Kekse in die Zellen der Angeklagten, denn diese sind schliesslich Hetero.
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