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AfD-Hetz-Propaganda

So schamlos lügen David Berger und Nicole Höchst über queere Schulaufklärung

Unter Verweis auf Landtagsanfragen der AfD in Mainz und unter Ignoranz der Antworten wird das ehrenamtliche Projekt SCHLAU als "steuerfinanzierte Sexualindoktrination durch Berufshomosexuelle" angegriffen.


AfD und Helfershelfer versuchen sich mal wieder an einer Empörungskampagne gegen queere Akzeptanz

In der letzten Woche berichteten wir, wie die AfD im Mainzer Landtag in zwei Anfragen Details zum Aktionsplan "Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen" und dem queeren Schulaufklärungsprojekt SCHLAU wissen wollte – und befürchteten, die rechte Partei wolle "Munition etwa zu angeblichen Steuerverschwendungen oder 'ideologischen' Förderungen finden".

Das Ergebnis lässt sich nun seit dem Wochenende bestaunen: Das Blog "Philosophia Perennis" des rechten schwulen Publizisten David Berger veröffentlichte in Zusammenarbeit mit der AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höcht einen Bericht unter der Überschrift "Millionen Steuergelder für Analsex-Unterricht in Rheinland-Pfalz", der seitdem in sozialen Netzwerken wild geteilt wird und in dem vor allem das Schulprojekt SCHLAU angegriffen wird.

Dieses habe "bis 2017 1,264 Millionen Euro Steuergelder allein in Rheinland-Pfalz" erhalten, heißt es in dem Bericht. Es ist die einzige genannte Summe in dem Artikel, der – ohne sie zu verlinken – auf eine der beiden Landtagsanfragen verweist.


Aus dem Artikel von Berger und Höchst, dessen Autorenschaft sich nicht genau abgrenzen lässt

In dieser Antwort auf die Große Landtags-Anfrage der AfD (PDF) hatte die Landesregierung auf insgesamt 65 Fragen (!) der rechten Partei zu SCHLAU geantwortet. Aus dieser ist klar erkennbar, dass die staatliche Förderung des übrigens ehrenamtlichen Projekts zuletzt lediglich 10.000 Euro jährlich betrug und bislang insgesamt 62.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden.


Die tatsächliche Förderung von queerer Schulaufklärung in Rheinland-Pfalz

Wie kommt die AfD auf 1,264 Millionen Euro? Sie hat offenbar die ebenfalls abgefragte Förderung des Landesverbands QueerNet seit 2006 hinzugerechnet (2018: 177.400 Euro). Der Verein ist Träger von SCHLAU, betreut aber zahlreiche weitere eigene und fremde Projekte. Die Landesregierung weist auf die Förderung für "Verbandsarbeit", das Projekt "Queere Flüchtlinge" oder das Projekt "Familienvielfalt" hin – mit diesem größten jährlichen Einzelposten werden Fachkräfte von Familien- und Jugendeinrichtungen für LGBTI-Fragen sensibilisiert. In der gesonderten Antwort zur Anfrage zum Aktionsplan (PDF) werden weitere QueerNet-Projekte wie "Gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Alter" oder die "Förderung der Beratung von transidenten und intersexuellen Menschen" genannt. In zwei Jahren wurden zudem noch unter anderem 7.850 Euro für einen "Kita-Koffer Familien- und Lebensvielfalt" ausgegeben. Der Landesaktionsplan förderte zudem unter anderem eine Studie zur "strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitierung homosexueller Menschen" mit 100.000 Euro.

Antidiskriminierungsarbeit als "Analsex-Unterricht" diffamiert

"Millionen Steuergelder für Analsex-Unterricht"? Das ist natürlich auch bezüglich der Unterrichts-Inhalte gelogen. SCHLAU sei "nicht unumstritten", da das Projekt "auch nicht vor Themen wie Darkroom, Analsex und Sadomasochismus im Schulunterricht halt macht – ohne, dass die Kinder jemals danach gefragt hätten", heißt es im Artikel gar. Einziger Beleg ist ein verlinkter "Welt"-Artikel zu NRW aus dem Jahr 2016, "Kinder sollen Analsex in der Schule spielen", der die damals gezielt geschürte Panik-Polemik ("Puff für alle") gegen Abschnitte eines einzelnen Methodenhandbuchs, "Sexualpädagogik der Vielfalt", aufgriff und schon damals zu Kritik führte.

Abgesehen davon, dass Pädagogen auf auftauchende Schülerfragen angemessen reagieren können sollten und dass im Rahmen von Sexualkunde auch eine Aufklärung über Analverkehr Sinn macht, ist dies nicht die Aufgabe von SCHLAU; bei dem Projekt berichten jugendliche LGBTI schlicht über ihr Leben. "SCHLAU macht keine Sexualaufklärung, sondern Antidiskriminierungsarbeit", stellte das angegriffene NRW-Projekt bereits 2014 in einem FAQ klar. "Das bedeutet, dass wir mit den Jugendlichen über Lebensentwürfe und Familienmodelle, über Coming-out und Diskriminierung sprechen. Wenn Sexualität zum Thema gemacht wird, dann durch die Jugendlichen selbst." Die Methoden würden an die "Zusammensetzung der Klasse und an das Alter der Jugendlichen angepasst", man fange frühestens mit der siebten Klasse an. Das von "Philosophia Perennis" gewählte Aufmacherbild lässt jüngere Kinder vermuten.


Aus der Selbstdarstellung von SCHLAU Rheinland-Pfalz

Die Webseite von SCHLAU Rheinland-Pfalz betont unter dem Punkt "Konzepte", man leiste "einen grundlegenden Beitrag zu Akzeptanz, effektiver Gewaltprävention und ganzheitlicher Gesundheitsförderung" – Stichworte wie "Analverkehr" sucht man vergeblich. SCHLAU sei "kein Programm der Sexualaufklärung, sondern eines der Demokratiebildung und der Vielfaltspolitik", antwortete auch die Landesregierung der AfD. "Durch das biografische Erzählen nehmen SCHLAU-Workshops Bezug auf die Selbstbestimmung des eigenen Lebensentwurfs. Die Erziehung zu Toleranz und Respekt wird durch die Weitergabe persönlicher Erlebnisse erfahrbar und lernbar gemacht."

Der Artikel von Berger und Höchst ignoriert diese Fakten folglich bewusst. Dafür wird noch ebenfalls wissentlich falsch nahegelegt, SCHLAU habe etwas mit queer.de zu tun, über das sich der Artikel ebenfalls empört. So heißt es etwa: "Am 06.12.18 ging es auf der Internetseite von 'queer' um einen Film, indem die Kanzlerin bei lesbischen Liebesspielen gezeigt wird." Das sei "Respektlosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber alles und jedem, der nicht LGBT ist, also der Mehrheit der Bevölkerung", kommentiert Nicole Höchst.

Höchst: Keine "Belästigung" durch Homo- und Transsexuelle

Die AfD-Bundestagsabgeordnete spricht in dem "Philosophia Perennis"-Artikel angesichts von SCHLAU von "steuerfinanzierter Sexualindoktrination durch Berufshomosexuelle" (nochmals: SCHLAU ist ehrenamtlich!), von "Sexexperimenten von Lobbyvereinen" (nochmals: es geht weder um Sex noch um "Experimente") und von "Heterophobie" und "Hass gegen alles, was hetero" ist (nochmals: SCHLAU will Akzeptanz fördern).

Wie bei früheren Vorträgen betont Höchst in dem Artikel, jeder dürfe homo- oder transsexuell leben – "solange die Handlungen nicht strafrechtlich relevant sind". Die "sexuelle Ausrichtung und die sexuelle Identität einer Person" seien "allerdings privat": "Ich beanspruche für mich und meine Kinder, nicht ständig und überall mit der Sexualität anderer Leute belästigt zu werden. Das grenzt ja an staatlich verordnete sexuelle Nötigung."

Video (13,5 MB) | Höchst betont immer wieder, von Homosexuellen in Ruhe gelassen werden zu wollen; diese dürften immerhin "privat, einvernehmlich und über 18" tun, was sie wollen. Ausschnitt aus einer von mehreren Vorträgen Höchsts zur "Frühsexualisierung", hier am 8. September 2018 mit Hetze gegen LGBTI, gegen Schulaufklärung über sie sowie gegen Aktionspläne gegen Homo- und Transphobie. Zum Abschluss lobte sie ein an dem Abend verteiltes, zwei Jahre altes Magazin, in dem führende Homo-Hasser Deutschlands schreiben und Markus Hoffmann von "Wüstenstrom" für die "Heilung" Homosexueller wirbt (Quelle: AfD Nordschwaben / Facebook)

Der Bundestag hatte vor wenigen Wochen abgelehnt, Höchst – wie von der AfD vorgeschlagen – ins Kuratorium der Bundestiftung Magnus Hirschfeld zu schicken (queer.de berichtete). Die frühere Studienrätin kämpft gegen eine angebliche "Frühsexualisierung" an Schulen, lehnt die "Ehe für alle" als "Befriedigung von Kleinstinteressengruppen" ab und behauptet, dass es unter homosexuellen Männern mehr Pädophile gibt (queer.de berichtete).

Das Blog "Philosophia Perennis" von David Berger hat sich derweil in den letzten Jahren zu einem der am meisten in sozialen Netzwerken geteilten rechten Blogs entwickelt, auch dank extremer Überspitzungen und einseitiger Empörungen sowie Falschmeldungen und Hetze vor allem gegen Flüchtlinge und Muslime. Der schwule Theologe, der einst den Kampf gegen den Homo-Hass von kreuz.net anführte, unterstützt in Artikeln inzwischen nicht nur rechtsextreme Vereinigungen wie die "Identitäre Bewegung", sondern auch homo- und transfeindliche Bewegungen wie die "Demo für alle" und Aktivisten wie den Biologen Ulrich Kutschera, mit dem er zusammen im Kuratorium der nach Desiderius Erasmus benannten AfD-Parteistiftung sitzt.


Hetze und Fake News verbreiten sich in sozialen Netzwerken wie Facebook und hier Twitter besonders gut

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#1 IronikerAnonym
  • 10.12.2018, 13:35h
  • Nein, das kann keine Lüge sein, das muss wahr sein, was Herr David Berger sagt, denn schließlich ist er doch gläubiger Christ und sogar Theologe. So einer lügt doch nicht! So einer kann doch nicht in solcher Faschistennähe sein.
    \Ironie aus.
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#2 Thomas 0607Anonym
  • 10.12.2018, 15:19h
  • Solangsam reicht es mit diesen rassistischen, homophoben , intoleranten, unmenschlichen "Blauen Verein" sowie auch diesen Herren "D. B."
    Und so einen "Herrn" hatten wir in unseren Gruppen!
    Am Besten sollten mal diese "Besorgte Bürger " mal zum Mars ziehen:
    Gute Reise, "Ihr Erzkonservativen"!
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#3 MandalorianAnonym
  • 10.12.2018, 16:04h
  • Schon heftig wie dreist da die Tatsachen verdreht werden. Aber das war schon immer so mit den Nationalisten und Nazis. Die wissen wie sie ihre Zielgruppe anstacheln. Dass die sich alle gegenseitig anlügen
    Keine Ahnung ob man das ahnden kann...

    Aber ehrlich, so verklemmt wie viele Herrschaften sind würde denen Analsex-Unterricht gut tun, vielleicht stoßen sie dabei auf den berühmten Stock
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#4 DominikAnonym
  • 10.12.2018, 16:11h
  • Antwort auf #2 von Thomas 0607
  • Vor dem Berger hatte ich schon damals gewarnt. Seinem Arbeitgeber, der Amtskirche, passte seine Homosexualität nicht, ihm drohte ein Zwangsouting, dem er jedoch durch eine offensive Kampagne gegen die katholische Kirche zuvorkam. Kurz schien er bekehrt und die Seiten gewechselt zu haben. Doch wenn man auch schon damals genau hinsah, so konnte man einen Demagogen erkennen, der immer nur und ausschließlich in eigener Sache unterwegs war. Jemand, der über Leichen geht und kein Gewissen zu haben scheint. Jemand, der abgrundtief verachtet, was nicht dem eigenen Weltbild entspricht. Ein widerwärtiger Typ.
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#5 ursus
  • 10.12.2018, 16:24h
  • Antwort auf #4 von Dominik
  • ich glaube, das ist das erste mal, dass ich dir nur aus vollem herzen zustimmen kann.

    berger darf nicht mehr in der katholischen inquisition mitspielen, und jetzt betreibt er seine eigene inquisition, nur noch aggressiver, zerstörerischer und verlogener.

    es gibt nicht viele menschen, deren handeln mich mit solcher abscheu erfüllt.
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#6 Homonklin44Profil
  • 10.12.2018, 16:44hTauroa Point
  • ""So heißt es etwa: "Am 06.12.18 ging es auf der Internetseite von 'queer' um einen Film, indem die Kanzlerin bei lesbischen Liebesspielen gezeigt wird." Das sei "Respektlosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber alles und jedem, der nicht LGBT ist, also der Mehrheit der Bevölkerung", kommentiert Nicole Höchst.""

    Also bei aller Liebe oder Respektserweisung - ich lese hier nun bald täglich, gute Frau Höchst. Ich habe diesen Beitrag über lesbische Liebesspiele mit der Kanzlerin wohl total versäumt, aber mal eine Zwischenfrage - wann waren Sie zuletzt bei ihrem Psychiater?
    Die offenkundigen Anzeichen von latenter Wahnstörung sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.

    Dass die freie Stelle im Kuratorium der Magnus Hirschfeld-Stiftung nicht das passende Ehrenamt für so Kränkelnde sein kann, zeigt sich damit eigentlich sonnenklar her.

    Diesen Berger habe ich ja anfangs, als ich hier mitzulesen begann, auch unterschätzt, und ihm eine Chance geben wollen.
    Ich erhielt sachgemäße Aufklärung.
    Leider scheint narzisstische Kränkung geradezu eine Art Umkehrgroll auszulösen. Das sieht man dann wieder, wie sich der Herr verwendet, und auch bei Höchst scheint sich der Groll in Pose zu brodeln.

    Man sollte die Beiden zu einer SCHLAU - Unterrichtsstunde einladen, vielleicht gar unangekündigt, damit die hinterher nicht denken, man hätte ja doch bloß ihretwegen das Andreaskreuz, die 9-schwänzige Katze und das Latex-Vakuumbett versteckt...
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#7 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 10.12.2018, 17:11h
  • Denen ist aber auch nichts zu schäbig, um gegen uns zu hetzen. Als Gott die Intelligenz verteilte, waren die Damen und Herren der AfD wohl gerade auf der Toilette.
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#8 JohannbAnonym
#9 AndreasKAProfil
  • 10.12.2018, 17:22hKarlsruhe
  • SCHLAU ist eine der besten, wirksamsten und somit wertvollsten Einrichtung in der Arbeit gegen Diskriminierung und für Toleranz, ja Akzeptanz queerer Menschen. Ich möchte mich an dieser Stelle einmal ausdrücklich für die tolle Arbeit bedanken, die in weiten Teilen ehrenamtlich geleistet wird!

    Berger will alles haben: Reaktionäre Haltung bewahren und diese kommunizieren; sich selbst als wichtigen Meinungsmacher/Autor inszenieren und obendrein (ich denke da an die vielen Aufnahmen im Männer-Magazin vor einigen Jahren) als heißer Feger wahrgenommen werden.
    Es fällt auf, dass ihm wirklich nichts zu billig, zu dämlich und zu widersprüchlich ist, um sich zu produzieren - einschließlich das Angehimmel an den Papst und dem daraus sichtbaren Bedürfnis, sich wieder in sein "Paradies aus dem er vertrieben wurde" einzuschleimen.

    Es gehört viel dazu, einen solchen Menschen ertragen - selbst auf die Distanz beim Lesen solcher Berichte. Ich hoffe inständig, dass ihm mal eine Nuss auf den Kopf fällt, damit seine Synapsen mal endlich richtig ticken.
    Bis dahin kann ich nur fassungslos wahrnehmen, wie weit es sich ein Mensch öffentlich in Fakes und Lügen bequem macht, um sich in Bedeutung zu schreiben ...
    .. und natürlich Fakten bzw. Widerstand durch das Schildern der wirklichen Zusammenhänge dagegen setzen.
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#10 Patroklos
  • 10.12.2018, 18:34h
  • David Berger war ja sehr lange in der Versenkung verschwunden. Umso überraschter, daß er wieder aus dieser auftaucht!
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