Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32532

NRW

Queeres Filmfest "homochrom" gibt auf

Nach der Januar-Filmreihe in mehreren Kinos in Nordrhein-Westfalen stellt der Verein mangels Unterstützung durch Land und Bund seine Arbeit ein.


Martin Wolkner mit "homochrom" 2016 beim CSD in Köln (Bild: nb)

Eines der größten queeren Fimfestivals Deutschlands, "homochrom", stellt im Januar seine Arbeit ein. Das kündigte der Organisator des in Köln sitzenden Projekts, Martin Wolkner, am Montag in einer Pressemitteilung an.

Die 2009 gegründete Reihe homochrom bestand aus zwei Standbeinen: Einem jährlichen Filmfestival, das zuletzt im Oktober in Köln und Dortmund stattfand, und einer monatlichen Filmreihe in mehreren Städten von NRW. Im Januar werde die Filmreihe in sechs Städten noch den Teddy-Gewinner "Hard Paint", Vorpremieren des deutschen Films "Luft" sowie in Köln noch eine letzte Vorpremiere des Dezemberfilms "My Big Crazy Italian Wedding" zeigen "und dann nach über 9 Jahren und 210 Filmen zusammen mit dem Filmfest homochrom eingestellt", so Wolkner.

"Die finanzielle Unterstützung durch die Städte und die Film- und Medienstiftung NRW, welche 2018 auf jeweils 10.000 Euro erhöht wurde, reicht nicht aus, um die Qualität des Premieren-Festivals längerfristig zu gewährleisten", so Wolkner. Köln sei damit seines Wissens nach die "weltweit erste Stadt der Welt, die zum zweiten Mal ein queeres Filmfestival verliert". Der Organisator erinnert damit an die 1991 Reihe "Verzaubert", die bis 2011 in Köln, Frankfurt und München queere Filme zeigte.

- Werbung - Video - BEAUTIFUL DESTINATION MALTA

Mangelnde Unterstützung durch Städte, Land und Bund beklagt

Das laut Wolkner zweitgrößte queere Filmfestival in Deutschland beklagte schon länger Schwierigkeiten mit der Finanzierung: 2016 hatte der Bundestag zwar die Förderung mehrerer queerer Filmfestivals mit jährlich insgesamt 230.000 Euro beschlossen (queer.de berichtete), doch das zuständige Haus der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), verzögerte und blockierte die Mittel an die im Verein QueerScope organisierten Vereine. Offizielle Förderzusagen sollen bis heute nicht vorliegen.

In diesem Jahr hatte Wolkner zudem beklagt, dass die neue CDU-geführte Landesregierung die bisherige Förderung des Vereins homochrom eingestellt hatte und auch die Stadt Köln das Festival weniger als erhofft unterstützte (queer.de berichtete). Wolkner gibt nun auf; ein Nachfolger für die Arbeit ist nicht in Sicht.

Im Herbst hatte er noch das achte homochrom-Festival mit 18 Deutschland-Premieren organisiert, laut eigenen Aussagen mit einem Besucherrekord von über 3.000 Filmbesuchen und mit einem Spendenplus. (nb/pm)



#1 YannickAnonym
  • 10.12.2018, 20:32h
  • Sehr sehr schade...

    Die haben immer ein hochwertiges Filmprogramm an LGBTI-Filmen zusammengestellt und die kulturelle Vielfalt gefördert, da es dort auch Filme zu sehen gab, die man selbst in vielen Programmkinos (und erst recht nicht in den ganzen Multiplexen) selten bis gar nicht zu sehen bekam.

    Da sieht man wieder mal, welchen Stellenwert Kultur hat.

    Und man sieht auch, dass dieses völlig fehlende Verständnis für den Wert von Kultur sich durch alle Parteien und Ebenen zieht - von der kommunalen über die Landes- bis hin zur Bundesebene.

    Traurig...
    Und ein Armutszeugnis für eines der 5 reichsten Länder der Welt, dass sich aber keine Kulturförderung (zumindest nicht für LGBTI-Kultur) leisten kann oder will.

    Aber warum in einem der reichsten Länder der Erde manche Menschen zu Tafeln gehen müssen, um überhaupt was zu essen zu haben, verstehe ich auch nicht... Wie immer: von dem ganzen Reichtum profitieren Oberschichten, während die anderen arm gehalten werden. Und die Politik ist williger Helfer... Aber ich schweife ab...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Carsten ACAnonym
  • 10.12.2018, 20:49h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • Ich finde das auch sehr traurig, weil das Programm immer hervorragend war und das immerhin das zweitgrößte LGBTI-Filmfestival Deutschlands war.

    Aber wir sollten nicht alle Parteien in einen Sack schmeißen.

    Das steht ja auch im Artikel:
    Es ist die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD, die die entsprechenden Mittel immer wieder verzögert oder komplett blockiert.

    Und es ist die Landesregierung aus CDU und FDP, die die Förderung komplett eingestellt hat.

    Und dass klamme Kommunen, die ebenfalls von Bund und Land immer mehr im Stich gelassen werden, dann auch nicht mehr viel helfen können, ist auch klar.

    Die Schuldigen sind also CDU, CSU, FDP und SPD.

    Und das sollte man auch ruhig so offen benennen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FilmfanAnonym
  • 10.12.2018, 21:28h
  • Das ist besonders tragisch, weil Filme so wichtig sind.

    Filme und Serien können oft mehr bewegen als jede politische Diskussion und alle akademischen Belege.

    Ich erinnere nur mal beispielhaft daran, wie die Serie WIll & Grace in den USA nachweisbar die Stimmung zugunsten von Schwulen und Lesben geändert hat. Oder an die Bedeutung des Films "Brokeback Mountain", der einer der wenigen LGBTI-Filme war, die wirklich auch in Blockbuster-Kinos und nicht nur in kleinen Programmkinos liefen. Und der es als einer der wenigen LGBTI-Filme in die Kino-Charts gebracht hat (ich glaube sogar mehrere Wochen in den Top 5).

    Mit Filmen und Serien kann man nicht nur viel mehr Leute erreichen als mit politischen Diskussionen & Co. Sondern sie transportieren die Botschaften auch viel eingängiger, nachvollziehbarer und leichter verdaulich.

    Deshalb ist der Verlust dieses Festivals nicht nur ein Verlust an kultureller Vielfalt und ein Verlust von Filmen, die man jetzt deutlich schwerer sehen kann. Sondern es hat auch gesellschaftliche Auswirkungen.

    Das ist nicht nur traurig, sondern da es das zweitgrößte Festival war, durchaus dramatisch.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Patroklos
#5 AnselmAnonym
  • 11.12.2018, 08:51h
  • Ich werde die Filmreihe und das Festival vermissen. Die Filmreihe war immer wieder ein schöner Anlass mit Freunden ins Kino zu gehen. Ich habe gerne die verschiedenen Aufführorte genutzt um mich mal mit Kölner, Düsseldorfer oder Dortmunder Freunden und Bekannten zu treffen. Außerdem konnte man bei Terminschwierigkeiten auf die Nachbarorte ausweichen. Ich hoffe, es wird einen Ersatz geben, so dass es weiterhin in der Region LSBTQ-Filme im Kino zu sehen gibt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Simon HAnonym
  • 11.12.2018, 11:33h
  • Auch ich finde das extrem schade, weil man dort tolle Filme sehen konnte, die man sonst nirgends im Kino sehen kann oder von denen man nicht mal erfahren hätte.

    Aber Kultur hat leider einen geringen Stellenwert in Deutschland. Alles. dessen Erfolg sich nicht in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen messen lässt, hat in Deutschland einen sehr schweren Stand. Und wenn es dann auch noch um LGBTI-Themen geht, wird es doppelt schwer...
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Simon HAnonym
  • 11.12.2018, 11:36h
  • Antwort auf #3 von Filmfan
  • "Das ist besonders tragisch, weil Filme so wichtig sind."

    Ja, man sollte niemals die Kraft von Filmen, Serien, Musik, Theater, Literatur, Kunst, etc. unterschätzen. Diese Dinge können die Welt verändern.

    Aber das zählt halt nicht oder ist auch gar nicht gewollt von manchen Entscheidern in der Politik.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AmurPrideProfil
  • 11.12.2018, 13:47hKöln
  • Das ist wirklich eine mehr als nur traurige Nachricht! Ich fürchte ich werde diese ganz speziellen Kinoabende mit meinen Freunden schmerzlich vermissen. :-(

    Als ich mich vor drei Jahren mich als 15jähriger Junge, der gerade mit seinem äußeren coming out begonnen hatte, das erste Mal heimlich, still und leise, verstohlen ins Homochrom-Kino schlich, tauchte ich in eine Welt ein, die meinen eigenen, damals noch eng und ausschließlich auf die eigene Problematik bemessenden Horizont um neue, fremde und unbekannte Themen dramatisch schnell erweiterte.
    Liebe und Sex, Beziehungen, unzähligen Facetten/Fetische des Schwulseins in Deutschland, andere LGBTIQ-Themen wie bi, lesbisch und trans, über die Situation von LGBTIQs in anderen Ländern.. oftmals mein erster Kontakt mit all dem und noch so manchem mehr in meinem Leben. So manche live-Talkrunde mit Regisseuren, Drehbuchautoren, Schauspielern, Aktivisten und Zeitzeugen, aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen, haben sich tief in meine Erinnerungen eingebrannt.

    Nicht immer fand ich alle Filme auf Anhieb "toll". Aber bei unseren anschließenden "Absackern" in einer Kneipe oder Cafe, bei denen wir oft noch stundenlang angeregt über den Film diskutierten, wurde mir klar, das jeder Film, egal wie "doof" ich ihn anfangs auch gefunden hatte, doch seine eigene Message hatte. Durch die Filme und unsere anschließenden Diskussionen lernte ich viele neue Blickwinkel und Sichtweisen kennen, ein unterhaltsamer, manchmal spannender, fast immer emotionalisierender "Unterricht" für mich, der mich nachhaltig in meiner Entwicklung beeinflusst hat.
    Rückblickend muss ich ehrlicherweise sagen, das ich heute ohne die Filme und all die damit verbundenen Gespräche und Diskussionen (noch) nicht der junge schwule Mann wäre, der ich nun bin.
    Daher möchte ich mit folgenden Worten schließen:

    "Lieber Martin Wolkner.
    liebes Team von HOMOCHROM e.V.,

    meinen Herzlichen Dank für Eure geleistete Arbeit! Bei mir persönlich hat sie tiefe Spuren hinterlassen. Und für Eure Zukunft alles erdenklich Gute!"
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Simon HAnonym
  • 11.12.2018, 16:40h
  • Antwort auf #8 von AmurPride
  • -----------------------------------
    So manche live-Talkrunde mit Regisseuren, Drehbuchautoren, Schauspielern, Aktivisten und Zeitzeugen, aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen, haben sich tief in meine Erinnerungen eingebrannt.
    -----------------------------------

    Ja, das kommt ja auch noch dazu:
    es sind ja nicht nur die Filme, die man vermissen wird. (Die wird man vielleicht auch mal auf DVD/Bluray oder im Internet sehen können, auch wenn das nicht dasselbe wie im Kino ist und das kollektive Kinoerlebnis fehlt. Und von vielen Filmen wird man nicht mal erfahren.)

    Aber unabhängig von den Filmen kommt ja noch dazu, dass die ganzen Diskussionen, Talkrunden, etc. mit Autoren, Regisseuren, Darstellern, Zeitzeigen, Aktivisten, etc. dann auch fehlen wird. Eben alles, was daraus ein Festival machte...

    Ansonsten möchte auch ich mich Deinen Worten anschließen:

    Ein ganz großes und aufrichtiges DANKESCHÖN an alle Beteiligten für ihre jahrelange Arbeit und ihr großes Engagement.

    Ihr habt wirklich was bewegen können und gerade die Geschichte vom User "AmurPride" zeigt ja, welchen Stellenwert ihr im Leben vieler Menschen hattet und wie ihr vielen Menschen geholfen habt. Wahrscheinlich ohne das alles so genau mitzukriegen.

    Dass das jetzt leider ein Ende hat, ist wahrlich nicht Eure Schuld, sondern Schuld der Politik - genauer von Union, FDP und SPD.

    Schade. Da wird eine große Lücke sein und vielen Menschen etwas fehlen. Gerade die Leute, die vielleicht erst in Zukunft darauf gestoßen wären.

    Dennoch DANKE für alles was war und vielleicht (hoffentlich) werden sich die politischen Verhältnisse mal wieder drehen und Eure Arbeit gewürdigt werden und auch wieder so ein LGBTI-Filmfestival gefördert werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 WindheimerAnonym