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Angriff in U-Bahn

München: 21-Jähriger LGBT-feindlich beleidigt und brutal verprügelt

Der bisexuelle Journalist wurde von vier Fußball-Fans angegriffen und verletzt, nachdem er sie um Ruhe gebeten hatte. In einem viralen Facebook-Eintrag fordert er mehr Zivilcourage.


Bilder von Noah nach dem Angriff zeigen einen teilweise abgebrochenen Schneidezahl und Schädelprellungen (Bild: privat)

Die Polizei in München ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, nachdem am Samstag ein junger Mann in einer U-Bahn von Fußballfans angegriffen und verletzt wurde. Der 21-Jährige war seinen Schilderungen bei Facebook und gegenüber der Abendzeitung zufolge privat zu seinen Eltern unterwegs, als er am Odeonsplatz gegen 14.20 Uhr in eine U6 mit "besoffenen, grölenden und Bier verschüttenden Fans" einstieg. Am Samstag spielte der FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg in der Münchner Allianz Arena.

Direkt neben ihn hätten zwei Nürnberg-Fans begonnen, Fußballgesänge zu grölen, so Noah Sari, der die beiden bat, Ruhe zu geben. "Die beiden Typen meinten dann, ich solle mich doch verpissen und aussteigen", was er verweigert habe. "Einer der Nürnberg-Fans fing dann an, mich LGBT-feindlich zu beleidigen", so der Journalist. "Er machte Sprüche zu meinem Septum-Piercing, meinen Ohrringen, bezeichnete mich mehrmals (als) 'Transe' und sagte, dass meine Tasche doch gut zu einer 'Transe' wie mir passen würde."

Vier Männer schlugen auf ihn ein

"Die U-Bahn war voll mit kräftigen, erwachsenen Männern. Sie haben zugesehen", beklagt Sari gleich zweimal in seinem Facebook-Post, der inzwischen eine virale Verbreitung erfährt – und in dessen Kommentaren er mit Nutzern über das Verhalten aller Beteiligten diskutiert. Aus der Geschichte entwickelte sich ein Wortgefecht mit insgesamt vier Fußballfans, bei dem sich der Bisexuelle gegen die Anfeindungen wehrte. "Ich wollte es nicht einfach hinnehmen, dass ich in München im Jahr 2018 in einer vollen U-Bahn LGBT-feindlich beleidigt werde und niemand etwas tut."

Dann habe ihn einer der Nürnberg-Fans ins Gesicht geschlagen. "Als ich versuchte, ihn von mir wegzustoßen, gingen alle vier Nürnberger gleichzeitig auf mich los. Sie schlugen mir mit ihren Fäusten gegen den Kopf, traten mich. Ich wusste nicht mehr wo oben und unten ist, versuchte mich aber zu wehren." Dann wurde er von einer geworfenen Flasche am Kopf getroffen und ging zu Boden. Die Männer prügelten weiter auf ihn ein, während der Rest der U-Bahn zunächst weiter nicht eingriff.

Zwei Jugendliche hätten ihn schließlich beim nächsten U-Bahn-Stopp aus der Bahn gezogen und ihn damit in Sicherheit gebracht. "Den beiden danke ich hier nochmal", so Sari bei Facebook. Er konnte noch die Angreifer mit seinem Handy aufnehmen – die U-Bahn verfügte über keine Kameras – und musste feststellen, dass ein Teil eines Schneidezahns abgebrochen worden war.

+++ Teilt das bitte, damit die Menschen sehen was passiert, wenn wir keine Zivilcourage zeigen+++ LGBT-feindlicher…

Gepostet von Noah Sari am Sonntag, 9. Dezember 2018
Facebook / Noah Sari

"Im Krankenhaus sagte mir der Arzt, dass ich großes Glück hatte. Ich bin mit dem Schrecken, einem abgebrochenen Zahn, ein paar Prellungen und vermutlich einer leichten Gehirnerschütterung davongekommen", so Sari. "Ich hatte einfach Glück. Wenn die vier feigen Angreifer gewusst hätten, wie man kämpft oder wenn die Bierflasche mich an der falschen Stelle getroffen hätte, dann könnte ich jetzt im Koma liegen oder schlimmeres." Und alle, die zusahen, "wären mitschuldig gewesen": "Ich sehe sie auch in der Mitschuld für den Zustand, in dem ich gerade bin."

Mehr Zivilcourage gefordert

Der vom "Medium Magazin" kürzlich in einer Top 30 von Nachwuchsjournalisten aufgeführte Sari, der für eine Y-Kollektiv-Dokumentation als 19-Jähriger von der kurdischen Front gegen den IS im Irak berichtete, beklagt bei Facebook, in Deutschland mangele es an Zivilcourage. "Wenn ein junger Mann in einer vollen U-Bahn von vier Typen zusammengeschlagen werden kann – die ihn davor mehrfach als 'Transe' beleidigen – dann läuft in diesem Land einiges falsch." Er selbst habe bei anderen als Opfern schon mehrfach erlebt, wie alle anderen "einfach nur weggeguckt haben".

"Wenn meiner Familie oder meinen Freunden irgendetwas in der Öffentlichkeit passiert, dann kann ich mich einfach nicht darauf verlassen, dass ihnen geholfen wird", beklagt Sari und appelliert: "Wir müssen verstehen, dass wir in unserer Gesellschaft nicht nur eine Verantwortung für unsere Familien oder Freunde tragen, sondern für ALLE unsere Mitmenschen! Wir müssen uns darauf verlassen können, dass wir uns in der Not gegenseitig helfen und nicht tatenlos zusehen!" In den Kommentaren unter dem Eintrag teilte er ein PDF mit Tipps zur Zivilcourage.

Eines von mehreren zu dem Eintrag veröffentlichten Bildern Saris zeigt ihn mit zwei Stinkefingern. Zum Abschluss des Posts schreibt er zu den Angreifern: "Wir LGBTs werden uns ganz sicher nicht von feigen Hunden wie den vier Nürnbergern einschüchtern lassen! Das letzte Bild geht an sie". (nb)

Zeugenaufruf der Polizei: Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 23, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.



#1 YannickAnonym
  • 10.12.2018, 20:39h
  • "von vier Fußball-Fans"

    Fußball wird immer mehr zum Sammelbecken für Proleten und Faschisten.

    Entweder, der Fußball (in Gestalt aller beteiligten Akteure, von Vereinen über Funktionären und Fans bis hin zu Werbepartnern) sorgt dafür, dass sich das ändert oder der Fußball wird wirklich irgendwann nur noch für Abschaum da sein.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 10.12.2018, 20:45h
  • Bayern stellt sich doch immer gerne als besonders sicher hin.

    Aber selbst in einer relativ liberalen Großstadt wie München nimmt homo- und transphob motivierte Gewalt immer weiter zu.

    Und die Politik sieht weiterhin weg...
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#3 Change itAnonym
  • 10.12.2018, 21:22h
  • Wie lange will die Politik noch tatenlos zusehen, während die Gefahr immer größer wird?

    Es muss sich endlich etwas tun.

    Wir brauchen endlich u.a.:

    - mehr Aufklärung und Förderung von Vielfalt an Schulen und in anderen Jugendeinrichtungen:
    Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wer schon in seiner Jugend den Wert von Vielfalt erfahren hat, wird später auch nicht zum Gewalttäter gegen Minderheiten.

    - volle rechtliche Gleichstellung (inkl. Art. 3 GG):
    die bringt zwar nicht von heute auf morgen Akzeptanz, aber sie ist ein deutliches Zeichen, dass Hass und Gewalt gegen LGBTI nicht geduldet wird. Und sie zeigt auch den Opfern, dass es nicht ihre Schuld ist. Solange wir rechtlich nicht voll gleichgestellt sind, können wir nicht erwarten, dass die Gesellschaft uns als vollkommen gleich ansieht.

    - mehr soziale Gerechtigkeit:
    denn Gewaltbereitschaft resultiert oft aus wirtschaftlicher Not oder dem Gefühl, zu den Versagern einer Gesellschaft zu gehören. Und dann sucht man sich als Opfer solche Leute, die vermeintlich noch tiefer stehen als man selbst. Solange die Ungerechtigkeit in Deutschland immer weiter wächst, wird auch die Gewaltbereitschaft (nicht nur gegen LGBTI, sondern auch gegen Juden, gegen Migranten, gegen Menschen mit anderer Hautfarbe, etc.) immer weiter steigen.

    Neben diesen Dingen, die nur die Politik ändern kann, gibt es aber noch mehr:

    - Medien:
    LGBTI müssen endlich in Medien den Stellenwert haben, den sie auch im realen Leben haben. Wenn LGBTI ca. 15% der Gesamtbevölkerung ausmachen, frage ich mich, warum sie in Filmen und Serien nicht mal 1% ausmachen können.

    Oder wieso nicht auch Nachrichtensendungen über LGBTI-Themen berichten. (Was sie nur bei ganz großen Sachen wie der Eheöffnung machen.) Wenn ich das richtig sehe, ist z.B. die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland deutlich geringer als die Zahl der LGBTI. Aber während über jede Tarifverhandlung, jeden neuen Gewerkschaftsführer, jede Gewerkschaftsforderung, etc. ausführlich berichtet wird, finden LGBTI-Themen de facto gar nicht statt. Oder wer weiß z.B. von den homophoben Ausfällen der neuen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer? Nur Leute, die LGBTI-Medien lesen. Wieso berichten nicht auch andere Medien darüber?

    - wir alle:
    Natürlich können auch wir alle zu mehr Sichtbarkeit beitragen. Leider muss man ja heute aufpassen, wo man z.B. händchenhaltend langgeht. Aber wo das möglich ist, sollte man das auch ganz offen tun und sich nicht selbst verstecken. Und auch bei Freunden, am Arbeitsplatz, etc. sollte man sichtbar sein.
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#4 gastAnonym
  • 10.12.2018, 22:25h
  • Man könnte es auch anders regeln - nämlich seinen gesunden Menschenverstand walten lassen und den Spruch "der Klügere gibt nach" praktizieren.
    Das waren vier besoffene Proleten, die ohnehin auf Krawall aus waren. Mit Belehrungen, Ermahnungen ist solchen in solchem Zustand nicht beizukommen.
    Dann wechsele ich vorsichtshalber den Waggon oder wenigstens den Platz oder auch sicherheitshalber den Zug falls möglich. Wenn das Oktoberfest in München oder das Volksfest in Stuttgart stattfindet, wird man immer mit solchen Gestalten konfrontiert und dann ist es besser man weicht ihnen aus. Den edlen Indianer spielen bringt nix. Was die Sache mit der Zivilcourage angeht - Dominik Brunner bezahlte sie mit seinem Leben, Es gab und gibt Zivilcourage von Menschen, die Opfern von Messerattacken und Vergewaltigungen zu Hilfe eilten - also bitte vorsichtig mit solchen allgemeinen Anschuldigungen sein. Nochmals, als kluger, umsichtiger Mensch kann man solch einer Situation ausweichen, bzw. entgehen.
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#5 TomDarkProfil
  • 10.12.2018, 23:52hHamburg
  • Zum Thema Zivilcourage:

    Ich bin selbst vor ein paar Tagen Zeuge eines heftigen, verbalen Streits zwischen zwei Männern in einem Bus gewesen.

    Allerdings war dieser nicht LGBTI-feindlich motiviert, sondern eher rassistisch, und derjenige, der beleidigt wurde, war recht kräftig und hat sich mit Worten energisch verteidigt. Trotzdem wusste ich, dass man ihn eigentlich hätte unterstützen müssen, weil der andere fremdenfeindliche Ausdrücke benutze.

    Niemand im vollen Bus hat was gesagt, auch der Fahrer mischte sich nicht ein.

    Ich fühlte mich nur als Betrachter, als wäre eine durchsichtige Wand dazwischen. Es wirkte wie ein Film, und als wenn man an die Energetik des Konflikts nicht "herankommen" könnte.

    Schließlich stieg der junge südländisch-aussehende Mann doch aus, obwohl er davon gesprochen hatte, den anderen wegen Beleidigung anzeigen zu wollen.

    Ich habe nicht geholfen und mich danach nicht sehr gut gefühlt. Aber ich habe auch erfahren, dass es verdammt schwer sein kann, den Mut, die Kraft und das Geschick aufzubringen, das richtige zu tun bzw. zu sagen.

    Lob dem, der diese Eigenschaften besitzt!
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#6 IngoAnonym
  • 11.12.2018, 00:25h
  • Lieber Tomdark!
    Mir gefällt sehr, wie Du ehrlich und präzise diese Situation im Bus beschrieben hast. Auch Deinen inneren Konflikt. Das kennen viele von uns. Tatsächlich einzugreifen ist nicht so leicht, wie man es sich theoretisch vorstellt (und wie man sich selbst ja auch gern sehen möchte). Zivilcourage muss man wohl lernen. Schwer! Aber es lohnt sich. Und es wird leichter, wenn viele mitmachen. FEVWW
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#7 JessieAnonym
  • 11.12.2018, 08:09h
  • Dem jungen Mann wünsche ich gute Besserung und dass er das Erlebte verarbeiten kann.
    Zu seinen Vorwürfen muss ich sagen:
    Ich war zu der Zeit im Waggon,auch wenn etwas weiter weg.Es war so voll drin,dass man sich überhaupt nicht bewegen konnte.Ich selber hatte die Achsel meines Nachbarns direkt im Gesicht und keine Möglichkeit auszuweichen.Ausserdem war es durch das Gegröle sehr laut.Dass etwas passiert ist habe ich erst wahrgenommen,als die Bierflasche zerbrach.Dass es aber ein Angriff von einer Gruppe auf einen einzelnen war,habe ich nicht realisiert.Ich dachte Nürnbergfans sind auf Bayernfans losgegangen.In dieser Situation würde ich niemals dazwischengehen.Den Nothalt Hebel wollte ich trotzdem betätigen,bin aber nicht rangekommen,weil einfach zu voll.
    Andere Gäste die näher am geschehen waren, haben mit ihren Handys die Angreifer gefilmt. Einem jungen Mann haben die daraufhin das handy aus der hand geschlagen und ihm Gewalt angedroht.Das Opfer war da ausgestiegen und die Situation hat sich beruhigt.
    Die Vorwürfe kann ich nicht nachvollziehen.
    Die meisten haben gar nicht mitbekommen was passiert ist,weil alles zu schnell ging und eh zu laut war.und wie gesagt,wie Sardinen in der Büchse.
    ich persönlich hätte diesen Zug nicht genommen,wenn ich nicht ins Stadion mußte, weil ich Karten geschenkt gekriegt habe.In Zukunft werde ich auf so ein "vergnügen" verzichten,da anscheinend Leben und Gesundheit gefährdet sind.
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#8 LotiAnonym
  • 11.12.2018, 09:20h
  • Antwort auf #5 von TomDark
  • Auch ich kann mir sehr gut vorstellen wie Du empfunden hast in solch einer Situation.
    Als ich noch jünger und kräftiger war, habe ich noch in solchen Situationen reagiert, wenn so etwas in der U-Bahn Berlin passierte. Bin zu den Betroffenen Personen hin und setzte mich demonstrativ neben Sie und zeigte meine Solidarität. Oder in anderen Fällen wurde ich richtiggehend laut und sprach aus was ich dachte. Hatte immer Erflog damit. Doch Zeiten ändern sich und die Gewaltbereitschaft hat derartige Züge angenommen, da überlegt man es sich zweimal ob man dann einschreiten soll. Ich finde es sehr beschämend, wenn übrige Passanten sich vollkommen passiv verhalten, dabei reicht es oft schon wenn zwei drei Personen deutlich anzeigen das es nun wirklich reicht und aufstehen. Aber dieses passive Verhalten besonders in der U oder S-Bahn ist leider nicht neu. Zuviel Angst es könnte ja auch Sie treffen. In solch schwierigen Momenten wäre aber ein gemeinsames Auftreten und Zivilcourage der richtige Weg.
    Bedauerlicherweise schweigt wiedereinmal die Mehrheit.
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#9 Simon HAnonym
  • 11.12.2018, 11:41h
  • Schlimm...

    Und es wird immer schlimmer...

    Und was macht die Politik? - NICHTS.

    Die streiten sich immer noch, ob Homosexualität an Schulen als gleichwertig dargestellt werden darf oder nicht. Im Jahr 2018...
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#10 TheDadProfil
  • 11.12.2018, 11:52hHannover
  • Antwort auf #4 von gast
  • Na, hppla..
    Jetzt kommen die wilden, die lauten, die asozialen..
    Denen geht man besser so weit wie möglich aus dem Weg..
    Am Ende dann so weit, bis man sich am Rande der Gesellschaft befindet..

    Zivilcourage besteht dann immer noch nicht daraus sich selbst aufs Maul hauen zu lassen, oder sich selbst in Gefahr zu bringen..

    Das Informieren von Polizei und Hilfskräften genügt hier schon..
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