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Angriff in U-Bahn

München: 21-Jähriger LGBT-feindlich beleidigt und brutal verprügelt

Der bisexuelle Journalist wurde von vier Fußball-Fans angegriffen und verletzt, nachdem er sie um Ruhe gebeten hatte. In einem viralen Facebook-Eintrag fordert er mehr Zivilcourage.


Bilder von Noah nach dem Angriff zeigen einen teilweise abgebrochenen Schneidezahl und Schädelprellungen (Bild: privat)

  • 10. Dezember 2018, 19:27h 26 4 Min.

Die Polizei in München ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, nachdem am Samstag ein junger Mann in einer U-Bahn von Fußballfans angegriffen und verletzt wurde. Der 21-Jährige war seinen Schilderungen bei Facebook und gegenüber der Abendzeitung zufolge privat zu seinen Eltern unterwegs, als er am Odeonsplatz gegen 14.20 Uhr in eine U6 mit "besoffenen, grölenden und Bier verschüttenden Fans" einstieg. Am Samstag spielte der FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg in der Münchner Allianz Arena.

Direkt neben ihn hätten zwei Nürnberg-Fans begonnen, Fußballgesänge zu grölen, so Noah Sari, der die beiden bat, Ruhe zu geben. "Die beiden Typen meinten dann, ich solle mich doch verpissen und aussteigen", was er verweigert habe. "Einer der Nürnberg-Fans fing dann an, mich LGBT-feindlich zu beleidigen", so der Journalist. "Er machte Sprüche zu meinem Septum-Piercing, meinen Ohrringen, bezeichnete mich mehrmals (als) 'Transe' und sagte, dass meine Tasche doch gut zu einer 'Transe' wie mir passen würde."

Vier Männer schlugen auf ihn ein

"Die U-Bahn war voll mit kräftigen, erwachsenen Männern. Sie haben zugesehen", beklagt Sari gleich zweimal in seinem Facebook-Post, der inzwischen eine virale Verbreitung erfährt – und in dessen Kommentaren er mit Nutzern über das Verhalten aller Beteiligten diskutiert. Aus der Geschichte entwickelte sich ein Wortgefecht mit insgesamt vier Fußballfans, bei dem sich der Bisexuelle gegen die Anfeindungen wehrte. "Ich wollte es nicht einfach hinnehmen, dass ich in München im Jahr 2018 in einer vollen U-Bahn LGBT-feindlich beleidigt werde und niemand etwas tut."

Dann habe ihn einer der Nürnberg-Fans ins Gesicht geschlagen. "Als ich versuchte, ihn von mir wegzustoßen, gingen alle vier Nürnberger gleichzeitig auf mich los. Sie schlugen mir mit ihren Fäusten gegen den Kopf, traten mich. Ich wusste nicht mehr wo oben und unten ist, versuchte mich aber zu wehren." Dann wurde er von einer geworfenen Flasche am Kopf getroffen und ging zu Boden. Die Männer prügelten weiter auf ihn ein, während der Rest der U-Bahn zunächst weiter nicht eingriff.

Zwei Jugendliche hätten ihn schließlich beim nächsten U-Bahn-Stopp aus der Bahn gezogen und ihn damit in Sicherheit gebracht. "Den beiden danke ich hier nochmal", so Sari bei Facebook. Er konnte noch die Angreifer mit seinem Handy aufnehmen – die U-Bahn verfügte über keine Kameras – und musste feststellen, dass ein Teil eines Schneidezahns abgebrochen worden war.

+++ Teilt das bitte, damit die Menschen sehen was passiert, wenn wir keine Zivilcourage zeigen+++ LGBT-feindlicher…

Gepostet von Noah Sari am Sonntag, 9. Dezember 2018
Facebook / Noah Sari
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"Im Krankenhaus sagte mir der Arzt, dass ich großes Glück hatte. Ich bin mit dem Schrecken, einem abgebrochenen Zahn, ein paar Prellungen und vermutlich einer leichten Gehirnerschütterung davongekommen", so Sari. "Ich hatte einfach Glück. Wenn die vier feigen Angreifer gewusst hätten, wie man kämpft oder wenn die Bierflasche mich an der falschen Stelle getroffen hätte, dann könnte ich jetzt im Koma liegen oder schlimmeres." Und alle, die zusahen, "wären mitschuldig gewesen": "Ich sehe sie auch in der Mitschuld für den Zustand, in dem ich gerade bin."

Mehr Zivilcourage gefordert

Der vom "Medium Magazin" kürzlich in einer Top 30 von Nachwuchsjournalisten aufgeführte Sari, der für eine Y-Kollektiv-Dokumentation als 19-Jähriger von der kurdischen Front gegen den IS im Irak berichtete, beklagt bei Facebook, in Deutschland mangele es an Zivilcourage. "Wenn ein junger Mann in einer vollen U-Bahn von vier Typen zusammengeschlagen werden kann – die ihn davor mehrfach als 'Transe' beleidigen – dann läuft in diesem Land einiges falsch." Er selbst habe bei anderen als Opfern schon mehrfach erlebt, wie alle anderen "einfach nur weggeguckt haben".

"Wenn meiner Familie oder meinen Freunden irgendetwas in der Öffentlichkeit passiert, dann kann ich mich einfach nicht darauf verlassen, dass ihnen geholfen wird", beklagt Sari und appelliert: "Wir müssen verstehen, dass wir in unserer Gesellschaft nicht nur eine Verantwortung für unsere Familien oder Freunde tragen, sondern für ALLE unsere Mitmenschen! Wir müssen uns darauf verlassen können, dass wir uns in der Not gegenseitig helfen und nicht tatenlos zusehen!" In den Kommentaren unter dem Eintrag teilte er ein PDF mit Tipps zur Zivilcourage.

Eines von mehreren zu dem Eintrag veröffentlichten Bildern Saris zeigt ihn mit zwei Stinkefingern. Zum Abschluss des Posts schreibt er zu den Angreifern: "Wir LGBTs werden uns ganz sicher nicht von feigen Hunden wie den vier Nürnbergern einschüchtern lassen! Das letzte Bild geht an sie". (nb)

Zeugenaufruf der Polizei: Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 23, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

-w-

#1 YannickAnonym
  • 10.12.2018, 20:39h
  • "von vier Fußball-Fans"

    Fußball wird immer mehr zum Sammelbecken für Proleten und Faschisten.

    Entweder, der Fußball (in Gestalt aller beteiligten Akteure, von Vereinen über Funktionären und Fans bis hin zu Werbepartnern) sorgt dafür, dass sich das ändert oder der Fußball wird wirklich irgendwann nur noch für Abschaum da sein.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 10.12.2018, 20:45h
  • Bayern stellt sich doch immer gerne als besonders sicher hin.

    Aber selbst in einer relativ liberalen Großstadt wie München nimmt homo- und transphob motivierte Gewalt immer weiter zu.

    Und die Politik sieht weiterhin weg...
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#3 Change itAnonym
  • 10.12.2018, 21:22h
  • Wie lange will die Politik noch tatenlos zusehen, während die Gefahr immer größer wird?

    Es muss sich endlich etwas tun.

    Wir brauchen endlich u.a.:

    - mehr Aufklärung und Förderung von Vielfalt an Schulen und in anderen Jugendeinrichtungen:
    Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wer schon in seiner Jugend den Wert von Vielfalt erfahren hat, wird später auch nicht zum Gewalttäter gegen Minderheiten.

    - volle rechtliche Gleichstellung (inkl. Art. 3 GG):
    die bringt zwar nicht von heute auf morgen Akzeptanz, aber sie ist ein deutliches Zeichen, dass Hass und Gewalt gegen LGBTI nicht geduldet wird. Und sie zeigt auch den Opfern, dass es nicht ihre Schuld ist. Solange wir rechtlich nicht voll gleichgestellt sind, können wir nicht erwarten, dass die Gesellschaft uns als vollkommen gleich ansieht.

    - mehr soziale Gerechtigkeit:
    denn Gewaltbereitschaft resultiert oft aus wirtschaftlicher Not oder dem Gefühl, zu den Versagern einer Gesellschaft zu gehören. Und dann sucht man sich als Opfer solche Leute, die vermeintlich noch tiefer stehen als man selbst. Solange die Ungerechtigkeit in Deutschland immer weiter wächst, wird auch die Gewaltbereitschaft (nicht nur gegen LGBTI, sondern auch gegen Juden, gegen Migranten, gegen Menschen mit anderer Hautfarbe, etc.) immer weiter steigen.

    Neben diesen Dingen, die nur die Politik ändern kann, gibt es aber noch mehr:

    - Medien:
    LGBTI müssen endlich in Medien den Stellenwert haben, den sie auch im realen Leben haben. Wenn LGBTI ca. 15% der Gesamtbevölkerung ausmachen, frage ich mich, warum sie in Filmen und Serien nicht mal 1% ausmachen können.

    Oder wieso nicht auch Nachrichtensendungen über LGBTI-Themen berichten. (Was sie nur bei ganz großen Sachen wie der Eheöffnung machen.) Wenn ich das richtig sehe, ist z.B. die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland deutlich geringer als die Zahl der LGBTI. Aber während über jede Tarifverhandlung, jeden neuen Gewerkschaftsführer, jede Gewerkschaftsforderung, etc. ausführlich berichtet wird, finden LGBTI-Themen de facto gar nicht statt. Oder wer weiß z.B. von den homophoben Ausfällen der neuen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer? Nur Leute, die LGBTI-Medien lesen. Wieso berichten nicht auch andere Medien darüber?

    - wir alle:
    Natürlich können auch wir alle zu mehr Sichtbarkeit beitragen. Leider muss man ja heute aufpassen, wo man z.B. händchenhaltend langgeht. Aber wo das möglich ist, sollte man das auch ganz offen tun und sich nicht selbst verstecken. Und auch bei Freunden, am Arbeitsplatz, etc. sollte man sichtbar sein.
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