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"Konversionstherapie"

Church of England fördert Aufklärung über "Homo-Heilung"

Mehrere prominente Vertreter der anglikanischen Kirche unterstützen eine NGO, die per Online-Befragung Details zu der Praxis erfahren will.


Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, wonach "Behandlungen" zur vermeintlichen Veränderung der sexuellen Orientierung "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" sind

"Konversionstherapie hat keinen Platz in der modernen Welt" – mit dieser Absage an Angebote zur "Heilung" Homosexueller hat der anglikanische Bischof von Liverpool eine neue Untersuchung zu dieser Praxis begrüßt. Paul Bayne verwies darauf, dass die Synode der Kirche entsprechende Angebote im Sommer 2017 als "schädlich" verurteilt und die Regierung aufgefordert hatte, diese zu verbieten.

"Leider wissen wir bereits, dass diese Praxis allzu oft verheerende Langzeitfolgen hat", so der Bischof der Church of England. "Und wir sind besorgt, dass sie immer noch von verschiedenen religiösen Gruppen praktiziert wird. Wir wollen also verstehen, warum dies so ist, und die Auswirkungen auf den Einzelnen genauer untersuchen."

Bayne ist Vorsitzender der in Westminster sitzenden Wohltätigkeitsorganisation Ozanne Foundation, die Ausgrenzung und Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Identität durch Religionsgemeinschaften bekämpfen will. Für die Studie "Glaube und Sexualität" sollen Briten per Online-Befragung darüber berichten, welchen Einfluss der religiöse Glaube auf das Verständnis der Personen von der eigenen sexuellen Orientierung und Identität hat und im Laufe des Lebens nimmt.

Gegen "emotionalen und spirituellen Missbrauch"

Vor allem erhofft sich die Organisation Rückmeldungen von Personen, die aufgrund ihres Glaubens ihre sexuelle Orientierung "ändern" lassen wollten. Man wolle sich mit der Befragung, die nicht auf die anglikanische Kirche beschränkt ist, einen aktuellen Überblick über das Ausmaß aktueller Angebote und ihre Anbieter und Inhalte verschaffen.

Twitter / JayneOzanne

Stiftungsgründerin Jayne Ozanne berichtete in Medien davon, wie sie freiwillig selbst entsprechende Angebote in Anspruch nahm, "um von meinen unerwünschten sexuellen Begierden loszukommen, die ich für Sünde hielt". Stattdessen landete sie zweimal im Krankenhaus, "wegen schweren Bauchbeschwerden, verursacht von Stress und zwei Nervenzusammenbrüchen. Wenn ich die Gefahren verstanden hätte, hätte ich mich niemals einem solchen emotionalen und spirituellen Missbrauch ausgesetzt."

Unterstützung unterhält die Untersuchung von weiteren prominenten Vertretern der in England und Wales vertretenen Church of England: so ist auch der Bischof von Manchester direkt an der Studie beteiligt. In einem wissenschaftlichen Beirat engagieren sich unter anderem auch Laura Janner-Klausner, Oberrabbinerin der britischen Reformjuden, und wissenschaftliche Vertreter aus den Bereichen Statistik und Psychotherapie.

Kommt auch in Deutschland Bewegung in die Frage?

Auch in Deutschland ist die "Heilung" Homosexueller oder Einwirkung zu ihrer Abstinenz noch erlaubt und wird praktiziert und angepriesen, vor allem in evangelikalen Zirkeln. Organisationen wie "Wüstenstrom" oder die "Offensive Junger Christen" werden von evangelikalen Dachverbänden wie der "Evangelischen Allianz" offen unterstützt, die wiederum dem Dach- sowie Landesverbänden der Evangelischen Kirche in Deutschland angeschlossen sind (queer.de berichtete).

Direktlink | Der schwule "Panorama"-Reporter Christian Deker hatte in den letzten Jahren in zwei TV-Reportagen aufgedeckt, wie Homo-"Heilungen" durchgeführt und teilweise bei Krankenkassen abgerechnet werden und wie die Evangelische Kirche die Praxis in ihren Reihen duldet (queer.de berichtete)

Während in Großbritannien die Regierung im Sommer ein baldiges Verbot von sogenannten Konversionstherapien angekündigt hat, hatten die aktuelle und die letzten deutschen Bundesregierungen einen entsprechenden Schritt mehrfach abgelehnt (queer.de berichtete). Ende Oktober übergaben Aktivisten dem Justizministerium über 60.000 Unterschriften für ein Verbot (queer.de berichtete); wenige Wochen zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) entsprechende Therapien als "Körperverletzung" bezeichnet und sich zumindest offen für eine Debatte gezeigt (queer.de berichtete).

Durch Bewegungen wie der "Demo für alle", bei deren Kundgebungen mehrfach ein junger Schwuler auftrat, der seine Homosexualität aus Glaubensgründen nicht auslebt (queer.de berichtete), finden die Thesen, die sexuelle Orientierung sei veränderbar oder es sei erstrebsam, diese nicht auszuleben, zuletzt wieder vermehrt Verbreitung. (nb)



#1 Simon HAnonym
  • 11.12.2018, 11:38h
  • Damit ist die anglikanische Kirche weiter als die deutsche Bundesregierung, wo Union und SPD weiterhin "keinen Handlungsbedarf" sehen. Obwohl die große Gefahr dieser Gehirnwäsche-Therapien für die geistige und körperliche Gesundheit längst bewiesen ist und diese seelische Folter bis zum Tod führen kann.
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#2 Mens sana in corpore sanoAnonym
  • 11.12.2018, 12:55h
  • Wer seine sexuelle Orientierung ändern will erklärt seinem Körper, seinem Geist, Psyche und Seele einen Krieg den keiner gewinnen kann.

    Die logischen und oft ganz unmittelbaren Folgen sind Krankheit und/oder gleich der Tod.
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