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Bezirksgericht Andelfingen

Schwule erpresst: Erst Gefängnis, dann Ausweisung

In der Schweiz wurden zwei Roma mit slowakischer Nationalität wegen Erpressung und Betrugs verurteilt – eines ihrer Opfer war ein homosexueller Priester, der deshalb seinen Job verlor.


Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (Bild: Blogtrepreneur / flickr)

Das Bezirksgericht im schweizerischen Andelfingen hat am Montag zwei Männer wegen der Erpressung von zwei älteren Schwulen sowie gewerbsmäßigen Betruges zu Gefängnisstrafen und Landesverweis verurteilt. Der Fall hatte in der Eidgenossenschaft für Aufsehen gesorgt, weil eines der Opfer als katholischer Pfarrer arbeitete. Als die Geschichte publik wurde, wurde der Geistliche von der Kirchenleitung kurz vor seiner Pension freigestellt (queer.de berichtete).

Der Mann im Pensionsalter soll den beiden 30 und 43 Jahre alten Tätern über Jahre Geld gegeben haben, bis fast die gesamten Ersparnisse aufgebraucht waren. Laut Anklageschrift hätten die Männer ihm zuletzt gedroht, ansonsten Bilder publik zu machen, die ihn angeblich beim Sex mit Männern zeigten. Der Lebenspartner des Pfarrers rief schließlich die Polizei, die die beiden Männer in dessen Wohnung festnahm.

Ob es die Sexbilder wirklich gibt, ist unklar

Laut dem Partner sei sich der Pfarrer zwar sicher gewesen, dass keinerlei entsprechenden Bilder existierten. Er sei aber "verängstigt" gewesen, dass die Geschichte und seine Homosexualität publik werden könnten. Die erste Begegnung mit einem der beiden Männer hatte sich Jahre zuvor an der Pfarrhaustüre abgespielt: Der Pfarrer hatte den Mann und später auch Bekannte in angeblicher Not aufgenommen.

Im Laufe der Ermittlungen war ein zweiter Fall publik geworden: Ein 79-jähriger pensionierter Gemeindeschreiber hatte den beiden Männern ebenfalls Geld gegeben. Beiden Geschädigten hatten die Männer andauernde Notlagen vorgetäuscht und so jeweils hohe Summen als vermeintliche Darlehen ergaunern können. Im Falle des Priesters sprach die Staatsanwaltschaft von bis zu 100.000 Franken (89.000 Euro), der zweite Mann soll rund 300.000 Franken (267.000 Euro) gezahlt haben. Die genaue Höhe der Zahlungen konnte vor Gericht allerdings nicht nachgewiesen werden.

Die Opfer wurden bedroht und eingeschüchtert

Auch der zweite Geschädigte, ebenfalls Katholik, wollte sein Privatleben geheim halten – zugleich sei er auch von den Beschuldigten und von Personen aus deren Umfeld bedroht worden. Auch Zeugen berichteten vor Gericht von einschüchternden Telefonaten aus dem möglichen Umfeld der Beschuldigten.

Das Bezirksgericht verurteilte die beiden Männer zu Haftstrafen von 36 bzw. 30 Monaten, die jeweils zur Hälfte zur Bewährung ausgesetzt wurden. Darüber hinaus wurden die beiden Roma mit slowakischer Nationalität für sechs Jahre des Landes verwiesen – sie reisten jeweils als Touristen ein und verfügen über keinen festen Wohnsitz.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Die Rechtsanwältin des 30-Jährigen kündigte im Gerichtssaal Berufung an. (cw)



#1 Patroklos
  • 11.12.2018, 09:25h
  • Das Urteil geht nur bedingt in Ordnung, ich hätte die beiden Täter zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt und ich hoffe, deren Berufung wird vom zuständigen Gericht abgelehnt.
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#2 JaMiAnonym
  • 11.12.2018, 11:23h
  • Die Taten der beiden Verurteilten sind selbstverständlich weder zu entschuldigen noch zu verharmlosen. Aber warum wird in dem Artikel - sogar gleich anfangs an hervorgehobener Stelle! - darauf hingewiesen, dass sie Roma sind? Meiner Ansicht nach widerspricht dies dem Kodex des Deutschen Presserates, in dem es zur Berichterstattung über Straftaten heißt:
    "Die Zugehörigkeit [zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten] soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte." (
    www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/)

    Im vorliegenden Fall sehe ich keinerlei begründetes öffentliches Interesse an der Erwähnung der Roma-Herkunft der Täter. Erpressung (auch von Schwulen) und Betrug werden von Angehörigen aller möglichen Gruppen begangen, auch von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft. Angesichts des herrschenden Antiziganismus in der Gesellschaft besteht bei der Erwähnung, dass irgendwelche Straftäter*innen Roma oder Sinti sind, grundsätzlich die Gefahr, dass dies Vorurteile schürt. Daher sollte eine solche Erwähnung wirklich NUR dann erfolgen, wenn es zum Verständnis des Sachverhalts unbedingt notwendig ist. Das ist hier nicht der Fall, die Erwähnung der slowakischen Staatsbürgerschaft (wegen der Abschiebung) hätte völlig genügt. In diesem Punkt bitte künftig mehr Sensibilität!
    Im Übrigen sind solche Erpressungen natürlich nur in LGBTI*-feindlichem Kontext möglich. Und LGBTI*-Feindlichkeit ist - wie gerade dieses Beispiel zeigt - keine Spezialität von Roma, sondern beherrscht beispielsweise die katholische Kirche und das gesamte gesellschaftliche Klima in vielen osteuropäischen Ländern.
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#3 TheDadProfil
  • 11.12.2018, 11:55hHannover
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • ""Das Urteil geht nur bedingt in Ordnung, ich hätte die beiden Täter zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt und ich hoffe, deren Berufung wird vom zuständigen Gericht abgelehnt.""..

    ""Das Bezirksgericht verurteilte die beiden Männer zu Haftstrafen von 36 bzw. 30 Monaten, die jeweils zur Hälfte zur Bewährung ausgesetzt wurden.""..

    Was dann wohl dafür sorgt die Wiedereinreise nach der Haft zu verhindern..
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#4 TheDadProfil
#5 Religioten-WatchAnonym
  • 11.12.2018, 12:09h
  • Antwort auf #2 von JaMi
  • 1.
    Dass die "Kirchen" eigenes Recht anwenden dürfen, obwohl es gegen weltliches Recht verstößt (hier Einstellung erworbener Pensionsansprüche), ist natürlich ein Skandal. Aber ich finde es zutiefst befriedigend, dass Mitglieder dieser menschenrechtsbrechenden Firma am eigenen Leib das erleiden müssen, was sie durch ihre Tätigkeit bzw. Mittäterschaft anderen zuvor angetan haben.

    2.
    Die Nennung von Ross und Reiter bei Straftaten hilft in der Prävention.
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#6 Homonklin44Profil
  • 11.12.2018, 14:51hTauroa Point
  • Antwort auf #2 von JaMi
  • Hängt evtl. damit zusammen, dass für Roma-Angehörige oder Wohnsitzlose ein anders gelagertes Aufenthaltsrecht in D gilt.
    Weiß ich nicht sicher. Eine Bekannte von der Wohnsitzlosenberatung hat mal sowas berichtet. Worunter besonders häufig Roma fielen, aber auch Leute, die nur zwecks Broterwerb saisonal nach D kommen.
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