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Wer kennt diesen Mann?

Fotofahndung: Leipziger Polizei sucht nach brutalem Trans-Hasser

Knapp ein halbes Jahr nach einer brutalen transphoben Gewalttat bitten die Behörden in der größten sächsischen Stadt die Bevölkerung mit einem Fahndungsfoto um Mithilfe.


Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hilfe bei der Suche nach einem brutalen Täter (Bild: Sebastian Rittau / flickr)

Die Polizei in Leipzig hat am Dienstag das Foto eines mutmaßlichen Gewalttäters veröffentlicht, der im Frühsommer eine transsexuelle Studentin in Uni-Nähe angegriffen und verletzt haben soll. Die Frau war durch den Angriff verletzt worden und musste im Krankenhaus behandelt werden (queer.de berichtete).

Den Behördenangaben zufolge handle es sich bei der gesuchten Person um einen zirka 35 Jahre alten Mann. Der Unbekannte ist ungefähr 1,80 bis 1,85 Meter groß, hat einen normalen Körperbau und trug zum Tatzeitpunkt keinen Bart. Seine Haarfarbe wird als braun beschrieben, außerdem habe er "stechende Augen".


Wer kennt diesen Mann? Mit dem Handy-Foto suchen die Behörden nach dem Schläger (Bild: Polizei Sachsen)

Zeugen, die den Mann anhand der Beschreibung oder des Bildes erkennen, werden gebeten, sich umgehend bei der Polizei zu melden. Hinweise sollen an die Kriminalpolizei (Dimitroffstr. 1) oder jede andere Polizeidienstelle gerichtet werden. Telefonische Hinweise werden an 0341-966 4 6666 erbeten.

Mann schlug Studentin aus Hass ins Gesicht

Der Vorfall hatte sich am Abend des 25. Juni ereignet. Der Mann hatte die 22-Jährige in Anwesenheit einer befreundeten Kommilitonin vor der Moritzbastei zunächst nach ihrem Geschlecht gefragt und aufgefordert, ihren Intimbereich zu entblößen. Die Angesprochenen versuchten das Gespräch zu beenden. Der Täter reagierte darauf unvermittelt mit einem gezielten Schlag in das Gesicht der jungen Frau. Die gesamte Eskalation spielte sich in einem Zeitraum von weniger als einer Minute ab.

Die Angegriffene hatte sich durch den Schlag das Nasenbein gebrochen. Sie hatte laut Polizei erhebliche Schmerzen und Nasenbluten. Kurz nachdem die 22-Jährige sich in die Notaufnahme der Leipziger Uni-Klinik begeben hatte, wurde dort auch der Unbekannte gesehen. Die Freundin des Opfers konnte damals mit ihrem Handy ein Foto des Mannes vor dem Krankenhaus schießen. (cw)



#1 daVinci6667
  • 11.12.2018, 23:58h
  • Frage: Wie ist dieser blanke Hass der so oft in Gewalt gegen Transpersonen endet psychologisch zu erklären?

    Bei Schwulen sind es eigene homosexuelle Anteile die solche Täter bekämpfen wollen. Nicht wenige homophobe Arschlöcher sind selbst verkappt schwul oder bisexuell.

    Doch bei Transpersonen? Ich kann mir wie wohl 99% der Bevölkerung nicht wirklich vorstellen wie es ist, sich im falschen Körper zu fühlen, geschweige denn mir meine Genitalien wegoperieren zu wollen.

    Dieses nicht hineinversetzen können erklärt jedoch in keinster Weise diesen Hass.

    Gibt es hierzu schlüssige Erklärungen?
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#2 SarahAnonym
  • 12.12.2018, 01:29h
  • Antwort auf #1 von daVinci6667
  • "Gibt es hierzu schlüssige Erklärungen?"

    Ja - die Ursachen dieses Handelns sind bekannt.

    Fragile masculinity.

    Worüber definieren sich Männer als Mann?
    Die meisten (hetero-) Männer definieren sich über die Ablehnung von allem Femininen. Die größte denkbare Provokation für diesen Typ Mann ist folglich ein - in ihren Augen - anderer "Mann", der in konsequentester Weise nicht für diese "Männlichkeit" steht und - in ihren Augen - maximal konsequent in frage stellt und sie in ihrer "Männlichkeit" verunsichert.

    Transfrauen.

    Die Mörder der zahllosen Transfrauen jedes Jahr sind ausschließlich dieser Typ heterosexueller Mann.

    Diese Morde sind deshalb auch meist nicht nur "einfache" Morde. Die wenigsten Transfrauen werden einfach "nur" erschossen, sondern die meisten werden zu Tode gefoltert. Ihre Genitalien und Brüste werden mit Messern zerstört, ihre Gesichter werden zerstört, sie werden enthauptet, zerstückelt und verbrannt. Auch Häutungen kommen vor.

    Die Tötungen von Transfrauen sind nicht einfach nur Morde, sondern immer Ritualmorde. Es geht um die ritualisierte VERNICHTUNG von Femininem. Daher werden in einigen südamerikanischen Ländern Morde an Transfrauen behördlich als Femicide - nicht Homocide - geführt. Weil das Motiv für den Mord ausschließlich die Femininität der Frau war.

    Viele Transfrauen werden darüber hinaus von ihren eigenen cis-heterosexuellen männlichen Partnern getötet - z.B. häufig dann, wenn die Öffentlichkeit oder das soziale Umfeld des Mannes erfärt, daß sie trans sind. Die Männer sehen den Mord dann als konsequentesten "Beweis" dafür an, daß sie nicht "schwul" sind.

    Deshalb ist der cis-Narrativ, dass Transfrauen "ja eigentlich" oder "in Wahrheit" Männer sind, ja so unmittelbar tödlich für Transfrauen. Im wörtlichsten Sinne.

    Es geht um Intersektion: bei Transfrauen kreuzen sich 4 Intersektions-Linien. Sie befinden sich auf dem Kreuzungspunkt von Misogynie, Transphobie, Homophobie und Sexismus. Bei Transwomen of Color kommt als 5. Linie noch Rassismus verstärkend hinzu. Diese Intersektion ist der Grund, warum Transfrauen die am meisten von Gewalt betroffene Menschengruppe sind.
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#3 SarahAnonym
#4 NachfrageAnonym
  • 12.12.2018, 01:56h
  • Antwort auf #2 von Sarah
  • Danke, ich finde das ziemlich überzeugend.
    Und wie kommt es, dass manche Männer unter einen so akuten, neurotischen und zerstörerischen Druck geraten, während andere mit ihrer Männlichkeit (und deren Fragilität) gelassener umgehen können?
    Was genau läuft da falsch?
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#5 SarahAnonym
  • 12.12.2018, 04:58h
  • Antwort auf #4 von Nachfrage
  • "Danke, ich finde das ziemlich überzeugend."

    Das ist nicht meine "persönliche Meinung", sondern die allgemein anerkannte Erklärung.

    "Und wie kommt es, dass manche Männer unter einen so akuten, neurotischen und zerstörerischen Druck geraten..."

    Nein, sie sind keine "Opfer", wie die Wortwahl suggeriert. Sie sind Täter! Es geht um Misogynie (Frauenfeindlichkeit), Sexismus, Transfrauen - Feindlichkeit und Homophobie.

    Frauenfeindlichkeit ist im Vergleich zu Cisfrauen bei Transfrauen noch einmal zusätzlich potenziert.
    Sexismus ebenso.
    Homophobie wird durch den immer wieder re-ventilierten cis-Narrativ, dass Transfrauen "ja eigentlich" Männer sind, immer wieder unreflektiert in Köpfen internalisiert.

    "...während andere mit ihrer Männlichkeit (und deren Fragilität) gelassener umgehen können?"

    Das hört sich so an, als ob Männlichkeit grundsätzlich fragil ist. Diese Auffassung teile ich ganz und gar nicht.
    Als bisexuelle Transfrau kenne ich großartige heterosexuelle Männer. Wunderbare Männer mit einer integeren Männlichkeit. Männer, die in ihrer Männlichkeit sicher sind und regelrecht darin ruhen. Sie definieren sich über sich selbst - nicht "auf Kosten" von Frauen, indem sie sich über die Ablehnung von allem Femininen definieren, weil sie es als nachrangig, untergeordnet oder minderwertig definieren. Göttin, ich liebe diese Männer und möchte sie nicht missen.

    "Was genau läuft da falsch?"

    Fragile Männlichkeit. Eine "Männlichkeit", die sich von Frauen bedroht sieht.
    Fragile Männlichkeit ist die Ursache für toxische Männlichkeit. Toxische Männlichkeit will Frauen regulieren, fremd-definieren, beherrschen und kontrollieren.

    Sie fühlen sich von selbstbesimmten, unabhängigen Frauen in ihrer (fragilen) Männlichkeit bedroht.

    Die Ursachen für den im Artikel geschilderten Angriff waren:

    Eine grundsätzliche Frauenfeindlichkeit - die sich bei Transfrauen noch einmal potenziert.
    Sexismus gegenüber Frauen, die er als nachgeordnet, minderwertig betrachtet und dabei sogar so weit in seinen Besitzansprüchen und seiner (vermeintlich ihm zustehenden) Definitionshoheit geht, dass er sie zu einer Genitalien-Kontrolle auffordert.
    Transfrauen stehen in seiner sexistischen Gedankenwelt noch weiter unter Cisfrauen.

    Toxische Männlichkeit. Das ist es, was falsch läuft. Hass auf Frauen, der unmittelbar in einen Faustschlag mündet. Weil er sich in seiner Männlichkeit provoziert und bedroht fühlt.
    Er ist der Typ Mann, der sich über die Ablehnung und Marginalisierung von allem Femininen definiert. Er definiert sich als Mann nicht "aus sich selbst als Mann heraus".

    What is a man?

    Das darfst Du mich aber jetzt nicht fragen. Das wusste ich noch nie. Diese Frage müssen Männer beantworten.
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#6 Patroklos
#7 AltoAnonym
  • 12.12.2018, 08:30h
  • Antwort auf #1 von daVinci6667
  • "...geschweige denn mir meine Genitalien wegoperieren zu wollen."

    Tatsächlich gibt es viele Trans*, die sich ihren Penis und Hoden nicht entfernen lassen wollen! Zum einen würde man sich dann selbst die Möglichkeit nehmen, einmal eigene Kinder zu zeugen und zum anderen gibt es erstaunlich viele hetero cis-Männer, die auf, wie man in der Pornobranche sagt,"Shemales", stehen. Das sind dann absolute Heteroprolls, die extra nach Thailand fahren um Ladyboys zu treffen und sich ficken zu lassen, nur um dann danach brav zur Ehefrau zurück zu kehren
    Das Vorurteil solcher transphober Typen, Trans* wären kastrierte Männer, stimmt also sehr oft nicht.
    M.M.n. liegt die steigende Gewalt auch daran, das Transthemen in den letzten Jahr sehr stark auch von der AfD negativ thematisiert wurden, während früher man darüber wenig geredet hat in der Öffentlichkeit (Fachkreise/Betroffene ausgenommen)
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#8 Ith__Ehemaliges Profil
  • 12.12.2018, 10:28h
  • Antwort auf #4 von Nachfrage
  • Bei dieser Art von Gedanken habe ich immer den Eindruck, dass auch schwule Männer wohl nie begreifen werden, dass der Hass, dem sie in Hetero-Männer-Kreisen wegen ihrer Homosexualität begegnen, sich von Anti-Feminismus und Frauenfeindlichkeit letztlich nicht trennen lässt.
    Und dass ihre selbsterhaltende Reaktion und der angemessene Umgang damit Pro-Feminismus und Solidarität mit Weiblichkeit sein sollten, statt Anbiederung durch engagiertes Mitspielen, wenn mal wieder das Schema "Frauen erniedrigen und abwerten, um die eigene Männlichkeit aufzuwerten" aufkommt.

    Momente, in denen ich mich schäme für die Erkenntnis, mit was für Leuten ich gerade umgehe, wenn ich gerade passe und man mir allein durch die Selbstverständlichkeit suggeriert, dass ich schon zum Klub gehören darf, wenn ich da bloß brav mitmache.
    Momente, die Cissen wahrscheinlich überhaupt nicht bewusst wahrnehmen, weil sie spätestens in der Pubertät lernen, dass es normal ist.

    Übrigens: Einer der vom Verfassungsgericht inzwischen außer Kraft gesetzten, menschenrechtsverletzenden Anteile des TSG, nämlich der mit der erzwungenen Ehe-Auflösung, zielt ganz explizit auf Homosexuelle ab, und hat mit Transsexualität nicht das Geringste zu tun.
    Nur, um mal klarzumachen, dass auch der Gesetzgeber nie ein Problem damit hatte, unsereins für den Hass auf "euch" Cis-Homosexuelle bluten zu lassen.

    Wieso wohl Männer speziell Transfrauen hassen... na, weil einerseits jeder weiß, dass das Menschen sind, die als so eklig gelten (auch in meiner Familie übrigens, was mich zuweilen echt fertig macht, als Grundhaltung), dass schon recht klar ist, dass die Hilfe und Solidarität sich in Grenzen halten wird, weil ziemlich viele ganz normal aussehende Leute zustimmen würden, dass man selbst schuld ist, wenn man denn unbedingt "so sein" muss (man sucht sich das schließlich aus, und könnte auch einfach dabei bleiben "normal" zu leben); und zum Anderen natürlich, weil der heteronormative Standard dadurch bedroht wird.
    Weil nämlich auch da mal wieder nicht unterschieden wird zwischen schwul/drag und Leuten, die trans* sind, und insofern ein Mann, der "drauf reinfällt" Gefahr laufen könnte, als schwul zu gelten bzw. sich den Ruf dabei einzufangen.

    Wie Sarah schon geschrieben hat, das ist ein Knotenpunkt, an dem sich u.a. Homophobie und Misogynie treffen.
    Ich schätze, so richtig begreifen wird man das aber nie, wenn man nicht entweder selbst im Leben beider heteronormativer Geschlechter genügend Erfahrungen hat, oder zumindest sehr engen Austausch mit Leuten pflegt, die diese Erfahrungen haben.
    Nur, dass solche Erfahrungen dann auch einfach gern mal nicht geglaubt werden, wenn man drüber redet.

    Ich kann übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Transfrau zu sein kacke ist. Ich habe nach Testo nämlich mal so eine Phase gehabt, in der ich mein Wunschdenken von sowas wie "Leben als das, was ich bin", bleiben lassen wollte, und einfach in mein altes Leben zurückwollte.
    Recht bzw. Pflicht dazu habe ich meinen Papieren nach ja weiterhin eh, ne?
    Tja, Pustekuchen. Ich wurde zum Mädchen erzogen, hab einen weiterhin relativ melodischen Sprechrhythmus, gar keine sooo 100% tiefe Stimme, und was die Haare im Gesicht betrifft, auch eher wenig. Ich habe sogar meinen Östrogenzyklus wieder, der nach weniger als zwei Jahren Testo erfolgreich wieder angesprungen ist.
    Selbst nachdem ich mir die Haare habe wachsen lassen, für das Passing als eine "Sie", musste ich dank tiefer Stimme und Resten des Bartschattens damit leben, von den Leuten angesehen zu werden wie ein Alien.
    Was zwischen meinen Beinen ist oder auch nicht ist, spielte dafür überhaupt keine Rolle, operiert war ich an der Stelle nämlich nie. Aber allein schon der durch die Stimmlage geweckte, leise Verdacht, dass ich etwas Anderes in der Hose haben könnte als das Auftreten als Frau vermuten ließ, reichte für die "gesunde Skepsis" und das folgerichtige Benehmen wie gegenüber einem Vollfreak schon aus.
    Und keine Sorge: Für diese gesunde Skepsis und das unangenehme Gefühl, diese subtile Unterstellung, gewerbsmäßiger Lügner zu sein und wasweißichnichtalles - da muss man Verständnis für haben. Da wird auch jede/r Verständnis für haben. Sowas darf man den Leuten gefälligst nicht übel nehmen, denn die wollen sich ja nur schützen - vor dem offensichtlichen "Betrug".
    Ich fand das jetzt relativ gut erträglich, denn ich wollte in die Rolle als Frau ja ohnehin nicht, weil ich mich damit identifiziere, sondern weil ich gern einfach nicht mehr als trans* sichtbar sein wollte, in anderen Worten, weil es ursprünglich mal bequemer war, wenn auch verlogen. Wie es einer wirklichen Transfrau damit gehen muss, also jemandem, der sich wirklich mit dem Frausein identifiziert, will ich mir an der Stelle lieber nicht vorstellen. Für mich war's dagegen eher Anlass zu dem Schluss: Wenn schon sichtbar als trans*, dann wenigstens als das, was man wirklich ist.

    Ein Transmann zu sein, ist in vielerlei Hinsicht nun auch nicht einfach, wofür im LGBT-Umfeld u.a. Ressentiments schwuler Cissen gründlich sorgen, wenn man nunmal das Pech hat, schwul zu sein.
    Als Frau wird man allerdings schon Ziel von verbaler und häufig auch körperlicher Gewalt, wenn man aus der Reihe tanzt, und auch das dürfte das Leben als Transfrau nicht gerade leichter machen. Als Cis-Frau lernt man so ca. ab einem Alter von 12-14, wie man mit insbesondere auch sexueller Übergriffigkeit durch Männer umgeht - sobald bei den Jungs nämlich der Geschlechtshormonschub einsetzt, ist das vollkommen normal und wird gesellschaftlich auch akzeptiert. Überleben mit dieser Übergriffigkeit funktioniert meistens durch eine Form von Selbstbeschränkung und Einschränkung der eigenen Freiheit, und hat sehr viel mit Angst zu tun. Dieses von früh antrainierte Angst-Unterwerfungs-Schema lernen Transfrauen in der Form meist erst Jahre später. Wobei die Erziehung zur Zurückhaltung sogar schon im Altern von 5-6 Jahren beginnen dürfte, wenn man es bei Jungs normal findet, wenn sie herumtoben und Dreck und Lärm verursachen, bei Mädchen aber schnell findet, dass sich das nicht gehört, und da be-schränkend als elterliche Instanz eingreift, zur Not unter Androhung von Konsequenzen.
    Leise sein müssen und Angst davor haben, nicht leise genug zu sein - eine Grundhaltung, bei der Jungs bis zum Alter von 10 Jahren in den allermeisten Fällen lernen, dass es das Gegenteil von dem ist, was sie zu tun haben. Auch, und besonders Jungs, die sich "noch" nicht "männlich genug" verhalten.

    Zum Überleben als Frau gehören eine ganze Menge Erniedrigungsroutinen, insbesondere wenn man nicht zu den paar Frauen gehört, die so sehr nach Model aussehen, dass Männer zu ihnen aufschauen (die Tour zu fahren, sich hübschsein zu leisten, kann umgekehrt extrem böse ausgehen, wenn das Umfeld gerade nicht genügend Schutz bietet).
    Das sind soziale Spielregeln und Selbstverständlichkeiten, die man erstmal sehr gründlich lernen muss, wenn man aus einer Situation kommt, in der das eigentlich nicht nötig war, oder sogar das Gegenteil von erwünscht.

    Als eine Frau zu leben, die nicht den Schönheitsidealen entspricht, ist auch als Cis-Person schon schwer, gerade wegen dieser zahlreichen, misogynen Gewaltmuster, die in unserer Gesellschaft so selbstverständlich sind, dass mein Vater in meiner Kindheit auch vom Staat her sehr wohl das Recht hatte, meine Mutter zu vergewaltigen - war bei Ehepartnern damals erlaubt, und von wem die Gewalt auszugehen hat, war nie Privatsache. Im Gegenteil, dass Seehofer und Merz dagegen gestimmt haben, dieses Recht aufzuheben, dürfte wohl damit zusammenhängen, dass sie Männer sind.
    Zumindest in gewissen Phasen einer Transition ist es schon verdammt schwer, einem Idealbild in der binären Geschlechterwelt zu entsprechen. Und das macht es auch in der Hinicht nicht leichter.

    Für sich genommen sind das alles einzelne, erschwerende Faktoren. In der Summe läuft es darauf hinaus, dass das Leben häufig deutlich weniger unkompliziert verläuft als für die meisten anderen Menschen.
    Und das deutliche Bewusstsein davon, im Zweifelsfalle nur sich selbst und ein paar wenige, nahestehende Menschen zu haben, trägt nun auch nicht dazu bei, zu signalisieren, dass man kein leichtes Opfer ist.

    Schutz vor körperlicher Gewalt bietet in den allermeisten Fällen nichts weiter als die Angst des Täters vor Konsequenzen.
    Wer gründlich genug gelernt hat, dass es Leute gibt, bei denen sich für die Konsequenzen niemand interessieren wird, braucht man sich nicht wundern, wenn die Balance zwischen Gewaltdrang und ebendieser Sorge um Konsequenzen in eine Richtung kippt. Und das wiederum hat viel mit der Würde zu tun, die man den Leuten zuspricht - oder auch nicht.

    Sowas sind gesellschaftliche Probleme.
    Und den Anfang macht dabei bereits der Gesetzgeber, der jeder transfeindlichen Person bestätigt, mit ihrer Skepsis und dem Gefühl, es mit Geistesgestörtheit zu tun zu haben, Recht gibt.
    Solange der Staat unsereins würdelos behandelt, braucht man sich über niemanden auf der Straße wundern, der findet, dass ihm*ihr das ebenfalls zusteht. Und solange wir vor dem Staat kriechen und zunächst mal unsere Geistesgestörtheit bestätigen lassen müssen, werden wir auch immer diejenigen sein, die ganz allein klarstellen müssen, wie man uns nicht zu behandeln hat.
    Einen Anspruch haben wir von Rechts wegen darauf nur sehr bedingt. Und das ist ein Zustand, an den man sich im Laufe der Zeit in ernüchternder Weise gewöhnt.
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#9 Ith__Ehemaliges Profil
  • 12.12.2018, 10:53h
  • Antwort auf #7 von Alto
  • Alles oberhalb des letzten Absatzes soll bitte jemand auseinandernehmen, der sich als trans*-Ally definiert. Mir ist schon vom Querlesen übel, es möge sich also bitte jemand mit mehr Distanz zum Thema drum bemühen. Danke im Voraus.

    Zur letztgenannten These: Noe, ich denke nicht, dass die AfD da etwas hervorruft, was vorher nicht dagewesen wäre.
    Es dürfte sich wohl eher so verhalten, dass dadurch, dass überhaupt mal trans* thematisiert wird, der Dreck an die Oberfläche kommt, und dann halt auch schnell Leute hinterm Busch hervorspringen, die klarstellen wollen, dass sie die Existenz solcher Normabweichungen nicht akzeptieren werden.

    Die Schwulenhasser in der AfD hassen Schwule nicht erst, seit die AfD darüber redet. Die fühlen sich bei denen vielleicht wohler, weil die diese Ansichten bestätigen und sogar fördern, und dadurch ein Klima schaffen, in dem gruppenbezogener Menschenhass als nach Innen ordnendes und strukturierendes Element nicht bloß akzeptabel ist, sondern äußerst erwünscht. Aber wer als erwachsener Mensch Schwule, Lesben, Transgender, Bisexuelle, oder sonstwie nicht Heteronormative wirklich hasst, bei dem ist schon im Alter von weniger als 20 Jahren irgendwas schiefgelaufen.

    Sowas kann man als Partei oder Strömung vielleicht stärker re-aktivieren, als es sonst passiert wäre, wenn dieser verstärkende Sozialfaktor nicht dazu käme. Aber Hass erschafft auch eine solche Partei nicht einfach aus dem Nichts.

    Was sich bei denen zeigt, ist alles nicht neu.
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#10 SarahAnonym
  • 12.12.2018, 12:41h
  • Antwort auf #7 von Alto
  • "Tatsächlich gibt es viele Trans*, die sich ihren Penis und Hoden nicht entfernen lassen wollen....."Shemales"...Das Vorurteil solcher transphober Typen, Trans* wären kastrierte Männer, stimmt also sehr oft nicht."

    Heißt:
    Alle Transfrauen, die sich operieren lassen, sind "ja eigentlich" und "in Wahrheit" Männer. Dieser cis-Unsinn ist offensichtlich unendlich steigerbar. Gerade wurden Transfrauen sogar zu "kastrierten Männern" erklärt.

    Nur einen post zuvor habe ich die unmittelbare Tödlichkeit dieses cis-Narrativ über Transfrauen als Ursache von jeder Gewalt gegen uns erklärt - und es geht unbeeindruckt davon mit den Lügen und der Ignoranz weiter. Es ist sogar noch steigerbar.

    In diesem Fall realisiere ich als Frau sofort, dass ich es hier nicht mit der von mir erwähnten "integeren Männlichkeit" zu tun habe.
    Integere Männer wissen, dass Transfrauen Frauen sind. Und behandeln sie deshalb auch so.

    Es ist einfach nur noch widerlich und ekelhaft. Als "kastrierter Mann" bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht bezeichnet worden. Niemand, der mich sieht, würde auf diese Idee kommen.

    Es ist wie in anderen threads zuvor. Jedes Bemühen ist sinnlos. Man WILL nicht verstehen, sondern sich in seinen cis-Narrativen einrichten. - So, wie der Täter im Artikel.

    Hier ziehe ich dann auch einfach konsequent einen Schlußstrich.
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