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Roman

Noch immer jung, schwul und auf der Suche nach sich selbst

Nach seinem gefeierten Debüt "Jetzt sind wir jung" erzählt Julian Mars in "Lass uns von hier verschwinden" die Geschichte von Felix weiter. Er überwindet seine Scheu vor Hetero-Männern und kommt vom Ex nicht los.


Hauptfigur Felix ist nach Berlin gezogen (Bild: Peter-Julius Koenitz / flickr)

Felix ist in Berlin angekommen. Eine viel zu große Wohnung in Schöneberg, noch dazu mit Blick auf einen Friedhof. Doch die Flucht musste sein. Oder? Der 24-Jährige weiß nicht so ganz, was er tun soll, vertändelt die Tage auf Netflix. Das eine der drei Zimmer, das er eingerichtet hat, verlässt er kaum.

In "Lass uns von hier verschwinden" erzählt Julian Mars die Geschichte von Felix weiter. Wer sein Debüt "Jetzt sind wir jung" gelesen hat, kann sich auf eine Fortsetzung freuen. Wer das noch nicht getan hat, sollte das zwar unbedingt nachholen, kann aber auch mit dem neuen Roman beginnen.

Los geht es gleich mit einer Hiobsbotschaft: Emilie ist schwanger. Und will, dass Felix der Vater wird. Denn der echte, über den will Emilie besser gar nicht viel verraten. Damit hätte Felix natürlich im Leben nicht gerechnet. Neben seiner besten Freundin Emilie, die ihre Ausbildung im Puff ihres Vaters gemacht hat, sind auch andere altbekannte Figuren dabei: Gabriel, der den antiken Philosophen Epiktet zitiert und mit seinem walisischen Freund zu Altgriechisch wechselt, wenn er dessen Akzent nicht versteht.

Neu dabei: der alte Schulfreund Elias


"Lass uns von hier verschwinden" ist im November im Albino Verlag erschienen

Auch die Dragqueen Tamara Testicles wird wiedergeboren: In Berlin jedoch als Hugo, der im KaDeWe Kosmetik verkauft – und klaut. All diese Personen sind ganz einzigartige Charaktere, mit eigener Sprache und Gedanken, die Felix mit Rat und Tat – mal mehr oder weniger – zur Seite stehen.

Neu ist Elias, ein flüchtiger Bekannter aus der Schule, der bei Felix einzieht. Elias ist Profisportler, deshalb hat Felix gar nichts dagegen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine echte Freundschaft, die Felix seine Scheu vor Hetero-Männern überwinden lässt. Und, Moment, irgendwoher kommt ihm Elias' Tattoo doch sehr bekannt vor, oder?

Natürlich klopft auch sein Ex Martin immer wieder an – im Geiste oder in echt. Martin, wegen dem Felix Hamburg überhaupt erst verlassen hat. Martin, der sich einfach aus dem Staub gemacht hat, ohne irgendein Lebenszeichen. Martin, von dem Felix irgendwie doch nicht loskommt, und der ihn immer wieder so irrational und doch so nachvollziehbar handeln lässt.

Mit jeder Seite wächst Felix einem mehr ans Herz


Julian Mars lebt als freier Autor in Berlin (Bild: Nora Heinisch / Albino Verlag)

Julian Mars gelingt auch in seinem zweiten Roman etwas ganz Besonderes: Mit Felix erschafft er eine zutiefst sympathische Figur mit ganz normalen und ganz besonderen Problemen. Er schafft es, dass wir mit ihm mitfühlen, leiden, schmachten und Herzklopfen bekommen, wenn Felix Martin plötzlich wiedertrifft.

Felix ist im zweiten Roman ein Stück weit erwachsener geworden, er reflektiert mehr als er sich durch Sexclubs vögelt. Gleichzeitig ist seine Geschichte gekennzeichnet durch überraschende, nicht übertriebene Wendungen und witzige Dialoge. Der Roman hat genau die richtige Spur Dramatik und Spannung, um einen Sog auf den Leser zu entwickeln
.
Julian Mars' Sprache ist dabei einfühlsam, unverbraucht, nuanciert, schlagfertig, witzig und niemals aufgesetzt – kurz: authentisch. Was für ein Glück, dass er Felix' Geschichte weitererzählt. Mit jeder Seite wächst der junge Erwachsene auf der Suche nach sich selbst uns mehr ans Herz. Und wie schade, dass sie so schnell vorbei ist, nachdem man das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen wollte.

Infos zum Buch

Julian Mars: Lass uns von hier verschwinden. Roman. 256 Seiten. Albino Verlag. Berlin 2018. Taschenbuch: 18 € (ISBN 978-3-86300-259-6). Ebook: 11,99 €


#1 Steve2Anonym
  • 16.12.2018, 19:05h
  • Ich lese es gerade. Bin allerdings noch zu sehr am Anfang, um schon eine Einschätzung geben können.

    Das erste Buch "Jetzt sind wir noch jung" war für mich der absolute HAMMER. Ich habe es in wenigen Tagen fertig gelesen, weil es so packend war. Also klare Leseempfehlung. Ich hoffe, man hört noch mehr von ihm.
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#2 lindener1966Profil
  • 23.01.2019, 22:49hHannover
  • Ich bin jetzt 52. Beide Romane sind genau von der Art, wie ich sie gerne in meiner Jugend gelesen hätte. Sehr echt, sehr authentisch und witzig obendrein. Aber auch nachdenklich stimmend. Habe viele meiner, auch nicht netten Seiten, wieder entdeckt. Unbedingt lesenswert!
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