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Preisverleihung in Sevilla

"Girl" ist bester europäischer Debütfilm

Das Drama um eine junge trans Ballerina wurde am Samstag bei der Gala zum 31. Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Die Akademie erinnerte auch an das Schicksal des schwulen Regisseurs Kirill Serebrennikow.


"Girl" erzählt die Geschichte der transsexuellen Lara, die Balletttänzerin werden will (Bild: Menuet)

Am Samstag wurden im spanischen Sevilla zum 31. Mal die Europäischen Filmpreise verliehen. Als bester Debütfilm wurde bei der Gala das Drama "Girl" des Belgiers Lukas Dhont ausgezeichnet. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film war auch für den Hauptpreis als bester Spielfilm nominiert, der jedoch an den polnischen Film "Cold War" ging.

"Girl", eine Netflix-Produktion, lief am 18. Oktober in deutschen Kinos an (queer.de berichtete). Das sensible Drama hatte im Mai beim Filmfestival in Cannes gleich drei Preise abgeräumt. Neben der Queer Palm erhielt es die Caméra d'Or für den besten Debütfilm, außerdem wurde der junge Schauspieler und Balletttänzer Victor Polster, der als cis-Mann die Hauptrolle spielt, als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der Film wurde von Belgien bei den Oscars eingereicht und erhielt bei den Golden Globes eine Nominierung als bester ausländischer Film (queer.de berichtete).

Kritik an politischer Verfolgung in Russland

Die Filmpreis-Akademie erinnerte in diesem Jahr an das Schicksal der von der russischen Justiz belangten Regisseure Oleg Senzow und Kirill Serebrennikow. Zwar würden die beiden Filmemacher ihrer Freiheit beraubt. Sie arbeiteten aber trotz der Verfolgung weiter an ihren Werken, sagte die polnische Regisseurin Agnieszka Holland. Der aus der Ukraine stammende Senzow war 2015 in einem umstrittenen Prozess in Russland zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden – wegen angeblich geplanter Terroranschläge. Er fordert die Freilassung Dutzender ukrainischer Gefangener aus russischen Straflagern.

Der Fall Serebrennikow beschäftigt seit mehr als einem Jahr die russische Justiz. Der schwule Theatermacher, der seit seiner Festnahme wegen angeblicher Unterschlagung im Sommer 2017 unter Hausarrest steht, kritisiert die Ermittlungen als politisch motiviert. Er bestreitet vehement seine Schuld (queer.de berichtete). Im Hausarrest stellte Serebrennikow auch seinen Film "Leto" fertig, der seit der vergangenen Woche in deutschen Kinos gezeigt wird. (cw/dpa)



#1 Guter FilmAnonym
  • 16.12.2018, 16:41h
  • Das klingt nach einem wirklich guten Film. Gesehen habe ich ihn noch nicht, aber das werde ich nachholen.
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#2 NBNBAnonym
#3 Patroklos
#4 SarahAnonym
  • 17.12.2018, 00:07h
  • Ich bin gerade wirklich sprachlos. Dieser Film wird hier - auf einem queeren(!) medium - positiv und ohne jede Kritik dargestellt?

    Hat die Redaktion immer noch nicht verstanden, was trans ist?
    Hat die Redaktion nicht verstanden, warum Filme wie "sense8" - oder ganz herausragend "Pose" - herausragend positive Kritiken als Wendepunkte in der Darstellung von trans bekommen haben?

    Hier handelt es sich um den schlimmsten trash, den es im Zusammenhang mit trans überhaupt geben kann:

    trans trauma porn!
    Das verheerendste "Genre" überhaupt für trans. Insbesondere für junge trans.

    Dieser Film wirft alles um 30 Jahre zurück. Er ist verheerend für trans

    Und ich bin schockiert, dass die gesamte bekannte internationale Kritik an diesem Film unterschlagen wird und nicht thematisiert wird.

    Dieser Film wird Menschenleben kosten! Leben von Trans!
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#5 Ith__Ehemaliges Profil
  • 17.12.2018, 10:46h
  • Ich sollte vorab anmerken: Ich hab mir das nicht angetan.

    Aus den Ausschnitten, Zusammenfassungen und Reviews, die ich dazu gesehen habe (und das waren recht viele, denn ich schwankte sehr), die schließlich der Grund für das nicht-antun waren, aus purem Selbstschutz nämlich, drängt sich deutlich der Eindruck auf:
    Ein Film von Cissen mit Cissen für Cissen über Trans*.

    Da mag es eine wahre Grundlage geben, wie ich persönlich auch die transmännliche Perpektive kenne, zum Messer zu greifen, um sich was abzuschneiden.. aber keine sich einigermaßen bei Verstand befindliche Trans*person würde darum einen gesamten Film aufbauen, wenn es eigentlich um (Zwischen)Menschliches gehen sollte. Auf sowas können echt bloß Leute kommen, die mehr als die Oberfläche nicht sehen können, von der Gesamtsituation nicht betroffen sind und ehrlich betrachtet auch keine Ahnung haben.

    Auszeichnungen dafür haben was davon, den Schuh das Manitu dafür zu feiern, dass eine schwule Figur drin vorkommt. Mal so als Referenz für Cis-Schwule, um sich eine Vorstellung davon machen zu können, wie sich das als betroffene Person so anfühlt, wenn die Inklusion da hübsch gefeiert und mit Auszeichnungen versehen wird, während man selbst eher kopfschüttelnd daneben steht und sich verkohlt vorkommt.

    Bin aber beruhigt, dass ich nicht die einzige Person bin, die das Ganze kritisch sieht.
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#6 Ith__Ehemaliges Profil
  • 17.12.2018, 11:02h
  • Antwort auf #4 von Sarah
  • Die Formulierung mit dem "trans trauma porn" kannte ich noch gar nicht, geht aber vielleicht in eine Richtung, die ich aus Gesprächen mit hetero-Cis-Personen so kenne.

    Ist ein sex-positiver Bekanntenkreis, der so ein bisschen genervt davon ist, dass ich mich ausgegrenzt fühle und die Partnersuche schwierig finde. Als Aufmunterungsversuch höre ich da immer mal wieder den Hinweis, dass im Bordell das richtige Geld ja von den Trans* verdient würde.
    Mal abgesehen davon, dass man einen Transmann schon mit dem Konzept "Geil, es trägt ein Kleid UND hat einen Schwanz!" aus offensichtlichen Gründen nicht wirklich begeistert - es ist einfach eine derart grottige Denkweise, dass ich gern mal schreien würde, wenn mir dieser Mist begegnet. Bloß, dass ich von Cis-Personen umgeben bin, die wie der Ochs vorm Berg stehen, und nicht begreifen, was ich an solchen "Komplimenten" bzw. sowas nett Gemeintem denn problematisch finde.
    Vielleicht schreib ich mal nen Blogartikel drüber.
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#7 Kein-guter-FilmAnonym
#8 SarahAnonym
  • 17.12.2018, 13:32h
  • Antwort auf #6 von Ith_
  • "Die Formulierung mit dem "trans trauma porn" kannte ich noch gar nicht..."

    So bezeichnet man die Filme über trans, in denen wir aus einem cis-Blickwinkel als tragische - zwangsläufig an sich selbst scheiternde - Figuren dargestellt werden. Zusätzlich dadurch, dass Trans aus diesem cis-Blickwinkel in yoyeuristischer Weise auf ihre Körper beschränkt dargestellt werden - während der Mensch dahinter nicht zählt. Filme, in denen es um die fragwürdige Obsession von cis-Menschen (i.d.R. Männer, so auch hier) bezüglich den Körpern von trans geht.

    I.d.R ist eines von drei klassischen Kriterien erfüllt:

    - Objektifizierung von Transmenschen (i.d.R. Frauen) und ihrer Körper
    - Sexualisierung von Transmenschen (i.d.R. Frauen) und ihrer Körper
    - Sensationalisierung von Transmenschen (i.d.R. Frauen) und ihrer Körper

    Das ganze für cis-Menschen und einen Blickwinkel, der alle bekannten cis- Narrative bedient und neu internalisiert.
    In diesem Film sind geradezu exzessiv alle drei Kriterien erfüllt.

    Es geht um die übliche Fetischisierung der Körper von Trans (i.d.R. Frauen) durch Cismenschen.

    Von "sensibel", wie im Artikel beschrieben, keine Spur.

    Trans trauma porn vermittelt Transmenschen - insbesondere jungen, noch ungefestigten Trans:

    - Dein Körper ist nicht okay
    - Dein Körper gehört nicht Dir
    - Dein Körper gehört uns. Wir betrachten ihn, wir bewerten ihn, wir entscheiden über ihn. Wir sind cis und bestimmen die Norm.

    Ihre Transition wird in diesem Film auf das rein körperliche beschränkt dargestellt, fetischisiert mit einer Obsession für ihre Brüste und ihre Genitalien dargestellt.
    Das eine Transition viel viel mehr ist und unzähliges umfasst, wird ignoriert.

    Außerdem wird wieder mal ein Transmädchen von einem Jungen dargestellt, und der alte cis-Narrativ. Transfrauen sind ja "eigentlich" Männer bedient.

    In diesem Fall ist das ganz besonders perfide, da das Mädchen in diesem Film auf Pubertäts-Blocker eingestellt ist, und die Wirklichkeit hier zugunsten dieses Narrativs bewusst verzerrt dargestellt wird. Transmädchen auf Blockern sehen nicht aus wie Jungs, auch nicht wie feminine, androgyne Jungs - sie sehen aus wie jedes cis-Mädchen auch, da durch die Blocker jede Androgenisierung verhindert wird.

    Dieser Film ist nicht nur ein schlechter Film, sondern deshalb ein verheerender Film - insbesondere für junge Transmenschen.

    In den USA wäre es nach all den Diskussionen bezüglich der verzerrenden Darstellung von Trans und insbesondere nach "Pose" schlicht unmöglich, dass ein solcher Film akzeptiert, oder gar ausgezeichnet wird. Das das in Europa einfach so noch durch geht und möglich ist, ist ziemlich erschreckend.
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#9 SarahAnonym
  • 17.12.2018, 14:54h
  • Antwort auf #6 von Ith_
  • "...geht aber vielleicht in eine Richtung, die ich aus Gesprächen mit hetero-Cis-Personen so kenne."

    Das erinnert mich an ein Treffen vor vielen Jahren mit einer Hamburger Bi-Organisation.

    Als ich an kam, haben sie erst nicht gewusst, wer ich bin, weil sie mich für cis hielten. Irgendwann hat der Chef dann einen Button auf meiner Tasche bemerkt und verstanden, wer ich bin.

    Während der Begrüßung sagte er dann u.a. dass das einzige Mitglied der Gruppe, das "auf Transfrauen und ihre Spezialität (sic) steht, nicht mehr da ist, sondern seinen Wohnort nach Bangkok, Thailand verlegt hat" - und dass ich daher "zu spät sei". Alle anderen anwesenden Bi fanden das irgendwie lustig.
    Meiner argentinischen Begleitung (Bi-Cisfrau) fiel die Kinnlade auf den Boden. Ich war auf so etwas hingegen nicht unvorbereitet.

    Unnötig zu erwähnen, dass es darauf hin für ihn sehr unkomfortabel wurde, der Abend vorzeitig und unerfreulich endete und der eigentliche Sinn des Treffens - nämlich angedachtes networking mit Deutschen Bi - nach einigem geduldigen Vortasten von uns, bei dem sich noch Schlimmeres zeigte, nie zustande kam und von uns verworfen wurde.
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#10 Ith__Ehemaliges Profil
  • 17.12.2018, 15:37h
  • Antwort auf #9 von Sarah
  • Oh man, unfassbar...

    Wobei das auch so ein Punkt ist, wo man merkt, an was man sich mit der Zeit gewöhnen muss oder müsste. Zumindest wenn man out lebt.

    Fetischisierung gibt's bezüglich Transmännern z.T. schon auch. Auch wenn ich es eher als anstrengend erlebe, dass man normalerweise erstmal erklären muss, dass es nicht nur mzf gibt, und dass trans* nicht dasselbe ist wie Drag.
    Ich weiß bloß nicht, inwiefern ich mich persönlich davon geschmeichelt fühlen soll, wenn wer findet, 3 Löcher wären doch prädestinierend für die Rolle als Bottom beim Gangbang.
    Nichts gegen Leute, die da Spaß dran haben, solange jede*r freiwillig dabei ist. Aber diese Einstellung "sogar für deinen Körper wird sich ein Verwendungszweck finden", und dann noch die Erwartungshaltung dabei "jetzt freu dich doch mal, immerhin darfst du überhaupt existieren"... Ich weiß nicht. Hat sowas von Resterampe. Respekt jedenfalls sieht anders aus.
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