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Studie
Wer Schwule und Lesben kennt, wird homofreundlicher
Allein durch flüchtige Bekanntschaft mit einem offen Homosexuellen können Vorurteile abgebaut werden, heißt es in einer US-Studie. Daher seien Coming-outs für ein Klima der Akzeptanz sehr wichtig.

Wenn Heterosexuelle mit Schwulen und Lesben in Kontakt sind, steigt das Verständnis und die Akzeptanz (Bild: Guian Bolisay / flickr)
- 18. Dezember 2018, 13:31h 3 Min.
Bekanntschaften und Freundschaften mit Schwulen und Lesben können Vorurteile gegen sexuelle Minderheiten reduzieren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Soziologieprofessors Daniel DellaPosta von der Pennsylvania State University. Im Artikel "Gay Acquaintanceship and Attitudes toward Homosexuality" verglich DellaPosta Daten der General Social Survey (GSS), einer alle zwei Jahre durchgeführten repräsentativen Umfrage der University of Chicago zu einer Reihe aktueller Themen.
DellaPosta sah sich dabei die Daten von 2006 und 2010 zum Thema "Gay Marriage" an – zu diesem Zeitpunkt war die Ehe für Schwule und Lesben in großen Teilen der USA noch verboten. 2006 hatten laut GSS 45 Prozent der Personen, die mindestens einen schwulen oder lesbischen Bekannten hatten, die Ehe-Öffnung unterstützt. Dieser Wert stieg 2010 auf 61 Prozent an.
Dagegen waren 2006 nur 22 Prozent der Menschen, die keinen offen schwulen oder keine offen lesbische Person kannten, für die Ehe für alle. Dieser Wert ging 2010 sogar auf 18 Prozent zurück – allerdings gibt es jedes Jahr weniger Menschen, die keinen Homosexuellen kennen. Diese Zahl ist im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends auf unter 50 Prozent gerutscht.
Laut DellaPosta war die Ablehnung der Ehe für alle 2006 besonders stark unter "alten, politisch konservativen" Heterosexuellen verbreitet. In dieser Gruppe habe die Bekanntschaft mit einem Schwulen oder einer Lesbe aber den größten Eindruck hinterlassen – und damit auch die größte Veränderung in den Ansichten zur Ehe-Öffnung.
Die Werte zeigten laut DellaPosta, dass Coming-outs von Schwulen und Lesben direkt die Akzeptanz von Homosexualität beeinflussten. Er verwies darauf, dass im Jahr 1973 nur elf Prozent der Amerikaner sagten, dass Homosexualität in keinem Fall falsch sei – bis 2016 stieg der Wert auf 52 Prozent.
Plausch auf der Straße ist ausreichend
Der Kontakt müsse dabei nicht unbedingt besonders tiefgehend sein, um eine Veränderung herbeizuführen. "Wenn man sehr oberflächlichen Kontakt hat, zum Beispiel wenn man jemanden aus dieser Gruppe im Supermarkt oder der U-Bahn sieht, könnten Vorurteile zwar noch verstärkt werden – beispielsweise der Blick auf die Kleidung, die Art zu sprechen oder das Verhalten kann Vorurteile bestätigen", so DellaPosta. "Aber wenn man die nächste Ebene der Bekanntschaft erreicht – etwa den Namen einer Person kennt und auf der Straße einen kurzen Plausch hält – hat dieser Kontakt eher den Effekt, dass man seine eigenen Vorurteile hinterfragt."
Der beschriebene Effekt wird als Kontakttheorie bezeichnet. Diese besagt, dass der Kontakt zwischen unterschiedlichen Gruppen generell Feindseligkeiten, Vorurteile und Diskriminierung reduziert. Mit dieser Theorie werden auch andere Phänomene erklärt – beispielsweise, warum Ausländerfeindlichkeit in Regionen besonders hoch ist, in denen kaum Ausländer wohnen, etwa in Ostdeutschland. (dk)















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