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Schwuler "Ton Steine Scherben"-Sänger

Erhält Berlin einen Rio-Reiser-Platz?

Gegen Widerstand aus der CDU soll der 1996 verstorbene schwule Musiker der legendären Band "Ton Steine Scherben" in seinem Heimatbezirk geehrt werden.


Rio Reiser sorgte mit seiner Band "Ton Steine Scherben" und mit Hits wie "König von Deutschland" und "Junimond" für Begeisterung (Bild: Sony Music)

  • 18. Dezember 2018, 16:39h 20 3 Min.

Der Berliner Ortsteil Kreuzberg will an einen seiner bekanntesten Söhne erinnern: Nach dem Willen des Stadtteilparlaments soll ein prominenter Platz nach dem schwulen Künstler Rio Reiser (1950-1996) benannt werden. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hatte daher veranlasst, dass an 5.000 Haushalte in den Kiezen rund um die Oranienstraße und den Görlitzer Park Fragebögen verschickt wurden.

Rund ein Fünftel (950 Haushalte) schickten eine Antwort zurück. Letzte Woche gab die Bezirksverordnetenversammlung das Ergebnis bekannt: 33 Prozent wollten den Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz umtaufen, 25 Prozent einen Teil des Mariannenplatzes. Weitere 30 Prozent wünschten sich dagegen eine andere Ehrung, beispielsweise ein Denkmal oder eine Gedenkinstallation. Nur zwölf Prozent hätten am liebsten gar keine Ehrung für den Musiker. Nun muss die Politik entscheiden, wie sie mit dem Ergebnis umgehen wird.

Direktlink | "König von Deutschland" ist der wohl bekannteste Hit von Rio Reiser
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"[Rio Reiser] hat für den Bezirk nichts getan"

Widerstand gegen eine Ehrung des "Ton Steine Scherben"-Sängers gibt es aus der CDU: Bereits seit Wochen führt Kurt Wansner eine Kampagne gegen den Reiser-Platz. Für das 71-jährige Mitglied des Abgeordnetenhauses ist der Künstler wegen seiner Bedeutung im linken politischen Spektrum ein rotes Tuch: Man müsse aufpassen, "dass der Bezirk nicht zur Beute linksradikaler Kreise" werde, erklärte Wansner laut der "Berliner Morgenpost". "Ich sehe keinen Grund, nach Herrn Reiser irgendetwas in Kreuzberg umzubenennen. Er hat für den Bezirk nichts getan."

Allerdings dürfte der Einfluss der Konservativen in dieser Gegend begrenzt sein: Im Stadtteilparlament verfügt die CDU über lediglich vier von 55 Sitzen. Damit sind die Christdemokraten hinter Grünen, Linken und SPD nur viertgrößte Fraktion – mit genau so vielen Sitzen wie die Satiretruppe "Die Partei".

Eigentlich müssten Frauen den Vorzug erhalten

Bei der Umbenennung gibt es allerdings ein weiteres Problem: Bereits vor Jahren hatte die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, dass künftig bevorzugt Frauen in Straßennnamen berücksichtigt werden sollen, bis Parität erreicht ist. Noch immer gibt es allerdings einen Männerüberschuss im Straßenbild. Hinzu kommt: Der Mariannenplatz – einer der zwei Vorschläge – ist nach einer Frau benannt, der preußischen Prinzessin Maria Anna Amalie von Hessen-Homburg.

Dagegen würde für den Mariannenplatz sprechen, dass dieser im "Rauch-Haus-Song", einem "Scherben"-Kulthit der Hausbesetzerszene, erwähnt wird: "Der Mariannenplatz war blau, so viel Bullen waren da", so lautet die erste Zeile des Songs aus dem Jahr 1972.

Bereits seit 2013 gibt es am Tempelhofer Ufer eine Gedenktafel für Rio Reiser. Eine Straße ist aber nur am anderen Ende der Republik nach dem Künstler benannt: Das westfälische Unna schuf 2012 den Rio-Reiser-Weg beim Kulturzentrum Lindenbrauerei. Auch damals war die Umbenennung umstritten: Die CDU in Unna wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den linken Sänger als Namensgeber.


Dieses Schild steht nicht in Berlin, sondern im nordrhein-westfälischen Unna (Bild: O-B-A / wikipedia)

Reiser war zwischen 1970 und 1985 Sänger und Haupttexter der sozialkritischen Protestband "Ton Steine Scherben". Zu den bekanntesten Hits der zeitweise von der heutigen Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth gemanagten Musikgruppe waren "Macht kaputt, was euch kaputt macht" und "Keine Macht für Niemand". Später startete Reiser eine Solo-Karriere – und begeisterte auch ein Mainstream-Publikum mit Liedern wie "König von Deutschland" und "Junimond". Reiser starb 1996 im Alter von nur 46 Jahren an Kreislaufversagen infolge von langjährigem Alkoholkonsum. (dk)

-w-

#1 NiedergemeiertAnonym
#2 GronkelAnonym
  • 19.12.2018, 11:07h
  • Diese Umbennungen halte ich für vollkommen überflüssig. Es bedeutet für die Anwohner nur Ärger und Aufwand und alle Unternehmen haben dazu noch deutliche Kosten wenn alle Geschäftsunterlagen angepasst werden müssen.
    Was mich aber dann am meisten stört ist die inkonsequenz. Erst soll eine geschlechter Parität erreicht werden wodurch Umbenennungen stattfinden und die Bewohner oben genannte Nachteile haben und nun, wenn es der politischen Ecke genehm ist, wird der selbst beschlossene Grundsatz über Bord geworfen.
    Symbolpolitik auf kosten der Bürger ersetzt reale Politik. Die Verwaltung in Berlin funktioniert nicht mehr aber Straßen werden umbenannt.
    Da kommt man sich vor wie in Schilda.
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#3 Taemin
  • 19.12.2018, 11:20h
  • Interessante Argumentation der CDU: Rio Reiser hat für den Stadtbezirk ganz konkret nichts gemacht. Wenn es jetzt Grundlage einer Straßen- oder Platzbenennung sein soll, dass der/die Geehrte was ganz Konkretes für die Gemeinde oder das Stadtviertel getan hat, dürften wohl fast alle Konrad-Adenauer-Straßen umbenannt werden müssen. Oder: In der mir hier benachbarten Stadt gibt es eine Albert-Schweitzer-Straße und eine Karl-Marx-Straße - es ist nicht überliefert, dass die beiden je was ganz konkret für diese Stadt geleistet hätten oder auch nur mal dort gewesen wären.
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