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Menschenrechtler protestieren

Paraguay: Jungem Queer-Aktivisten droht Haftstrafe

Amnesty International setzt sich für den paraguayischen Künstler Bruno Almada Comas ein, dem nach einem öffentlichen Auftritt Gefängnis droht.


Bruno Almada Comas droht eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr (Bild: Somosgay)

Der paraguayische Künstler und LGBTI-Aktivist Bruno Almada Comas muss sich einer Anklage wegen "Exhitionismus" stellen. Am Mittwoch findet seine erste Anhörung in der Hauptstadt Asunción statt. Dem 27-Jährigen droht bis zu ein Jahr Haft.

Menschenrechtler laufen Sturm gegen diesen Vorwurf – und vermuten, dass Homophobie der einzige Anlass für die Anklage ist. Amnesty International hat deshalb eine Kampagne gegen die Verfolgung von Comas gestartet und bittet die Bevölkerung darum, Beschwerdebriefe an die paraguayischen Behörden zu schreiben (alle Infos auf Deutsch hier). Die Organisation sieht in der Strafverfolgung einen "Missbrauch der Justiz, um LGBTI zu schikanieren und zu diskriminieren und um das Recht auf freie Meinungsäußerung zu unterdrücken".

LGBTI-Gegner haben Comas angezeigt


Symbol der homophobe Organisation "Somos muchos muchos más"

Die Staatsanwaltschaft wirft Comas vor, sich bei einer Performance anlässlich des Tages gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai jugendgefährdend und exhibitionistisch verhalten zu haben. Comas hatte im von der LGBTI-Organisation Somosgay organisierten "Besatón Festival" ("Kussfestival") eine Performance dargeboten. Anlass für die Ermittlungen waren Beschwerden der homophoben Organisation "Somos muchos muchos más" (Wir sind viele viele mehr), die dem Aktivisten wegen des Auftritts gar "sexuellen Missbrauch von Minderjährigen" vorgeworfen hatte.

Bei der Performance sei es laut Somosgay allerdings nicht um Sex, sondern um den Kampf gegen Diskriminierung gegangen: Comas habe mit schwarzer Unterwäsche bekleidet getanzt und dabei ein Plastikherz mit einer roten Flüssigkeit, die Blut darstellen sollte, gehalten. Dabei seien Audioaufnahmen abgespielt worden, die Diskriminierung von queeren Menschen, sexuelle Gewalt gegen Kinder und Angriffe auf schulische Aufklärungsprogramme beklagten. Am Ende der Performance habe er aus seiner Unterhose einen mit Glitter gefüllten Glasbehälter herausgezogen und nahe seinen Genitalien gehalten und den Glitter auf seinem Körper verteilt. Dies sollte laut dem Künstler Hoffnung symbolisieren – und zeigen, dass sich LGBTI trotz Diskriminierung nicht unterkriegen ließen.

Der Glitter war der Anlass für die Anzeige: LGBTI-Gegner sahen es als sexuellen Akt an, dass sich Comas mit den bunten Plastikteilchen übergoss – die Staatsanwaltschaft folgte dieser Einschätzung.

Paraguay gehört zu den homophobsten Ländern in Südamerika. Anders als in den großen Nachbarländern Argentinien und Brasilien hält Paraguay am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben fest. Es gibt zudem keinerlei Anerkennung von Homo-Paaren und keinerlei Antidiskriminierungsgesetze. Zudem ist das Schutzalter für schwulen Sex noch immer höher als für Hetero-Beziehungen. Das Bildungsministerium hat erst im letzten Oktober eine Resolution erlassen, mit der Informationsmaterialien, die das Ministerium als "Gendertheorie und/oder -ideologie" bezeichnete, an Schulen verboten wurden – das betraf insbesondere Broschüren zur Geschlechtergerechtigkeit, Sexualität und Nichtidiskriminierung. Die Menschenrechtsorganisation Codehupy beklagte darüber hinaus Polizeigewalt gegen LGBTI. Einer der Gründe für die Diskriminierung ist der nach wie vor hohe Einfluss der katholischen Kirche in der paraguayischen Gesellschaft. (dk)



#1 Simon HAnonym
  • 19.12.2018, 16:22h
  • "Der Glitter war der Anlass für die Anzeige: LGBTI-Gegner sahen es als sexuellen Akt an, dass sich Comas mit den bunten Plastikteilchen übergoss die Staatsanwaltschaft folgte dieser Einschätzung."

    Das zeigt nur wieder mal, wie lächerlich und hanebüchen solche Vorwürfe immer sind. Was soll an Glitter oder daran, sich selbst damit zu überschütten, denn bitteschön "Erregung öffentlichen Ärgernisses" sein?

    Hier geht es nur um Homophobie und dann sucht man etwas an den Haaren herbeigezogenes, um das zu kaschieren.
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#2 terereAnonym
  • 19.12.2018, 18:54h
  • gerade Paraguay, wo es überhaupt keine Gerechtigkeit für nichts gibt, Richter werden von dem Angeklagten bestochen, Akten verschwinden, du musst 20mal aussagen und trotzdem passiert nichts. Schaut euch dort mal ein Staatsanwaltsbüro an, Akten und Mappen liegen auf den Boden, keiner findet irgendwas, die Kommunikation findet mit Anwälten, Staatsanwälten, Zeugen und Richter über whatsapp statt. Es ist einfach das korrupteste Land der Welt. Irgendeiner muss da nur hin, dem Staatsanwalt ein paar Guaranies, besser natürlich Usd in die Hand drücken und schon ist das Thema erledigt. Ich schreibe aus Erfahrung.....
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#3 GayofcultureAnonym
  • 19.12.2018, 20:23h
  • General Stoessner (deutscher Abstammung!) lässt grüßen. Nach dem Sturz von Fernando Lugo hat Paraguay seine letzte Hoffnung auf Reformen und echte Demokratie verloren. Da hat auch die Literatur des wunderbaren Intellektuellen und Kämpfers gegen Unterdrückung Augusto Roa Bastos (1917 bis 2005) nicht gewirkt. Paraguay bleibt ein armes, rückständiges Land, was man auch im Umgang mit seiner queeren Bevölkerung merkt.
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#4 YannickAnonym
  • 19.12.2018, 20:38h
  • Mit solchen Methoden will man unliebsame Personen einschüchtern und mundtot machen...
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#5 Gerlinde24Profil
  • 20.12.2018, 06:30hBerlin
  • Man kann von der Performance halten was man will (ich finde sie geschmacklos), aber es ist SEIN RECHT ALS KÜNSTLER, sich so auszudrücken!
    An alle homophobe Stinker der Welt (transphobe Stinker sind mitgemeint):
    Es kotzt mich an, wie Ihr mit Euren "christlichen" Wertvorstellungen Menschen drangsaliert, die eine andere Vorstellung von Kunst oder/und dem Leben haben, als ihr!
    Es kotzt mich an, wenn ich Eure "christliche" Heuchelei sehe, vor allem in Südamerika, wo einem vergewaltigtem Kind eine Abtreibung verboten wird ("Vater" war der eigene Vater), andererseits aber Homosexuelle und Transsexuelle ermordet werden, und Kinder aus dem Haus geworfen werden.
    Und ich kann nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte, wenn ich sehe, wie Ihr immer noch pädophile Priester schützt, und die Opfer beschuldigt!
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#6 ArchivAnonym
  • 20.12.2018, 09:09h
  • Antwort auf #5 von Gerlinde24
  • "Es kotzt mich an, wie Ihr mit Euren "christlichen" Wertvorstellungen Menschen drangsaliert, die eine andere Vorstellung von Kunst oder/und dem Leben haben, als ihr!"

    Bist du es nicht, die hier ständig mit ihren prüden fünfziger-Jahre-Vorstellungen von "geschmackvoller Erotik" um die Ecke kommt, bei der man bloß keine nackte Haut, keine Geschlechtsteile und schon gar nichts allzu offen Sexuelles sehen darf?
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#7 Gerlinde24Profil
#8 TheDadProfil
  • 21.12.2018, 10:07hHannover
  • Antwort auf #7 von Gerlinde24
  • ""Wenn man "nackte Tatsachen" hat, braucht man keine Fantasie, wenn etwas verhüllt oder angedeutet ist, sehr viel davon.""..

    Äh ?
    Weil Phantasie ja auch erst durch Kleidung entsteht ?

    Aaaahja..
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#9 Gerlinde24Profil
  • 21.12.2018, 10:24hBerlin
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Eine nackte dicke Frau wie ich würde unästhetisch aussehen. Hier und da etwas verhüllt, macht mich erotischer. Manchmal ist mehr Stoff besser als weniger. Oder würdest Du Trump nackt sehen wollen?
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#10 ArchivAnonym
  • 21.12.2018, 15:57h
  • Antwort auf #7 von Gerlinde24
  • Das sind genau die albernen Phrasen, mit denen man schon in den Fünfzigern versucht hat, Prüderie als universelle Wahrheit hinzustellen und einen liberaleren Umgang mit Erotik und Sexualität als "primitiv" und moralisch minderwertig abzuwerten.

    Das Problem ist wieder einmal, dass du gar nicht auf die Idee kommst, deine eigene Haltung als eine eindeutig moralische zu hinterfragen und so tust, als wäre deine Prüderie etwas Naturgegebenes.

    Du konntest dich ja nicht einmal beherrschen, die Welt unbedingt wissen zu lassen, dass du auch die Aktion, um die es im Artikel geht, "geschmacklos" findest. Man kann aber nicht anderen vorwerfen, dass sie die Welt mit ihren "Werten" zwangsbeglücken wollen und das gleichzeitig selbst tun. Jedenfalls nicht, wenn man dabei einigermaßen glaubwürdig bleiben will.
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