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Ermittlungen eingestellt

Mordaufrufe gegen Homosexuelle bleiben ungeahndet

Die Staatsanwaltschaft Zürich konnte nicht herausfinden, wer hinter der Neonazi-Band "Mordkommando" steckt, die in ihren Songs Lesben, Schwule und Juden mit dem Tod bedrohte. US-Behörden verweigerten die Kooperation.


Teilnehmer eines sogenannten Rechtsrock-Konzerts (Bild: Jüdisches Forum / twitter)

Die Mordaufrufe gegen Lesben, Schwule und Juden der mutmaßlich Schweizer Neonazi-Band "Mordkommando" bleiben ungeahndet. Nach zwei Jahren hat die Staatsanwaltschaft Zürich die Ermittlungen wegen Verdachts auf Rassendiskriminierung und öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen und zur Gewalttätigkeit eingestellt, berichtete das Onlineportal "watson". Die Sänger konnten nicht ermittelt werden.

Die Band hatte 2014 das bislang einzige Album "Schwarze Liste" veröffentlicht, das bis 2016 auf Youtube frei zugänglich war und bis heute im Netz zu finden ist. In den acht Songs wurden prominente homosexuelle und jüdische Schweizer mit Gewalt und Tod bedroht, darunter die Züricher Stadtpräsidentin Corine Mauch. In drei Strophen besingt der unbekannte Musiker in einem Lied, wie er die offen lesbische Politikerin angreifen, foltern und umbringen will. "Tief in Deinem Inneren wuchert dieser kranke Trieb", heißt es im Stück. Es wäre das "Volksverderben", wenn alle Frauen so einem "ekelhaften Drang" nachkämen und "keine Nachkommen" in die Welt setzen würden.

Brennende Synagogen, Rabbis am Galgen


Cover des Hass-Albums "Schwarze Liste"

Ein weiteres Stück ist dem schwulen Moderator Kurt Aeschbacher gewidmet, der sein "Schicksal selbst gewählt" habe und nun den "Weg der Schmerzen" gehen müsse. Ziel des Hasses sind auch der Musiker Michael von der Heide und der Hellseher Mike Shiva, beide ebenfalls offen homosexuell.

Gleich im ersten Song des Albums, "Bomben auf Wiedikon – Kosher-City", wird zum Mord an "20.000 Parasiten" in dem Züricher Stadtteil aufgerufen, in dem viele orthodoxe Juden leben. Der Sänger fantasiert vom Niederbrennen von Synagogen und von Rabbis, die mit ihren Frauen und Kindern am Galgen hängen. Ein weiteres antisemitisches Hass-Lied attackiert den Präsidenten der Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes Herbert Winter.

US-Behörden: Mordaufrufe fallen unter Redefreiheit

Viele der Betroffenen reichten Strafanzeige ein, nachdem die Wochenzeitung "Schweiz am Sonntag" 2016 erstmals über "Mordkommando" berichtete. Die Ermittlungen liefen jedoch ins Leere. "Ein Nachweis der Täterschaft scheiterte", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Zürich, Christian Philipp, gegenüber "watson". Es sei nicht gelungen, die nötigen IP-Adressen der Computer zu ermitteln, von denen die Songs ins Netz hochgeladen wurden. Die US-Behörden hätten ein entsprechendes Gesuch aus der Schweiz abgelehnt, so Philipp. "Sie teilten ihre Rechtsauffassung mit, wonach die Publikation der Liedtexte nach amerikanischem Recht unter die Redefreiheit fielen."

Ob die Staatsanwaltschaft damit alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die Bandmitglieder zu ermitteln, wird von Schweizer Medien bezweifelt. Konkret kritisiert wurde unter anderem, dass der Frontmann der Neonazi-Band "Amok" Kevin G. nicht vorgeladen wurde – die Lieder beider Bands ähneln sich in Sound, Stimme und Text. Der mehrfach vorbestrafte Schweizer wurde zudem erst im März zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er 2015 in Zürich-Wiedikon einen orthodoxen Juden bespuckt, beschimpft und ihm den Hitlergruss gezeigt hatte. (cw)



#1 Danny387Profil
#2 Gerlinde24Profil
  • 23.12.2018, 14:38hBerlin
  • Wie krank müssen solche Hirne sein, die sich solche Texte ausdenken, und wie krank die Menschen, die sich diesen Mist kaufen?
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#3 YannickAnonym
  • 23.12.2018, 15:07h
  • "US-Behörden verweigerten die Kooperation."

    Dann sollte Europa in Zukunft auch die Kooperation verweigern...
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#4 Mitte-WatchAnonym
  • 23.12.2018, 15:21h
  • "Es wäre das "Volksverderben", wenn alle Frauen so einem "ekelhaften Drang" nachkämen und "keine Nachkommen" in die Welt setzen würden."

    Vergleiche:

    Hinsichtlich der Ehe für alle müsse man im Blick behalten, "dass das Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts dadurch nicht schleichend erodiert." (Kramp-Karrenbauer)

    Stilistisch mögen einige Etappen dazwischenliegen, inhaltlich ist es exakt der selbe paranoide Grundgedanke. Die Mitte mag Hetze gegen Minderheiten halt nur, wenn sie feinsinnig genug formuliert wird.
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#5 Carsten ACAnonym
  • 23.12.2018, 15:38h
  • Soso, in den USA fallen also selbst Mordaufrufe unter "Freier Rede". (Was eine Pervertierung der Idee von Freiheitsrechten ist, da diese nur solange gelten, wie die Freiheit anderer nicht eingeschränkt wird.)

    Aber wehe, man zeigt ein Stück nackter Haut. Das muss gar nicht mal pornographisch sein, wird aber dennoch sofort zensiert.

    Für etwas natürliches wie den menschlichen Körper gilt Redefreiheit nicht, für das Schüren von Hass und Mordaufrufe wohl. Das zeigt wieder mal, wie scheinheilig, verlogen, bigott und voller Doppelmoral die USA sind.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 23.12.2018, 15:41h
  • PS:
    Ich verstehe aber auch nicht das vorschnelle Einstellen der Ermittlungen. Man hätte noch viel mehr Möglichkeiten gehabt, doch noch an die Identitäten heranzukommen. Dann muss man eben nicht nur Amtshilfeersuchen stellen, sondern auch mal klassische Ermittlungsarbeit leisten.

    Und selbst wenn das nicht zum Erfolg führen würde, wäre das kein Grund zum Einstellen der Ermittlungen. Dann sollte das eben ein offener Fall bleiben - vielleicht ergibt sich ja irgendwann später mal was...
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#7 TomDarkProfil
  • 23.12.2018, 15:58hHamburg
  • "Konkret kritisiert wurde unter anderem, dass der Frontmann der Neonazi-Band "Amok" Kevin G. nicht vorgeladen wurde die Lieder beider Bands ähneln sich in Sound, Stimme und Text."

    WIE jetzt?!?

    Die Musik und Stimmen der Songs ähneln sich, und dieser Typ sitzt sogar schon wegen einer antisemitischen Straftat in Haft, und trotzdem konnten die Sänger nicht ermittelt werden ?!?

    Es ist doch ganz offensichtlich, dass DIESER Sänger da mit drin steckt !!

    ""Ein Nachweis der Täterschaft scheiterte""

    Ich glaube, hier ist noch viel mehr gescheitert ..!
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#8 easykeyProfil
  • 23.12.2018, 15:59hLudwigsburg
  • Da haben sich die gewissenhaften Schweizer sicher viel Mühe gegeben.....
    Einen Gruß in die Schweiz: Die letzte Epoche mit den Nazis hat euch einen Haufen Geld eingebracht...ob das bei den potentiellen Nachfolgern auch so sein wird? Die Chancen stehen 50:50.
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#9 ZustimmungAnonym
#10 Homonklin44Profil
  • 23.12.2018, 16:19hTauroa Point
  • Das liest sich in der Tat schier unglaublich an, als hätte man die Ermittlungen eher schluderig gehandhabt, und auch tontechnische Möglichkeiten nicht voll ausgereizt.

    Worüber etwas hochgeladen wurde, müsste auch ohne US-Kooperation zu tracen sein. Fragen die US-Amerikaner denn die Schweiz, bevor sie etwas ausspionieren?

    Jedenfalls geht das so gar nicht. Diplomatisch sollten da Beschwerden erfolgen. Ich möchte nicht wissen, wie die US-Begörden toben würden, würde in der Schweiz einer zum Mord an TheDonald aufrufen.
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