Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32623

Thüringen

Forscherin: Verwaltungen fehlt Gespür für Anliegen von LGBTI

Die Jenaer Sozialpsychologin Janine Dieckmann beklagt ein veraltetes Verständnis von Gleichstellung – und fordert eine klare Anleitung für Mitarbeiter von Behörden.


Aktenordner in einer Behörde (Bild: Christian Schnettelker / flickr)

Nach Einschätzung der Jenaer Sozialpsychologin Janine Dieckmann fehlt Behörden in Thüringen oft noch das Gespür für Anliegen von Menschen verschiedener sexueller Orientierung und Geschlechtsidentitäten. Es gebe in vielen Verwaltungen keine Anleitung, wie Mitarbeiter mit Schwulen, Lesben oder Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren, umgehen sollen. Zudem sei das Verständnis von Gleichstellung oft veraltet. "Der Arbeitsauftrag der Gleichstellungsbeauftragten ist bisher sehr auf die traditionelle Gleichstellung von Mann und Frau ausgelegt", sagte die stellvertretende Direktorin des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena.

Zusammen mit Andrea Nachtigall (Ernst-Abbe-Hochschule Jena) und Axel Salheiser (Friedrich-Schiller-Universität Jena) hat sie Handlungsempfehlungen für die Belange von LSBTIQ* in Thüringen erstellt. Grundlage dafür ist eine Thüringen-weite Verwaltungsumfrage, die wegen der geringen Rücklaufquote allerdings nicht repräsentativ ist. Außerdem bezogen die Autoren mehrere andere Studien wie den Thüringen Monitor mit ein.

QueerWeg bestätigt Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse der Analyse deckten sich mit den Erfahrungen des Vereins QueerWeg, sagte Matthias Gothe, Leiter des Vereinsbüros in Weimar. "Wir merken, dass bei dem Thema LSBTTIQ* noch große Handlungsunsicherheiten bestehen – vor allem im ländlichen Raum", sagte Gothe. Als Beispiel nennt er die Schutzkonzepte für Flüchtlingsunterkünfte, in denen mögliche Probleme für Transgender-Menschen häufig nicht berücksichtigt seien. Auch in Schulen fehle es teils an Sensibilität.

Die Autoren der IDZ-Studie fordern unter anderem, das Thüringer Gleichstellungsgesetz nicht mehr nur auf die Gleichstellung von Mann und Frau zu beschränken, sondern dass es auf alle Geschlechtsidentitäten ausgeweitet wird. Auch die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten des Landes, Katrin Christ-Eisenwinder, beziehen sich bisher nicht auf die Belange von Schwulen, Lesben oder trans Menschen. "Aber ich schicke niemanden weg", sagte sie selbst. Sie arbeite eng mit der Antidiskriminierungsstelle des Landes zusammen. Dort liege die Zuständigkeit für die Anliegen von LSBTIQ*.

Die Autoren der Jenaer Studie fordern außerdem Leitlinien in den Institutionen, damit mehr Akzeptanz und eine höhere Sensibilität entsteht. "Politisch und strukturell war der Schutz für LSBTIQ* vielleicht noch nie so gut wie heute", sagte Dieckmann. Allerdings fehlen ihrer Ansicht nach Unterstützungsangebote. "Und in den Verwaltungen fehlt das Wissen über jene Weiterbildungs- und Unterstützungsangebote, die es in Thüringen bereits gibt", sagte Dieckmann.

Nach Angaben des Thüringer Familienministeriums sei in dieser Legislaturperiode keine Änderung des Gleichstellungsgesetzes mehr geplant, das im Jahr 2013 verabschiedet worden war. (cw/dpa)



#2 Ralph
  • 24.12.2018, 18:37h
  • Die Situation ist leider nach wie vor verheerend. Meine diesbezügliche Erfahrung habe ich in Rheinland-Pfalz gesammelt. Gleichstellung wird hier gesetzlich allein als als von Frauen gegenüber Männern verstanden. Die entsprechenden Beauftragten dürfen nur von den weiblichen Verwaltungsbediensteten gewählt werden und vertreten kraft Amtes die Interessen des weiblichen Teils der Belegschaft (der in der Regel die weit überwiegende Mehrheit der Beschäftigten ausmacht). Minderheiten werden grundsätzlich negiert, und das bezieht sich nicht nur auf den männlichen Teil der Beschäftigten, sondern auf alle Gruppen, die ein anderes diskriminierbares Merkmal aufweisen als das weibliche Geschlecht. Insbesondere in Bezug auf Schwule und Lesben wird von Behördenleitungen und sogenannten Gleichstellungsbeauftragten weiterhin die These vertreten, dass homofeindliche Äußerungen und Handlungen aus dem Kollegenkreis durch die Meinungsfreiheit gedeckt seien. Vor ein paar Jahren, als ich noch aktiv im hiesigen queeren Landesverband war, konnte ich dort keine Unterstützung meiner Forderung erlangen, gegenüber dem Land auf einer Ausweitung des Gleichstellungsgedankens auf alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bzw. auf alle Bürger und Bürgerinnen zu bestehen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht mehr als Ausdruck der Meinungsfreiheit unter Schutz zu stellen. Insoweit versagen leider alle Interessenverbände, nicht nur die die queeren. Gleichstellungspolitik ist Frauenpolitik. Darüber hinaus kommt Antidiskriminierungsarbeit in der Verwaltung nicht vor.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 NausEAnonym
  • 24.12.2018, 20:12h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Wen mich jemand nicht mag - sei es weil ich zu dick bin (was leider auch stimmt) oder weil ich eine Brille trage (vorsicht Brillenschlange), oder weil ich auf Sex mit Männern stehe, so ist das sein gutes Recht. Das zu sagen auch!

    Was meinst du, wie oft ich in einer Sauna wegen den beiden Kriterien (Bauch und Brille) abgewiesen worden bin? Wir müssen erst einmal selber unsere Mitmenschen nehmen, wie sie sind, bevor wir uns über Ablehnung beschweren!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 25.12.2018, 02:28h
  • Antwort auf #3 von NausE
  • Das ist genau die Sichtweise, die Diskriminierer lieben. - Wenn jemand Juden "nicht mag", dann ist das Antisemitismus. Wenn jemand Schwarze "nicht mag", dann ist das Rassismus. usw. Es gibt keinen sachlichen Grund, z.B. Rassismus für verwerflich zu halten, Heterosexismus aber für ein Grundrecht. Du darfst mich gerne für einen Gerechtigkeitsfanatiker halten, aber meiner Meinung nach ist es Aufgabe des Staates, für die Gleichbehandlung aller zu sorgen und nicht für die Ungleichbehandlung.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 NausEAnonym
  • 25.12.2018, 06:23h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Ich habe nichts gegen Gerechtigkeitsfanatiker, denn ich stehe selber im Ruf ein solcher zu sein, da ich mich hier stets vor Ort für ALG-II - Bezieher und Migranten einsetze.

    Darauf, dass ich diskriminiert worden bin, weil ich übergewichtig und Brillenträger bin, bist du interessanterweise nicht eingegangen. Hast du hier den Bericht gelesen, dass Personen über 38 im Berliner Gay-Hostel aus Altersgründen abgewiesen wurden?
    Meine Kernaussage war (und ist): WIR DISKRIMINIEREN SELBER!
    ...und wer das macht, verliert das Recht, sich über Diskriminierung gegen sich selber zu beschweren!

    Oder willst Du mit zweierlei Maß messen?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Ralph
  • 25.12.2018, 10:44h
  • Antwort auf #5 von NausE
  • Sei versichert: Ich diskriminiere nicht, auch keine Dicken und keine Brillenträger (letzteres bin ich selbst). Klar, dass jeder selbst entscheidet, wen er attraktiv findet. Daraus darf aber nicht abgeleitet werden, wer wo Zutritt erhält oder nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 PanBoy84Profil
  • 25.12.2018, 10:51hMülheim an der Ruhr
  • Antwort auf #5 von NausE
  • Wenn ich mich einklinken darf:

    " WIR DISKRIMINIEREN SELBER!
    ...und wer das macht, verliert das Recht, sich über Diskriminierung gegen sich selber zu beschweren!"

    Da ich selber das Hostel weder betreibe noch nutze, gehöre ich nicht zu den (zumindest beispielhaft genannten) Diskriminierern.

    Zweierlei Maß nehmen - kann man so sehen, wenn man streng ist. Denn von einer Art von Diskriminierung kann sich kaum einer freisprechen: Die (sei es sexuelle oder emotionale/romantische) Attraktivität von bestimmten Bevölkerungsgruppen, salopp das "Beuteschema".

    Ich halte es aber für einen großen Unterschied, ob man jetzt aufgrund seiner sexuellen oder romantischen Hingezogenheit gewisse Präferenzen setzt - oder ob man sich im ganz normalen Alltag (gegen-)über bestimmte(n) Bevölkerungsgruppen abfällig äußert oder benimmt.

    Das "Beuteschema" ist eine Präferenz ähnlich wie die sexuelle Orientierung. "Richtige" Siskriminierung ist im Gegensatz dazu bewusst gewählt oder durch den Umgang in einer bestimmten Gesellschaft unbewusst erlernt.

    In beiden Fällen hat man aber die Möglichkeit, dieses Denken zu überdenken, um alle Menschen fair zu behandeln.

    Und sei es nur, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und den Anblick von z.B. küssenden Männern oder dunkelhäutigen Menschen in seinem Dorf bisher nicht kannte. Wichtig ist, dass man sich bewusst ist, dass der Mensch für eine einfachere Bewältigung des Alltags in Schubladen denkt und dass man diese Schubladen immer wieder öffnet und hinterfragt.

    Schwierig wird es für mich, die persönliche Grenze zu ziehen, was okay ist, wenn diese Präferenzen zum Geschäftsmodell gehören. Angaben in Dating-Apps waren hier auch schonmal Thema. Das empfinde ich als eher unkompliziert, weil dies ja das konkrete Suchprofil betrifft. Aber schöner ist es zumindest, wenn man das nach Möglichkeit positiv formuliert. Klar, wenn man z.B. nicht auf Asiaten steht, der Typ einem sonst aber egal ist, wirds schwierig.

    Bei Gay Hostels eine Altersgrenze zu setzen ist ämöchten diskriminierend, wie keine Frauen reinzulassen. Solange das Hostel keine reine Übernachtungsmöglichkeit ist, sondern auf sexuelle oder romantische Aktivitäten ausgelegt ist, halte ich diese Einschränkungen für nachvollziehbar. Und auch für sinnvoll, um z.B. Familien zu schützen, die sich bei einer Unterkunft mit vielleicht nicht ganz offensichtichem Namen oder mangels Sprachkenntnissen einmieten möchten.

    Zum Thema:
    Ich würde mir eine Zusammenlegung und im ersten Schritt enge Zusammenarbeit von Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsbeauftragten wünschen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PanBoy84Profil
  • 25.12.2018, 11:48hMülheim an der Ruhr
  • Antwort auf #7 von PanBoy84
  • Zur Klarstellung:

    "In beiden Fällen" bezieht sich auf beide Fälle der Diskriminierung. Die sexuelle oder romantische Präferenz ist natürlich keine klassische Denkweise, die man überdenken kann.

    Keine "klassische" Denkweise, da diese Präferenzen auch - bewusst oder unbewusst - durch die Gesellschaft beeinflusst werden können, so dass jemand nur die gesellschaftlich akzeptierte(ste) Form (meist heteronormativ) auslebt und die eigentliche Präferenz unterdrückt.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Patroklos
#10 Ketzer
  • 25.12.2018, 14:14h
  • Antwort auf #7 von PanBoy84
  • "Bei Gay Hostels eine Altersgrenze zu setzen ist ämöchten diskriminierend, wie keine Frauen reinzulassen. Solange das Hostel keine reine Übernachtungsmöglichkeit ist, sondern auf sexuelle oder romantische Aktivitäten ausgelegt ist, halte ich diese Einschränkungen für nachvollziehbar. Und auch für sinnvoll, um z.B. Familien zu schützen, die sich bei einer Unterkunft mit vielleicht nicht ganz offensichtichem Namen oder mangels Sprachkenntnissen einmieten möchten."

    Was Du mit "ämöchten" meinst, erschließt sich mir leider nicht. Dadurch kann ich den ganzen ersten Satz leider nicht vollständig verstehen.

    Im Falle des Hostels plädierst Du also ganz offen dafür, dass "sexuelle oder romantische Aktivitäten" ausschließlich zwischen Unter-38-Jährigen stattzufinden haben. Wenn das keine Diskriminierung ist, dann weiß ich auch nicht. Das als "nachvollziehbare und auch sinnvolle Einschränkung" einzustufen, finde ich reichlich dreist.

    Soso: man muss also Familien vor uns schützen. Wer schützt denn Familien in "normalen" Hotels? Wird dort Heteros verboten, sich einander (mit sexuellen oder romantischen Absichten) zu nähern? Um eventuell Familien (und insbesondere deren Kinder) nicht einzuschüchtern oder zu irritieren?

    (...so ganz am Rande: das Konzept der Familie als sex- und romantikfreier Raum, "um Kinder zu schützen", widerspricht noch dazu fundamental dem, was "Familie" heutzutage eigentlich bedeutet: nämlich u.a. ein Raum, in dem erlaubt und erwünscht ist, staatlich sanktionierte sexuelle und romantische Aktivitäten auszuüben. Die Kinder werden halt doch nicht vom Storch gebracht!)
  • Antworten » | Direktlink »