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Jahresrückblick, Teil 1
Höhepunkte des Jahres 2018
Was waren die Höhepunkte des Jahres aus LGBTI-Sicht? Im ersten Teil unseren Jahresrückblicks stellen wir die zehn besten Geschichten und Entwicklungen des zu Ende gehenden Jahres vor.
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27. Dezember 2018, 14:43h 6 Min.
EU schützt schwule und Lesben
Wie wichtig europäische Institutionen und starke Menschenrechtsgrundsätze im Kampf gegen staatliche Homo- und Transphobie sind, zeigte sich im Juni 2018: Der Oberste Gerichtshof der Europäischen Union stellte fest, dass Partner von Schwulen und Lesben ein Anrecht auf EU-Freizügigkeit haben.
Das Urteil ist vor allem wichtig für EU-Länder, in denen Homophobie noch weit verbreitet sind – besonders im Osten der Union. Damit zeigt die Gemeinschaft aus (ab nächstes Jahr) 27 Nationen, dass LGBTI-Grundrechte nicht mehr schmückendes Beiwerk, sondern zentral für die EU sind – und homophobe Länder auch zu ihrem Glück gezwungen werden können. Kurz nach dem Urteil des EU-Gerichts scheiterte in Rumänien, dem Land der Kläger, ein homofeindliches Referendum (queer.de berichtete).
Coming-outs des Jahres
Mehrere Promis haben sich auch dieses Jahr wieder als schwul, bisexuell, lesbisch oder trans geoutet – und damit zur Sichtbarkeit und Akzeptanz von LGBTI-Lebensweisen beigetragen. Aus deutscher Sicht besonders interessant ist das Coming-out von Juso-Chef Kevin Kühnert, der kurz zuvor mit seiner Kampagne gegen die Große Koalition das politische Berlin elektrisierte. Dem erst 29-Jährigen wird eine große politische Karriere vorausgesagt.
Auch viele andere Coming-outs machen Mut, besonders im Profisport, der noch immer als Hochburg der Homophobie gilt: So outeten sich der Profi-Golfer Tadd Fujikawa oder der Fußballer Collin Martin. Für Schlagzeilen sorgte auch das Coming-out von Felix Jaehn als bisexuell – der 24-Jährige gilt als einer der bedeutendsten DJs der Welt. Auch das Coming-out von Christoff in der oft konservativen Schlagerbranche dürfte zur Akzeptanz von Schwulen beitragen.
Coming-outs von HIV-Positiven nehmen zu
In deutschen Parlamenten tummelt es inzwischen an schwulen oder lesbischen Abgeordneten. Bislang musste man aber lange suchen, bis man einen offen HIV-positiven Parlamentarier fand – obwohl in Deutschland rund 90.000 HIV-positive Menschen leben. Wie beim Thema Homosexualität sind Coming-outs von Positiven wichtig, um durch Sichtbarkeit Vorurteile abzubauen.
Im April outete sich Eurovision-Siegerin Conchita Wurst, außerdem wurde im Oktober mit dem Grünenpolitiker Felix Martin erstmals ein offen HIV-Positiver in den hessischen Landtag gewählt. Der einzig andere offen HIV-positive Abgeordnete auf Landesebene ist der Linkspolitiker Carsten Schatz, der seit 2013 im Berliner Abgeordnetenhaus mitentscheidet.
Im Bundestag hat noch kein einziger Parlamentarier diesen Schritt gewagt. Anders in England: Dort outete sich der Labour-Abgeordnete Lloyd Russell-Moyle Ende November anlässlich des Welt-Aids-Tages. Der 32-Jährige war bereits das zweite Mitglied des Unterhauses, das offen zu seiner HIV-Infektion stand.
Indien schafft Verbot der Homosexualität ab
Das Hü und Hott im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde scheint beendet: Zum wohl letzten Mal schaffte der Subkontinent das noch aus der britischen Kolonialzeit stammende Verbot von Homosexualität ab. Nach 158 Jahren entschied der oberste Gerichtshof, dass das Verbot "offenkundig verfassungswidrig" sei.
Bereits 2009 hatte ein Gericht das archaische Gesetz abgeschafft. Vier Jahre später führten die Höchstrichter des Obersten Gerichtshofs nach Beschwerden religiöser Gruppen den umstrittenen Paragrafen wieder ein.

Im 1,2 Milliarden Einwohner zählenden Indien ist Homosexualität künftig legal
PrEP setzt sich in Deutschland durch
Die Aids-Hilfen werben seit Jahren erfolgreich für Safer Sex in Deutschland: Neben Kondomen und dem Schutz durch Therapie soll dabei als dritte Safer-Sex-Säule die sogenannte Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) an Wichtigkeit gewinnen. Dabei handelt es sich um eine Pille für HIV-Negative, die die Übertragung von HIV zu praktisch 100 Prozent verhindert.
Im Juli kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, dass dieses Angebot zur Kassenleistung werden soll – für alle Menschen, die ein besonders hohes Risiko für eine Ansteckung haben, darunter sexuell aktive Schwule. Zwar gab es die üblichen homophoben Reaktionen auf die Ankündigung – doch die PrEP ist jetzt nicht mehr aufzuhalten. Ende November kündigte bereits die erste Krankenkasse an, die Kosten zu übernehmen.
"Queer as Folk" kehrt zurück
Die Kultserie "Queer As Folk" kehrt 20 Jahre nach ihrer ersten Ausstrahlung zurück: Als die Serie 1999 in Großbritannien anlief, galt sie als Novum – als erste Mainstream-Fernsehreihe, die das schwule Leben offen, positiv und ein bisschen märchenhaft darstellte. Das Original wurde bereits nach zehn Teilen eingestellt, zwischen 2000 und 2005 produzierte aber ein US-Sender das erste Remake, das dann weltweit auf diversen Fernsehkanälen lief – in Deutschland auf ProSieben. Jetzt kündigte der US-Sender Bravo die Produktion eines neuen Remakes an, das ebenfalls auf dem britischen Original basiert.

Das QAF-Originaltrio wird in Kürze ein Update erhalten
Bereits 2017 gab es so viele queere Rollen in internationelen Produktionen wie lange nicht, Streamingdienste wie Netflix oder Amazon sorgten auch in diesem Bereich für eine Zunahme von Qualitäts-Inhalten. Hervorzuheben sind Ryan Murphys Serie "Pose" mit über 50 Trans-Rollen oder die Mini-Serien "A Very English Scandal" und "American Crime Story" (zweite Staffel zum Mord an Gianni Versace).
Bundestag zeigt Rückgrat gegen homophobe AfD
Seit einem Jahr vergiftet die AfD auch im Bundestag die politische Debatte in Deutschland: Homo- und Transsexuelle werden dabei regelmäßig in sozialen Netzwerken und Parlamentsreden als nicht gleichwertig diffamiert, gleichzeitig wird ihnen wird pauschal Kindesmissbrauch vorgeworfen. Neben Ausländern sind LGBTI die beliebtesten Feindbilder der Rechtspopulisten.
Doch die homophoben Provokationen stoßen an ihre Grenzen: So wollte die Partei mit Nicole Höchst eine ihrer schrillsten Homo-Hasserinnen ins Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld schicken – der Bundestag verweigerte aber mehrfach die Zustimmung. Eine homophobe Kandidatin fiel auch bislang bei der Wahl der Bundestagsvizepräsidentin durch. Zwar kann die rechte Partei wegen der Nichtwahl wieder ihrem angeblichen Opferstatus frönen – aber immerhin zeigen die anderen Abgeordneten den AfD-Populisten ihre Grenzen auf. In Bundestags- und Landtagsdebatten machte auch die Union der Partei deutlich, dass es auch mit ihr nicht die erwünschte Rolle rückwärts bei der Ehe für alle geben werde.
Drittes Geschlecht in Deutschland eingeführt
Zwar ist das Gesetz zum dritten Geschlecht, das der Bundestag im Dezember 2018 beschlossen hat, bei weitem nicht das, was sich Aktivisten erträumt haben. Aber immerhin: Die Anerkennung des Geschlechts "divers" macht Deutschland zu einem der wenigen Länder der Welt, die einen Platz für einen nicht-binären Geschlechtseintrag bieten. Jetzt bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die Regierung die Erfahrungen aus den Gesprächen mit Experten und Betroffenen nutzt, um das Transsexuellengesetz zu ersetzen und zeitgemäße und selbstbestimmte Regelungen für alle Personen zu ermöglichen.
Filmemacher werden für queere Sichtbarkeit belohnt
Inzwischen kommen Filmpreise im weltweit führenden Bewegtbilderland USA kaum noch ohne queere Themen aus: Bei den Oscars konnten etwa die schwule Romanze "Call Me By Your Name" und die Transgeschichte "Eine fantastische Frau" je eine der Trophäen einheimsen. Im Vorjahr gewann mit "Moonlight" sogar ein Film mit schwuler Thematik den Preis als bester Spielfilm.
Auch im nächsten Jahr könnte der Preissegen für LGBTI-Themen weitergehen: "Bohemian Rhapsody" wurde etwa bereits für die Golden Globes nominiert. Auch dem Homo-"Heiler"-Drama "Boy Erased – Der verlorene Sohn" werden gute Chancen bei den Oscars eingeräumt.
Bei aller Freude über den Erfolg dieser Themen bleibt aber noch viel zu tun, insbesondere bei den traditionellen Blockbustern: Die LGBTI-Organisation GLAAD bemängelte etwa im Frühjahr einen "alarmierenden Rückgang" von schwulen, lesbischen, bisexuellen, transsexuellen oder queeren Figuren in den Kassenschlagern Hollywoods im letzten Jahr.

"Der verlorene Sohn" kommt am 21. Februar in die deutschen Kinos
Süß: Pornostar macht Heiratsantrag nach Dreh
Selten sorgen Pornostars mit Romantik für Schlagzeilen: Als aber Brian Bonds, der Star aus einschlägigen Filmchen wie "Butt Stuffers" oder "Breeding Las Vegas", nach einem Rudelfick um die Hand seines Liebsten anhielt, floss auch unter Pornoverächtern das eine oder andere Tränchen der Rührung.
Mehr zum Thema:
» Nachfolgeartikel: Tiefpunkte des Jahres 2018 (28.12.18)















Es geht um eine Dritte Geschlecht Option.
"Zwar ist das Gesetz zum dritten Geschlecht, das der Bundestag im Dezember 2018 beschlossen hat, bei weitem nicht das, was sich Aktivisten erträumt haben."
Träume?! Aktivisten?! - Es geht um eine offensichtlich weiterhin unerhebliche Anzahl an vorrangig deutschen Staatsbürgern.
131 Menschen haben den Mut gefasst und Änträge mit unterschiedlichsten "Bezeichnungen" bei Ihren Standesämtern eingereicht. (Stand 01.11.2018)
aktionstandesamt2018.de/
"Aber immerhin: Die Anerkennung des Geschlechts "divers" macht Deutschland zu einem der wenigen Länder der Welt, die einen Platz für einen nicht-binären Geschlechtseintrag bieten."
Das Gesetz wurde hinsichtlich der Personengruppe medizinisch eingegrenzt und anderen nicht-binären Menschen wird damit bewusst, dieses Recht versucht zu verweigern.
"Jetzt bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die Regierung die Erfahrungen aus den Gesprächen mit Experten und Betroffenen nutzt, um das Transsexuellengesetz zu ersetzen und zeitgemäße und selbstbestimmte Regelungen für alle Personen zu ermöglichen."
Es geht nicht um Hoffnung und Weihnachtswünsche, sondern um die Beendigung der schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen in Deutschland.
Einem Ende der erniedrigenden TSG Begutachtung, die Sicherstellung der medizinischen Versorgung und den Schutz von Babies und Kinder vor Intersex Genitalverstümmelungen und Kastrationen, durch entsprechende umfangreiche Gesetze. Sowie dem Recht auf Selbstbestimmung.