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Katholische Kirche

"Ein katholischer Reflex ist leicht und schnell homophob"

Mit akzeptierenden Äußerungen zur Homosexualität hat Priester Ansgar Wucherpfennig für Wirbel gesorgt. Letztlich durfte er Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen bleiben – und zeigt sich weiter mutig.


Ansgar Wucherpfennig ist seit 2014 Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main (Bild: Hochschule St. Georgen)

Ein Interview hätte ihn 2018 fast den Job gekostet. Trotzdem spricht der Frankfurter Pater Ansgar Wucherpfennig weiter mit Journalisten – und ist kein bisschen leiser geworden. Der Rüffel aus Rom hat ihn in seiner Haltung eher bestärkt. Sexualmoral, Frauen in der Kirche, Ökumene, kirchliche Machtstrukturen – in all diesen Fragen muss die katholische Kirche sich weiterentwickeln, sagt er: "Wir sind in einer Wendezeit: Eine Zeit, in der man im Rückblick merkt, dass es so jetzt nicht mehr weitergehen kann, ein Point of no Return."

Der Mann, der 2018 wider Willen zum Sprachrohr einer liberalen Reformbewegung wurde, hält sich selbst gar nicht für besonders progressiv. "Ich sehe mich eher als konservativ", sagt der Jesuit, aber genau das sei der Punkt: "Auch in konservativen Milieus ist nicht mehr verstehbar, warum sich die Kirche in den angesprochenen Punkten nicht weiter auf die Gesellschaft zubewegt."

Als an der katholischen Hochschule Sankt Georgen das Wintersemester begann, war nicht klar, ob Wucherpfennig Rektor bleiben kann: Der Vatikan hatte dem Theologen das "Nihil obstat" verweigert, eine Art Unbedenklichkeits-Bescheinigung für Lehrende. Jemand hatte der Glaubens- und der Bildungskongregation in Rom ein Interview zugespielt, in dem sich Wucherpfennig verständnisvoll über Homosexualität geäußert hat. Der Vatikan forderte einen Widerruf.

"Ich werde nicht lügen, um mein Amt behalten"

Hat er darüber nachgedacht, sich von seinen Äußerungen zu distanzieren? "Zu keinem Augenblick. Nee, wirklich nicht. Ich werde nicht lügen, um mein Amt behalten – und eine Lüge wäre es gewesen." Der Brief aus Rom, die Unsicherheit, "das hat schon an mir gezehrt und gezerrt", berichtet er. "Aber es war für mich auch ein wichtiger Prozess, mir klar zu werden: Stehe ich zu dem, was ich da geäußert habe?" Die Antwort: "Ich kann jetzt noch mehr dazu stehen."

Wer in Rom welche Strippen zog und wieso der Vatikan am Ende doch einlenkte, weiß er bis heute nicht – es ist ihm auch egal, er will nach vorne schauen. Der Rüffel aus Rom hat ihn aber eher ermutigt als entmutigt. Er habe eine "wahnsinnige Welle von Solidarität" erfahren. "Dieser Rückhalt hat mich gestärkt und ermuntert, auf diesem Weg weiterzugehen."

Was ihm missfällt, ist der Umgang der römischen Institutionen mit innerkirchlichen Kritikern: "Es ist schon eine grundsätzliche Schwierigkeit, dass Wahrheitsfragen in der Kirche oft über Machtfragen entschieden werden." Daher würde er sich wünschen, dass der Amtseid für Amtsträger und Lehrende abgeschafft wird. "Das fände ich außerordentlich sinnvoll. Einerseits weil Jesus gesagt hat, ihr sollt nicht schwören. Zum anderen weil, dadurch die Diskussion auf Themen gelenkt werden, die für den Glauben nicht zentral sind." Die Auferstehung Jesu etwa sei zentraler für den Glauben als Fragen der Zulassung zu kirchlichen Ämtern.

Homosexuelle "volle und gleichberechtigte Mitglieder in der Kirche"

Leider sei Homosexualität in der katholischen Kirche "nach wie vor vor ein starkes Tabu, da darf man sich nicht darüber täuschen", sagt Wucherpfennig. "Ein katholischer Reflex ist leicht und schnell homophob." Wucherpfennig engagiert sich hingegen in einer Seelsorge-Initiative für gleichgeschlechtliche Paare. Er will damit "ein großes Willkommenssignal senden", wie er sagt: "Es gibt Schwule und Lesben in der katholischen Kirche, die müssen sich auch nicht rechtfertigen, sondern sie sind volle und gleichberechtigte Mitglieder in der Kirche. Basta."

Nicht alle sehen das so. Kardinal Gerhard Ludwig Müller etwa bezichtigte Wucherpfennig offen der Ketzerei. "Die Position dieses Mannes zur Homosexualität widerspricht dem Wort Gottes", sagte er in einem Interview, sie sei "als häretisch zu qualifizieren", also ketzerisch. Wucherpfennig hat mit Kritik aus der konservativen Ecke "überhaupt keine Schwierigkeiten", behauptet er. "Ich kann das sogar verstehen: Ich habe selbst einen langen Weg zurückgelegt bis zu den Standpunkten, an denen ich mich jetzt wiederfinde."

Vor rund 50 Jahren hat es in der katholischen Kirche eine andere "Wendezeit" gegeben, erinnert sich Wucherpfennig: das Zweite Vatikanische Konzil. Die katholische Kirche öffnete sich für die Welt, ermöglichte den Dialog mit Andersgläubigen. In der nun anstehenden "Wendezeit" müsse die Kirche sich erneut neu ausrichten, "damit sie sich nicht zu weit von den Glaubenden entfernt". Alle 50 Jahre eine Revolution müsse es nicht gerade ein, "aber die Fenster aufreißen und durchlüften wäre doch ganz passend."



#1 stephan
  • 28.12.2018, 10:26h
  • "Es gibt Schwule und Lesben in der katholischen Kirche, die müssen sich auch nicht rechtfertigen, sondern sie sind volle und gleichberechtigte Mitglieder in der Kirche. Basta."

    Zu spät! Als junger Mann war ich - obwohl als Mathematik- und Physikstudent nie unkritisch der Kirche gegenüber - für gut drei Jahre Benediktinermönch und habe bis heute einen langen gedanklichen Lernwege zurückgelegt! Nun will ich nicht mehr Mitglied der Kirche sein! ... Basta!
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#2 Ith__Ehemaliges Profil
  • 28.12.2018, 11:04h
  • Was er halt als Deutscher nicht bedenkt, was eine auf internationalen Machterhalt ausgelegte katholische Kirche aber nunmal berücksichtigen muss: Den größten, extremsten Glauben und Rückhalt bieten der Kirche nunmal Staaten, in denen die Gesellschaft weit entfernt davon ist, dass konservativ zu sein sich mit Akzeptanz vereinbaren ließe.
    Während hierzulande mit mehr und mehr Kirchenaustritten gerechnet werden muss, gibt's da draußen auch noch Staaten, in denen man bis hin zur direkten Beeinflussung politischer Entscheidungen, statt bloß mal einem Propagandaauftritt vor dem Parlament, sehr viel mehr zu sagen hat und eine sehr viel gesichertere Position inne als hier.

    Man kann und muss sich als katholische Kirche nunmal auch die Bindung zu Mitgliedern derjenigen Staaten erhalten, in denen konservativ zu sein bedeutet, Homosexualität bis hin zum Lynchmord zu bestrafen, und das als Tat zu sehen, für die Gotteslohn zusteht, statt als bestrafenswert. Da mag die Gesellschaft in Teilen Europas inzwischen auch im Querschnitt so liberal sein, wie sie will. Ausgerechnet auf das zahlenmäßig schwindende Pferd zu setzen, ist für eine derart machtpolitisch orientierte Organisation schlichtweg undenkbar.

    Und das ist halt mit Buchreligionen grundsätzlich auch so eine Sache, gerade in Zeiten des Internets und der Archäologie. Wenn man in den vergangenen Jahrhunderten mal fand, dass ein Stück Moral im Glauben fehlt, das inzwischen gesellschaftlicher Konsens geworden ist, dann hat man halt mal kreativ ein neues Gleichnis ins Neue Testament eingefügt, das vorher nachweislich nicht dazugehörte - sie die Geschichte mit "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein". Damals war das dann keine Fälschung und keine Manipulation, damals erbrachte der Vergleich seitens der anderen dann sowas wie "ohje, unser Exemplar ist unvollständig!".
    Heute merkt sowas halt jeder, da kann man nicht einfach Jesus eine Homoehe andichten.

    Das mit dem Text als Religionsgrundlage hat ja durchaus etwas für sich, weil ein gewisses Fundament da ist, auf das gebaut werden kann.
    In einer Zeit, in der solcherlei Betrügereien, die Anpassung an neue Zeiten erinnern, nicht mehr möglich sind, und die Welt gleichzeitig derart vernetzt ist, dass auch gar keine Einigkeit darüber aufkommen könnte, wohin eine Entwicklung stattfinden sollte, bleibt einer Buchreligion dann aber eben nichts anderes übrig als inhaltliches Erstarren.
    Solange unsere Welt so vernetzt ist wie heute, so dass diverse afrikanische Staaten, in denen auch Hexenjagden noch zum Standard gehören, mit der Politik zufrieden sein müssen, die der Vatikan in Europa macht, gibt es keine kreativen Ausflüchte. Da muss man halt mit dem leben, was im Laufe der letzten Jahrhunderte fest-geschrieben wurde.
    Und wenn das zu einer Gesellschaft eben nicht mehr passt.. ist es dann auch nicht Sache der Kirche, sich zu verändern.
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#3 stephan
  • 28.12.2018, 11:31h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Nun ja, dann bin ich einmal sehr gespannt, wie es mit RKK weitergeht, wenn das Geld aus Westeuropa und insbesondere aus Deutschland nicht mehr zu reichlich in die aufblühenden Kirchen fließt ... Und insbesondere muss in Deutschland der Geldhahn der Kirche generell zugedreht werden! Die Staatsleistungen an die Kirche abzulösen, ist sogar ein Verfassungsziel, um das sich aber niemand kümmert, vielmehr werden Lobreden auf unser tolles GG gehaltene, das man in Teilen missachtet!
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#4 PierreAnonym
  • 28.12.2018, 11:45h
  • "Ich werde nicht lügen, um mein Amt behalten"

    Lobenswerte Einstellung.

    Allerdings muss ihm auch klar sein, dass er als Mitglied dieser Organisation letztlich auch das Verhalten der ganzen Organisation unterstützt.

    Und die Frage ist, ob er nur einige Fortschritte will oder echte Gleichstellung inkl. Eheöffnung (der kirchlichen Ehe).

    Denn wenn er nur weniger Diskriminierung als die anderen will, aber immer noch einen Rest an Diskriminierung beibehalten will, ist er letztlich auch nicht besser als die anderen.
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#5 panzernashorn
  • 28.12.2018, 12:00h
  • Antwort auf #3 von stephan
  • Keine Sorge, stephan,

    auch wenn überall auf der Welt das Geld ausbliebe (was leider nicht der Fall sein wird), hat die "Kirche" dermaßen horrend viel Vermögen in dem ihr eigenen Egoismus zusammengegaunert in den Jahrhunderten, dass sie davon weitere Jahrtausende mühelos leben können.

    Diese Raffgeier sind natürlich niemals zufrieden und wollen immer mehr - existenziell werden sie es nie mehr brauchen - dazu ist der Topf zu voll.

    Die sprichwörtlichen fast platzenden Geldspeicher des Dagobert aus den MickyMouse-Heftchen sind gar nichts gegen das riesige Kirchenvermögen..............
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#6 FinnAnonym
  • 28.12.2018, 12:09h
  • Zitat 1:
    "Wir sind in einer Wendezeit: Eine Zeit, in der man im Rückblick merkt, dass es so jetzt nicht mehr weitergehen kann, ein Point of no Return."

    Zitat 2:
    "Auch in konservativen Milieus ist nicht mehr verstehbar, warum sich die Kirche in den angesprochenen Punkten nicht weiter auf die Gesellschaft zubewegt."

    Genau das ist mein Problem mit ihm:
    Er mag in vielen Dingen fortschrittlicher sein als die meisten seiner Kollegen. Aber geschieht das wirklich aus tiefster Überzeugung, dass LGBTI gleich sind und die gleiche Wertschätzung verdienen? Oder nur aus der Erkenntnis, dass sich die Diskriminierung nicht mehr aufrechterhalten und gesellschaftlich rechtfertigen lässt (nicht mal mehr in konservativen Milieus) und man deshalb zum Schutz der Organisation einknicken sollte, weil sich die Kirche sonst selbst abschafft?

    Außerdem redet er zwar viel über Wertschätzung, die man LGBTI entgegenbringen solle, aber wirklich radikale Forderungen wie die Öffnung der kirchlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vermeidet auch er.

    Ich will ihm gar nicht mal unterstellen, dass er das ablehnt, aber zumindest von den Aussagen her will auch er nur warme Worte und Toleranz, aber keine echte Akzeptanz, wozu auch volle Gleichstellung (inkl. kirchlicher Ehe) gehört.

    PS:
    Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich will keine kirchliche Ehe und kann auch nicht verstehen, wie andere das wollen können. Aber solange das nicht der Fall ist, bleibt die Kirche halt diskriminierend.
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#7 Homonklin44Profil
  • 28.12.2018, 13:02hTauroa Point
  • Es ist trotz allen freundseligen Gesäusels mancher Knilche immer noch hart zu begreifen, warum manche LGBTIQ* -Personen diesem Verbrecher- und Lügnerverein hinterdrein rennen, und sich von denen irgendeine Form von Absolution oder scheinbar anerkennendes Tätscheln an der Gleichwertigkeits-Zitze erhoffen.

    Da hat man schon das Misstrauen, dass es am Ende nur deshalb passiert, weil immer mehr Heteros LGBTIQ* akzeptieren, und diese RKK sich gezwungen sieht, den sich entfernenden Geldbeuteln hinterher zu kreisen. Wie Geier, wenn eine Hyäne den Kadaver weg zerrt.

    Einmal in deren Pfoten gewesen, traut man nicht mehr. Da kann das Gefasel noch so bemüht aussehen. Hinter den Gemäuern geistert das Flehen der missbrauchten Kinder, und solange keine einzige Frau unter den Kardinälen ist und keine Transperson ein hohes Amt bekleidet, ist der gesamte Rotz vom Akzeptanzgeschwätz einfach nur aufgetragener Tand.

    Och nein, man will gar nicht, dass diese "Kirche" ihren Wendepunkt vollführt, und einem noch im nächsten Jahrhundert am Rockzipfel hängt. Der Wurm des Fortschritts möge sie endlich hinten ausscheißen, auf den Müllplatz der Geschichte furzen - vielleicht ja nach Gehenna, diesem Müllverbrennungsort außerhalb Jerusalem ( nennt sich Hölle), weil's nostalgisch rüber käme. Fahrt nach Gehenna!
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#8 Ith__Ehemaliges Profil
  • 28.12.2018, 13:11h
  • Antwort auf #5 von panzernashorn
  • Ganz falsch ist das Argument aber nicht.

    In Frankreich haben Kirchen sich selbst zu finanzieren, und auf den großen Topf zugreifen dürfen die da nicht, bloß weil ein Gebäude saniert werden müsste, um weiterhin begehbar zu sein, oder weil eine Gemeinde dichtmachen muss, weil sich nicht genügend private Spendengelder aufbringen lassen.

    In der Hinsicht kann man schon sagen, gibt es nicht "die Kirche". Was da aus Deutschland an Geld gesch(r)öpft wird, geht in den Besitz weniger Vermögender über, innerhalb der Kirche. Und sollte Deutschland dieser absolutistischen Parallelgesellschaft den Hahn zudrehen, dürften auch die zurzeit hier so florierenden Unternehmenszweige der Kirche darunter zu leiden haben, denn bloß weil das Geld mal aus Deutschland kam, wird sich die Flussrichtung da nicht plötzlich umkehren.

    Ist ja auch nicht so, dass es keine Leute gäbe, die dagegen protestieren - siehe die verhältnismäßig schlecht vertretenen Gruppen von Atheisten und Agnostikern, die zu Diskussionsrunden über religiösen Verhaltensfragen doch irgendwie seltener eingeladen werden als beispielsweise mal Vertreter von Konkurrenzreligionen. Nur hat unsere letzte verbliebene Volkspartei nunmal nicht ohne Grund ein C am Namen und schon allein deswegen noch nie Interesse daran gehabt, den Teil unserer Verfassung umzusetzen, der die Trennung von Staats- und Religionsangelegenheiten erfordern würde. Das hat dann zwar was von Vetternwirtschaft, aber wenn's um den kindlichen Teil von uns geht, den man schon im frühen Alter fremden Menschen überlassen und verschrieben hat (per Taufe auch häufig schon im frühesten Baby- oder Kindesalter), müssen demokratische Grundprinzipien eben außer Kraft gesetzt werden. Und was die Arbeitnehmerausbeutung betrifft, kommt das am Ende schließlich auch der eigentlichen Religion und der eigentlichen Staatsordnung unserer Gesellschaft zugute: Dem Kapitalismus.
    Persönliche Bindungen pflegen Politiker nicht zum arbeitenden Volk der Wähler, sondern zu Lobbyisten. Das sind die Menschen, denen sie regelmäßig begegnen, und das sind entsprechend auch die Leute, die und auf die man hört.
    Die Kirche ist auch Arbeitsverteiler, bzw. -geber, und in dieser Kategorie einer der am wenigsten dem GG verpflichteten, die wir in Deutschland haben, wegen oben erwähnter Überschreibung der Baby- bzw. Kinderseele, der man sich lieber nicht zu entziehen wagt.

    Konsequenterweise sind selbst die Christentumpolitiker nun lieber bereit, den Muslimen ebenfalls eine Moscheesteuer abzuknöpfen, als dass man mit der Finanzierung von katholischer und evangelischer Kirche mal aufhören würde.
    Mal sehen, ob die nicht-kirchensteuerlichen Staatsgelder in den Islam dann künftig auch auf derart multiplen Wegen fließen. Vorerst bin ich da ja skeptisch.
    Ein liberal ausgelegter Islam ist übrigens in Sachen Homophobie nun wirklich nicht schlimmer als der Katholizismus. Und was konservativ ausgelegte Religionen betrifft, die Nicht-Heteronormatives wirklich gleichberechtigt betrachten würden, fällt mir von Wicca über Scientology und den Kommunismus bis zum Buddhismus leider kein einziges positives Beispiel ein.
    Letztlich war Religion schon immer ein Normierungs- und Kontrollsystem für die Masse, rein vom Konzept her. Einigkeit lässt sich über das Abgrenzen hin zu allem "anderen" viel zu leicht herstellen, als dass man in solcher Funktion auf diesen Mechanismus verzichten würde.

    Wer an eine höhere Macht hinter Katastrophen glaubt, für den ist nunmal ein Unglück auch nicht einfach ein Unglück - wenn hinter jedem Erdbeben eine vermeintlich menschlich-kleinkariert und extrem primitiv tickende Entität steckt, muss die ja auf irgendwen sauer sein. Und ehe sich jetzt die ganze Mehrheit fragen muss, was sie im Leben falsch gemacht haben könnte, sucht man sich eben schnell jemanden, bei dem man sich einigen kann, mit dem Finger drauf zu zeigen, denn das ist allemal besser als auf den Trichter zu kommen... dass man vielleicht einfach den falschen Gott anbetet.
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#9 WolfgangProfil
  • 28.12.2018, 13:52hBielefeld
  • Antwort auf #3 von stephan
  • @Stephan

    Das"Verfassungsziel" er Ablösung von Staatsleistungen an die Kirche wird aus einem einfachen Grunde nicht durchgesetzt:
    Es würden sich horrende summen/Forderungen ergeben. Und das würde die Bevölkerung endlich aufhorchen lassen... Genau Zahlen werden gar nicht beziffert - und zwar aus gutem Grund:
    der Politik würde ebenso wie den Kirchen eine breite Welle der Empörung entgegenschlagen. Den einen, eil sie Unsummen den Kirchen in die Rachen wirft, den anderen, weil sie endlich als das entlarvt würden, was sie sie_ unendlich gierig und über die pekuniäre Macht enorm einflußreich!
    Die Ablösung wäre ein Skandalon sondergleichen und gefährdete gleichzeitig das Ansehen der dann willfährigen Staatsmacht, die 150 Jahre nach dem Kirchenkampf immer noch nach der Pfeife des Klerus tanzt und das Ansehen der Kirche, die nur noch und zurecht als Geldmaschine wahrgenommen würde.
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#10 FaktencheckAnonym
  • 28.12.2018, 15:19h
  • Antwort auf #9 von Wolfgang
  • "Es würden sich horrende summen/ Forderungen ergeben. "

    Das ist durchaus fraglich, denn wie hoch diese Summen sein würden, ist schlicht nicht bekannt und wurde auch nie wirklich errechnet oder auch nur einigermaßen transparent geschätzt. Es gibt aber eben auch nicht den politischen Willen, auch nur mal eine valide Schätzung zu veranlassen.

    Es wird mitunter argumentiert, dass mit den bisherigen Leistungen längst eine ausreichende "Entschädigung" erfolgt sein könnte. Aber das ist umstritten.

    Wenn ich das richtig sehe, gibt es von allen Parteien außer der Union (von der AfD weiß ich es nicht) zumindest Lipenbekenntnisse, die Staatsleistungen an die Kirchen zu prüfen und verfassunggemäß auch irgendwann zu beenden. Das Problem ist, dass außer bei der Linken diesen Lippenbekenntnissen nie konkrete politische Schritte folgen.

    Ich glaube nicht, dass die Geldsummen hier wirklich das Problem sind. Es geht wohl eher darum, die Interessen nichtreligiöser Wähler*innen wieder mal zu ignorieren, um religiöse Wähler*innen bloß nicht zu verprellen.

    hpd.de/artikel/staatsleistungen-an-kirchen-2019-abloesen-152
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